Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 3 (11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
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62 organisatorischer Fragen dargestellt. — Am 21. 10. feierte der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes und Finanzdezernent der Gemeinde. Herr Georg Kareski, semen 50. Gcb.iltsiag — Am 22. 10. feierte der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde, Geheimrat Dr. Julius Stern, seinen 75. Geburtstag. — Hannover. Am 24. 9. beging Landesrabbiner Dr. Freund seinen 60. Geburtstag. — Mainz. Einige Monate nach Vollendung seines 70. Lebensjahres ist am 9. 10. der bekannte jüdische Gelehrte Oscar Lehmann, der besonders auch durch seine Haggaoa-Uebersetzung hervorgetreten ist. gestorben. — Kassel. Bei der am 9..9. stattgesunoenen Wahl der neun Gemeindeältesten siegte mit großer Mehrheit die G e m e i n s ch a f t sliste die sich aus vier Liberalen, drei Volksparteilern, einem Mittelstandöparteiler und einem Gesetzestreuen zusammensetzte. — München. Am 24. 9. verschied der geschäftsführende Schriftführer der Akademie für die Wissenschast des Judentums, Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt, im Alter von 57 Jahren. — Rostock. Die Universität Rostock ernannte den Geheimen Negierungsrat Professor Dr. Nicodem Carv, eine führende Persönlichkeit in der deutschen Stickstoffindustrie, zum Ehrensenator. — Genf. Am 12. 9. wurde durch den Dekan der theologischen Fakultät der Universität Chicago, Professor Matthews, die Präliminarkonferenz zur Vorbereitung eines Weltkongresses der religiösen Kräfte für den Weltfrieden eröffnet. An der Konserenz beteiligten sich 124 Delegierte aus den verschiedensten Ländern, die die elf führenden Religionen der Welt repräsentieren. Das Judentum wurde durch den englischen Chiefrabbi Dr. H e r tz" vertreten. Der Kongreß soll 1930 abgehalten werden und 1000 Mitglieder zählen, wovon 60 auf die jüdische Religion entfallen. Rabbineraustausch. Ebenso wie der Austausch von Hochschulprofessoren und Studenten auf wissenschaftlichem Gebiet und darüber hinaus auf dem Gebiet der gegenseitigen Verständigung vielfach gute Früchte getragen hat, könnte auch von einem gelegentlichen Äust.ausch der an den verschiedenen Gemeinden tätigen Rabbiner in religiöser Hinsicht manches gute Ergebnis erwartet werden. Außerhalb der Feiertage bieten in fast allen Städten des Reichs die liberalen Synagogen und zum Teil auch die der konservativen Richtung durch ihre Leere einen erschreckenden Anblick. In vielen Städten erscheinen^ zur Andacht nur noch einige Greise und neben ihnen einige'Wenige Leidtragende. Alle Mahnrufe seitens unserer Seelsorger verhallen ohne Erfolg. Auch die Modernisierung des Gottesdienstes hat auf die Tauer nicht zu einer nennenswerten Besserung geführte Hier könnte der angeregte Austausch vielleicht eine gewisse Abhilfe bringen. Ten Gemeindemitgliedern würde die Möglichkeit geboten, auch die anderwärts wirkenden Führer- Persönlichkeiten kennen zu lernen, und für manchen würde es eine besondere Freude bedeuten, einen Rabbiner wieder einmal zu hören, in dessen Wirkungskreis er früher als Schüler gelebt hat, oder der ihn als Feldrabbincr betreut hatte. Für die Rabbiner, besonders die in den kleineren Gemeinden, würde aus der Berührung mit einer anderen und größeren Zuhörerschaft ebenfalls eine gewisse Anregung zu erwarten sein. Bei dieser Gelegenheit sei auch die Frage aufgeworfen, warum wir es in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern, noch nicht zu einer religiösen Z-c n t r a l i n st a n z gebracht haben. Vielleicht veranlassen diese Zeilen den Nabbinerverband oder die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände, sich mit der hier gegebenen Anregung zu befassen. ' ' W. M—l. ll. Teilnahme an Hilfsaktionen. Die Tagespresse und die jüdischen Zeitungen berichten ausführlich über eine Versammlung, die am 10. Oktober im „Frankfurter Hof" stattfand, und zu der das.Lokalkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden