Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 12 (8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3094266-3094324-3094335--1482-3096209- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
374 Zur Ertüchtigung der Jugend hat der Reichsbund sich eine Sportgruppe angeschlossen, auch dies unter Wahrung der unbedingtesten Neutralität, die mehrere hundert Mitglieder umfaßt und in sportlicher Beziehung, trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens, gute Erfolge erzielt hat. Achtung gegenüber den. Toten und Anerkennung gegenüber den Lebenden ist d:e Parole, unter der der NIF. kämpft. Zwölftausend deutsche jüdische Kameraden liegen in Flandern und in Polen, in Italien und an allen Stellen, wo sonst das Völkerringen tobte. Sie sind in demselben Schützengraben, in derselben Batteriestellung, auf demselben Melderitt gefallen, im Luftkanchf, auf der See, wie die nichtzüdischen Kameraden. Draußen hat weder der Kamerad, noch die französische Kugel gefragt, welch' Bekenntnisses einer sei! Erst die Propaganda einer Reihe von völkischen Heuern hat, so wenig wie vor den jüdischen Friedhöfen, vor'den jüdischen Gefallenen haltgemacht. Wir Lebenden sind dazu da, um neben der eigenen Ehre auch die Ehre derjenigen zu schützen, die der Tod wehrlos gemacht hat. In diesem Abwehrkampf um die beste Sache können wir auf keinen einzelnen der Kameraden verzichten. Der NIF. bedarf aber auch' der moralischen und wirtschaftlichen Unterstützung aller Teile der jüdisck)en Gesamtheit, um deren Gleichberechtigung er kämpft, damit wenigstens der nächsten Generation die volle staatsbürgerliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichberechtigung in einem besseren und glücklicheren deutschen Vaterlande von allen zuerkannt werde! (Briefanschrift des Landesverbandes Südwestdeutschland und der Ortsgruppe Frankfurt a. M.: Siegfried Vogel, Kronprinzenstraße 45, Frankfurt a. M., Telephon Taunus 1946.) Jüdische Jugend und jüdische Wirklichkeit. Zum Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Zugendvereine Deutschlands in Dresden, Pfingsten 1928. Von Jakob Jacobs. Wenn heute, nach dem Zusammenbruch der jüdischen Jugend-, bewegung, von der allzuviel für die Erneuerung der jüdischen Gesellschaft erhofft wurde, der Weg, den die organisierte jüdische Jugend gehen will, von der zwar mit Interesse, aber immer nur beobachtenden Judenheit mit Skepsis betrachtet wird, so ist dies ebenso wenig erstaunlich als vom Standpunkt denkender Jugend abzulehnen, die Erfahrungen an dör Jugendbewegung sind noch nach Jahren so enttäuschend, daß ein bedingungsloses Mitgehen nicht verlangt werden kann. Aber wenn die Vertreter von 12 000 organisierten, jungen Juden zu einer Arbeitstagung zusammenkommen, die den Weg in die Wirklichkeit, unsere Wirklichkeit, die jüdische Wirklichkeit, zur Devise hat, so verlangt dies zumindest ein Aufhorchen, nein mehr, dies verlangt die ungeteilte Aufmerksamkeit aller, die am Bau des Judentums arbeiten und eine jüdische Wirklichkeit in der Zukunft wünschen und ersehnen. Es soll hier nicht untersucht werden, an welchen Krankheitskeimen die Jugendbewegung zugrunde gegangen ist, und welcher der vielen diagnostizierenden Aerzte die richtige Todesursache festgestellt hat. Aber, daß der Verband der jüdischen Jugendvereine die Krise aller geistigen Bewegungen, von der auch er angegriffen war, so überstehen konnte, daß er Pfingsten 1928 auf seiner 7. Delegiertentagung in Dresden, jugendfrisch und stark, sich die große Aufgabe des Weges zur Wirklichkeit zu stellen wagte, zeigt die Richtigkeit der ideologischen Grundlagen seiner Erziehungsarbeit. Dr. Max Wiener- Berlin besprach meisterhaft in der Form ,^>ie Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit", den Weg „die Arbeit in den Bünden" und ,M Arbeit der Jugend in der Gemeinde" legten Herbert Felsenthal und Dr. Herzfeld dar. Lebhaste, Positive Kritik war das Kennzeichen der Generalaussprache. Ein Referat des neu gewählten Vorsitzenden Dr. Hahn-Essen: „Jüdische Jugend im Welt-Jugendbund" schloß den öffentlichen Teil der von Musik und Sprechchor