Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 10 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 312 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Geburten und Sterbefälle der Christen und Juden 1822 — 1900. Jm^Durchschnitt der Jahre 1822/1840 Gebi (ehelich ehelich) d. Chr. ltrten u. unauf1000 d.J. Sterbefälle . aus 1000 d.Chr.^ d.J. Zum auf 10 lebe Chr. ihme 00 der aden I. 1822/1840 1841/1866 1880/1900 40,01 39,55 38,26 35,46 34,75 24.81 29,61 29,12 23,08 21,61 18,93 15,71 10,40 10,43 15,18 13,85 15,82 9,10 Infolge der sehr günstigen Sterblichkeit war die Zunahme der Juden in der Zeit von 1822—1366 nach obiger Aufstellung größer als die der übrigen Bevölkerung, doch seit 1867 fällt ihr prozentualer Anteil; ihr relatives Wachsen wird immer kleiner und hat bis zum Jahre 1925, der letzten Zählung, noch keinen Tendenzumschwung erfahren. Von Knöpfe! stammt folgende Tabelle, die sehr klar den Geburtenrückgang in dem Zeitraum von 1876—1910 hervortreten läßt. GeburtenundSterbefällederJuden1376 —1910. Zeitraum 1876-80 1881-90 1891-1900 1901-05 1906 -10 Mittlere Be- . völkerung d. Juden 351800 367 300 331000 400 900 412 700 Jüd. Jüd. Ge- Gestorborene bene ohne Totgeborene im Jahresdurchschnitt 11165 9655 8172 7408 7005 6231 6099 5638 5663 5715 Auf 1000 Personen der jüd. Bevölkerung kommen im Jahresdurchschnitt Leb. geb. 31,7 26,3 21,4 18,5 17,0 Seft. ohnelrnehr Geb. Totgeb. I als Gest. 17,7 14,0 16,6 9,7 14,8 6,6 14,1 4,4 13,8 3,2 Während noch im Jahre 1910 auf 1000 Juden 17 Geburten trafen, sank die Zahl auf 13 im Jahre 1925, die Sterblichkeit fiel zwar noch weiter, von 15 auf 13, doch nicht so stark, daß ein Bevölkerungsüberschuß besteht. In den Jahren 1922/1923 standen 6247 und 6240 jüdische Geburten 5949 und 5717 Sterbefällen gegenüber, in den zwei folgenden Jahren 5683 und 5235 Geburten 5635 und 5554 Sterbefälle. Die Mortalität übertrifft um einige Hundert Seelen die Natalität. Bei einer Betrachtung der Heiratsziffern nehmen wir wahr, daß im Verlauf des ganzen 19. Jahrhunderts die christlichen im Verhältnis größer sind als die der Juden. In der Zeit von 1822/40 kamen auf 1000 Christen 9,02, auf 1000 Juden 7,19 Eheschließungen, 1900 3,51 und 7,10, 1910 dagegen 6,93 und 7,31. Obgleich also bei den Christen die Zahl gefallen ist, bei den Juden gestiegen, lag die jüdische Geburtenrate um 50 Prozent tiefer. Wie verhält sich nun die Ehefrequenz der Nachkriegszeit? Die Ehen übertreffen in den Jahren 1919 bis 1923 bei weitem die Vorkriegszahlen: Im Jahre 1920 war mit 5022 die Höchstzahl erreicht, die jemals in Preußen festgestellt wurde. Seit 1924 tritt ein rapider Sturz ein, der sich nunmehr sogar unter dem Vorkriegsniveau hält. Die veränderten wirtschaftlichen Umstände des Nachkriegsdeutschland treten zutage. Ehen und Mischehen 1875 — 1925. Jährliche Mischehen Auf 100 jüd. Ehen Jahr Ehen kommen Mischehen jüd. M. nicht j.M. 1875 2675 121 156 10,0 1890 2513 167 160 13,0 1900 2560 239 235 18,5 1910 2667 418 326 27,9 1913 2482 482 359 33,8 1922 3507 954 566 43,4 1923 3452 980 528 43,6 1924 2420 774 382 47,7 1925 2057 634 334 47,0 Diese Zahlen reden klar und eindeutig. Die Vermischung schreitet stetig vorwärts und hat einen Grad erreicht, der zu den schwersten Befürchtungen Anlaß gibt. Die jüdische So Auf der Kölner Internationalen Presse-Ausstellung wird sich auch ein jüdischer Pavillon befinden, in dem versucht werden soll, die Bedeutung der Publizistik sür Judentum und Juden, wenigstens von den bemerkenswertesten Seiten beleuchtet, darzustellen. Zunächst wird eine gedrängte Schau der Schristnnttel und ihrer Entwicklung zu sehen fein, einerseits die hebräische Schrift, andererseits die Werkzeuge des Druckes von den ersten hebräischen Satztypen angefangen bis zur modernen hebräischen