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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-09-01 · 1-2 (9.1928) · p. Seite 8

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8 Seine Geschichten aus der böhmisch-jüdischen Vergangenheit sind ohne ansehnliche Kunst Mahnungen an das Volk, niemals sich selbst zu vergessen. Menschenfiihrung lag auch Salo m onKohn am Herzen, der noch mehr als Kompert die historische Erzählung kultivierte. Aron Bernstein schrieb zwei kräftige, lebensnahe Erzählungen aus den seelischen Bezirken preußisch-Polnischer Judenheit: „Vögele Maggid" und „Mendele Wbbor", die man noch -heute lesen kann. Karl Emil Franzos hat Galizien für Mitteleuropa entdeckt und sich dabei oftmals an Pathos und sentimentale Bedürfnisse verloren. Ludwig Philippson hielt sich an Zeiten großen kulturellen Aufschwungs, insbesondere an das maurisch-jüdische Spanien. Salomon Hermann Mosenthals „Deborah" war dereinst ein Schauspielschlager, der mit Gutzkows „Uriel Acosta" konkurrierte. Ludwig August Frankl, der österreichische Lyriker, war mehr als ein begabter Epigone und hatte mit einem seiner Gedichte: „Universität" 1348 den Sondererfolg einer Verbreitung in ZW 000 Exemplaren. Im übrigen ist Frankl mehr Lenau verwandt, während der politische Lyriker Moritz Hartmann, auch ein Oesterreicher und 48er, die Linie Herweghs fortsetzt. Emil Kuh unterwarf sich voll und ganz Hebbel uud der Literaturgeschichte. Nach 1370/71 verkleinerte sich der jüdische Zustrom in die deutsche Literatur höchst relativ, und auch das nur iu der ersten Zeit. Politik, soziales Leben, Publizistik schluckten Energien. Karl Marx und Lassalle begannen in das Allgemcinbewußtsein einzudringen. Sie bestätigten-, ohne es zu wollen, den Geist israelitischer Prophetie in Deutschland und in Europa. Dennoch verstärkte sich der reaktionäre Geist nach dem siegreichen Krieg zunächst anch in den Kreisen der jüdischen Professoren, Intellektuellen, Journalisten und Schriftsteller. In einer rückschrittlichen Zeit also fallen Schriftsteller vom Typ Oscar Blume ntha.l auf. Man kennt seine witzigen Schwänke, Satiren und Kritiken: gewissermaßen an jüdisch-berlinische Tradition, an David Kaiisch anknüpfend. Mitunter assoziierte er sich mit Gustav Kadelburg; und vielleicht wird eine künftige Literaturgeschichte in dem milderen Ludwig Fulda einen seiner Erben sehen. Bedeutend war vor und' nach 70/71 der Einfluß jüdischer Publizistik auf die geistige Entwicklung Deutschlands. Als einer der Väter des deutschen Journalismus darf Heinrich Bernhard Oppenheim gelten. Jgnaz Kuranda hatte in Oesterreich als Pressemann und Parlamentarier Einfluß, Leopold Sonnemann, gründete die Frankfurter Zeitung, Julius Rodenberg die Deutsche Rundschau. Neben diesen beiden mustergültigen Herausgebern sei der bekannte Sozialist Eduard Bernstein erwähnt. Max Nordau, der als zionistischer Führer den Blicken des Judentums und der Judenheit nie entschwinden wird, übte in den 80er Jahren durch seine „Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit" aus die deutsche Literatur erheblichen Einfluß. Theodor Herzl gehört in weitaus höherem Maße der Weltgeschichte des Zionismus als der deutschen Literaturgeschichts an. Auf eine andere Art prominent war Fritz Mauthner. Nicht so sehr als Romanzier wie als Parodist, Kritiker, vor allem als philosophischer Schriftsteller: in seiner Sprachkritik und in der Geschichte des Atheismus. Hier, wo IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM Zuvislen » <ZoI«lLclHmuck>5iIdsr in nsiONS»- /^uswanl l^msk-bsiisli sltst- SelimuQksiÜOkS