Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-02-01 · 6 (2.1928) · p. Seite 190

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
6 (2.1928)
Date
1928-02-01
Page
Seite 190 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3094266-3094324-3094329--1292-3096013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

190 Rabbiner-Verband in Deutschland. Der Rabbiner-Verband in Deutschland wird am 29. und 30. Mai in Berlin seine satzungsgemäße Hauptversammlung abhalten. Die Sitzung soll in ihrem nichtgeschästlichen Teil unter dem einheitlichen Gesichtspunkt „die Forderung des Judentums für die Gestaltung des öffentlichen Lebens" stehen. Ein Referat über den Sabbatgedanken wird diesen Teil der Tagung einleiten; es sind dann ferner vorgesehen Referate über „Wirtschafts-Ethik", „Bodenreform" und „Bevölkerungspolitik". Für die Wahl des die Tagung beherrschenden Themas war der Gedanke maßgebend, daß das religiöse Judentum nicht daraus verzichten darf, eine Ordnung des gesamten Lebens anzustreben, und nicht darauf verzichten darf, seine Stimme zu erheben und in dem Chaos unserer Tage von seiner Idee aus Gestaltung zu versuchen. Hilfsverein der deutschen Juden. Das Lokalkonntee des Hilfsvereins der deutschen Juden Veranstalters om 16. Januar einen Ausspracheabend über das Arbeitsprogramm des Vereins und seine zukünftige Ausgestaltung. Der Abend wurde durch bedeutsame Ansprachen der Herren Justizrat Blau, Dr. Felix Kauffmann, Dr. M. Wischnitzer-Berlin eingeleitet und nahm einen überaus anregenden Verlauf. Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege. Ter neue Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege, der einen Ueberblick über sämtliche Anstalten wie Kranbenhäuser, Altersheime, Waisenhäuser, Kindergärten, Kinderhorte usw., ferner Jugendpflegeeinrichtungen, Wohlfahrtsvereine und Organisationen in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands geben soll, wird jetzt in Druckaegeben. Leider fehlen noch immer von einer ganzen Anzahl von Wohlfahrtseinrichtungen die notwendigen Angaben (ausgefüllte Fragebogen, Satzungen, Berichte usw.). Da es im größten Interesse der jüdifchen'Öffentlichkeit liegt, daß der Führer vollständig und mit den neuesten Angaben erscheint, bittet die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 69, dringend um umgehende Uebersendnng oder Ergänzung des Materials. Neue Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die Büroräume der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, soweit sie sich bisher in Berlin C. 2, Rosenstraße 2/4, befanden, sind am 1. Januar 1928 nach Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 69 II, verlegt worden. Fernsprecher: Amt Norden Nr. 12 770. Die Geschäftsstellen des Reichsausschusses der jüdischen Juaendverbände sowie der Arbeitsgemeinschaften für jüdische Tuberkulosenfürsorge und jüdische Gefährdetenfürsorge sind ebenfalls nach Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 69, verlegt worden. Führerlager des Kadimah. In der Zeit vom 25. Dezember bis 1. Januar fand in Schmiedeberg im Riesengebirge das erste Führerlager des Kadimah statt. An ihm nahmen ca. 60 Führer und Führerinnen des Bundes teil. Entsprechend der außerordentlichen Wichtigkeit, die der Bund der planmäßigen Durchbildung seiner Führer zumißt, war das Lager mit größter Sorgfalt vorbereitet und befriedigte nach seinem inneren und äußeren Verlauf sämtliche Teilnehmer. Im Gegensatz zu früheren Tagungen wurden bundesideologische Fragen nicht besprochendagegen standen im Mittelpunkt der geleisteten Arbeit Pädagogische Fragen. Für die Behandlung des allgemeinen pädagogischen Teiles hatte sich der Privatdozent der Hamburger Universität, Dr. Curt Bonoy, zur Verfügung gestellt. In dreitägiger, intensivster Arbeit im Plenum und in kleineren Kreisen wurde unter der Leitung Dr. Bonoys zu folgenden Fragen Stellung genommen: Grundsragen der Pädagogik und Psychologie, Grenzen der Erziehung, der Führer, der Zug, Lebenshaltung, die sexuelle Frage, Probleme der geistigen Erziehung, Erziehungsziel und Bildungsideal, Zwang und Freiheit in der Erziehung. Außer den einleitenden Referaten Dr. Bondys wurden eine Anzahl Sonderreferate von Führern des Bundes gehalten. Der ausgezeichneten straffen und fachlichen Leitung dieses Teiles durch Dr. Bondy, der?eppic«L ösutselis uncl orisntal. slls (ZrölZsn n>vsell?o?ke aller ^rtsn in fsiolists«' ^uswalil aus kollsktion lZsi'nlisimss'-l^üiiLnsii. /<lls sinselil. ^»-riksl. l^nn-ip: k?ssll, gut