Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 8 (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
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243 geräteu. Schließlich könne eine Fabrik nicht so überwacht werden wie eine häusliche oder handwerkliche Bäckerei. Im Unterbewußtsein dieser Rabbinen regte sjch wahrscheinlich auch das soziale Bedenken, daß die Maschine zahlreiche gelernte Handwerker um ihr Brot und Verdienst bringen nmßte. Auch wird es ihnen leid getan haben, das gemütvolle Treiben bei der häuslichen Mazza- Bereitung durch den mechanischen Maschinenbetrieb verdrängt zu sehen. Lange wogte der Streit hin und her, unzählige Gutachten und polemische Schriften flogen von Gemeinde zu Gemeinde, von Lehrhaus zu Lehrhaus. Aber am Ende siegte, wie auf allen Gebieten, so auch hier die Maschine über das Handwerk. Heutzutage besitzt sogar manche Großgemeinde, wie z. B. Frankfurt a. M. und Hamburg, eine Mazza-Bückerei, die mittels fein ersonnener und den rituellen Vorschriften voll entsprechenden Maschinen betrieben wird. DieMazza- Backmaschine hat auf der ganzen Linie gesiegt. Und doch blieb ..eine verborgene Ecke vor ihr verschont. Gleich wie die Photographie nicht vermocht hatte das künstlerische Porträt ganz zu verdrängen, gleich wie das Kino über das Theater nie und nimmer den vollen Sieg davontragen wird, so haben Feinschmecker und Kenner, erlesene Genießer und strenge Beobachter der Mizwa auch hier ein kleines . Jnselchen zu retten gewußt, wohin die gleichmachende Flut der maschinenmäßigen Massenerzeugung nicht zu dringen vermochte. Dieses kleine Jnselchen ist die ^Mazzah f ch e m u r a h", die streng behütete Mazza. Es ist nämlich eine für den Neligionspsychologen höchst merkwürdige Tatsache, daß der Jude bestrebt war, den Geboten seiner Religion einen strengen und innner strengeren Sinn abzugewinnen, namentlich solchen Geboten, die den sinnlichen Genuß einschränken und persönliche Opfer der Entsagung heischen, besonders wenn deren Sinn und Grund nicht klar zutage lag. Es hängt dies offenbar mit dem tiefen Grundzug der Judenseele, dem Optimismus, zusammen. Diesem Optimismus entsprang das unbedingte fraglose Vertrauen des Juden zu seinem Gott, das gleichsam zum Instinkt geworden ist. Gott ist gut. also sind seine Gesetze unzweifelhaft gut,und es gilt nicht, ihnen etwas abzuhandeln, sie auf leichte Achsel zu nehmen, sondern umgekehrt, sie freiwillig zu verschärfen, eine Hccke um sie herum zu machen, sie sich in der strengsten Form aufzuerlegen. 'Auch eine eigene Art von Ritterlichkeit mischt sich in dieses Verhältnis. Da keine fichbare irdische Macht die Befolgung dieser Gebote belohnt, oder ihre Übertretung bestraft, so sind sie einzig und allein der Treue und 5em guten Glauben der Menschen überantwortet. Es ist^also eine Ehrenpflicht, die Mizwa zu erfüllen, alle erdenkbaren Kautelen gegen ihre Ubertretung aufzurichten. Je größer der Inhalt der Mizwa ist, desto größer ist die Freude, die mau bei der Unterordnung des eigenen Willens unter den Willen Gottes empfindet. Das ist die „Simena. 5oksl Allgäu" (die Freude an der Erfüllung des Gebotes). Diese Tendenz macht erst dort halt, wo das Verbot in seiner rigorosen Form das öffentliche Leben zu stören droht, nie aber vor dem wirtschaftlichen Interesse des Einzelnen. Das Verbot des Ungesäuerten am Pessach ist in der Bibel streng genug gefaßt. In der nachbiblischen eie^ (?e/N6/,!6keöäahe/-e/, //ä//?s Literatur hat es bis in die neueste Zeit eine gewaltige Verschärfung erfahren. Da ist z. B. das „Kaschern"' und „Glühen" der Oefen und metallenen Küchengeräte. Hölzerne Tische und Bänke werden mit kochendem Wasser Übergossen, und darüber wird ein weißglühendes Eisen geführt, um aus den Gegenständen jede Manche überfromme Hausfrauen gingen in ihren Vorsichtsmaßnahmen so weit, daß sie sogar den Widerspruch der Rabbiner /InFl'r/lil cke^ (/eme/nt/eöücke^el', Zinke //6//te