Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 11 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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IZ Palästina-Jugendfahrt 1928. Um all denen, die nicht in der Nähe des Hafens wohnen, zu ermöglichen, nach den hohen Feiertagen bequem das Schiff zu erreichen, wurde im Einverständnis mit der Schiffahrtsgesellschaft die Abreise des Dampfers verschoben. Die Einschiffung erfolgt nunmehr am 28. September ds. Js. in Marseille. Da die Zahl der Anmeldungen für die Jugendfahrt bereits sehr groß ist und die Teilnehmerzahl unbedingt beschränkt bleibt, liegt eine rasche Anmeldung im Interesse aller Reisenden. Aufruf. Die bulgarischen Juden sind durch das Erdbeben vom 14. und 18. April schwer heimgesucht worden. In Philippopel, Tschirpan, Bazardjik, im ganzen Marizagebiet, Hausen die Opfer der Katastrophe im Freien. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Bulgariens ist obdachlos und erwerbslos geworden. Die Regieiung und die jüdischen Gemeinden Bulgarien bieten alles auf, um dem furchtbaren Elend abzuhelfen. Die hereingebrochene Not übersteigt aber die Kraft des Landes. Neben der unmittelbaren Notstandsaklion für die obdachlosen Familien, die Hungernden und Frierenden, die Tausende herumirrender Kinder, die in Baracken zusammengepferchten Verwundeten und die an epidemisch ausgebrochenem Scharlach und Typhus Darniederliegenden besteht eine nicht weniger dringende Aufgabe, die Vernichtelen Existenzen wieder aufzurichten. Es tut not, die Wohnstätten, die Krankenhäuser, die Schulen und die Synagogen wieder aufzubauen und vor allem, Erwerbsmöglichkeiten zu schassen. - Die bulgarischen Juden haben sich in ihrer großen Sorge an den Hilfsverein der Deutschen Juden gewandt. Sie haben die Hilfe ausländischer jüdischer Gemeinden bisher nie beansprucht. In ihrer Notlage glauben sie jetzt die Sympathien und die Hilfsbereitschaft der deutschen Juden anrusen zu dürfen. Wie groß auch die Not unier uns deutschen Juden ist — wir müssen uns in diesem Augenblick angesichts des elementaren Naturereignisses, das die bulgarischen Juden so schwer getrosfen hat, unserer Pflicht gegen sie bewußt sein. Wir dürfen uns ihrem Rus nicht verschließen. Wir wenden uns an die deutsche Judenheit mit der Bitte, die Rettungsaktion sür die bulgarischen Juden nach Krästen zu stützen. Wir fordern hierdurch auf zu spenden. Helfet rasch! Die Not ist dringend. HilfsVerein der Deutschen Juden. Vorsitzender: Dr. James Simon. Stellvertretende Vorsitzende: Eugen Landau, Max M. Marburg, Willy Drehfus. Hilfe für Bulgarien. Dem hiesigen Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden ist aus Bulgarien die dringende Bitte zugekommen, sür die dortigen Juden, welche von der großen Erdbebenkatastrophe schwer geirossen worden sind, Sammlungen zu veranstalten. Das Hilfskomitiee hat, trotzdem ihm die große Not unter der jüdischen Bevölkerung Bulgariens von verschiedenen Seiten bestätigt worden ist, es nicht sür angezeigt gehalten, bei der jetzigen Lage in Deutschland eine Sammlung zu veranstalten, dagegen aus dem geringen Fonds, der ihm nach der Inflation noch verblieben ist, 2500 Reichsmark nach Bulgarien überwiesen. Verein Synagoge Königsteinerstraße. Der Verein hat seine Aufgaben im Winter 1927/28 hauptsächlich auf zwei Wegen gerecht zu werden versucht: Einmal hat er durch Ausgestaltung von Jugendgottesdiensten an besonders geeigneten Tagen sich bemüht, zum verstärkten Synagogenbesuch vor allem die kommende Generation anzuregen, zumal, da die Hoffnung gerechtfertigt ist, daß die Entwicklung der Kinder in zahlreichen Fällen nicht ohne Einfluß auf die Eltern ist. Zum anderen war der Verein bestrebt, sich unter den Besuchern der Synagoge