uncl pk'siswsft. Otts XrsutnsSm Sps-ialfaelimaiiki ku> Isppiotis unci IVIöbsIstoffs ireüekon »SN»» 3211 VIei«Ienst?s»»e 12 es verstand, sich dem besonderen Charakter des Bundes anzupassen, und die wirklichen Fragen eines Jugendbundes in den Bordergrund zu stellen, ist das Gelingen der Tagung zu einem sehr großen Teile zu verdanken. Besonderes Gewicht wurde auch auf die Behandlung der Fragen jüdischer und hebräischer Arbeit gelegt. Hier war es gelungen, für das Hauptrefcral Herrn Dr. Mayer (Zwickau) zu gewinnen, dessen lebendige Ausführungen stärkstes Interesse fanden und auf die Weiterführung der judischen Bildungsarbeit des Kadimah außerordentlich anregend wirkten. In diesem Teile wurden u. a. folgende Themata behandelt: Grundsätzliches zum Hebräischen, Methodik des Hebräischen. Die besonderen Aufgaben der jüdischen Erziehung bei Jüngeren von 12—15 Jahren und Uebersicht über di^ für dieses Alter zur Verfügung stehenden Stoffe. - Für die Praktische Scoutarbeit war der Bund auf eigene Kräfte angewiesen. Auch hier sind wesentliche Fortschritte seit dem letzten Bundestag zu verzeichnen. Am letzten Tage fand in einem Schmiedeberger Lichtspieltheater die Aufführung eines Filmes und eines Lichtbildervortrages statt, welche von der Mvntessori-Gesellschaft in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt worden waren. — Die Tagung war auch insofern erfreulich, als eine große Anzahl von Jungführern sich in aktivster Weise an ihr beteiligten. Der Bundesrat des Kadimah trat im Laufe der Tagung zur Besprechung von bundcsorganisatorischen Fragen zusammen; u. a. wurde die Bundesleitung mit Bernhard Bamberger, Hans Kaufmann, Kur- London und Erich Sonntag bestätigt. Das Führerlager des Kadimah hat durch seinen Verlauf bewiesen, daß der Glaube der Führer, mit der Gründung des Bundes neue Wege jüdischer Jugenderziehung beschritten zu haben, durch die Tatsachen gerechtfertigt worden ist. Eine Verständigungs-Bibliothek. Am Sonntag, 22. Januar, gab es in der Aula der Mustersch ule eine künstlerische Veranstaltung junger jüdischer Menschen, die Anspruch erheben darf, in der Chronik der Frankfurter jüdischen Gemeinde festgehalten zu werden. Einmal um des Zwecks der Feier willen, dann aber auch wegen der ganz ungewöhnlichen Qualität des Gebotenen. Rufer zum Feste war Rabbiner Dr. B. May, der religiöse Führer und Freund zahlreicher Jungens und Mädels an Frank- Nrts höhereu Schulen, der ihn treibende Wunsch: die Elternschaft ein^r Zöglinge und Verehrer seiner pädagogischen Kunst mit einer von ihm "an der Musterschule getroffenen Neueinrichtung vertraut zu machen und dafür zu werben — mit der Verftändigungs- Bibliochek. Ein kühner Versuch eines in seinem Erzieherberufe besessenen, stets nach neuen Wegen zur Seele seiner Schüler suchenden pädagogischen Meisters. Zugleich ein aussichtsreiches Mittel der lauteren und darum erlaubten Apologetik bei einem neu erblühenden Geschlecht lunger Juden und"Nichtjuden. Diese „Verständigungs-Bibliothek" soll den jüdischen und nichtjüdischen Schülern der Musterschule zugängig sein. Sie will bei ersteren auf neue Art Sehnsucht nach Wissen ums Judentum und daraus erwachsende Liebe zu seinem hohen und höchsten Werke wecken; und sie sucht bei den jugendlichen nichtjüdischen Mitschülern um Achtung vor der menschtümlichen Bedeutung jüdischer Kultur und damit um wahrhaft freie, der Vorurteile bare Haltung zu jüdischen Menschen zu werben. Die Ansprache Dr. Mays, durch die er den Sinn der Neugestaltung deuten wollte, und in der er das Jugendfest zur wahren Feier führte, war weit mehr als übliche Rede, war geradezu brennendes und ergreifendes Bekenntnis eines im Strome des Lebens stehenden nnd an seinen Wogen gepeitschten jüdischen Erziehers unserer Tage. Schade drum, daß sich seinen Gedanken nicht ein vielfach größerer Resonanzboden darbot, daß seine feinen, psychologischen Erkenntnisse und deren ehrliche Aeußerung nicht vor einem Forum jüdischer Lehrer erklangen, die davon hätten aufgerüttelt werden können. Die Worte Dr. Mays gipfelten in einer Huldigung an den Geist Goethes, von dessen „Pädagogischer Provinz" in „Wilhelm Meister" die der Mahschen Schöpfung zugrunde liegende Idee stark beeinfliißt ist. Mit dem leuchtenden Genius Goethes bekannte sich der Redner zur Ehrfurcht als?rivi1eKierte Lenwansn-ApotnekS uncl l-iomöopstnisens Oentrslspotneke H. HlllttmAHII f>snkfuft SM IVIsin?>iv«jdvfgvr /^nlsgs S / ^srnspr. Os^olu« 47S2S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.