Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 6 (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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suchte Dich!" hat Nahida Ruth Lazarus — wie sie nunmehr hieß — ihren Lebensweg bis zu diesem Punkte beschrieben, wo sie bekannte: „Ich suchte Dich mein Gott — und habe Dich gefunden. Ich suchte Dich, mein Judentum, und habe Dich gefunden." Villa Ruih in Meran ward nun bald die Wohn- und Arbeitsstätte des Gelehrten, der sich von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte und von seiner Gattin in treuer Hingabe gehegt und Wohl auch bei seinen literarischen Arbeiten „Ethik des Judent-ums" unterstützt wurde. Schon 1903 riß der Tod die beiden auseinander. Moritz Lazarus ward auf dem Friedhof zu Meran zur Ruhe bestattet. Nun beginnt der letzte Abschnitt im Leben Nahidas. Er ist fast ausschließlich erfüllt von geradezu andachtsvoller Verehrung für ihren Lehrer und Gatten. Alles fetzte sie daran, um sein Andenken bei sich und in der Welt draußen wach zu erhalten und seines Wesens Wert und seines Daseins Wirken weithin kundzutun. So entstand manches Buch. Mit dem treuesten Schüler von Moritz Lazarus, Professor Alfred Leicht, gab sie die „Lebenserinnerungen" heraus. Ein besonderes Kapitel aus ihnen behandelt die umfangreiche Schrift „Ein deutscher Professor in der Schweiz". Wie reizvoll ist doch die Autobiographie von Moritz Lazarus „Aus meiner Jugend", die Nahida zehn Jahre nach dem Tode ihres Mannes hat erscheinen lassen. Schon bei seinen Lebzeiten hat sie Sprüche aus all seinen Werken gesammelt und sie ihm „Zum Ehrentage seines 50jährigen Doktorjubiläums" in einem stattlichen Band dargebracht. In diesem Lazaruskult — so kann man es füglich nennen — hat sie fortgelebt bis an ihr Ende. Die Schwere der Zeitläufte, die dann mit dem Jahre 1914 über die Welt hereinbrachen, hat auch ihr ein hartes äußeres Los und Fülle der Entbehrung bereitet, die freilich in den letzten Jahren ihr wieder durch verständnisvolle Fürsorge der deutschen Judenheit erleichtert wurde. Aber mochte die Not auch noch fo groß sein, mochten Erscheinungen des Alters ihre äußere Kraft beeinträchtigen, mochte zumal das Licht ihrer von Natur Wohl schwachen Augen mehr und. mehr abnehmen, sie blieb ungebrochen in der Kraft ihres Geistes, im Mut zum Leben und in der dankbaren, tief religiösen Freude am Dasein. Wer immer in ihr bescheidenes Stübchen trat — Villa Ruth gehörte ihr längst nicht mehr — war ergriffen von der leuchtenden Klarheit der Rede und der plastischen Darstellung in den Erzählungen dieser Frau. Nichts von Mattigkeit des Alters war zu verspüren. Trotz aller Enttäuschungen lebte ein inniges Mitgefühl in ihr mit aller Kreatur. Für Arme sparte sie sich, in wahrem Sinne des Wortes, die Bissen vom 173 Munde ab, und ihr Brot trug sie, von ihren eigenen Händen zerbröckelt, Tag um Tag zu den Tauben am Kornplatz zu Meran. DaZ letzte Bild von ihr zeigt uns dort die aufrechte Gestalt der Greisin, umgeben von dem Schwärm ihrer Lieblingstierchen, die sie füttert. Mutter Natur hat es auch gut mit ihr gemeint. Nur wenige Tage lag sie krank darnieder, dann hat ein Herzschlag ihrem Leben ein Ende gemacht. Was sterblich an ihr gewesen, ruht auf dem neuen Judenfriedhof in Meran. Möge Wollen und Wirken dieser frommen Proselytin für Juden und Judentum in unserer Mitte unvergessen bleiben! Jeanette Wohl Von Ali Galliner. In Preußens Hauptstadt war — wie auch in Wien — die geselljchaftliche Emanzipation der Juden der politischen vorausgegangen. Jüdische Häuser wurden hier wie dort Mittelpunkte geistiger und ästhetischer Kultur, die Salons der Rahel, der Henriette Herz, Esketes und Arnstein sind Stätten, an denen Künstler, Gelehrte, Männer der Politik, ohne Unterschiede des Glaubens und der Nationalität zu edlen, geistigen Genüssen sich zusammenfanden. Frankfurt hat dem nichts gleiches an die Seite zu stellen. Das Ringen um die gesellschaftliche Gleichberechtigung war hier besonders schwer, die politische zwar wird mit dem Einzug des Fürstprimas Dolberg gewährt, doch wenige Jahre später wieder eingeschränkt. So geht der innere Kamps um Befreiung und Volle Gleichberechtigung gesellschaftlicher und politischer Art In dieser Zeit lebt Ieanette Wohl. Als Kind jüdischer Eltern, im Ghetto geboren, mit den Schriften Gabriel Rießers vertraut, zeigt sie doch vorzugsweise Interesse für die Werke Jean Pauls und Rousseaus, für das Schicksal Polens. Doch bleibt sie eine gute jüdische Tochter, heiratet auf Drängen ihrer Familie einen sehr reichen Kaufmann, findet dann aber in dieser nüchternen Ehe keine innere Befriedigung. Noch unterdrückt sie den Plan einer Scheidung; als der Gatte schwer erkrankt, Pflegt sie ihn, bis er genesen, löst sich dann von ihm — gegen den Willen ihrer Familie — ohne auch nur einen einzigen Pfennig seines Vermögens und ohne seinen Namen mitzunehmen. Ludwig Börne saß als Polizeiaktuar im Römer, hatte Pässe zu revidieren und Protokolle aufzunehmen. Durch die Reaktion verliert er diese Stelle. Wohl arbeitet er für eine Zeitschrift „Die Zeitschwingen" — sie wird verboten —, auch die „Zeitung der freien Stadt Frankfurt" gibt kleine Artikel von ihm heraus, aber immer mit Zensurscherereien, so daß er gezwungenermaßen aufhören muß. Was soll nun aus ihm werden? Im Konflikt mit dem Vater, im Zweifel über sich selbst, innerlich oereinssllni'eppiOtteu. r»0l.87ckkiviös?i. nun ^N7S74ULUWQ mit „vrue Kluft" ^ni-iyioi^unQ mit „Llsussure" „!V!^VKUV4" mee«. u. vkuoKl.u?7-i^pr»>e»-l?e«uisun<ZS a.ivi.s.«. frlMo? „mevek" Ssrgsrstr. 149 - 1-sI.- nur esi-slu» 4ZS22 Olismiselisksinigung/kunststopfsk-si i-asenuns wÄttkcnv v^k i-cmen <Zk47>s Isoot» »SZssSI» ^ll^KK088tt^!^l)l.U^lZ Verti-ieb inunci au8länö. Weine Frankfurt a. 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