Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 1-2 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Gemeinde, der deren Interessen in den städtischen Kollegien wirksam vertrat, und dem Vorsteher des Polizeiamtes der Freien Stadt Frankfurt zu scharfen Auseinandersetzungen kam. Hatte doch das Polizeiamt durch Bescheid vom 3. Februar 1827 die Errichtung von Portalgebäuden zunächst mit der Begründung abgelehnt, daß die aus dem neuen jüdischen Friedhos projektierten Baulichkeiten di^ Einheitlichkeit und Symmetrie der benachbarten städtischen Anlage empfindlich stören würde, ein Vorgang, der sich hundert Jahre später zum Schaden der Gemeinde wiederholen sollte. Vergeblich versuchte der Gemeindevorstand, nachdem durch Verfügung des Polizeiamtes vom ö. September 1827 endlich die Erlaubnis zum Baubeginn erteilt war, die Eröffnung des neuen Friedhofs hinauszuschieben. Er wies in einer Eingabe vom 14. Juni 1828 darauf hin, daß frühestens im Frühjahr 1828 der Baubeginn möglich gewesen sei, daß der Begräbnisplatz noch keine Einfriedigung habe, der Zugangsweg noch nicht hergestellt, in dem rohen Zustand, in dem er sich befinde, bei Regenwetter nicht begehbar sei und daß Dach und Fach fehle und verlangte von der Stadt, die Schließung des alten Friedhofs noch hinauszuschieben. Es verblieb jedoch bei dem Senatsbeschluß vom 24. Juni 1828. In aller Eile wurde daher die Herstellung der Umfassungsmauer uud der zu Beerdiguugszwecken notwendigen Gebäudeteile sowie des nach der Südseite zu gerichteten Portals soweit gefördert, daß die Eröffnung des Friedhofs am 1. Oktober 1828 erfolgen konnte. Die Kosten für Grund und Boden sür die Einfriedigung und für die Einebnung des Geländes beliefen sich auf fl. 31828.23. Anfang Oktober 1828 wurde )en Weisungen des Senatsbeschlusscs entsprechend der neue Friedhos in Benutzung genommen und als e r st e Lei ch e diejenige des 88 Jahre alten, verwitweten Metzgergesellen Jacob Thomas aus Ofsenbach, der hier am 2. Oktober gestorben war, am Freitag, den 3. Oktober 1828 <25. Tischri 589) auf dem Platz für Auswärtige, rechts vom Haupteiugang beerdigt. Dieses Ereignis vollzog sich mit einer gewissen Feierlichkeit, und seiner ist sowohl auf dem Grabstein des Verstorbenen, den ihm die beiden Brülderschaften setzen ließen, als anch dnrch den Eintrag in das Register der Beerdignugsbrüderschast gedacht. Letzterer besagt, daß am Donnerstagabend, den 25. Tischri, der erwähnte Jacob Thomas aus Offenbach verstorben und der erste gewesen ist, der auf dem neuen Friedhof begraben wurde. Es wird erwähut, daß am Beerdigungstag, dem 27. Tischri, die beiden Beerdigungsbvüderschaften sich auf den alten Friedhof begeben haben, um, nachdem sie die dort Ruhenden in feierlicher Weise um ff'ki^vi-lc)^ o^k iiZk/^li'lTc^^ e^^vL /x.v.k^i K5ii_-5ik. Sk?Uf>!VLk?V/Lk?V ^XV^ll-ekUttS^ 132? 1SS7-70 7S90-9S 192A-24 Verzeihung gebeten hatten, die Leiche sür die Beerdigung herzurichten. Alsdann wurde sie vom Sterbehaus bis vor das Portal des neuen Friedhofs gebracht, von den beiden Beerdigungsbrüderschaften auf die Bohre gehoben und in das Portal getragen. Hier wurden alsdann die Psalmen 49 und 95 laut rezitiert und im Anschluß daran erfolgte die Be-evdigung auf dem neuen Friedhof » unter zahlreicher Beteiligung von jung und alt.^) 5) Der hebräische Wortlaut der Aufzeichnung lautet folgendermaßen: NQlil 2s?p' '2 s?7.1 ILO) '"VN .l"2 ^'1 M'5 "NX p"2.1 71"^' .111V.1 NttllX 'O"pN 1WX21 -sX2'O1XQ TNN.1 p"22 V11NV 'X M'2 12P5L? s->WX1,1 .11.1 ''.1 N112N '2.1 O'2>^.1 12".1 ,1112s?.1 OllsZI n'Z,^ l'I.IV 1VX 151.1L 5"l1X iQlil 'N2 >17'l1Q sV'.l p"22 5?"2 IPT^ 2".1P 1p ,1^M 11V2.1 12V2^.11 s'1.1 ^11^ 1p IN' j?"N.1 1XV' -s2"i1X1 V1N.1 NII'ipN.II .l"?c OI1 s?1OO llV'.IN 11Q?Q 1^ ÜIV^ - - .Iv^p N'2v 1,111^' IN' LZ '2j?s1 O'1P2 21 (vgl. Ed. Feist, Gebetordnung für die Parschath-Para-Feier der Gemiluth-Chasodim Chervra, 1897.) Zu Beginn der 50er Jahre ergab sich die Notwendigkeit, den Friedhof zu vergrößern. Ter früher mögliche Ankauf von weiteren drei Morgen städtischen Terrains war an dem geforderten Preis gescheitert. Auch war der Gemeindevorstand der Ansicht, daß die baldige Vollbelegung des Friedhofs durch Hinzunahme dieses Terrains nur um wenige Jahre werde hinauszuschieben sein. Im April 1857 erfolgten Anträge der Kultussektion des Vorstands auf Erwerb benachbarter Aecker zur Friedhofserweiterung, da die Gräber mehr und mehr an die Südseite, die heutige Rat Beil-Straße, heranrückten. Nach den damaligen Ueberschlägen konnte der Friedhof noch für etwa 10—12 Jahre ausreichen. Man schritt sofort zu Verhandlungen zuerst mit den städtischen Behörden, die infolge untragbarer Berkailfsbsdingungen scheiterten, dann ini Juni 1858 mit dem Freiherrn Anselm. Salomon v. Rothschild, die nach zehnjähriger Dauer am 22. April 1368 im Tausch gegen andere dort belegene Ackerparzellen zur. Uebereignung der Grundstücke Gewann 6 Nr. 110 und III an die Gemeinde führten. Zur Abrundung des gesamten Areals schenkte im gleichen Jahr Anselm Salomon v. Rothschild der Gemeinde außerdem die kleinere Parzelle Gewann 6 Nr. 108o. Die im Jahre 1861 begonnenen Verhandlungen mit dem Hospital