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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-07-01 · 11 (7.1928) · p. Seite 350

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
11 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 350 (sequence 14)
Language
German
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350 Tätigkeit des verflossenen Jahres erstattete. In der Festsitzung richtete zunächst der Präsident des Deutschen Rabbinerverbandes, Dr. Baeck (Berlin), einige Worte der Begrüßung an die Anwesenden und hob die Bedeutung ,der Kultur für das innere Leben des Menschen und der besonderen Aufgaben der Gesellschaft als Kulturträgerin hervor. Nach einer Begrüßung der Versammlung durch die Vertreter der Stadt Köln und der Universitäten Köln und Bonn gab der Schriftführer der Gesellschaft, Professor Dr. I. Elbogen (Berlin), eine Uebersicht über die Aufgaben und Leistungen der Gesellschaft. Den Festvortvag' hielt Herr Dr. Fritz Bamberger (Berlin) über das Thema: „D i e geistige Gestalt Moses Mendelssohns". Der Redner bemühte sich zu zeigen, daß das durch die populäre Tradition verbreitete Bild von Mendelssohns Richtung und Anschauung uicht ganz der Wahrheit entspräche. Daß Mendelssohn durchaus nicht jener einseitige Aufklärer war, für den sein Zeitgenosse Hamann ihn bekämpfte und die Nachwelt verehrte, sondern daß auch in Mendelssohn wie in jedem echten Menschen sich Widersprüche zeigen, daß er namentlich in seinen Schriften zur Aesthetik durchaus die Bedeutung des Irrationalen anerkannte, daß er zwar in seinen allgemeinen Anschauungen über Religion sich auf dem Boden des Rationalismus hielt, aber sobald er auf Judentum zu sprechen kam, doch wieder jener Glauben an das Jenseitige und Geheimnisvolle durchbricht,. der die Stärke aller echten Religion ausmacht. — Reicher Beifall lohnte die gedankenreichen und gehaltvollen Ausführungen des Redners. Die Tagung desIZugendverbandes in Dresden. Die 7. Ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, über die wir schon kurz berichteten, hat in allen Kreisen des deutschen Judentums große Beachtung gefunden. Es war nicht nur der geistige Gehalt, auf den wir 'in folgendem näher eingehen werden, sondern vor allen Dingen der stark spürbare menschliche Zusammenhang, welcher diese große Zusammenkunft jüdischer Jugend zu einem besonderen Ereignis gestaltete. In der von künstlerischen Darbietungen umrahmten Eröffnungsfeier sprach Rabbiner Dr. Albert Wolf (Dresden) Worte der Weihe. Nach Begrüßungsworten des Verbaudsvorsitzenden Dr. Klein (Düsseldorf) entboten Rechtsanwalt Salinger (Dresden) namens des Gemeindeverbandes Sachsen, Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) namens der Großloge U. O. B. B., Dr. Ludwig Tietz (Berlin) für den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände und Heinrich Guttmann (Chemnitz) namens des Landesverbandes Sachsen der jüdischen Jugendvereine der Tagung herzliche Grüße und Wünsche. Rabbiner Dr. Max Wiener (Berlin) sprach sodann über „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit". Er ging von der Feststellung aus, daß die jüdische Religion über alle Besonderheiten parteimäßig getrennter Auffassungen hinweg das Leben von innen nach außen betrachte und Verwirklichung einer Gesinnung, den Willen zur Ausführung und Wirklichkeitsgestaltung verlangt. Die Folge der Erziehung der jüdischen Religion sei, daß der Jude im Leben besonders aktiv werde. Man könne heute keinen Dualismus mehr zwischen Wirklichkeit und Idee anerkennen. Es gebe keine Wahrheit ohne Wirklichkeit, das heißt Wirksamkeit. Aus dieser Erkenntnis müsse man die notwendigen Folgerungen ziehen, es gelte Klarheit zu gewinnen über das, was ist, um sich entscheiden zu können, und das scheine ihm auch als die Aufgabe, die sich aus der Tendenz des Verbandes ergebe. Unsere Neutralität sei einmal der Ausdruck von Besonnenheit, die vor dem Urteilen lernen will, dann aber vor allem Frucht des Glaubens, daß es ein wurzelhaft Jüdisches gibt, ein Positives als die Voraussetzung des K'lal. Was wir in unserem Bunde wollen, sei, uns zu dem Gedanken der Einheit der jüdischen Weltgemeinde zu bekennen und uns selber zu erziehen. Aus innerer Ueberzeugung heraus wollen wir die Zelle zur Bildung eines einheitlichen Judentums fein, wollen lernen und uns bilden, aber vor allem, um wirken zu können. Herbert Felsenthal (Düsseldorf) forderte in feinem Referat „Die Arbeit in den Bünden" die Festsetzung eines Erziehungsmindestprogramms aus der Erkenntnis, daß der Verband und seine Bünde ein einheitliches Gebilde seien, das eine einheitliche Erziehungslinie verlangt. Das Erziehungsmindestprogramm müsse von der Voraussetzung ausgehen, daß jedes Bundesmitglied während seiner aktiven Zeit mit allen der jüdischen Gemeinschaft imanenten Fragen in Berührung kommt. Das Minimalprogramm soll zum mindesten das Verständnis jüdischer Gegenwart und das Gefühl der unlösbaren Verbundenheit mit allen Erscheinungsformen des jüdischen Lebens bringen. Als unerläßliche Punkte dieses Programms erscheinen ihm: der Gottesdienst, das Fest, das Haus, die Gemeinde, die Parteien, die Organisationen der Juden in Deutschland, die jüdische Heimstätte in Palästina, das jüdifche Volkstum außerhalb Deutschlands, ebenso wie die nicht nur jüdischen Fragen: Staat, Erziehung, Wirtschaft. Weiter forderte er die Einrichtung von drei Kreisen der Arbeit: den Werbekreis, den weiteren oder Arbeitskreis und den engeren Kreis oder die Gilde. Der Werbekreis stellt die Verbindung des Vereins mit der Öffentlichkeit dar; der Arbeitskreis dient der Verwirklichung des ErziehungsnlindestPr0lgramms; der engere Kreis oder die Gilde dient dem doppelten Zweck des Lehrens und Lernens, das heißt der führerischen Arbeit in weiterem Kreis ohne Begrenzung auf einen bestimmten Bund. Nur durch eine solche einheitliche Erziehungslinie in den Bünden, beginnend bei der Junggruppe, die in gleicher Richtung, aber mit anderen Mitteln arbeitet, sei im Geiste unserer Idee ein einheitliches Erziehungsergebnis zu erwarten. Dr. Julius Herzfeld (Essen) ging in seinem Referat „Die Arbeit der Jugend in der Gemeinde" von der Erwägung aus, daß die Arbeit in den Bünden notwendigerweise die Mitarbeit in den Gemeinden zur Folge haben müsse. Der Jugend müsse aber durch die Gemeindegesetzgebung die Möglichkeit praktischer Mitarbeit gegeben werden; deshalb sei zu fordern, daß in bezug auf das aktive und passive Wahlrecht in den Landes-- verbänden und Gemeinden die weitgehendste Anpassung an die entsprechenden Bestimmungen der Reichsverfassung gesichert werden. In der Frage der Karenzzeit müssen nach Würdigung aller? ape? e S5!.uv«5 veicicv >.inoi.eu 0I5l(0k1M0N8-81'0fl^ I^^I^K088«^KKI2S «snss ISSS, KI,, «f. Ssüus-tlsös 1 OKAUi/KN/TN K /U-U?^ tAemHA/'/sM MF ..!!!»»»!»!»!!!!! 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