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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-08-01 · 12 (8.1928) · p. Seite 370

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
12 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
Seite 370 (sequence 2)
Language
German
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äußerste entgegen, weil die Morgenländer durch keine Götzen so gereizt wurden, als durch den König und die Königin des Himmels und sehr ihr Herz an ihnen hing. Diese Poesie ging deshalb geradezu darauf aus, Sonne und Mond zu Knechten Gotttes zu machen und also Glanz und Wahrheit, Richtigkeit und Schönheit auch hier zu verbinden. Gott sprach: Zwei große Lichter sollen am Himmel sein zu Königen der Zeiten. Er setzte sie hin an diese große Feste zu Königen der Zeiten! Dabei verlieren sie nichts von ihrer Naturpracht und Größe. Aber die Natur bleibt die Dienerin Gottes. Die Sonne und der Mond und die lichten Sterne sind seine Trabanten. Jede Poesie, die die Natur der Dinge so hoch zusammenfaßt, die alles in Harmonie vereint und Gott als den großen Hirten des Himmels vorstellt, der die Sterne als seine Schafe kennt und hervorruft (Pf. 147^), der den Orion gürtet und die Nachtwandlerin über den Verlust ihrer Kinder tröstet, der das schwesterliche Band des Siebengestirns band und seine geheimen Schätze im Süden verhüllt hat, eine solche Poesie ist die Tochter Himmels und der Erde. Eine solche Poesie muß auch in den Herzen Zutrauen erwecken zu dem Vater, dem Himmelsvater, der gewiß auch die Seele des Menschen aus Dämmerung zu lichten Höhen emporhebt, weshalb der Uebergang aus der Naturschilderung kein unvermittelter ist, wenn der Dichter gleich anhebt: (Ps. 19) Die Lehre Gottes ist lauter, erquickt die Seele. In der Seele des Menschen verknüpft der Vater der Sterne Himmel und Erde. Humboldt hat von hier aus Recht: der Mensch ist der Mikrokosmos innerhalb des Makrokosmos! Was wollen dieser Auffassung gegenüber alle Mythologien der' Völker? Was Hilsts mir, sagt Herder, wenn die nordische Edda vom Riesen redet, und daß die Erde aus seinem Gebein, die Ströme aus seinem Blute entstanden: Gesang der Brutalität, aus dem nichts wie Neigung, Wille zur Brutalität geboren wurde! Poesie vereinige Schönheit mit Wahrheit und belebe beide durch teilnehmende Empfindung. Und diese Bedingung erfüllt die Poesie der Bibel. Welche Empfindung lebt hier für Alles: für Pflanzen, für Blumen und Tiere, weil alles vom Odem des Einen Gottes durchweht, weil der alles umfassende Gott auch ihr Vater ist, der seinen Segeil in sie hineingelegt, daß jedes nach seiner Art sich fortpflanze. — Und Gott sprach: Die Erde lasse junges Gras sprossen, samentragende Pflanzen und Fruchtbäume, welche je nach ihrer Art Früchte auf Erden erzeugen, in denen sich Samen befindet. Und es geschah so. Die Erde ließ junges Grün aufgehen, samentragende Pflanzen, je nach ihrer Art und Bäume, welche Früchte trugen. Vater der ^Pflanzen ist der einzige Gott, der sie mit Regen erquickt, mit seinem Frühlingsodem neu belebt. Aber ebenso erhört er den jungen häßlichen Raben und wird der Gemse Hausvater, der die Zeit ihrer Schwangerschaft bemerkt und in ihrer einsamen, schweren Geburt ihr hilft. Er lebt mit jedem Tier in seinem Kreise, fühlt seine Not, erfüllt seine Wünsche, weil Er allen ihre Natur gegeben. Der nach Raub brüllende Löwe, der frei schwebende Adler sind seine Geschöpfe, der Waldesel lebt auf Seiner Weide und Sein ist das Reich der Tiere in des Meeres Fluten. Kurz die Natur ist voll Seiner Güte (Ps. 104). „Schön ist Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht, das den großen Gedanken Deiner Schöpfung noch einmal denkt". Wie ist dieser Gedanke