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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-06-01 · 10 (6.1928) · p. Seite 311

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
10 (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 311 (sequence 7)
Language
German
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311 und dürfen als ursprünglich vom Stecher gefertigt betrachtet werden. Auf der Rückseite des uns vorliegenden ersten Bildes befindet sich außerdem der Stich einer Drucker-Marke, die das hebräische Motto trägt: „Der Gerechte soll wie eine Palme blüheu". (Siehe dazu in The Makers of Hebrew Books in Jtaly by David Werner Amram, Philadelphia, 1909, für Tobias Foah aus Sabbioneta S. 295 mit Bild und für Isaak Foah S. 396). Auch .hier darf die hebräische Schrift, als ursprünglich vom Stecher gefertigt, angesehen werden. Es ist ferner zu bemerken, daß in allen vier Bildern die Darstellung Gottes vermieden, und daß dafür der Gottesname, in einem Falle innerhalb des ersten Gebots, hebräisch eiügesügt ist. Wenn Griselini selber kein Jude gewesen sein sollte, so müßte er mindestens ein in jüdischen Ansichten und im Hebräischen Wohl unterrichteter Nichtjude gewesen sein. Daß er Beziehungen zum Iudent n m gehabt hat, läßt sich noch durch eine andere Tatsache erweisen. Das Museum jüdischer Altertümer zeigt unter seinen zahlreichen Megil Loth-Esther drei durch Stiche illuminierte Stücke, die alle auf eine Vorlage zurückgehen. Eine Kopie läßt sich wegen einer Randleiste mühelos als eine spätere Arbeit und zwar als eine der Zeit nm 1800 feststellen. Die anderen lsind Wohl dein 17. Jahrhundert zuzuschreiben. (Abb. siehe in Mitteilung V/VI, Abb. 12.) Sie unterscheiden sich im wesentlichen durch die farbige Ausmalung der Bilder von einander. Diejenige, deren Bildwerk nicht ausgemalt ist, läßt an den Enden der fünf Lagen jeweils einen Künstlernamen erkennen, der jedoch durch Rasur üud Uebermaluug fast unkenntlich geworden ist. Durch Zufall wurde dem Museum unlängst jedoch eine ähnliche Megillah angeboten, die den Namen Griselini noch deutlich zeigte, und durch Vergleich mit dem ausgestellten Stück ergab auch dort die Lesung der noch vorhandenen Reste Griselini. Schon vorher war jedoch der Zusammenhang zwischen dem letzten Bild der beiden älteren Megilloth und der Darstellung des Einzugs des Messias in Jerusalem, wie ihn die Haggadah Bragadinis bringt, aufgefallen. Wenn Grisilini allerdings in dessen Werkstatt tätig war, so darf diese Entlehnung nicht verwunderlich erscheinen. Wann der Künstler bei Vragädini gearbeitet, und wo er sonst noch gewirkt hat, das entzieht sich bisher noch unserer Kenntnis. Auch über fein Leben wissen wir nichts, jedenfalls findet sicb in dem Singerfchen Handbuch kein weiterer Vermerk, so daß die Feststellung weiterer signierter Arbeiten seiner Hand Wohl nächst Aktenforschung in Italien der allein mögliche Weg zur Feststelluug dieses Illustrators jüdischer Bücher sein dürste. Vielleicht erfahren wir auch einmal auf diese Weise, ob Griselini Jude gewesen ist und ob er nicht im Bereich des Judentums eine Schule gebildet hat. _ Die Juden in Preußen. Von Herbert philipp-thal, Berlin. Tie überwiegende Mehrheit der deutschen Inden, 71 Prozent, wohnt in Prenßen. Seit Jahrzehnten nimmt ihre Z.ihl ab. Nachdem sie im Jahre 1855 im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ihren Höchststand erreicht hatten, stagnierte einige Jahre ihre Zahl, und seit dem Jahre 1867 datiert ein unaufhörlicher Rückgang. Die preußische Bevölkerung 18 16 — 1 925. Jahr Gesamtbeoölkerung Juden Anteii der Juden an der 1816 10 349 031 123 938 1,19 1820 11209 333 138 181 1,21 1825 12 256 725 153 688 1,25 1831 13 038 960 167 330 1,28 - 1840 14 928 501 194 558 1,3V 1852 16 935 420 226 868 1,34 1861 18 491 220 251145 l,36 1871 24 639 706 325 587 1,32 1880 27 279 111 363 790 1,33 1890 29 955 281 372 058 1,24 . 1900 34 472 509 392 322 1,14 1905 37 293 324 409 501 1,10 1910» 35 572 382 366 876 .. 1,05 1925» 38120173 403 969 1,06 5) Nach dem Gebietsstand des Deutschen Reiches vom 31. 3. 1923. Vis zum Jahre 1880 waren die meisten Preußischeil Juden in der Provinz Posen beheimatet. Fünf Jahre später nahm die Stadt Berlin, das spätere Groß-Berlin, die erste Stelle ein nnd hat sie bisher behauptet; Rheinprovinz und Hessen-Nassan folgen, wie aus der folgenden Tabelle hervorgeht: >ie Zahl der Juden in den preußischen Provinzen 1816-1925. Provinz 1816 1831 1846 1858 1871 1880 1890 1900 1910 1925 18218 14411 13877 14802 20706 29228 35888 41057 26547 21750 18226 12715 11337 53949 79286 92206 144007 172672 8083 10999 16965 27247 47484 12296 13775 25706 7349 8442 2811 5203 8487 12037 13037 13886 12246 10880 8862 7762 51960 69683 81299 72198 6l982 56609 44346 35327 3835 3437 16064 21593 30650 39045 46619 52682 48003 47586 36354 40022 3097 3829 4686 , 5514 5958 6700 7949 8047 7833 8341 3000 3200 3400 3800 .3729 3522 3570 3486 3311 4152 9300 10900 11250 11701 12790 14790 15112 15393 15596 14895 9491 12286 14771 16099 17245 18810 19172 20640 20939 21595 26000 30500 33400 34200 36390 41316 44543 48105 51781 52757 18383 23951 . 29271 33383 38424 43694 47234 52251 53889 58223 — — — 949 721 771 661 532 405 335 164000 214000 267000 293000 325587 363790 372058 392322 366876 403969 Ostpreußen ......... Westpreußen......... Stadtkreis Berlin......^ Brandenburg ........ Pommern.......... Posen............ Schlesien .......... Sachsen........... Schleswig-Holstein...... Hannover.......... Westfalen.......... Hessen-Nassau........ Rheinprovinz....... . Hohenzollern......... Insgesamt Tie Endsummen der Tabellen 1 und 2 differieren, weit in Ausstellung 2 Schleswig-Holsteiil, Hannover, Hessen-Nassau, erst im Jahre 1866 in Preußen einverleibt, enthalten sind. Die Zunahme der Juden in den Provinzen (fünf zeigen einen Rückgang) resultiert allein aus einem Wachstum der Ziffer in den Städten, wie wir an Städten wie Berlin, Essen, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Gelsenkirchen usw. beobachten können. Bon den 403 000 Juden in Preußen haben 294 000 Seelen ihre Wohnstätte in Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern, d. h. 72 Prozent, in Groß- Berlin allein 42 Prozent. So ist es nicht verwunderlich, daß die sozialen Verhältnisse der Großstadt ihr besonderes Kennzeichen den Judeu aufdrücken: Geburtenrückgang und Mischehe. Neber- Geburten, bei den Judeu nur :->/,<, gleichen Zeitraum 26,6 und 20,3. Mortalität betrug im

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