und das Hilfskomitee der notleidenden osteuropäischen Juden zahlreiche Einladungen hatte ergehen lassen. Gegenstand war eine Hilfsaktion für die infolge der politischen Umwälzungen aus Nußland vertriebenen oder ausgewanderten Juden. Es handelt sich um viele Tausende von Personen, die überwiegend den sozial gehobenen Ständen und freien Berufen, angehören und zum großen Teil früher wohlhabende Leute waren, denen es aber nicht gelingen konnte, sich in Westeuropa eine dauernde Existenz zu schaffen, so daß sie sich nunmehr in bitterer Not befinden. Bisher haben sich diese Kreise in gegenseitiger Hilfe selbst beigestanden, doch sind die Mittel allmählich ausgegangen, und der 1920 gegründete Verband russischer Juden in Deutschland wendet sich nunmehr an feine Glaubensgenossen um Unterstützung. Ueber alle diese Verhältnisse gaben die Redner der erwähnten Veranstaltung, u. a. die Herren Justizrat Dr. Blau, Dr. Felix Kaufmann und vor allem der greise frühere russische Staatsrat Teitel, wahrhaft erschütternde Darlegungen. Was soll man aber dazu sagen, daß diese Veranstaltung von sage und schreibe etwa 3V Personen besucht war. von denen nach Abzug der Einberufer und sonstiger offizieller Persönlichkeiten und der Pressebericbterstatter noch nicht einmal zehn als „Männer ans dem Volk" anzusehen waren. Wo bleibt da der Respekt vor Männern wie Teitel, die sich für ihren Nächsten aufopfern, um dann in Frankfurt nicht einmal ein Dutzend Zuhörer zu finden! A. Z. Über die Wichtigkeit des Thoralernens. (Eingesandt vom Talmud-Thora-Verein.) Jüdische Erziehung ist eine jüdische Religionspflicht, die von den ältesten Zeiten an hochgehalten wurde. Sobald das Kind zu sprechen anfängt, ist es Pflicht des Vaters, mit ihm Thora zu lernen oder wenigstens diese Pslicht durch andere hierzu Berufene ausführen zu lassen. Zu diesem Zweck ist auch in unserer Gemeinde eine Talmud-Thora eingerichtet. Hier werden die Kinder in der hebräischen Sprache unterwiesen, damit ihnen zunächst das Verständnis der Gebete beigebracht wird. Auch die Bibel und namentlich die Thora, der Pentateuch, muß geistiges Eigentum der Jugend werden, was nur durch das Verständnis der Ursprache möglich ist, die durch keine Ueberjetzung ersetzt werden kann. Hiermit erst ist das Kind an den Urquell des Judentums herangeführt. Zu einer vollendeten religiösen Bildung gehört aber neben dem Verständnis der ganzen Bibel auch die Kenntnis der mündlichen Lehre, der Mifchna, des Talmuds, des Schulchan- Aruch usw. In einem alten Gleichnis wird unsere Thora dem Feigenbaum verglichen, der nicht wie die anderen Fruchlbüume auf einmal, sondern nach und nach abgeerntet wird. Ebenso soll unsere heilige Thora nach und nach gelehrt werden. Spielend lerne das Kind die Anfangsgründe, damit es selbst Liebe und Eifer zu weiterem Lernen und Denken bekomme. Daher ruft unsere Talmud-Thora die ganze Jugend herbei, ihre Lehrer machen es sich zur Pslicht, die Schüler mit Liebe zu unterweisen und ihnen die Schönheiten und tiefen Lehren unserer Thora aufzuzeigen, ihnen die Liebe zur Thora und Gottesfurcht so einzuprägen, daß sie nicht nur in den Stunden des Unterrichts davon erfüllt sind, sondern für ihr ganzes Leben gestärkt werden. In unserer Zeit, in der so viel Sorgfalt auf die gewiß nicht zu unterschätzende körperliche Ertüchtigung verwendet wird, ergeht an uns der Ruf: Stählt euren Körper, doch denkt besonders an eure Seele, sorget für euer seelisches Heil, erzieht eine Jugend, die treu und fest einsteht für Gott und sein Gesetz, an der sich das Wort unserer Weisen bewahrheilet: ii^M ''i^ ID^^I ^112 Groß ist das Lernen, dennes führt zum Tun! Rabbiner vona-tb. L VVKQ^K (Z i^sc:»-!/x N!-U-U!VISävI^N k^k>4K4IUKLN slleräri 8ettW/^-L58LMKUl»L t»N7VVäS«5!-stUN(ZLl>I I voi-M atiu5f? 29 ooe?«e. S?«»55k eingsng i^uginslsnet 2 szs /X 5? (D l-, I 1° K 1- KVVai.l'UUQi-i» einseli!. sller Steueru. I-Ivpottieken-Ks gsIung fäCNIV». unct «Vllt-ISkei-i^t» Loe?«k- 57«555L iLingsng l>ugin»Isn«i1 2?e>>. 29 SZS