Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-07-01 · 11 (7.1928) · p. Seite 351

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
11 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 351 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3094266-3094324-3094334--1458-3096184
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bedenken ein Zeitraum von sechs Monaten als vollauf genügend angesprochen werden. Erst «diese Voraussetzungen machten die praktische Mitwirkung, vor allem auch an den sozialen Aufgaben der Gemeinden seitens der Jugend möglich. An der Schaffung einer auf breitester demokratischer Grundlage gewählten Gesamtvertretung der deutschen Juden sei die jüdische Jugend aufs lebhafteste interessiert. In einer vielstündigen Debatte wurden die Anregungen und Forderungen der Referate, wie auch die Wege «der bisherigen Bundesarbeit einer eingehenden Kritik unterzogen. In der geschlossenen Delegiertentagung wurde die neue Satzung des Verbandes beraten. Der neu gefaßte Tendenzparagraph „Der VerbandÄer jüdischen Jugend vereine Deutschlands erzieht auf der Grundlage einer umfassenden Neutralität die in ihm vereinigte Jugend zu bew.ußtem Judentum in gesamtjüdichem Denken und Wollen und im Geiste staatsürgerlicher Gesinnung" wurde einstimmig angenommen. Die Schaffung eines Kulturamtes wurde beschlossen und die Richtlinien für die Junggruppenleitung genehmigt. Der Kassenbericht und der neue Etat sind nach längerer Debatte angenommen worden. Dem scheidenden Verbandsvorstand wurde per Akklamation Entlastung erteilt. Unter der begeisterten Zustimmung der Versammlung überreichte der neue erste Vorsitzende Dr. Hahn (Essen) dem bisherigen Verbandsvorsitzenden Dr. Klein (Düsseldorf) als' äußeres Zeichen der Dankbarkeit für die hingebungsvolle Aufbauarbeit eine künstlerische Plakette. Als Abschluß der Tagung sprach Rabbiner Dr. Hahn über „Die jüdische Jugend im Weltjugendbund". Beste jüdische Ueberlieferung fordere von den jüdischen Menschen die Mitwirkung an allen Werken der Zusammenarbeit der Menschheit. Der Jugend falle die Aufgabe zu, zur Sicherung des Friedens jüdische Werte im Weltjugendbund zu verwirklichen und den Weg zur Versachlichung der Friedensarbeit zu finden. Die jüdische Jugend müsse den Weg über die eigene Problematik hinaus in dem Zusamenenwirken und im Zusammengehen mit anders gearteter Jugeud suchen, um dort ihre Idee der Brüderlichkeit der Menschen zu verwirklichen. Der Düsseldorfer Sprechchor sprach „Stimmen der Jugend" von Bröger, und mit herzlichen Dankesworten an alle Helfer der Tagung, besonders an Kurt und Elsa Hirschel, schloß der Borsitzende diese bedeutsame Tagung jüdischer Jugend. Verbandstag der jüdischen Handwerker Deutschlands. Der 8. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands fand vom 2. bis 5. Juni in Hannover statt. Aus allen Großstädten Deutschlands waren Vertreter erschienen. Der Polnische Handwerkerverband entsandte seinen Präsidenten, den Sejmabgeordneten und Direktor der jüdischen Genossenschaftsbanken, Ch. Rasner. Auch die dem Verband angeschlossenen Gehilfen- und Frauengruppen waren vollzählig vertreten. Die Tagung wurde durch einen Festgottesdienst eingeleitet. In Anwesenheit von Vertretern der Staats-, Stadt- und Gemeindebehörden, der Handwerks- und Gewerbekammer, der Innungen, des Rabbinats und der eingeladenen Organisationen begrüßte Herr Paul Goldmann-Hannover die Anwesenden. In der Eröffnungsrede wies Herr Wilhelm Marcus-Berlin vor allem darauf hin, daß die Frage des jüdischen Mittelstandes zum Aufgabenkreis des Verbandes gehöre, ferner die Schaffung von Darlehens- und Kreditgenossenschaften, Berufsberatung der Jugend und Stellenvermittlung, die Unterbringung von Gehilfen und die Heranbildung der Frauen zur sozialen Arbeit. Im Mittelpunkt der Arbeitssitzungen standen die Referate des Vorsitzenden der Ortsgruppe Hannover, Paul Goldmann, über „D e r Iüdis'che Mittelstand" und des Leiters des Arbeitsfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands, S. Adler-Rudel, Berlin, über „Jüdische Berufswahl und jüdische Arbeitsnachweises Im Anschluß an das Referat Adler- Rudels wurde beschlossen: Der Verbandstag hält es für notwendig, darauf hinzuweisen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Normalisierung der