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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-09-01 · 1-2 (9.1928) · p. Seite 25

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
1-2 (9.1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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25 Ausgang c>68 Vsrsöliliuligstags. Von lsase den »Is^ucia. ibn (Zist (gsst. 1039) Dsutseli von Ivliokasl Saoks. Ois laubs suc-kt, cla sekon sick neigt eis«' 'sag, Dsn Lokattsn (Zottss ssbnsuebtsvoll am ^bsnci. Lis sonaut kinaus uncl sisn! sonon sonwsigt cisr' "sag, Tis nimmt zum l>lsst clas Qottesbaus am Hbsnci. ^us tistsm Lobmsrz rlsf sis clsn ganz:sn 1°ag : O siÄncl iob auf! Wie langsam senlsiclit cisr^vsnci! Osr Qnacls Strom srgislZ! Lonon tlisnt cls5 1°ag, Oer l_isbs l^UIIs gib uns nsut am ^vsno!! Oss Lienens k?ut, cias sis gSrsiont clsn l'ag, Vernimm! Lis stanci vor Dir von trllb vis ^bsncl. <D nsn srdarmsnci uns! l^ortziskt cisr l'sg. Lonon cisnnsn lang ciis Lonattsn sion am ^vsncl. Vs^LÖklIUNg von ^lisssr Dawici k?ossnilial. (^us clsm l-lsbräisc-bsn.) In dem ganzen, überwiegend von ^uden bewoknten Ltadtcken kerrsckte keierlick ernste Ltimmung. rls war am Vorabend des ^om Kippur, beim Linken des l'ages. I_)m diese Ltunde küklt sick der ^ude wie verwandelt; alle Lorten um die I^ot des Redens, jeder (Zedanke an den Urwerd, jedes werkiäglicke OetUbl weicht und mackt einem eigenartigen Empfinden Platz, das alle Herfen erfüllt und aus Ltolz und Zerknirschung, l'urckt. t^Ioffnung, Freude und Langen gemisckt i8t. Oerl'ag des (Zericktes Stent bevor, aber er ist auch der l'ag 6er Versöhnung. Oott hält an die8em 1"age Musterung über die Renschen und wagt ihre Traten, die guten und die dösen. l?8 ist der l'ag der Entscheidung über lieben und T'od, aber der ^ude siebt ibr mit ^uversickt entgegen, l-iat er dock?ursprecker und Verteidiger die knülle; bat er dock die Opferung Isaaks, eine lan^e keike von Närtvrern und ülärtvrerinnen, die sick kingeopkert Kaken iür Ootte8 lernen, die fürckterlicke Martern erlitten iür ikren Qlauben und die l'koia. Mäkrend die ^.bendsckatten langer wurden und sick über die Landschaft ausbreiteten, rüsteten sicb die ^uden zum Lmpfang des keiligen und erkadensn l'sges. Die einen rannten gus dem l^suckbade nsck t^laus, väkrend Kart und Ltirnlocken ibnen nocn vom Nasser trotten; die anderen eilten?ur LvnsgoAe, um Hlincna ^u beten und inre l'rsckt I^slliutb in LmpkanA?u netimen, >vodurcb die OemütigunA und Terknirsckung ausgedrückt >vird. ändere kamen ernst und langssmen Lckrittes daber, den lallis-Leutel mit den Qedetdücnern unter dem >^rm,?>vei groLe ^Vacbsker^en in der tland, das eine Lickt tür die bebenden, das andere kür die ^dge8cniedenen. I^nd in der Lvnagoge ist der Loden mit t^eu be8treut, dessen kriscber Qerucn den I^sum ertallt. LiniZe öeter flüstern die n^Vidduj", das Lündenbe- Kenntnis mit klagender Ltimme und scblsZen auf ibre krust: .^Vir naben gesündigt! Mr baden gefrevelt", andere sind mit tunstecken der Ucnter in die mit Land gefüllten Kästen descbsktigt. Tin junger IVlann, dem die Lnre Zufiel, bei Mncna vorTubeten, beginnt mit tranenzitternder Stimme die I^eduscka; väkrend binter dem ^Imemor der Lvnagogendiener stekt und den Kiemen scbningt, mit dem er auf die Lcnultern eines vor ikm bingestreckten Cannes leickte Lcniäge niederfallen l3Lt. Oer Qe^ücktigte erbebt sick, dankt und mscbt einem anderen?lat?. ^Ile nekmen die Tücntigung bin, o'nne murren. Logar keb Orojnem, der Vorstener, von dem der Diener das ganze ^akr bindurcb nur Lcnimpfvvorte bekommt, nsbt jet^t gsn? kleinlaut und unterwürfig, um sicb vor dem ^üclitiger 2U beugen, der beute die Oderkand bat und unurnscbränkt waltet. In der Vorballe der Lvnagoge sind Lammelteller auf einem leisen aufgestellt. In der Glitte ein groLer für die Lvnsgoge und ring8um viele k!eins für die verscbiedenen ^Vobltätigkeitsvereine; jeder Vorüdergenende wirft eine gröLere Labe in den groöen l'eller und dedenkt die kleineren mit einigen Kupfermünzen. keiel ^apo kam eilenden Lckritte8, entledigte sick bei den l'ellern de8 mitgebracbten