Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 6 (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindevlatt devSlvaelttisthen Gemeinde SvanHßuvt a.Maw D» G°m-md.n.!.g.-.d-. -.ha..-.. d°- Slmttt«vevSl«seiaev N„°W:«.fV^ Blatt unentgeltlich. BezugsprelS für , «^ und auf der letzten Seite 60 Pfq. NichtMitglieder 40 Pfg. für die T S M S ß tt V O V V V tV Q ß s tt II S Bei Wiederholungen Rabatt. Nummer. Zustellung durch die Post. ^^^^^^_ Anzeigenverwaltung: Gemeindehaus Schriftleitung und Verwaltung: I^rgasse "6, Erdgeschoß. Fahrgass- I4b. 6. Mtg. FtaNkflltt g. N., FebtUat 1928 M. 6 Fernsprecher Hansa .527 und 7085 Die Schriftleitung übernimmt fitr den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preßgesetzliche Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Seite Amtliche Anzeigen................... 180 Aus dem Gemeindevorstand............... l82 Aus der Gemeindevertretung............... 182 B. Saphra, Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern ... 171 Bogelstein, Abraham Geiger............... 172 Kracauer, Feste und Trachten in der alten Ludengasse .... 174 Zwei Pestalozzi-Erinnerungen............... 176 Lazarus, Nahida Ruth Lazarus.............. 177 Galllner, Jeanette Wohl................. 178 Epstein, Arbeitshilfe. '! . ' ' ' ' ' ' ' . 187 Älnfialten und Bereine, Bersammlungskalender .... 188—193 Bücherschau...................... 193 Gottesdienstlicher Anzeiger................ 194 Veränderungen im Personenstand............. 194 Wichtige Neuerscheinung. Kracauer, Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. 2. Band (Schlußband), VIII, 553 Seiten Preis des broschierten Exemplars RM. 12.50.— für die Subskribenten RM. 11.— Der erste Band ist noch zum Preis yon RM. 10.—; für das Der Kommissionsverlag ist der Firma I. Kauffmann, Frankfurt a. M., Schillerstraße 19, übertragen. Das Werk ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Paulus. Von Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum, Bingen a. Rh. Paulus ist unter den Personen des Neuen Testamentes deshalb im Mittelpunkt des jüdischen Interesses, rveil mit ihm die Loslösung des Christentums, das vorher eine jüdische Sekte neben andern gewesen ist, vom Judentum erfolgt. Mit Paulus beginnt der Bruch mit dem Judentum, nicht mit Jesus, der in bewußten! Partikularismus, zu dem die Liebe sich diszipliniert, es abgelehnt hatte, den jüdischen Acker zu verlassen: „Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme". Jesus wollte in seinem Wirken Jude bleiben, und auch seine . Lehre ist dem offiziellen Judentum seiner Zeit gegenüber nichts Neues. Man kann die ganze Bergpredigt aus talmudischen Zitaten zusammenstellen. Einzelne übertriebene Forderungen der Bergpredigt, z. B. die dem Reichtum gegenüber, erweisen sich nicht als ursprünglich sondern gehen auf Lukas zurück. Die Kritik, die Jesus am Pharisaismus übt, meint nur dessen Praxis, nicht dessen grundlegende Theorie, die von ihm anerkannt und gelebt wurde: es gibt überzeugte Katholiken, die die Mängel der katholischen Organisation und des sie leitenden Klerus scharf geißeln. Die Kritik des Paulus ist dagegen anders, sie will das System selbst treffen. Der Bruch des Paulus mit dem Judentum bedeutet zugleich einen Bruch mit dem Urchristentum, sodaß Leo Baeck paradox, aber durchaus richtig, den protestantischen Liberalen von heute gegenüber bemerken konnte, ihr „Zurück zu Christus und weg von Paulus" bedeute ein „Zurück zum Judentum". Paulus hat nicht Christus in den Mittelpunkt seiner Religion gestellt, sondern eine Christusfigur, bei der weniger jüdische Tradition als die Theosophie der Mysterienkulte mitgeschaffen hat. Um.den Gegensatz "zwischen der .Frömmigkeit der Synagoge und der magischen Theosöphie der Mysterienkulte ganz scharf zu kennzeichnen, kann bei Nichtberücksichtigung der oft vorhandenen Übergänge gesagt werden: In der Synagoge wurde gebetet, im griechischen Mysterienkult wurde gezaubert. In der Synagoge schuf man Andacht, im Mysterienkult erstrebte man Ekstase, die" sich oft zur Orgie entwickelte. Den Glauben hat auch Jesaja gelehrt und nach ihm Daniel, und wer hätte das Glaubensgebot Verleugnet unter den Juden? Wenn aber Paulus vom Glauben spricht, so ist die Verzückung des Ekstatikers viel mehr gemeint als der Glaube des Jesaja und aller derer, die als sittlich Aktive eine Sicherheit aufbringen, die im rastlosen Tun tiefstes Ruhigsein gewährt. Von allen Juden, die Mission getrieben haben, ist Paulus der, der den größten Erfolg zu haben scheint. Aber es ist ein Erfolg in die Breite nnd nicht in die Tiefe. Die Welt der Synagoge, jedoch sehr stark an die magische Theosophie der Mysterienkulte herangerückt, das ist'paulinisches Christentum. Der Glaube, den Jesus gehabt hat, kann wohl noch in Vorstellungen einiger zeitgenössischer, wenn auch nicht führender Rabbinen eingeordnet werden. Der Glaube an Jesus, den Paulus predigt, ist etwas Neues. Wenn Akiba auf Bar^ Kochba sagt: '„das ist der Messias", so meint er, das ist der Mensch, der geeignet ist und, will's Gott, erwählt scheint, Werkzeug Gottes zu sein. Nicht mehr. Wenn aber Paulus an Jesus glaubt, so ist das etwas anderes. Es ist die Erlösungstheosophie der hellenistischen'Geheimkulte: der dem Kult. Angehörige stirbt als Individuum und erwacht hinaufgerückt und verbunden mit dem im Kult verehrten Gotte und erhält so die Sicherung gegen die Schrecken der Vernichtung und die Qualen der Unterwelt. Der Glaube an Jesus wurde von der griechischen Welt als solch mystisches Einswerden mit der Gottheit Jesus verstanden, und Paulus, selbst ein Kind der griechischen Welt, hat unter Glaube dieses verzückte Aufgeben der Vernunft