Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 7 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 218 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Herr Oskar Wassermann berichtete im Anschluß an seine Palästinareise aussührlich über das jüdische Siedln n g sw e r k. Die Schwierigkeiten des letzten Jahres erklarte er aus dem natürlichen Wirtschaftsprozeß, wies übertreibende Berichte zurück und schilderte die zuversichtliche Stimmung der Bevölkerung und die Bedeutung der jüdisch-kulturellen Leistungen. Der Zukunftswille der von einer großen Idee beherrschten Menschen verbürge das Gelingen des begonnenen Werkes. Die schon älteren, Jahrzehnte bestehenden Siedlungen, unter denen die von deutschen Templern angelegten besonders erwähnt wurden, zeigen, was aus dem Lande gemacht werden kann. Die Resultate der Nachkriegszeit wird man wegen der kurzen Zeit des Bestehens der Siedlungen erst in einigen Jahren abschätzen können. Der Hafenbau in Haifa und die Elektrifizierung des Landes eröffnen weite wirtschaftliche Perspektiven. Weniger optimistisch sei die weltwirtschaftliche Bedeutung der beabsichtigten Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres zu beurteilen. Gruppenverbandstagung der Jüdisch-Konservativen Vereinigung. Am ö. Februar hatten sich ungefähr 120 Delegierte aus dem Gruppenverband Rhein-Main der im Vorjahre gegründeten Vereinigung in Frankfurt zusammengefunden. Die unter dem Vorsitz von Herrn Rechtsanwalt Horovitz tagende Veranstaltung wurde von Herrn Prof. Freimann im Namen des Gemeindevorstandes und Herrn Naphtali Fromm namens der Gemeindevertretung begrüßt. Das erste Referat erstattete Herr Moritz A. Loeb, Berlin, über Zwecke und Ziele der Vereinigung, worauf Herr Hauptlehrer Mannheimer, Dettelbach. über die Lage der jüdischen Landgemeinden berichtete. Ein Vortrag des Herrn Prof. Hanauer befaßte sich mit den überaus wichtigen jüdischen Bevölkern ngsproblemen. An diese drei Referate schloß sich eine eingehende Diskussion, die durch ein gemeinsames Mittagsmahl unterbrochen wurde. Nach der Pause referierte Herr Rechtsanwalt Horovitz über die Arbeit im Preußischen Landesverband und stellte u. a. fest, daß bei der Gründung des Landesverbandes in Preußen nicht weniger als 219 Gemeinden keinerlei Kultusbeamten hatten und in 109 Gemeinden jede Möglichkeit der Erteilung von Religionsunterricht fehlte. Sodann wurde die Bezirksgruppe Rhein-Main konstituiert und eine aus 40 Personen bestellende Kommission gewählt, der aus Frankfurt die Herren Hugo Fränkel. Rechtsanwalt Dr. Michel Grünebaum, Direktor Rosenwald, Rechtsanwalt Dr. Schönberg. Dr. S. Fromm, Dr. E. Freimann. Rechtsanwalt Horovitz. Ch. Rothenberg, Leopold Kaufmann, Ch. Klausner, Lehrer Eschwege, Heinrich Hammel angehören. Für die Gäste dankte Herr Lehrer Selig, Friedberg, der Leitung des Delegiertentages. Die Fülle von Fragen, die von berufenen Kennern des Lebens in den großen und kleinen Gemeinden aufgeworfen wurde, hatte während" der Tagung eine gründliche Erörterung erfahren, die sich von aller Polemik fernhielt und den Blick lediglich auf das Positive Ziel einer Stärkung des traditionellen Judentums richtete. Sache der neugewählten Leitung des neuen Gruppenverbandes wird es nun sein, die hohen Erwartungen, die in den Kreisen der Jüdisch-Konservativen Vereinigung auf seine Arbeit gesetzt werden, in Bälde zu rechtfertigen. Am Abend fand in der überfüllten Frankfurt-Loge eine öffentliche Versammlung statt, in der Herr Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt, eine mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede über „Das jüdische Leben im Wandel der Seiten" hielt. Weitere Ansprachen wurden von Herrn Moritz A. Loeb über „Großstadt und Religiosität", Herrn Dr. Klibansky über „Die jüdische traditionelle Schule" gehalten. Den Abschluß bildete eine eindrucksvolle Rede des Herrn Rabb. Dr. Neuyaus, Mülheim, über das Thema: „Wir und die Iugend^. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Indem Ende Januar fand in Berlin eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" statt. Ihr gingen Beratungen der Unterkommissionen für Gefangenen- und Psychopathenfürsorge voran. Die Verhandlungen standen unter dem Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Seeligsohn-Berlin. Mvnmi In der Kommisnonssit-unq für G e f a n g e n e n f ü r s o r g e, an der auch der Vorsitzende des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, Rabbiner Dr. Horovitz- Frankfurt a. M., teilnahm, wurde mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß vom 1. Februar ab eine enge Zusammenarbeit zwischen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und dem Sozialen Ausschuß des Allgemeinen deutschen Rabbiner- Verbandes durchgeführt ist, über die noch Näheres durch besondere Mitteilung an die Presse bekanntgegeben wird. Bei den Beratungen standen Fragen des weiteren Ausbaues der Seelsorge und Fürsorge im Vordergrund. Es wurde beschlossen, demnächst in Gemeinschaft mit dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und dem Sozialen Ausschuß des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes über die einschlägigen Fragen, zunächst für Preußen, mit dem Ministerium zu verhandeln und alsdann Richtlinien für die Arbeit aufzustellen. Im übrigen wurde von dem Beitritt zu dem neugebildeten „Reichszusammenschluß für soziale Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge", der unter dem Vorsitz des Strafvollzugspräsidenten Muntau in Celle steht, zustimmend Kenntnis genommen. Die jüdische Wohfahrtspflege wird nach den getroffenen Vereinbarungen wie die übrigen Konfessionen durch drei Vertreter im Arbeitsausschuß des Reichszusanrmenschlusses vertreten sein. In der Kommissionssitzung für Psychopathenfürsorge war diesmal die Frage der Beratungsstellen für schwer erziehbare Kinoer und Jugendliche Hauptgegenstand der Erörterungen. Im einzelnen galten sie der Aufstellung eines lückenlosen Verzeichnisses der Beratungsstellen, das nunmehr zusammengestellt ist und nur noch durch Verhandlungen mit einigen jüdischen und interkonfessionellen Stellen abschließend ergänzt werden soll. Zum Schluß wurde angeregt, sich demnächst mit der Frage von Beoüachtungs-Kindergärten und -Horten zu beschäftigen. Die Kommisston für Psychopathenfürsorge ist zur Erteilung aller Auskünfte bereit und würde für jede Mitteilung aus der praktischen Arbeit der jüdischen Pshchopathenfürsorge jeglicher Art sehr dankbar sein. In der Plenarsitzung der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" konnte Herr Sanitätsrat Dr. Seeligsohn mit besonderer Freude zwei ausländische Gäste begrüßen, nämlich die Herren Cohen-London, Generalsekretär der Jüdischen Gesellschaft für Mädchen- und Frauenschutz, und Glücks mann-Buenos Aires, einen der Borsitzenden der Jüdischen Mädchen- und Frauenschutzorganisation in Buenos Aires. Beide gaben eingehende, außerordentlich interessante Berichte über den Stand ihrer Arbeiten. Herr Cohen erläuterte dabei insbesondere die Tätigkeit der internationalen Kommission für die Fragen des Mädchenschutzes und Mädchenhandels beim Völkerbund in Genf. Er begrüßte es mit'Hroßer GenügtUAng, daß nunmehr in der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" eine alle beteiligten jüdischen Organisationen umfassende Zentralstelle für die allgemeinen Aufgaben dieses Gebietes in Deutschland geschaffen ist. Herr Glücksmann berichtete ausführlich über die Organisation in Buenos Aires und brachte vor allem zum Ausdruck, wie stark die jüdische Mitarbeit in Argentinien bei allen Fragen des Mädchenschutzes und der Bekämpfung des Mädchenhandels sei. Alle Anfragen, die in diesem Bericht erwähnte Arbeitsgebiete im allgemeinen und besonderen betreffen, werden an die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" oder ihre Unterkommissionen, sämtlich Berlin 24, Oranienburger Str. 69, II., erbeten. Tuberkulose-Lotterie. Der Verein Arbeitsgemeinschaft zur Be> kämpf ung der Tuberkulose unter den Juden, Frankfurt a. M., Langestr. 30, veranstaltet eine für den Absatz innerhalb jüdischer Kreise in Preußen ministeriell genehmigte Lotterig deren Ergebnis zur Errichtung einer Tuberknlosenheilstätte für jüdische Männer verwendet werden soll. Die Errichtung einer solchen Heilstätte entspricht einem überaus dringenden Bedürfnis. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und die bei ihr bestehende Arbeitsgemeinschaft Jüdische Tuberkulosefürsorge richten an alle ihr angeschlossenen Wohlfahrts- IQusIitst lu niedrigem preise. lve? kttliigsl« H.s»t«,sgen im Sstrisb ist ösr, cisi- Sie sinscnlisklicn slls? Ausgaben 6ss Wenigst kostet — unci 6ss ist onus ^wsitsl beim cne^Mol.ei' erwiesen. IV2 7s. Onsssis?u klVI. ZSSS.— u. 1/2 l's. Cnsssis?u kiVl. S0ZS.— so. IZsrlin, prompt listerdss. »»^W^^»»»»^MWW^»>»W»WWWM»W»»^^W^^M Alleinige sutorisiei-ts CtttiVKOl.e'I'-t-lsno'lsf für ssi-snkfui-t un6 Umgebung I^L^FHI^FH^ L>1^F^? K «k>?? ""Simgs ÄUiorisiöi-is ^t->5VN0l_t-^-i-lsnMsf für fi-snktui-t un6 Umgebung Nvo^ltl K.i».b.S.. «ksioMlsMti'Slje IKK. Nsingsii 78373