S^^l^W^SIO Literarhistorie die Geschichte der Philosophie streift, seien zwei jüdische Denker vou hoher Schöpferkraft im Abstrakten genannt, Potenzen, die sich au die große rabbinische Tradition hätten anschließen können: Her m a n n Cohen und Georg Sim m e I. Es kann nicht meine Ausgabe sein, hier alle jüdischen Philologen, Historiker, Literaturgeschichtsschreiber und sonstigen Geisteswissenschaftler, die sich der deutschen Sprache bedienten, zu erwähnen. Immerhin seien vermeint: Hermann Stcinthal, Moritz Lazarus, Michael Bernahs, Ludwig Geiger, Gustav Karpeles, Jacob Cars, Martin Philippsohn, Richard M. Meyer, Samuel Lublinski. Die beiden Letztgenannten sind schon Kinder einer anderen Zeit. Eine Stagnation wird überwunden, und neue Talente erscheinen in Menge. Man trennt sich von aller Schablone. Maximilian Horden und Otto Brahm läuten den neuen Tag ein. Arthur Schnitzler ist einer ihrer Romanziers, Erzähler, Dramatiker von feinster psychologischer Beobachtungsgabe. In seinein zionistischen Roman „Der Weg ins Freie" machte Schnitzler den Versuch, eine breitere Öffentlichkeit für die Judensrage zu interessieren. Die neueren jüdischen Schriftsteller schrieben keine schamhaften Phantasien aus dem Ghetto mehr, sondern zur Problematik der Zeit und des Tages. Felix Hollaender (den man bei Lebzeiten vergessen hat) zeichnete das jüdische Milien von Berlin W. („Sturmwind im Westen", „Der Weg des Thomas Truck"). Ein ausschließlich jüdisches Milieu produziert und reproduziert Georg Her m a n n in seiner „Jettchen Gebert". Jacob Wassermann ist ein Meister seelischer Analyse und ein Fanatiker der Wahrheit, an Dostojewski und der großen europäischen Literatur geschult. Seine Romandichtungen unterhalten keineswegs immer Beziehungen zum Judentum: aber ich erinnere hier nur an „Die Juden von Zirndorf" uud an den „Moloch". In die bürgerliche Durchschnittsschriftstellerei glitt eine ursprünglich wesenhafte Begabung wie Georg Hirschfeld ab. LudwigJacobonski begann mit einem sehr bemerkenswerten Buch — „Werther, der"Jude", starb aber jung. Die jüngere deutsche Dichtung und Literatur jüdischer Provenienz kennt Namen wie (sie seien bunt durcheinandergewürfelt) Stefan Zweig, Alfred Kerr, Martin Buber, Alfred Döblin, Siegfried Jacobsohn, S. Friedlaender-Mynona, Emil Bernhard, Else Lasker-Schüler, Constanrin Brunner, Friedrich Gundolf, Arnold Zweig, Franz Wersel, Karl Kraus ... Da ich aber keinen „Semigotha" schreiben will, muß ich aufhören und darf vielleicht aus mein Buch „Das jüdische Element'in der Weltliteratur" (Hamburg 1925) verweisen. Christliche Schriftsteller der deutschen Literatur haben dem Judentum nicht selten ihre Aufmerksamkeit gewidmet. Seit dem 15. Jahrhundert (vgl. meinen Artikel „Die Bibel in der Weltliteratur" im „Jüdischen/Lexikon", Berlin 1927) tauchen in Deutschland zahlreich biblische Dramen auf. Vom Judentum ihrer Zeit sprechen diese Schriftsteller zumeist feindselig: indem sie die jüdische Religion als antiquierten Aberglauben, die Juden aber als minderwertige Menschen darstellen. Eine Ausnahme machen sie natürlich für die von der Kirche kanonisierten Juden und Jüdinnen. Anders denken, fühlen und schreiben Reuchlin und die Humanisten. Reuchlin begeisterte sich für die Kabbala, verteidigte den Talmud gegen Pfefferkorn und die Kölner Domini- >1 <>»»>. Zsnn) lZr. Lscnenneimerstrsüe 5-7-9 7e!ekon Nsll5-l 1269 keine Lutter, Lisr keiner kienennvnig LüLrsnmdutter cler Molkerei >tt«r (Oberkessen) (ZuslitSt unerreicnt. Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll

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