Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 1-2 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 schaffen, denn es hat keine objektiven, draußen existierenden Gründe, die sich beseitigen lassen. Die Gründe existieren drinnen: in der Seele jener beiden, ihren Sohn und Bruder eifersüchtig liebenden Frauen. Es ist grundloser Haß, er entspringt diesmal sogar aus Liebe. So manchem braven Mann, so mancher edlen feinen Frau hat er schon das Leben gebrochen. Da der Neid, wie wir gesehen, nur der Ausfluß und Ausdruck des Selbsterhaltungstriebes ist, so ist es wohl die meistverbreitete Untugend der Menschen jeglicher Art und jeglicher Stufe. Die jüdische Tradition kennt nur Moses allein, der frei von Neid war. Still, ganz tief unter der Schwelle des Bewußtseins kauernd, begleitet der Neid sogar unsere aufrichtige Bewunderung und unseren Genuß hervorragender Leistungen großer Menschen, zumal wenn sie noch am Leben sind. Man spricht vom Neid der Besitzlosen. Dieser hat wenigstens das versöhnende Element des Wetteifers an sich. Aber es gibt einen Neid der Besitzende n, der viel häßlicher ist, weil er aus Mißgunst besteht und das Element des Wetteifers nicht enthält, zugleich gefährlicher, weil er sich gegen die Besitzlosen richtet, die im Begriffe sind, etwas zu erwerben, ihre Kraft lähmt und sie am Aufstieg hindert. Das wenige, das sie haben, sieht er durch ein riesiges Vergrößerungsglas an, und es bangt ihm, daß sie in Zukunft noch mehr besitzen, es den Besitzenden gleichtun, oder sie etw.is noch überflügeln könnten. (Von dieser Art ist der Neid der Antisemiten auf die Gleichberechtigung der Juden). Die bewunderten und sogar die geliebten Helden des Volkes entgehen dem unterbewußten Neid eben dieses Volkes nicht, und der Neid hält sich für die dem Helden gezollte Bewunderung schadlos, indem er unter der Hand ihnen etwas am Zeuge flickt, hämische Geschichten ihnen andichtet, die bei aller Harmlosigkeit immerhin den Helden ein wenig vom Piedestal herabziehen und ihn von einer menschlichen, wenn nicht gar untermenschlichen Seite zeigen. Alle Helden haben bei Lebzeiten eine doppelte Legende gehabt, neben der leuchtenden ging die dunkle einher. Vor dem Neid kann nur die Liebe retten, sagt Goethe. Damit der Neid nicht zur Mißgunst werde oder gar in Haß ausarte, uns nicht den Genuß wertvoller Schöpfungen verleide, oder gar uns verleite, ihrem Zustandekommen mit scheelen Augen zuzuschauen und ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, müssen wir uns mit Liebe zu unserem Nächsten und seiner Arbeit wappnen, müssen uns mit ihnen identifizieren, uns vergegenwärtigen, daß sie nur ein Teil der Weltschönheit und des Weltreichtums ausmachen, die uns gleichfalls gehören, an denen alle, schaffend oder genießend, mitarbeiten, und die daher alle, jeder von seinem Platze aus, lieben müssen. In diesem Gefühl ist Demut und Entsagung, es kostet Überwindung, sich dazu hindurchzuarbeiten, aber es ist darin auch Befreiung und Erhöhung. Der Jude betet: „Möge kein Neid auf irgend einen Menschen in mein Herz steigen, noch möge in irgend eines Menschen Herz der Neid auf mich steigen! „Er weiß, auch der Neid ist ein Gefühl, das nur durch Autosuggestion bezwungen werden kann. Ebenso verhält es sich mit dem grundlosen Haß, der nur zu oft aus dem Neid geboren wird, und der der stärkste, der echteste, am schwersten zu überwindende ist. Wir heutigen würden sagen: der „platonische" der „uneigennützige" Haß. Und gleichsam als Gegenstück zum grundlosen Haß kennt die altjüdische Weisheit die grundlose Liebe; ebenso wie dengrundlosen Haß hält sie auch die grundlose Liebe für die stärkste, die unüberwindlichste. Die Liebe, „die von keinem äußern Ding abhängt," ist nach der Mischna die Freundschaft zwischen zwei geistig und sittlich hochstehenden Männern, die nehmend und gebend einander bereichern, und die daher mit zunehmenden Jahren immer nur wachsen kann. Als Beispiel dafür stellt die Mischna die Lebensfreundschaft zwischen David und Jonathan hin. Oer Gemeindefriedhof an der Rai Beilstraße. Von Dürodirektor L. Meyer. Im Oktober dieses Jahres werden zugleich'mit der Eröffnung des Friedhofs an der Rat-Beil-Straße hundert Jahre vergangen fein, daß der alte Jtchenfriedhof am Börneplatz auf halbes Jahrtausend Äi/ Toten der Frankfurter Israelitischen bsschluß vom Jahre 1822, derallgemein die Verlegung der Begräbnisplätze auf das sogenannte Friedberger Feld anordnete, dert. In seinem Antwortschreiben Äom 9. April 1322 beMerte Verlegung unter dem Vorbehalt bei, daß der Grund und Boden nunmehr zu schließende Friedhof ihr Eigentum bleibe. Nach — war man endlich so weit gekommen, daß ^am 27.^ August 1827 der Kaufvertrag über neun Morgen für den neuen Friedhof acht Morgen^ eine Rute für das eigentliche'Begräbnisfeld und umfassenden Mauer verwendet werden sollten. Durch Senatsneu^n Friedhofs auf den 1. Oktober des gleichen Jahre? festgesetzt Ihm, dem Senatskommissar der Frankfurter ^Israelitischen