Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 1-2 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Die Juden in der deutschen Literatur. Von Dr. Arthur Sakheim Dramaturg und Regisseur am Schauspielhaus Frankfurt a. M. Tie in Deutschland angesiedelten Juden — in älterer Zeit lebten sie fast ausschließlich westlich der Elbe — haben sich die Sprache ziemlich rasch angeeignet. In der rabbinischen Literatur findet man deutsche Ausdrücke seid dem 11. Jahrhundert. Zu Beginn des dreizehnten Säkulums lebt als Minnesinger der Jude Süßkind von Trimberg, dessen Verse von denen zeitgenössischer Poeten deutscher Zunge sich seltsamerweise kaum unterscheiden. Gelegentlich erwähnt er seine Zugehörigkeit zum Judentum und klagt maßvoll über die Lage der Juden in Deutschland. Süßkind ist jedoch ein recht vereinzelter Fall im älteren deutschen Schrifttum. Die im späten Mittelalter einsetzende jüdisch-deutsche Literatur war allezeit eine spezifisch jüdische Angelegenheit. Volkslieder Zeugen davon, daß sich bereits im 1K. Jahrhundert ein literatursähiges Jndendeutsch herausgebildet hat. Das besondere kulturelle und soziale Leben der jüdischen Nation in Deutschland hat sich erst-" seit dem Humanismus minimal, seit Mendelssohn und der Aufklärung radikal geändert. Vorbereitend wirkte da der Zusammenbruch der mystischen und messianischen Tendenzen, des gewaltigen nationalen Aufschwungs in der Sabbatai Zewi-Epoche. Im übrigen hatte Mendelssohn zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit mit den Schwierigkeiten der deutschen Sprache weidlich zu kämpseu, wurde aber nach Ueberwinduug der Hindernisse ein ausgezeichneter und sehr persönlicher Stilkünstler, dessen Einfluß aus die Entwicklung der deutschen philosophischen und essayistischen Prosa nicht zu verkennen ist. Ephraim Moses Kuh schrieb, als erster jüdischer Dichter des deutschen Rokoko, weltschmerzliche und witzige, empfindsame und amüsante Gedichte. Solomon Maimon kam aus Litauen nach Deutschland und interessierte als Mensch und Philosoph Goethe, Schiller und Kant. Lazarus Beudavid gewann durch philosophische und äschetische Reflexionen die Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang darf man auch der mehr als geistreichen romantischen Literaten SauI Ascher, den Heine charakterisiert, und Korefs, den E. T. A. Hoffmann liebte, gedenken. Die ersten Generationen der Emanzipierten stehen unter dem Eindruck Kants und der romantischen Philosophie, vor allem aber Goethes. Um die Jahrhundertwende bereits geben die jüdischen Salons iu Berlin den Ton in litteii.-? 6t ai-tidu-? an. Nach den sogenannten Freiheitskriegen tritt der Frankfurter Ludwig Börne als Kritiker, Satiriker und volkstümlicher Publizist auf den Plan. Er hatte ohne Zweiel etwas von einem Schriftsteller europäischen Ausmaßes, wie Wohl die Zeit über ihn hinweggeschritten ist. H einrich Heine hat sich als Lyriker, Satiriker, Publizist eiueu allerersten Platz in der deutschen Klassik erobert. Er ist ein deutscher Dichter, wie Wohl in anderem Sinne als Goethe, Hölderlin oder George. Er ist Europäer, Weltbürger und hat doch gern jüdische Themen gewählt. Ungeachtet seines Uebertritts zum Christentum, rissen die-jüdischen Beziehungen nie ab. Ja, man kann sagen, daß erst dieser Erbe Iehuda Halevis und des Jmmannuel Haromi das Judentum in der deutscheil Literatur legitimiert hat. Ein Altersgenosse Heines war der Dramatiker Michael Beer, ein Bruder Meyerbeers. Er ging auf in der Assimilation. Dennoch schuf seiu Drama „Paria", mehr ein Schrei als ein Werk, der jüdischen Befreiung viele Freunde. Weniger Ehre legte das Judentum mit dem Humoristen M. G. Saphir ein, der sich auch taufen ließ. Dorothea Schlegel, Moses Mendelssohns Tochter, war begabt, romantisch, exzentrisch und erotisch. Nach der Julirevolutiou bildete sich in Deutschland eine neue literarische Bewegung, die man das Junge Deutschland nannte. Zu deu geistigen Führeru zählte man Heine und Börne. Die neue Richtung wünschte Deutschlands politische und nationale Einheit, eiue Volksvertretung, politische Freiheit, gründliche soziale Reformen (der eine und andere träumte von sozialer Revolution), Gewissensfreiheit, Beseitigung ererbter Vorurteile. Die Gegner behaupteten, mit dem Jungen Deutschland sei der jüdische Geist in das deutsche Schrifttum eingedrungen: sie meinten damit Paneuropäertum, Kosmopolitismus^ Im übrigen gab es auch jüdische Schriftsteller, denen Heine und das Junge Deutschland nicht paßten. So Gabriel Rießer, Berthold Auerbach. Der Jdealrealist Auerbach brillierte mit den Schwarzwälder Dorfgeschichten, mit Romanen, wie „Auf der Höhe", die einen Hauch verspürt hatten vom Weltbild Spinozas. Manche Romane Berthold Auerbachs sind zugleich Rückblick und Ausschau auf jüdische Geistesgeschichte und Gedankenwelt: so „Dichter und Kaufmann", so .„Spinoza". Auerbach, lange Zeit viel gelesen, war ein Versöhner und Eklektiker. Seine Leser wurden ihm untreu, als die sozialen Kämpfe und der Antisemitismus überhand nahmen. Durch die Menschenart der Judengasse ließ sich Leopold Kompert fesseln. SMe? c/s/- /7S//S vo^eM?'o5e ^M/söef-SiMS/iM WS/)? Fs/ö, m/7 2?e/-//7?tt//- ^?C/?6/?/6/? . . . . a^ss/Ae s/L c^oö/chv/e/- 6.90 7.7S SoetHeFwFe?s Vi7<5 6tw5 6//? H?6M/-ASSM//. Qröütes Spe^ialnaus keiner lMmm ll» «.»eize-MriM unerreicnte^usvsnIZn)eäel'Preislage Loewenherz gegr.issi «»«chefirxblZ gegr.lssi "M »!^ »» » . » LUQ^ SI5l.!Q!V»k!>II>!-»<Opr> (Intisbsr ^riscirioti W. Ssligmsnn) Antiquitäten / Kun8tgkgvn8tänlie / Mgemsläe l-K/^Kk-UKI s. lVI. (Z,-. NirsLligi'Ädsii 3 1°slsfon ^sppslin SS563