Schreibmaschine; zugleich Produkte dieser Technik, wie die ersten Wiegendrucke (Jncunabeln), jüdische Flugblätter aus vergangenen Jahrhunderten und die ersten jüdischen Zeitungen. Die Ausstellung selbst enthält ihren geistigen Aufbau nach zwei Abteilungen: 1. die jüdische Publizistik und 2. bedeutsame nichtjüdische Publizistik über Judentum und Juden. Im Mittelpunkt der ersten Abteilung steht das Buch der Bücher: die Bibel, die durch Jahrtausende für das Leben eines jeden Juden bestimmend war und seinen Einfluß, wie kein anderes Schriftwerk, über die ganze Welt verbreitete. So beginnt die Publizistik der Juden mit der Verkündigung der reinen Gotteslehre, der Menschenliebe und des wöchentlichen Ruhetages. Weiterhin zeigt sie der Religion gewidmete Publizistik, die Auswirkung der Bibel in ihren Uebersetzungen, die allen Menschen ihre Kenntnis vermittelten. Wir sehen aber auch die Produkte jahrtausendelangen unermüdlichen Forschens über das schriftlich und mündlich gegebene Gesetz der Juden, über eine gewaltige Buchliteratur hinmünden in Zeitschriften, die bis zum heutigen Tage teils der wissenschaftlichen! Erforschung der Gesetze und il)res Schrifttums dienen, teils weiten Schichten dauernd religiöse Belehrung und Erbauung bringen. Wiewohl Denken und Forschen der Juden in früheren Jahrhunderten in erster Linie der Religion galt, so hat es doch me an Bestrebungen gefehlt, auch profanes Wissen zu erlangen und unter den Glaubensgenossen zu verbreiten. Dies zu zeigen, dazu dient die Abteilung über „die Publizistik im Dienste der Verbreitung profanen Wissens unter den Juden". Es hau der Pressa. erschließt sich dem Betrachter das Streben der Juden, nach dem Abflauen des unmenschlichen Druckes im 18. Jahrhundert und während der „Aufklärungszeit" den Anschluß an die geistige Arbeit der Umwelt zu finden. Eine große Anzahl hochbegabter, ideal gesinnter Juden ichufen Zeitschriften, Kalender und Aufrufe zur Belehrung der Brüder. Ins modernste Leben und seine geistigen Strömungen führt uns weiter jener Teil der Ausstellung, der die Publizistik im Dienste der Soziologie aufzeigt. Hier erschließt sich uns der Einfluß, den die Presse auf die Entwicklung und Verbreitung moderner sozialer Ideen unter den Juden hatte; hier seb^n wir Zeitschriften, die sich belehrend und werbend von den verschiedensten politischen Richtungen aus an jüdische Leser aller Gesellschaftskreise wenden. Hier finden wir auch das Zeitschriftenwesen, das im Dienste charitativer und humanitärer Ziele steht. Nicht ohne Ergriffenheit wird ein denkender Mensch die letzte Gruppe in dieser Abteilung besuchen können, die „die Publikation im Dienste des Kampfes der Juden um ihre Menschen- und Bürgerrechte" darstellt. Das Licht das sich >an der Bibel der Juden zur Leuchte für die Welt entzündet hatte, war auch die Fackel geworden, die unzählige Scheiterhaufen entzündete, auf denen die Juden als ergebene Märtyrer ihres Glaubens zu Tode gequält wurden. Ihr Leben war ewig bedroht; Freiheit und Rechte waren in der Hmid übelwollender Gewalthaber, die die Juden — mit dem Bilde eines bekannten Historikers ausgedrückt — behandelten, wie der Imker sein Bienenvolk duldet und ausräuchert, je nachdem es ihm Nutzen bringt. Einen unendlich weiten Weg mußte die seelische Entwicklung ihrer Umwelt zum Idealen gehen, bevor auch den Juden das Recht, Menschen zu sein, zugestanden wurde. Hier sehen wir, welche Rolle in diesem Kampf um ihr Recht die Presse gespielt hat. Ein zweiter Teil der Ausstellung zeigt uns Juden und Judentum als Objekt nichtjüdischer Publizistik. Wir schen eine Auswahl bedeutsamer Erlasse, die die Rechtsstellung der Juden im Staate regeln. Ferner wird der Einfluß der Publizistik auf das Verhältnis von Juden und Nichtjuden rm Staate deutlich, wenn