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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-02-01 · 6 (2.1928) · p. Seite 187

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
6 (2.1928)
Date
1928-02-01
Page
Seite 187 (sequence 19)
Language
German
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187 Flora Geisenheimer geb. Kann 18. April 1841 — 23. Januar 1928 Einen wertvollen Menschen von bester und echtester Tradition aus der Alt-Frankfurter Judengemeinde mußten wir zu Grabe tragen. Worte des Gedenkens sollen auch hier ihre Stätte finden. Der durch Jahrhunderte gerühmte Name „Kann" leuchtet in diesem Nachruf auf. Die Frau, die ihn als Mädchen getragen, war sich der Verpflichtung, die ihr mit ihm auferlegt war, durchaus bewußt. Sie wurde solcher Anforderung auch in vollem Ausmaß gerecht. Eine hohe, weitblickende Klugheit einte sich in diesem Adelsmenschen mit wahrhaft hingebender Güte. Äußerste Anspruchslosigkeit, die ihrer selbst nicht achtete, gesellte sich hinzu. Schier unzerbrechlicher Lebenstrieb und ungebeugte Daseinskraft spannten einen Rahmen von fast neun Jahrzehnten für ein Wirken, das gewiß in erster Linie dem Kreis der Familie galt. Aber hier war nicht Grenze des Schaffens. Leibliche Erben waren dieser Frau versagt. Ihr starker Wille ließ als ein dauerndes Zeugnis ihrer Gesinnung und ihres Wesens gleichsam als ihr Kind, mit großen Opfern und unter persönlichen Mühen die segensreiche Eduard und Adelheid Kann'sche Stiftung (Genesungsheim in Oberstedten i. T.) erstehen. Wohl ist sie ein Beweis für die hohe Lebensauffassung der Stifterin, deren sittliche Überzeugungen fest verankert waren in einer pietätvollen, unerschütterlichen lebendigen Religiosität jüdischer Ausprägung. Die neuen Geschlechter unserer Zeit mögen die Daseinswerte dieses Frauenlebens anerkennen, schätzen, beherzigen und in die Tat umsetzen. Der Heimgegangenen sei der Friede des ewigen Lebens beschieden! ^. Arbeitshilfe. Von Architekt (BDA.) Fritz Epstein. In der letzten Nummer des Gemeindeblatts war bereits unter der gleichen Überschrift angekündigt, daß demnächst das Problem der Produktivierung jüdischer Erwerbsloser tatkräftig in Angriff genommen werden sollte. Für die an einer neuzeitlichen Behandlung sozialer Arbeit interessierten Leser des Gemeindeblatts wird es von Interesse sein, schon jetzt einiges über den Stand der Angelegenheit zu hören. Der Israelitische Hilfsverein befaßt sich in der Hauptsache mit solchen Personen, die durch irgendwelche Schicksale zur Wanderschaft gezwungen sind, dagegen bemüht sich der Verein für Berufsberatung und Arbeitsnachweis um di^ Beschaffung geeigneter Arbeitsmöglichkeiten. Infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland ist es dieser Arbeitsnachweisstelle sehr schwer geworden, einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herbeizuführen. Den wenigen offenen Stellen steht eine Ueberzayl von Erwerbslosen gegenüber. Es ist infolge der Eigenart der Petenten in vielen Fällen nicht möglich, die öffentliche Erwerbslosenfürsorge in Anspruch zu nehmen. Ueber diese Besonderheilen der jüdischen Wanderer enthält eine gerade jetzt erschienene Schrift von A. Schell (Der wandernde Arbeitslose usw. S. III ff.) beachtenswerte Angaben. Einige Besprechungen haben nun in neuester Zeit stattgesunden, um die Produktivierung jüdischer Erwerbsloser planmäßig vorzubereiten und Möglichkeiten hierfür zu schassen. Die staatlichen und städtischen Behörden haben großes Interesse für diese Angelegenheit gewonnen, und es ist Wohl anzunehmen, daß sie auch mit gewisser finanzieller Unterstützung mithelfen werden. Es wird vor allem notwendig sein, Arbeitsstätten industrieller oder landwirtschaftlicher Art im Bereiche der Stadt oder ihrem näheren und Weileren Umkreis zu beschaffen. Als Vorbild für einzurichtende Arbeitsstätten industrieller Art könnte die städtische „Zentrale für Erwerbslose und Erwerbsbeschränkte in Bockenheim" und die „Wanderarbeitsstätte am Roten Hamm" dienen. In der,,Zen1raIe" wird nur Arbeit gegeben, zumeist für dauernd Beschäftigte; in der „Wanderarbeitsstätte" wird Arbeit nebst Unterkunst und Verpflegung für kürzere Dauer gegeben. In beiden Arbensstätten wird Lohn gezahlt. In der Erwerbsbeschränktenzentrale sind etwa folgende Ärbeitsbetriebe: Möbel- und Bauschreinerei, Lackiererwerkstatt, Matten- und Bürstenfabrikation, Schlosserei, Korbflechterei, Polsteret und Holzhackerei. In einer ähnlichen Werkstätte in Wiesbaden wird noch Korkenfabrikation, Flickschusterei und Weißnäherei betrieben. In der Wanderarbeitsstätte werden in einer Brockensammlung die alten Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände neu hergerichtet; es ist also eine KleinZchreinerei, Polsterei und Lackiererei vorhanden, ferner eine Schneiderei, Holzhackerei und Schrottverwertungsstelle, Altpapiersortierung und Kistenherstellung aus alten Kisten. In allen diesen Betrieben werden die Arbeiter je nach ihrer beruflichen Geeignetheit verwendet und evtl. angelernt. In den landwirtschaslUchen Betrieben käme für die gelernten Arbeiter die regelrechte landwirtschaftliche Arbeit in Frage (Acker-, Forst-, Viehwirtschaft, Geflügelfarm usw.) oder auch die Nebenarbeiten für Hilfskräfte und die Verbesserungen des Bodens für Ungelernte. Es gibt unter den in Frage kommenden jüdischen Petenten eine genügende Zahl von Leuten, die als gelernte Arbeiter oder als Geeignete in irgend einem dieser Berufe beschäftigt werden können. Es handelt sich nun darum, trotz der Schwierigkeiten, die in der heutigen Raumnot begründet sind, ein geeignetes Haus oder Räume zu finden, um die Einrichtung solcher Arbeitsstätten, die vorläufig nur für Männer gedacht sind, zu ermöglichen. VMVKMI iMKMS » vr. s. 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