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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-11-01 · 3 (11.1928) · p. Seite 59

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
3 (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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59 in Gottesfurcht, Fleiß und Gehorsam die Jugend zu geistiger und körperlicher Gesundheit und Kraft erzogen, hier muß ein Pflichtbewußtes Geschlecht herangebildet werden, dessen Ehre die Arbeit, dessen Ruhm die Treue ist, das seinen Stolz darin sieht, dem Vaterlande zu dienen, dessen sittliche Kraft in der Lauterkeit seiner Gesinnung, in der Festigkeit seiner religiösen Ueberzeugung begründet ist. Dazu müssen die Eltern mithelfen." Die Beziehungen von Mensch zu Mensch waren für ihn von höchstem Wert, und er betätigte sie auch als Lehrer und Schuldirektor. Es schien ihm besonders bedeutungsvoll, alle Schüler und Schülerinnen persönlich.kennen zu lernen, und er verwendete einen großen Teil seiner Zeit darauf, sie in den Klassen während des Unterrichts zu beobachten. Viele von ihnen hat er über die Jahre hinaus, in denen ihre Ausbildung abgeschlossen war, beraten und gefördert, und er kannte kaum eine höhere Befriedigung, als wenn er frühere Sorgenkinder später in gesicherter Stellung wiederfinden konnte. In religiöser Beziehung stand er auf liberalem Boden. Cr war ein Besucher der Hauptsynagoge, und von 1868 bis 1906 blieb an keinem Freitagabend oder Sabbat sein Platz in der Synagoge leer, es sei denn, daß er gelegentlich eine andere Synagoge aufsuchte oder daß Krankheit ihn an das Haus fesselte. Unbeschadet seiner liberalen Ueberzeugung hielt er pietätvoll an den von Jugend auf überkommenen Formen fest. Er war überhaupt in jüdischen Dingen nichts weniger als ein Parteimann. Es ist bezeichnend, daß ihn in Berlin innigste Freundschaft mit dem von ihm hochverehrten Rabbiner Michael Sachs und mit dessen Haus verbunden hat und daß er in den Jahren seiner Frankfurter Wirksamkeit keinem der Mitglieder des Frankfurter Rabbinats näherstand als Dr. Marcus Horovitz, daß beide Männer sich immer wieder bis tief in die Nacht hinein stundenlang aussprachen. Bei der Intensität, mit der er an allen Dingen des jüdischen Lebens teilnahm, war es kein Wunder, daß er in Verbindung mit zahlreichen bedeutenden jüdischen Männern seiner Zeit stand. Wie er bei Besuchen in Berlin neben Leopold von Ranke immer auch Leopold Zunz aufzusuchen Pflegte, so kam Wohl auch kaum ein namhafter jüdischer Gelehrter oder Rabbiner aus dem In- und Ausland nach Frankfurt, der nicht mit Baerwald in Gedankenaustausch eingetreten wäre. Mehr als drei Jahrzehnte hindurch hat er es verstanden, bei steter Wahrung seiner eigenen Autorität, mit allen Instanzen, mit Lehrerkollegium, Schulrat und Gemeindevorstand wie mit den staatlichen Aufsichtsbehörden in Harmonie zusammenzuwirken, zum Heile der ihm anvertrauten Anstalt. Die hohe Wertschätzung, die er seinen Mitarbeitern zollte, geht aus manchen Abhandlungen hervor, in denen er ihr Leben und Wirken mit Verständnis und feiner Kenn.nis schildert, so den feinsinnigen Gelehrten Lazarus Geiger (Progr. 1871) und den Religionslehrer Dr. Jakob Auerbach (Progr. 1888), Arbeiten, die uns den vielbeschäftigten Schulmann wieder auch als Geschichtsschreiber zeigen. Nur selten konnte er zu dieser ihm einst so lieben Tätigkeit kommen. Das Programm von 1833 brachte eine Arbeit über den israelitischen Friedhof in Frankfurt a. M. — eine der ersten Abhandlungen über diese ehrwürdige Erinnerungsstätte, und das Programm von 1836 eine Schulrede, die zum Gedächtnis von Moses Mendelsohn bei der Wiederkehr seines 100. Todestags gehalten worden war. Und sie Frankfurter Zeitung brach e zum 70. Geburtstag Rankes eine Würdigung des großen Historikers von seinem dankbaren, treuen Schüler. — Wie er seinen Amtsgenossen gerechte Würdigung und Wertschätzung erwies, so ward auch ihm von diesen alle Achtung und freudige Mitarbeit zuteil. Tie reichen Ehrungen, die ihm beim 25. Amtsjubiläum, bei seinem 70. Geburtstag, bei seinem Abgang von der Schule (1399) und schließlich noch bei der Jahrhundertfeier (1904) erwiesen wurden, legten davon beredtes Zeugnis ab. Hatte er doch auch noch im Ruhestand — ein Ausruhen kannte der Nimmermüde nich: — seine lebendige Teilnahme und frohe Mitwirkung der Schule erhalten; für die Festschrift hat er die Geschichte der Schule von ihrem Beginn bis zu seinem Amtsantritt geschrieben. Und als er nach schwerem Leiden im hohen Alter am 9. Februar 1907 die Augen für immer schloß, gestaltete sich die Trauerfeier zu einer machtvollen Kundgebung der Schule, der Institutionen, der Freunde und Verehrer dieses Mannes, dessen Wirkungskreis weit über seine amtliche Berufst izkeit Hinausgegangen war. Sie stand — im weiten Sinne — im Dienste d?r Humanität. Humanitäre Wirksamkeit. Es ist unmöglich, seine umfangreiche Tätigkeit auf diesem Gebiete hier in aller Vollständigkeit zu würdigen. Daß er in oen wissenschaftlichen Institutionen, wie in den Gesellschaften für die Wissenschaft des Judentums, zur Erforschung jüdischer Kunstoenkmäler und in der „Historischen Kommission für die Geschichte der Juden" (hier mit Männern wie Weizsäcker, Breßlau, Giercke und Ludwig Geiger) mitarbeitete, daß er an den Arbeiten der Alliance Jsraülite Universelle als Mitglied des Central-Comit6s tätigen Anteil nahni, war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Und überall ist er an hervorragender Stelle: Bei der Organisation des Schulwerks und der Hilfstätigkeit der Alliance, bei der großen Aktion für die Glaubensgenossen im Osten, anfangs der 80er und 90er Jahre? zur Abhilfe bei schweren Katastrophen und bei dem Elend der Auswanderung hat er hier in Frankfurt mit anderen die notwendigen Organisa. ionen geschaffen. Zu seinen schönsten Taren zählt jedoch die Gründung, Förderung und Betreuung von Stiftungen für Lehrer und Studenten, für Witwen und Waisen. So verdankt ihm u. a. die Witwen- und Waisenkasse der Schule die Goldschmidtsche Annexstiftung, die zur Unterstützung der Lebrer für Bade- und Erholungsreisen dient; er veranlaßte seinen Freund Rütten zu dem Vermächtnis, das die For bildung von Lehrern und Lehrerinnen fördern soll. Auf seine Einwirkung erfuhr die B. H. Goldschmidtsche Stipendienstiftung die segensvolle Erweiterung, die ihre Wohltat auch auswärtigen jüdischen Philologen, (ZröLles 8pe?iaIIiau8 keiner IMsMes. »r ».«eke-Mieii uaerreicnte^usvsn! in jeöer Preislage Loewenherz gegr.1SSI So-chestrxß-tZ gegr.ISSI

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