umrahmten Tagung. Klar, wenn auch nicht allzu scharf umrissen, ist das in Erscheinung getreten, was eigentlich die jüdische Wirklichkeit ist, auf deren Weg man sich begeben will, wie der Hafen ist in dem man Anker wirft; aber wenn früher Gefühle die Dinge waren, um die man rang, wenn man in jugendlichem Ueber-Tatendrang gleich zum Absoluten vordringen wollte, so bot erstaunlich sachlich die einzige Realität jüdischen Lebens in Deutschland die Gemeinde, das Ziel, das es zu erobern gilt. Realität ist die jüdische Gemeinde, aber keine Wirklichkeit. Sie ist Organisation, aber kein Organismus. Betrieb, aber kein Leben. Mit Gesetzen ausgestattet, aber ohne Gesetzlichkeit. Resolutionen demonstrieren nach außen das, was fürs erste die Jugend an der Verfassung der Gemeinde geändert sehen will, um die legale Möglichkeit zu haben an der Lösung der Gemeindefragen mitzuwirken: Herabsetzung des Wahlalters, Frauenwahlrecht und Verschwinden der Karenzzeit. Im Gegensatz zu den Bünden der Jugendbewegung, die ein mehr oder weniger esoterisches Dasein fristeten, ist der Verband der jüdischen Jugendvereine bewußt eine Massenorganisation, mit allen Fehlern und allen Vorzügen, die die Arbeit geistiger, persönlichkeitsbildender Beeinflussung der trägen Masse junger Inden notwendig und möglich macht. Auf dem Boden umfassender Neutralität ist er eine Erziehungsgemeinschaft; in gesamtjüdischem Denken und Wollen ermöglicht er entschiedenen Menschen die Pflege und Fortentwickelung gesamtjüöischer Gesinnung, nennen Sie es Klal, nennen Sie es jüdisch schlechthin. So wächst diese Jugend, an allen anderen Dingen der Zeit und der Ewigkeit teilhabend, gerade und aus eigner Bestimmung hinein in die mit neuem Leben zu erfüllende jüdische Gemeinde, die über kurzem ihre Gemeinde sein wird und schafft das Organ jüdischen Lebens der Zukunft. Philanthropin. Der Bericht über das 124. Schuljahr 1927/28 gibt auf 83 Seiten ein anschauliches Bild vom Stand des Schulwerks der Israelitischen Gemeinde. Das Reformrealgymnasium ist nunmehr durch Ministerialerlaß vom 21. Mai 1928 als Vollanstalt anerkannt. Die Uebersicht üoer die Schulgeschichtc, des abgelaufenen Jahres berichtet über eine Reihe von Studienfahrten, Schulfeiern und sportlichen Veranstaltungen. Die Besuchsziffern des Reformrealgymnasiums zeigen bei Beginn des Schuljahres 1927 einen Bestand von 222 Schülern uud bei Beginn des neuen Schuljahres 1^0, wobei unter den 36 Schülern der drei obersten Klassen sich 12 Schülerinnen befinden. Das Durchschnittsalter war in der Sexta 11,54, in der Oberprima 19,46 Jahre. Anfang 1923 waren 227 Schüler vorhanden, darunter 222 jüdische, 3 evangelische und 2 freireligiöse; die deutsche Reichsangehörigkeit besaßen hiervon 186, in Frankfurt beheimatet waren 192. Die erste Reiseprüfung wurde am 20. und 21. März 1928 abgehalten, sämtliche 12 Abiturienten erhielten das Reisezeugnis. — Das Lyzeum wurde zu Beginn des Schuljahres 1927 von 208 Schülerinnen besucht, zu Beginn des neuen Schuljahres von 209. Das Durchschnittsalter betrug nach dem Stand vom 1. Februar 1928 in der Sexta 11,14, in der Untersekunda 16,52 Jahre. Von 229 Schülerinnen waren anfangs 1923 225 jüdisch, 3 evangelisch, 1 sabbatianisch; 185 besaßen die deutsche Reichsangehörigkeit, 204 waren in Frankfurt beheimatet. Das Schlußzeugnis des Lyzeums erhielten 19 Schülerinnen. Die Frauenschule des Philanthropins wurde in dem Schuljahr 1927/23 von 20 Schülerinnen besucht, 18 erhielten das Schlußzeugnis. Die Volksschule beim Philanthropin wurde in dem Schuljahr 1927/28 vaninsgesamt 339 Schülern besucht. — Ein Bericht der Jugendleiterin gibt ein anschauliches Bild von der Arbeit im Kindergarten. Der sehr ausführliche und mit einigen Bildern versehene Bericht enthält im übrigen die üblichen Angaben über den Unterricht, darunter sämtliche Themen des Gesamtunterrichts, den Lehrkörper, die Schülerselöstverwaltung, den Elternbeirat und die Schulstrftungen. Xvnßvn Koks Vrik««i5 V««k«nke!m«? ^snelstesks IS > XvnIIvnnsn«>slsgv»v»»ensßt in. v.«. Lps-SsMSt - lo kuk»««kenkol«s ». Xvnt?s»»sZ»ung«n »lainzsu Zsmmelnuinms?