Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 12 (8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3094266-3094324-3094335--1477-3096204- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Emden 1× ep/1044505
OCR text
Wemeindeblatt devSsvaeMifche« Gemeinde Svanskttvi a.Sttaw Blat?unentgeltlich. Bezugspreis stir Nttt^Ü^OVÄtIK^lA^V Nonpare!llezeile^40 Pfg., ^im Text Nichtrnitglieder 40 Pfg. fttr die BSvGeMeittdeVeVtvaltttttS ""^°"^k^ letzt-n Seite bv Pfg. Nummer. Anstellung durch die Post. Anz^S^ .^^^^ 6.)ahrg. Krankfutta.M., August 1928. Ar. 12 Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen...................275 Dr. Beermann, Vom Schönheitssinn im Judentum.....370 Emden, Krantfurt,?orolingische-Königtum, jüdisch-biblischer Seist 371 Lichtenfels Die gottesdienfiliche Versorgung der Jüdischen Gemeinde Berlin..................371 Kann, Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten . ^.....373 Aus den Gemeinden..................376 Anstalten und Vereine, Versammlungskalender..... 377—382 Gottesdienstllcher Anzeiger................383 Veränderungen im Personenstand.............382 Vie Gemeindemitgliedec werden gebeten, die in dieser Rümmer enthaltene Bekanntmachung betr. Synagogenplätze zu beachten. Oer Kosmos/ die Lehre unserer Bibel. Von Dr. B. May. Es ist kaum zu sagen, was für Schätze der Erkenntnis und Moralität des Menschengeschlechts am Begriff der „Einheit" sich entwickelten. Er wandte vom Aberglauben, mithin auch von Abgötterei, Lastern, Scheusalen privilegierter, göttlicher Unordnung weg. Er gewöhnte daran, überall Einheit des Zweckes der Dinge, mithin allmählich Naturgesetze der Weisheit, Liebe, Güte zu bemerken; also auch m jedes Mannigfaltige Einheit, in die Unordnung, Ordnung, ins Dunkel Licht zu bringen. Erst durch die Vorstellung eines Schöpfers wurde das Weltall zu einem Kosmos. Die Bibel goß den ersten, schönen Lichtstrahl der Einheit und Ordnung ins Chaos der Weltschöpfung. Und wodurch trug sie am meisten zur Erfassung dieser Ordnung bei? Durch einen vielumfassenden, aber leicht Zu erfassenden Parallelismus: Himmel und Erde. Das Schöpfungsbild ist ganz danach eingeteilt. Wenn der Himmel erhöht ist, wird die Erde geziert. Der Parallelismus geht nachher durch alle Gesänge, die sich auf das Bild von der Schöpfung gründen, durch die Psalmen, wo die ganze Natur aufgerufen wird, den Schöpfer zu preisen, durch die Reden Mösts und der Propheten. Sie gibt dieser Poesie die erhabene Gewalt und Einfachheit. Was gewann das Denken durch diesen Parallelismus? Es ward auf den Weg geführt, das Unendliche und Endliche zu vergleichen; das Unermeßliche und das Nichts zu paaren. Alles Schöne, Große, Erhabene ist himmlisch, das Niedrige, Schwache, Kleine bleibt am Staube der Erde.. Oben glänzen die ewigen Sterne, da fließt der reine Himmel; hienieden ist alles Wandelbarkeit, Erdenform, Staub, Verwesung. Je mehr die menschliche Seele beides verband und in einen Blick zu bringen lernte, — desto mehr ward ihr Blick groß, richtig, weise und ihr Ausdruck optimistisch. Die Erde wird des Himmels Braut und auch im Bau des Menschen vereinen sich Himmel und Erde. Aus dieser ist sein Leib, von jenem weht sein lebendiger Atem. Wie das Staubkorn, auf dem wir wandeln vom Himmel umgeben ist, so schwimmtunsere engeSichtbarkeitimunermeßlichen Ewigen, voll Glanzes, voll Kräfte und Reinheit. Und wahrlich, die Poesie ist groß, die uns im großen Anblick dessen, was wir sind, und nicht sind, des Hohen und Niedrigen, der Schwachheit und Stärke festhält. Sie wäre trügerisch und täuschend, wenn sie uns nur ein Glied dieses Verhältnisses .gäbe und das andere verstümmelte und verschwiege. Alles Erhabene will etwas Unendliches und Unermeßliches, kurz Himmels-Höhe, sonne alles Schöne und Wahre bestimmte Schranken will, das ist die Erde. Die Hebräer kennen kein Chaos, in dem sich vor unserer Welt die Atome umhergetrieben hätten, eine Flktion, die wir den Griechen schuldig sind. Aber ein finsteres Meer kennen sie, auf dem der erregende Wind Gottes schwebt und dies Bild ist um so schöner, als es wahr ist. So war wirklich der erste Zustand unserer Erde, wie der Bau derselben lehrt. „Ruach" ist wohl das natürliche Bild von dem. was Leben und Bewegung und Kraft in der Schöpfung war. Und Gott gebietet und es wird das Licht. Er kleidet es nur als sein Gewand, so wie Er den Himmel ausspannt als sein Zelt. Die Wolken sind seine Wagen, und Regen sendet Er der lechzenden Erde, die ebenso gesättigt wird, wie das durstende Tier, wie die lechzende Menschenseele, weshalb auch das Zutrauen zu ihm als Durst, als brennender^Durst gemalt wird: Wie die Hindin lechzt nach Wasserbächen So sehnt meine Seele sich zu Dir, Meine Seele dürstet hin zu Gott Zu dem lebendigen Gott! Immer wendet sich das Naturbild ins Seelische, ins Geistige, wo der Widerstrahl, der Abglanz aller Schönheit, des Göttlichen selbst ist. Darum hat diese Poesie auch keine Hymnen auf die Sonne, auf irgend einen Gegenstand der Natur. Das wäre Abgötterei wie Hiob sagt (31 26-28): Sah ich die Sonne an, wie sie glänzte Den Mond, wie er so prächtig geht. Daß im Verborgenen mein Herz entbrannt, Den Kuß des Mundes ihnen zugeworfen hätte: so wäre auch dies verruchte Missetat, denn damit hätte ich des Himmels Gott geleugnet. Dieser Abgötterei arbeitet der Geist der Bibel aufs