Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-05-01 · 9 (5.1928) · p. Seite 275

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
9 (5.1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3094266-3094324-3094332--1380-3096104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

275 zu spielen, und der Unterricht wird dadurch nicht aufgehalten. Ich fungiere dann selbstverständlich als Schüler und wurde auch kürzlich aufgerufen: „Wilhelm, weiter lesen". Daß ich der Aufforderung Folge leistete, versteht sich wohl von selbst. Das Sorgenkind unseres Unterrichts ist das Hebräisch Lesen. Selbst im 4. und 6. Schuljahr legen die Kinder oft eine erschreckende Unbeholfenheit und Unsicherheit an den Tag, sobald sie einen bislang unbekannten Text lesen sollen. Zu ausgedehnten Leseübungen ist im Rahmen des Unterrichts nur wenig Raum, hier muß häusliche Arbeit die Lücken ergänzen. Doch wie kann man Binder zur häuslichen Lektüre des Gebetbuches veranlassen, wie kann man ihnen diese langweilige Arbeit interessant gestalten? Das Problem wäre gelöst, würde das Elternhaus die Kinder anhalten, regelmäßig morgens, mittags und abends hebräisch zu beten, denn „bedeutender ist die Ausübung des Gelernten als das Lernen selbst". Aber die armen Kinder, so hört man es immer wieder, sie sind ja so überanstrengt, und eine halbe Stunde täglichen Musizierens ist ja viel notwendiger und nutzbringender als wenige Minuten des Gebetes! Um die Kind.er zum häuslichen Hebräisch-Lesen zu veranlassen und um ihnen diese Pflicht gleichzeitig schmackhaft zu macheu, griff ich zu einem ganz modernen Mittel, dem „Preisausschreiben". Ein Fragebogen 'mit 25 Fragen wurde vervielfältigt, und den Schülern ausgehändigt. Die Fragen gingen nach mehr oder weniger versteckten Stellen im Gebetbuch; Worte die nur ein- oder zweimal im Gebetbüch vorkommen oder einzelne Verse mußten gesucht werden. Mit großem Eifer gingen die Kinder ans Werk, denn den besten Antwortendes er Klasse winkte ein Preis/ Meine^Absicht war erreicht, die Kinder hatten sich außerhalb des Unterrichts mit Hebräisch- Lesen beschäftigt, ohne dies als lästige Arbeit zu empfinden, im Gegenteil, sie hatten Freude daran gehabt. Von Zeit zu Zeit werden auch im Rahmen des Unterrichts Leseübungen veranstaltet, die bei uns „Wettrennen" heißen. Es gilt, innerhalb einer vorher festgelegten Zeit eine Seite des Gebetbuchs fehlerlos herunterzulesen, wer das fertig bringt, hat Nummer 100 gewonnen. Für jeden Fehler werden von 100 fünf Punkte und für jede über die Zeit benötigte Sekunde ein Punkt in Abzug gebracht. Zur Abwechslung kann das Spiel auch umgekehrt betrieben werden, die Fehler werden addiert und wer die geringste Anzahl Punkte hat, ist Sieger. Mit "diesen kindlichen Spielen, die den Unterricht würzen, ist es nicht schwer, die Herzen der Schüler für die Religionsschule Zugewinnen. Esist schon vorgekommen, daß ein Schüler, der vormittags krankheitshalber die Schule versäumte, bei seinen Eltern darauf bestand, am Nachmittag zum Religionsunterricht gehen zu dürfen. Unsere Religionsschule muß für die Kinder eine angenehme Abwechslung im täglichen Einerlei der Schule bringen, dann kann sie auch der Platz werden, der das Kind erfüllt mit der großen Liebe zum angestammten Glauben. Und „hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft", denn, wie unsere Weisen sagen: „Die Welt wird erhalten durch den Odem der Kinder in der Schule". Jüdische Volkskunde. Von Ida Posen. Kein Volk aus der Erde ist so abgeschlossen von der Umwelt, daß ihm eine völlige Isolierung möglich wäre. Es gibt vielleicht mungen zu finden, die ein Kulturgut ergeben, das, wenn auch nicht unberührt von jeglichem fremden Einfluß, doch wenigstens zelnen Gebieten eine Beeinflussung von der Umgebung in mehr oder minder starker Weise zeigen würde. Und sck)ließlich könnte Wohnsitz geltend gemacht haben. Für alle drei Möglichkeiten gibt irgendwelchen Gründen eine gewaltsame Trennung von der Nach-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.