der Ode Klopstocks schöner und inniger ausgesprochen in dem tz. Psalm. Herrlich und gotterfüllt ist die Schönheit der Schöpfung, aber was wäre sie, würde nicht die dem Menschen verliehene Gottähnlichkeit, würde nicht das Bewußtsein, wie es im Menschenauge erstrahlt alles Wissen und alle Bewunderung dieser Schönheit widerstrahlen. Ist dieser Psalm nicht das Hohelied Gottes, des Menschen und der ihn umgebenden Natur zugleich: das Lied des Kosmos! von der Allverbundenheit und Alliebe der Wesen. Das ist der Geist, der die Naturpoesie der Bibel durchzieht. Vom Schönheitssinn im Judentum. Von Bez.-Rabbiner Dr. Beermann-Heilbronn. Wer das Wort aus den Vätersprüchen im Sinn hat: „Wer sein Thorastudium unterbricht -und ruft: Wie schön ist dieser Baum, wie herrlich ist dieses Feld, verschuldet sich gleichsam an seiner Seele," könnte meinen, daß im Talmud der S^nn für das Schöne in der Welt verloren gegangen oder verkümmert ist. Allein davor hat schon die Versenkung in die heilige Schrift die Männer des Talmuds geschützt. In der Bibel, deren Geist im Talmud in neuer Ausprägung zu Worte kommt, waltet so viel Freude ander Sckönheit, daß Wünsche in einem bekannten Buche „Die Schönheit der Bibel^ nicht nur aufzeigen konnte, wie stark alles Schöne in Natur und Kunst die schöpferischen Persönlichkeiten der Schrift beeindruckt hat, sondern wie mächtig sich auch der Sinn für edle und formschöne Darstellung in den biblischen Schriften ausprägt. Das Wohlgefallen, mit dem das Auge des Hebräers auf seiner schönen Heimat ruhte,^das Weitsche Behagen an die^ strahlende S^ Welt erlebten, das mußte ms für einen ästhetischen Genuß der weltlichen Schönheitsaüter lebendig halten. Die wohlwollende Anteilnahme am künstlerischen Schaffen, welche die biblischen Berichte vom Bau des Tempels und seiner ^Geräte atmen, wieder ^st vom Psalm^104, w dem deutlichen Spuren auch im rabbinischen Schrifttum zurückgelassen. Als Gott seine Welt schuf, da blickte er auf die Thora, und ihr gemäß schuf er die Welt. Woraus aber war die Thora erschaffen? Aus dem schönheitsstrahlenden Lichtgewand, darin der Maße SckMheit strömten in die Welt hernieder, neun A?aß5 davon gewann das heilige Land, so heißt es im Talmud. Den Natursinn selbst und den dankbaren Genuß der Schönheit im Kosmos haben die Weisen dadurch vor Verfall geschützt, daß sie die erhabenen Naturerscheinungen in bestimmten Seaensformen widerhallen ließen. Der Anblick des Meeres und Gebirges, die Erhabenheit des Gewitters, die ersten Frühlingsblüten an Baum und Strauch, das alles fand liebende Würdigung in der frommen Sitte. Aber auch der religiöse Brauch selbst sollte in ansprechender, schöner Form geübt werde^. Zu dem Vers: „Dies is^ mein Cwtt,^ ich will^hm digung Gottes ^mit dem Feststrauß und mit der Laubhütte auf schone Weise! Und wenn man einst am Hüttenfeste in feierlicher Prozession den Opferaltar de^ Tenchels umschritt, ^ana. nmn da- Äuch menschliche Schön'heit wußte man zu'schätzen. Besonders für ein schönes, seelenvolles Auge war man empfänglich. Die Schönheit der Braut Pries man m mannigfachen Wendungen. Kosmetische Mittel und zweckentsprechende ^Ernährung, frommen Rabbi Jsmael wird der Ausspruch überliefert: „Die Töchter Israels sind schön, nur die Armut entstellt sie^ Beim sin^ deine Werke, ^wiger^ ^ein^ einer ^chonen^^rau wird^ glücklich gepriesen. Trotzdem^ biblische Trüglichkeit der Anmut'und vor der Vergänglichkeit der Schönheit warnen. Daß die Schönheit ihre Gefahren hat und zur Verflachung ^ührt^ d^m kann sich auch der Talmud nicht verschließen. AI^ stellung ^u bringen^ mach te er s^darauf ^aufmerksam, ^daß V^in weniger schon, so^wären^sie noch Weiser. '

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