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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-06-01 · 10 (6.1928) · p. Seite 317

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
10 (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 317 (sequence 13)
Language
German
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317 Tuberkuloselotterie. Besonderes Entgegenkommen des Herrn Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt hat es ermöglicht, daß die Ziehung der Wohlfahrtslotterie zur Errichtung einer deutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben vom 5. Juni ensdgültig auf den 2 6. September hinausgeschoben wurde. Die hohe Bedeutung des Liebeswerkes und die Fülle der Gewinne (u. a. Perlenkette im Werte von Rm. 15000, Wohnungseinrichtung, Auto, Silberkasten, silberne Chanukkaleuchter und Sederschüssel usw.) werden gewiß Viele veranlassen, diese günstige Gelegenheit zum Bezüge von Losen noch zu ergreifen; dieselben sind erhältlich bei der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden, Holzgraben 2, Frankfurt a. M. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschast des Judentums. Im Rahmen der von der „Pressa" veranstalteten Kulturwochen hält die Gesellschaft ihre diesjährige Hauptversammlung am Montag, den 4. Juni, 181/4 im Kongreßsaal der Ausstellungshallen in Köln-Deutz ab. An den geschäftlichen Teil schließt sich um 19 Uhr ein allgemeiner Teil. Herr Prof. vr. Elbogen-Berlin wird über die Aufgaben und Arbeiten der Gesellschaft sprechen. Hierauf wird Herr vr. Fritz Bamberger- Berlin einen Vortrag über das Thema: „Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns" halten. Die auch für einen weiteren Kreis sehr interessante Tagesordnung wird sicher eine große Zahl von Zuhörern herbeiziehen. Gäste können eingeführt werden. Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Am 13. Mai fand im Logenhaus in Berlin unter Leitung des Herrn Bankdirektors Oskar Wassermann unter Zahlreicher Beteiligung die Mitgliederversammlung der Akademie statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Berichte des Leiters des Forschungsinstituts Prof. Julius Guttmann über die wissenschaftliche Arbeit und des Schriftführers Sanitätsrat Gustav Bratt über die Verwaltungsgeschäfte. Die Hermann Cohen-Loge in Frankfurt ließ durch Dr. Eduard Strauß die Akademie begrüßen. Für 1928 beläuft sich der Etat auf M. 115 000.—. Die geplante 15bändige Ausgabe der gesammelten Schriften von Moses Mendelssohn wird in dem neubegründeten Verlag der Akademie erscheinen. Dem Vorstand gehören an Dr. Aron Hirsch, Oskar Wassermann, Albert Einstein als Vorsitzende, ferner Jakob Goldschmidt, Wilhelm Kleemann, Gustav Bratt, Otto Warburg, Berthold Katz, Kammergerichtsrat Wolfs, Rabbiner Dr. Baeck. Im Anschluß an die Jahresversammlung wurde eine Hermann Cohen-Gedenkfeier veranstaltet, bei der Prof. Görland-Hamburg die Gedenkrede hielt, in der er in geistvoller Weise das Problem des Primates von Philosoph oder Jude in Hermann Cohen behandelte. Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Am 27. und 28. Mai findet in Dresden die 7. ordentliche Delegiertentagung statt. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stehen unter dem Stichwort „Unser Weg in die Wirklichkeit" Referate von Dr. Max Wiener-Berlin, Herbert Felfenthal-Düsseldorf und Dr. Julius Herzfeld-Essen. Das Schlußreferat von Dr. Hugo Hahn-Essen hat zum Gegenstand „Jüdische Jugend und Weltjugendbund"". Daran reihen sich geschlossene Beratungen sowie eine Reihe von Führungen und geselligen Veranstaltungen. Fürsorge für schwer erziehbare Kinder. Am 11. März d. I. tagte zu Marburg a. L. unter dem Vorsitz des dortigen Provinzialräbbiners Dr. Cohn das vorbereitende Komitee für die Gründung eines israelitischen Erziehungsheimes für schwer erziehbare Kinder. Zu der Sitzung waren außer dem Vorstande und einigen Kuratoren des bisherigen Israelitischen Schüler- und Lehrlingsheimes zu Marburg a. L. Vertreter von Landesverbänden der " israelitischen Gemeinden, des Hessischen Logeuverbandes und der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden erschienen. Der Vorsitzende verlas die eingegangenen Begrüßungsschreiben und konnte feststellen, daß die Landesverbände der Synagogengemeinden sämtlicher deutschen Länder sowie die Wvhlfahrtsverbande die beabsichtigte Neugründung erfreut begrüßen und sich mit namhaften Beträgen an den Kosten beteiligen wollen. Das Kuratorium des Israelitischen Schüler- und Lehrlingsheimes, das einst von den Herren Provinziälrabbiner Dr. Leo M u n k s. A. und Geheimrat Professor Dr. Hermann C 0 hen s. A. sowie Bankier Hermann Eichelberg begründet worden ist, will sein Halls, das für seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr gebraucht wird, für das neue Erziehungsheim zur Verfügung stellen. Herrn Rabbiner Dr. H 0 r 0 vitz in Frankfurt a.M. war es in erster Reihe gelungen, den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ill Berlin für die Lache zu interessieren und zur Bewilligung von 10 000 RM. zu den Kosten des Umbaues und 5000 RM. für den Hallshalt des ersten Jahres zu bestimmen. Inzwischen haben auch der Preußische Landesverband gefetzestreuer Synagogengemeinden in Halberstadt und andere Landesverbände größere Summen bewilligt, so daß die Versammlung der Ansicht ist, daß die Anstalt nunmehr gesichert ist und mit dem Umbau alsbald nach den Feiertagen begonnen werden kann, zumal nicht daran zu zweifeln ist, daß die Anstalt, mit deren Gründung eine seit langem schwer empfundene Lücke in der Reihe der jüdischen sozialen Entrichtung der deutschen Juden ausgefüllt werden wird, sehr bald eine große Zahl von privaten Gönnern finden wird. Endlich sei '.loch erwähnt, daß auch der Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik dein Plane seine volle Sympathie entgegenbringt und ixr neu zu gründenden Erziehungsanstalt feine Unterstützung zugesagt hat. _ Kiuderhaus der weiblichen Fürsorge. Ill der 16, Generalversammlung am 26. März 1928 wurde der Jahresbericht, der mit dem 31. Dezember 1927 schließt, vorgelegt. Im verflossenen Jahre verlor der Vorstand des Kinderhauses zwei wertvolle Mitglieder: die Mitbegründerin des Kinderhauses, Frau Bertha Kuttner, welche uns lange Jahre hindurch im Vorstand wertvolle Dienste geleistet hat, und Herrn Bernhard Simon, der uns mit klugem Rat stets treu zur Seite stand. Die Zahl der Beamten und Angestellten blieb die gleiche wie im Vorjahre. Die Belegungsziffern weisen 130 Pfleglinge mit 16 408 Verpflegungstagen auf. Der Gesundheitszustand im Hause war ein erfreulich guter; es kamen keine ernsteren Erkrankungen vor. Mitgliedsbeiträge und Spenden sind bedauerlicherweise gegen das Vorjahr etwas zurückgeblieben; nur durch die Zuweisungen einiger edler Gönner war es uns möglich, eine Anzahl Zöglinge, für welche sonst keinerlei Bezahlung geleistet wurde, im Hause zu behalten. Der Jahresbericht schließt nrit dem herzlichsten Dank an alle diejenigen, welche zum Gedeihen des Hauses beigetragen haben, in erster Linie Herrn Dr. Siegfried Oppenheimer und Schwester Oberin -Frieda Amran.

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