Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 8 (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 244 (sequence 8)
- Language
- German
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erregten. Aus diesem Drange nach Verschärfung ging die „Mazza Schemurah" hervor. Ein Teil der Weizenernte wird „auf den Halmen" gekauft und von da ab streng überwacht, damit die Körner nicht mit dem feuchten Element in Berührung kommen. Die Körner werden auf einer Handmühle gemahlen, die Mazza kurz vor Pessach, manchmal am Morgen des Erew Pessach unter Absingen des Halle! gebacken, wobei ausschließlich Männer beteiligt sind; oft wirken auch nichtjüdische Gehilfen mit und aus Hamburg-Altona wird berichtet, daß dort die christlichen Mitarbeiter in den Halleluiagesang einstimmten. In Polen kam es häufig vor, daß die Großgrundbesitzer der Mischen Gemeinde zu diesem Zwecke einen bestimmten Teil der Weizenernte unentgeltlich überließen. Von einem Mitglied der berühmten Magnatenfamilie der Grafen Potocki wird überliefert, daß er den Juden ein ganzes Weizenfeld für die „Schemura" überließ, nur für das Recht, zusammen mit ihnen die Mazza zu backen, gewöhnliche Arbeiten zu verrichten und das Hallel mitzusingen. Streng Fromme genießen über Pessach keine andere Mazza. Gewöhnlich aber bemüht man sich, wenigstens für die Sederschüssel an den beiden ersten Abenden diese Mazza zu haben. L. 8> II. In früheren Jahren war die Herstellung der Mazzen eine Familienangelegenheit, zu der sich gewöhnlich mehrere Haushaltungen unter Mitwirkung aller Familienangehörigen zusammentaten. In vielen Gemeinden, so auch hier in Frankfurt, stand zu diesem Zweck ein Gemeindebackhaus zur Verfügung. DieLerstellungsweise und die Hilfsmittel waren denkbar einfach. Mehl und Wasser wurden in einem durch Erfahrung feststehenden Verhältnis gemischt und zu einer zähen Teigmasse geknetet. Diese mußte unter einem Brechbalken unter mehrmaliger Drehung gebrochen und mittels Nollhölzern in ähnlicher Weye wie die Nudelteige zu einem Teigband dünn ausgerollt werden. Dieses wurde, um ein blasenförmiges Aufgehen des Teiges beim Backen zu erreichen, mit kammartigen spitzen Eisen oder mit spitzen Rädchen besetzten Rollen gelöchert (gestuppelt). Aus dem so vorgearbeiteten Teige Pflegte man die Mazzen in runder Form auszustechen, sie auf hölzerne Schießer zu legen und in den stark geheizten Backofen zu bringen, aus dem sie nach genügendem Durchbacken mittels der Schießer wieder hervorgezogen und nach Auslesen des Unbrauchbaren (Chomez) verpackt wurden. Um bei der starken Hitze des Ofens den Teig vor dem Säuern zu bewahren, müssen die Arbeiten sehr schnell hintereinander vorgenommen werden; deswegen erhielt jedes Familienmitglied je nach Eignung eine besondere Funktion zugewiesen. In der Frankfurter Ge-meinde wird seit vielen Jahren die Versorgung der Gemeindemitglieder mit Mazzen als Gemeindeangelegenheit betrachtet. Die Gemeinde hatte von jeher eine Mazzenbäckerei, in der durch entsprechende Beaufsichtigung für strengste Einhaltung der rituellen Bestimmungen gesorgt wurde. Die Entwicklung der Gemeinde Machte es bei dem steigenden Bedarf erforderlich, die Fortschritte der Technik auch bei der Herstellung der Mazzen nutzbar zu machen, von der Handarbeit a,uf maschinellen Betrieb überzugehen. Mit vielen Bemühungen und erheblichen Kosten hat man im letzten Jahre wesentliche Verbesserungen und Vervollkommnungen des Betriebes gegenüber der an dieser Stelle im April 1926 geschilderten Fabrikationsmethode zu erreichen gesucht. Drei gleichzeitig laufende Mischmaschinen rühren das Mehl mit dem in genau entsprechendem Maße einer Abfüllvorrichtung entnommenen Wasser zu einem lockeren Teiggemisch durch. Dieses wird, ohne daß bei der ganzen Verarbeitung eine Hand mit dem Teig in Berührung zu kommen braucht, in den Fülltrichter einer großen Maschine geschüttet, die das Teiggemisch zu zwei breiten Teigbändern Preßt, sie durch mehrere Walzwerke nach und nach dünner auswalzt, durchlöchert (stuppelt) und schließlich die Mazzen in der bekannten runden Form aussticht, wobei die entstehenden Abfälle (die übrigens bei der aus verschiedenen Gründen vielfach bevorzugten und auch hier für später gePlanten viereckigen Form vermieden werden) selbsttätig abgenommen , und zur WiederVerarbeitung in den vorerwähnten Fülltrichter zurückgeleitet werden. Die Mazzen gleiten über eine besonders konstruierte Transport- Vorrichtung weiter in den Durchlaufofen, werden auf einem eisernen Lattenrost in kürzester Zeit gebacken, gleichmäßig weiterbefördert und nach Verlassen des Ofens durch ein Transportband zum Packtisch gebracht. Die ganze heutige Anlage ist von dem Leitgedanken aus projektiert, stetige automatische Verarbeitung des Teiges bei völliger Ausschaltung der menschlichen Hand durchzuführen und dadurch sowohl alle rituellen Anforderungen zu erfüllen, als auch die heutigen hygienischen Anschauungen bei der Herstellung von Mazzen in solcher Weise zu verwirklichen, daß etwas gleich Mustergültiges bisher Wohl nirgendwo sonst erreicht ist. D. Lonr. 6o/?S^M?e/? Ae/T'^OSe/HemSe/? Te/?A/>. Fec//eF6/?6 (^6//ö/? . 6.75 Ae^m-<5cMMsüA6 T6/?ö/>5//?^ ^/o^ . M //.50 9.75 ^N^sk? Soe/MwFe /5?e/»e Sü'ttmMm/'e» «»S V»/e?^e/S«»s MI kamen klSPSI! Ltui8 Loewenherz gegr.issi <s»««»«fir-ß« l» gegr.issi Altes SpsiisMsus sein«? I»eclsr«srvn, Kölker, Kvisv-i^fkslcten. oiave?iKK» erkalten örote, /^enl, Kompotte etc. stets kriscn in 6er Linksrn Itpstkel^s ^rsnkfurt s. 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