jüdischen Berufsgliederung durch eine Förderung des handwerklichen Nachwuchses besonders geeignet ist. Die Verantwortlichen Körperschaften des deutschen Judentums werden aufgefordert, aus. eine sinnvolle Umgestaltung der Berufsgliederung auf dem Wege einer systematischen Berufsberatung hinzuwirken. Der Verbandstag fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden die Einsetzung von Etatmitteln zur Förderung jener Kreise der jüdischen Jugend, die sich den handwerklichen Berufen zuwenden. Diese Mittel sollen sowohl für die Errichtung von Lehrlingsheimen wie auch für Lehrlingszuschüsse für Minderbemittelte, sowie Ergänzungsbildungen bereitgestellt werden. Lehrstellenvermittlungen sind in allen größeren Gemeinden zu errichten. Der Verbandstag verpflichtet alle Mitglieder, sich in den Dienst der Arbeitsnachweis-Bewegung zu stellen. Zur jüdischen Mittelstandsfrage wurde beschlossen: Der Verbandstag sieht in der Schaffung jüdischer Darlehenskassen und Kreditgenossenschaften eines der Mittel, dem Verelendungsprozeß des Mittelstandes entgegenzuwirken. Der Verbandstag fordert von den jüdischen Gemeinde- und Landesverbänden die Gründung von Darlehens- und Kreditkassen. Der Verbandstag protestiert gegen die Ausschaltung jüdischer Handwerker und die Verdrängung jüdischer Arbeitnehmer von den Arbeitsplätzen. Er fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden, sowie von allen jüdischen Organisationen, daß sie der Frage des Aufbaus der jüdischen Arbeitsnachweise größte Aufmerksamkeit widmen. — Aus dem Geschäftsbericht des Verbandsvorstands und den Berichten der Ortsgruppen ging hervor, daß die Arbeit in den letzten beiden Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Gemeindeblatt-Tagung. Am 4. Juni fand in Köln eine Besprechung von Schriftleitern verschiedener Gemeindeblätter statt, zu der Vertreter von 13 Schriftleitungen erschienen waren. Die Anregung zu der Tagung war von Gemeinderabbiner Gustav Cohn in Leipzig ausgegangen. In der Besprechung wurde zunächst festgestellt, daß zur Zeit an 23 Orten Gemeindeblätter erscheinen. Das einleitende Referat hielt Rabbiner Cohn, im Mittelpunkt der Beratung stand ein Referat von Dr. Maher-Frankfurl über die redaktionelle und geschäftliche Gestaltung der Gemeindeblätter. Hieran schloß sich eine sehr angeregte Aussprache, die wohl auch zu praktischen Ergebnissen führen wird. In erster Linie ist die Schaffung einer Interessengemeinschaft in Aussicht genommen, die von einem Ausschuß, bestehend aus Rabbiner Cohn-Leipzig, Rabbiner Levi- Mainz, Dr. Mayer-Frankfurt und Sternlicht-Dresden vorbereitet werden soll. An die Tagung schloß sich eine gemeinsame Besichtigung der jüdischen Sonderschau der Pressa. Fürsorge für schwer erziehbare Kinder. Das „Jsraelitsche Erziehungsheim für schwer erziehbare Kinder in Marburg a. d. L. soll am 1. Juli dieses Jahres eröffnet werden. Für die Aufnahme kommen in erster Reihe Knaben iin Alter von 6 bis 14 Jahren in Betracht. Aufnahmegesuche sind schon jetzt an den Vorsitzenden, Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cohn, Marburg a. d. L., Schwanallee 15, zu richten. Auskunftsstelle für internationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlfahrt. Im Hinblick auf die steigende Bedeutung, die die Fragen des internationalen jüdischen Kinderschutzes und der Jugendwohlfahrt gewinnen, haben sich in Berlin Menschen aus verschiedenen Kreisen jüdischer Jugendwohlsahrtsarbeit zur Begründnug einer A usk u n f ts st e ll e für internationalen jüdischen Kinder schütz und Jugendwohlfahrt zusammengefunden. Um der Stelle weitgehende Informationen über Kinderschuh- und Jugendwohlsahrtsarbeiten und -einrichtungen, sowie über besondere Notstände in den verschiedenen Ländern, ferner persönliche Fühlungnahme mit Mitarbeitern zu ermöglichen, werden alle diejenigen, die sich für diese Arbeiten intereisieren, gebeten, ihre genaue Adresse an die Auskunftsstelle für internationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlfahrt, zu Händen von Frau Bergel-Gronemann, Berlin-Wilmersdorf, Landauer Str. 11, mitzuteilen. i^ppien^ QKKVII^tt I_IN0l.LU!VI grSatsn 5pSi»s!ksus Lü«S«ßSuts«I,Isn«ts kesiontigen 8is mein« 8onsufen8tsk', -prüfen 8is llis preise u. Qualitäten. neue 2S-2S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.