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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-02-01 · 6 (2.1928) · p. Seite 191

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
6 (2.1928)
Date
1928-02-01
Page
Seite 191 (sequence 23)
Language
German
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191 der allein tragfähigen Basis eines Systems zur Heranbildung von Persönlichkeiten, von wahrhaft wurzelhaften Juden. Aber er bekannte es mit beifallswürdigem Freimut, daß dem heutigen Lehrer an höheren Schulen (und an den Volks- und Mittelschulen dürfte es kaum anders' sein!) die Persönlichkeitsentfaltung der jungen Menschen im jüdischen Bereiche und den seitherigen Methoden der Vermit.lung überiommenen jüdischen Wissens, der einfachen Hinsührung zu' den jüdischen Quellen, zur Bibel zumal, schier bis zur Unmöglichkeit erschwert fei. Die Kinder unserer aufgewühlten Zeit setzen, insbesondere in den oberen Klaffen, derartigen früher bewährten Versuchen nicht nur Passiven Widerstand entgegen. Dr. May erwartet ein gewandeltes, neu belebtes Verhältnis des jungen Geschlechts zum Judentum, wenn man ihm die jüdische Lehre in Beziehung setzt zu den Fragen unserer Tage, zu den großen Gestaltungen und Gestaltern des letzten Jahrhunderts, der^u Auswirkungen unsere Erlebnisse heute bedingen oder mitformen. So will er beispielsweise die Begeisterung für unsern größten Propheten Moses durch ein Buch zu entfachen suchen, das „Faust und Moses" beutelt ist. Wie diefes Werk, das der sormenoen Kraft eines für die Wunder des Judentums hellsichtigen Nichtjuden entsprang, so sollen auch andere Schriften, gleichgültig ob von Nichtjuden oder Juden, wenn sie nur die lebendige Bedeutung des Judentums, seinen Lebenssinn und sein Gestaltungsvermögen für heutige Menschen nahebringen, der neuartigen Bibliothek einverleibt werden, zum Heile für Juden und Nichtjuden. Die ewig G'-strigen werden ob solchen Unterfangens ängstlich werden, vielleicht gav zetern. Wer aber die Jugend von hente so nimmt, wie sie ist "und Harum genommen werden muß, wer die Unentrinnbarkeil des Lebensstrvms kennengelernt hat, der weiß, daß man gerade die allehrwürdigsten Kulturgüter in einer Form au die jungen Menschen heranbringen muß, die ihnen, und gerade ihnen gemäß ist, und der wird das Maysche Werk freudig fördern helfen, Das Fest war im übrigen ein ausgeprägtes Fest der Jugend, nur von Schülern und Schülerinnen Dr. Maus getragen. Aber gerade dadurch wurde ergreifend dargetan, wieviel feines, zukunftsreiches Menschenmaterial heranwächst und unserer liebenden Förderung gerade als Juden harrt. Ob es nnn galt, den am Fatrst-Monolog orientierten Prolog (von Frau R. Weil versaßt) oder Stoltzesche Gedichte aufzusagen, Mirjams Schlaftieo als Melodram zu rezitieren, Lieder zur Laute zu singen, Bauern- und Gretcsk>Tänze (von Frau Bergmann einstudiert) vorzuführen, den an witzigen Einfällen reichen Ansager zu spielen oder die Burleske „Meister Geister" von Adolf Stoltze zur köstlichen Darstellung zu bringen, ob das gigantische Präludium mit Fuge von Joh. Seb. Bach oder die starken Rhythmen einer Jazzband erklangen, — stets odei doch fast bei allen Darbietungen der jugendlichen Schar war starkes und stärkstes Talent und eine das durchschnittliche Maß weit übersteigende Kunstbegeisterung spürbar. Wenn hier nicht einzelne Namen stehen, so geschieht es im Interesse eben dieser edlen Jngend, nm sie vor Übersteigerung ihres durchaus begründeten Selbstgefühls zu bewahren. Ter Veranstaltung wohnte neben einer zahlreichen jüdischen Hörerschaft auch der durch seine kluge feine Art weithin bekannte uns geschätzte Direktor der Mnsterschule mit mehreren Damen und Herren seines Kollegiums bei. Gerade um ihretwillen hätten wir nur das eine in der Gestaltung des Abends anders gewünscht: einige Dichtungen und Kompositionen jüdischer Meister. Doch ancl) ohnedies dürfte der Auftakt der „Verständigungs-Bibliothek" frohe Zuversicht auslösen und wird noch lange in der Erinnerung haften bleiben. D r. G u st a v L ö f f l e r. Besichtigungen jüdischer Sehenswürdigkeiten. An den von der „A r b e" (Arbeitsgemeinschaft der Teilnehmer an den Führungen des Verkehrsvereins) veranstalteten Führungen nehmen in der letzten Zeit immer mehr auch Gemeindemitglieder teil, obwohl diese Führungen in erster Linie für nichtjüdische Kreise eingerichtet waren. Die Veranstaltungen tragen vor allem zum gegenseitigen Verständnis und damit auch zur Duldsamkeit in religiösen Dingen bei. Im April beginnen die Führungen bereits zum sechsten Male. Seit Begründung der „Arbe" fanden 34 solcher Besichtigungen statt und zwar in der Hauptsynagoge, der Westendsynagoge, den Synagogen in Bockenheim und