einen Stamm von ständigen Interessenten für seine Arbeit zu schaffen durch Aussprachen und Vorträge, die die Verbundenheit der jüdischen Probleme mit den Strömungen der Gegenwart zeigen sollten. Jn-glücklicher Weise kam das Bedürfnis nach lebendiger Beziehung zwischen Gemeinde und Gottesdienst in der ersten Veranstaltung zum Ausdruck in einer Aussprache über „Die Stellung der Gemeinde im Gottesdien st", eingeleitet durch ein knappes Referat von Dr. Eduard Strauß. Auf Grund der lebhaften Aussprache richtete der Verein an den Gemeindevorstand eine Eingabe um Vereinfachung der Chorgesänge, damit der Gemeinde die Ausdehnung des Chorgesangs zum Gemeindegesang ermöglicht werde. Die Eingabe wurde genehmigt und soll nun durchgeführt werden. Ein Vortrag von Frau Margareiu susmaiin t^aiet) noei „Die Botschaft der Religion unserer Zeit" gab der Hinwendung zur Religion aus der Zerrissenheit unseres geistigen Lebens starken Ausdruck und zeigte die Verwandtschaft alter jüdischer Gedailken mit der modernen Haltung. Der Einklang von vollendeter Form uud gedanklicher Durchdringung verfehlte nicht seine starke Wirkung aus die Zuhörer. Dr. Martin Goldner (Berlin) versuchte in einem Vortrag über „Jüdische Gegenwart" in geschichtsphilosophischer Untersuchung die Ähnlichkeiten der heutigen Lage des deutschen Judentums mit früheren Stationen der jüdischen Geschichie aufzuzeigen und darauf aufbauend die Besonderheiten der jüdischen Aufgabe in unserer Zeit zu klären. Dr. Arthur Sakheim (Frankfurt a. M.) nahm die Buber-Nosenzweigsche Bibelübersetzung zum Anlaß, die Geschichte der Bibelübertragungen zu behandeln. Eine umfassende Darstellung von der frühesten bis zu der neuesten Uebersetzung zeigte, wie die Eigenart der jeweiligen geschichtlichen Lage das Gesicht jeder Uebersetzung bestimmte. Zwischen diesen Veranstaltungen lagen die bereits erwähnten Jugendgottesdienste zu Simchas Thorah, Chanukkah und Purim. Eine der kindlichen Haltung fein angepaßte Ansprache von Rabbiner Dr. Seligmann erregte jedesmal große Freude und Begeisterung, ebenso wie die von Frau Marie Bloch organisierte Verteilung von cMaemessenen kleinen Geschenken durch den Verein (z. B. an Channukkah jedem Jungen ein kleiner Leuchter). Das hat Wohl auch vielen Eltern Eindruck gemacht. Unmöglich wurde leider ein vorbereiteter Vortrag von Mr. Aims Palliöre (Paris), weil der Redner durch einen bedauerlichen Unfall von feiner Reise abgehalten wurde. Der Vortrag soll nun im kommenden Winter stattfinden, für den noch eine Reihe anderer Veranstaltungen in Vorbereitung ist. Hebräischer Kindergarten. Die Zionistische Frauengruppe hat in den Räumen Bleichstraße 30 (Gartenhaus) unter der Leitung einer staatlich geprüften r Kindergärtnerin einen Hebräischen Kindergarten eröffnet, in dem noch einige Kinder Aufnahme finden können. Anmeldungen nimmt die Leiterin von Montags bis Freitags 9—10 Uhr vors mittags in den Räumen Bleichstraße 30 entgegen.! Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege. t Nach Eröffnung der Vorstandssitzung am 1. Mai 1928 durch!^ Herrn Rabb. Dr. Horovitz widmet dieser anläßlich des 20. Todesö tages des Herrn Charles Hallgarten diesem warme Worte des Dankes. Er betonte, daß Herr Hallgarten in seiner sozialen Betätigung vor allem den Gedanken der Erziehung sowohl der Hilfsbedürftigen als auch der Helfenden in den Vordergrund stellte in der richtigen Erkenntnis, daß wirkliche Hilfe nicht nur mit Geldmitteln geleistet werden kann. Der Vorsitzende erwähnte des weiteren, daß von einer ursprünglich geplanten Gedenkfeier in Verbindung mit den Organisationen der freien Wohlfahrtspflege in Frankfurt Abstand genommen sei. Die gemeinsame Feier ist für eine spätere Zeit in Aussicht genommen. arkhotel Stadtküche