Oeldes, stürmte dann in die Lvnagoge und begann das iVUncnagebet. Lr wollte die8mal andäcbtig beten, ^Vort für >Vort aussprecben und sein tter^ vor Qott ausscbütten. ^der profane Qedanken kamen und verwirrten ibn. IZrsl bei der ^V/idduj" gelang es ibm, sicb?u sammeln. Lr begann langsam, jedes >Vort betonend. Lei dem öekenntnis ^Icb bade geraubt« stockte seine k-land. die?um Lcblag auk die Lrust ausbolte, und Lerei stand wie angenagelt, wie von einem elektrischen Zcklag gerübrt, an allen Oliedern witternd. Die vettern des fatalen Morles sckienen Leden anzunehmen, wucbsen in die I-Iöbe, verschlangen sicb und ^iscbelten ibm in die Owen: „Oied, I?Zuder! Niemand bat Oicb geseben, kein ^lenscii weiü es, aber wir sind beugen, wir werden vor Lottes 1"bron scbreien: ^Ou bast gestoklen und geraubtUnd öerel stand undeweglicb da, die t-land in die l^utt vorgestreckt. Hr besann sicb. Vor ^wei Xlonaten war er zu l?eb ^loiscbe Mecksler ins I^aus gekommen. Niemand war da. Im (Zeldscbrank steckte der Lcblüssel. öerel berührte ibn unwillkürlich; der Lcbrank sprang auk. iVlebrere l^Iunderter-Lcheine lagen da. Einige Ltunden vorher hatte öerel vom Vater des Bräutigams seiner l'ochter einen öriet erhalten, in dem er aufgefordert wurde, die Nitgikt für seine l'ochter aufzubringen und den l^ockzeitstag zu bestimmen, sonst müsse das Verlöbnis aufgehoben werden, „^etzt ist mir geholten!" durchzuckte ibn blitzartig ein Qedanke. Me taumelnd streckte er die r^and aus, und . . . ein l^undertguldensebein blieb ibm sn den Ringern kalten . . . Oer Lcbrank sckloL sick wieder, Lere! schlick von dsnnen. und kein Hlensck hatte von dem ganzen Vorgang eine Innung. ^war konnte er des Besitzes nickt trok werden; er tuklte okter ein ducken und Ltecken an der l^andtläcke, wo die Lanknote gelegen, Lelbstveracktung peinigte ibn. Hder er versucbte sick zu beruhigen. „I^Iot — alte Jungfer — aukgekodenes Verlöbnis" mit diesen ^.usklückten bemükte er sick, die Ltimme des Qewissens zu übertönen, ^der jetzt, da er vor Qott dem Allwissenden stand, seine Lünden beicktete und seine Wandlungen untersuckte, war er sick klar bewulZt, daL alle seine Vorwande nicktig und Kaltlos waren. Lr kam sick vor wie ein Dieb, der sick in anständige Qesellsckaft einge8cklicken. und er las sein Oekeimnis in jedem Llick, der auf ihn fiel. Ünd die Luchstaben der schrecklichen ^Vorte «Ick kabe geraubt" tanzten in jedem Augenblick in anderer Qestalt und in anderer l^arbe vor seinen Lücken. Lald waren sie sckwarz wie die I>lackt. bald feuerrot und brannten und stachen ikm in die ^ugen; bald wurden sie grün wie kroscke und quakten ibm ins Okr.- „vieb, Räuber! Leine I^and war nock immer starr in die l^ult emporgestreckt, und groLe. kalte LckweiiZtropten traten ikm auf die Ltirn. Os erwackte er aus dem Linnen und glaubte zu bemerken, daü aller Lücke auk ikm rukten. Lchnsll vollendete er sein Lebet und eilte pochenden Gerzens nach llaus. Lr nakm nur wenig von der Lpeise zu sick und war bald wieder in der Lvnagoge zwiscken den Letenden, wo er sick in den lallis küllte und das einleitende Lebet vor Kol-I^Iidre zu klüstern begann. Oer rötlicke Lckein der untergekenden Lonne vermisckte sick mit dem Sickte der zakllosen Wachskerzen. Oie Letenden waren in weiLe Lewänder geküllt, ein reumütiger und zerknirsckter ^usdruck lag auk den Qesicktern; von der t^rsuensvnagoge ker drang Kammern und deinen kernieder und fand ein Lcko in öerels wundem Gerzen, rlr stand zusammengeknickt da und betete, seine ^ugen trokken von l'ränen, jedes Mort des Lebetes sckien Lalssm in seine >Vunde zu träufeln. In diesem Augenblick war er derukigt, denn er tuklte, daL jede Lilbe aus einem reuevollen Gerzen kam. ^etzt tue er sukricktig LuLe, und Qott werde jkm sckon verzeiken; ist er ja allbarmkerzig und gnadenreick! „vock darob erbebt mein Nerz am meisten, daL die Lünden gegen den webenmenscken am ^om-Kippur nickt vergeben werden, bis der öetrokkene versöknt ist. Darob bebt mein tterz und meine Olieder zittern, weil auck am T'ag des lodes diese Lünden nickt

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