Offenbach, der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, dem Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde, dem Rothschildhaus, dem Museum jüdischer Altertümer und den beiden Friedhöfen. Nach vollendeter Instandsetzung im Frühjahr wird das Rothschildsche Damenstift auf der Zeil auch besichtigt werden können. Das Gelingen dieser Veranstaltungen ist besonders dem Mitwirken der Herren Prof. Hülsen, Kustos Toeplitz, Albert Cohen, Rabb. Dr. Dienemann. Gebr. Zunz, Moritz Breslau, Oberkantor Fleischmann, Kantor Eschwege. Organisten Würzburger, Bogel und Heil sowie der Aerzte und Schwestern des Krankenhauses zu danken. Wie notwendig diese Führungen für die nichtjüdischen Teilnehmer sind, zeigen vielleicht einige Fragen, die im Anschluß an die mit den Führungen verbundenen Borträge gestellt wurden. „Darf ein Jude einen Nichtjuden, wie es in der Schrift heißt, bemogeln? Weroen die Juden stehend beerdigt? Kommen Selbstmörder an die Friedhofsmauer? Wird diesen geistliches Geleit verwehrt? Werden Juden, die am Freitag sterben oder beerdigt werden, von der Gemeinde angespuckt und mit Steinen beworfen? Ist es wahr, daß man im Alter von acht Tagen die Windel eines Kindes zur Synagoge bringt?" Einerseits wird also durch die monatlich eiumal innerhalb des Arbeitsplans anftretenden^iüoischen Führungen Aufklärung und Wissen über jüdisches Wesen verbreitet, andererseits für Richtigstellung dieser Legendenbildungen gesorgt. Letzten Endes aber wird durch diese Kleinarbeit, die jetzt mit Hilfe des Rundfunks ihre Tätigkeit immer mehr ausgebreitet hat, dem Judenhaß so manche Spitze abgebrochen, da durch die Vorträge uud den Anschauungsunterricht Belehrung und Aufkläruug iu weiteste Kreise getragen wird. E. Münste r. Gräberschmuck zum Volkstrauertag (4. März), zu Ostern und Pfingsten. An den Totengedenktagen im Jahre 1927 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräbersürsorge im Auftrage der Angehörigen und von sich aus fast 3000 Gräber von Gefallenen aus dem Weltkriege schmücken. Immer noch eine kleine Zahl im Vergleich zu den 2 Millionen Grabstätten in fremder Erde. So ruft denn der Volksbnnd die Angehörigen auf, die letzten Ruhestätten ihrer teuren Toten am Volkstrauertag (4. März 1923), zu Ostern und Pfingsten mit einem Gruß aus der Heimat zu bedenken. Auskünfte durch das Sekretariat des Volksbündes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Frankfurt a. M., Münzgasse 3; Telephon: Römer 1860. Jüdisch-konservative Vereinigung in Preußen. Die Bereinigung veranstaltet am 5. Februar in Frankfurt am Main eine Tagung für den Rhein-Main-Bezirk, in der einige grundlegende Fragen, insbesondere das Bcvölkerungsproblem, die Lag^ der Landgemeinden und die Wohlfahrtspflege zur Erörterung kommen sollen. An die Tagung schließt sich eins öffentliche Versammlung.- Näheres s. Tageskalender. Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben, E. V. Ter Verein veranstaltet am Mittwoch, den 29. Februar 1928, in den Ränmen des Frankfurter Hofs einen Schaltjahr- Abend ni i t T a u z. Nähere Mitteilungen erfolgen m Kürze durch Presse und Rundschreiben. Konzert. Für die Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulofe unter den Juden, E. V., Frankfurt, am Main, musizieren am Montag, 6. Februar, abends 8 Uhr im kleinen Taal des Saalbaus die Herren: Adolf Rebner, Prof. Dr. Jgersheimer, Dr. Otto Eisner, Dr. Richard Roscnberg mit einem Kammerorchester unter Leitung von Herrn Dr. N. Ehrenrei ch. Es kommen zur Ausführung Werke von Mozart, Haydn, Mahler und eine Uraufführung von Richard Rosenberg. — Karten zum Preise von 8, 6, 4 nnd 2 Mark erhältlich bei: 'Kaufhans Hermann Wronker, Firnberg, Schillerstraßs, und Musikzentrale, Rathenauplatz. Tohuwabohu am 13. Februar 1928. So heißt das diesjährige Fest des J.N.F., das ein Nachfolger der beliebten und bekannten Frankfurter Kostümfeste „Orangenmarkt in Jaffa", „Karawane am Jordan", „Von Potiphar bis Patachon" ist. Das Fest findet dieses Jahr wieder in den Räumen des Palais Groß-Frankfnrt statt, und zwar in besonders glänzendem Nahmen mit einem künstlerischen Tanz-Festspiel und der beliebten Kapelle Pinkus-Langer. Vorzugskarten auf die bereits versandten Einladungen hin sind zum Preise von Mk. 8.50 bei der Straußschen Buchhandlung, Biebergasse 13, Drogerie Schneemann, Zeil 39, Buchhandlung Goldstein, Gr. Eschenheimer Str. 8 nnd Lina Schott, Rathenauplatz 10, zu haben. Beginn 20 Uhr. (Abendkarte 12 Mark.) l-I^lVI^KM I_Q5?(Z^ k Oo, 8pv?ialkau8 tüp c!en moövnnkn Lürobklwrf 4. IV!. Ltittstraös 9—17 k-srnspf. tt. 6073!4»^4»:>«>»^>»^4^^4»^>»-95«4K^>»-^4»^>»--«4»-N H^e/^stä^e /ü^ ^«/-osseT'l'eöall ^05^^ c/^/e^ ^?o^c?<,/-/s^s// a^e ^5-50 /?e/e/o/!.- La^o?»« 4^9^4

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