Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 5 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3094266-3094324-3094328--1251-3095971- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
150 Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden (Amtlich). . Bevölkerungspolitischer Ausschuß. Am 7. Dezember 1927 tagte unter dem Vorsitz von Frau Siddy Wronskh, Berlin, der bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Die Wirkung des an die gesamte jüdische Presse vor einiger Zeit ergangenen Ausruses, der sich unter.eindringlicher Schilderung der bevölkerungspolitischen Verhältnisse unier den deutschen Juden an die jüdische Öffentlichkeit richtete, wurde eingehend besprochen. Es wurde festgestellt, daß der Aufruf bis auf wenige Ausnahmen von allen jüdischen Zeitungen abgedruckt worden sei. Damit ist die öffentliche Meinung auf dieses hochwichtige Problem wiederum aufmerksam gemacht. Der Ansichuß nahm davon Kenntnis, daß sich die Berufsverbände der Rabbiner und Lehrer ebenso Jugendverbäude und der Jüdische Frauenbund bereit erklärt haben, die ihnen nahestehenden Kreise im Sinne des erwähnten Aufrufs zu beeinflussen. Bon den übrigen auf der Tagesordnung stehenden Angelegenheiten wurde sodann die Frage der Frühehe erörtert und angeregt, zu deren Förderung eine Kasse durch Stiftungen vorerst -in den Großgemeinden zu errichten. Der erschreckende allgemeine Wohnungsmangel imd die damit zusammenhängenden sozialhygienischen, wirtschaftlichen und sittlichen Nöte machen auch in den Reihen der jüdischen Gemeinden umfassendere Reformversuche zu einer unabweislichen Pflicht. Auf einen Antrag von Frau Bertha Pappenheim-Frankfurt a. M. sollen die vom Jüdischen Frauenbund bisher bearbeiteten Stammbaumformulare unter dem Gesichtspunkt untersucht und vervollständigt werden, daß aus ihnen wichtige geschichtliche und soziologische Zusammenhänge innerhalb des deutschen Judentums aufgezeigt werden können. Zum Schluß der Verhandlungen wurde die frühere Anregung, ein bevölkerungspolitisches Preisausschreiben zu erlassen, aufgenommen. Man einigte sich auf das Thema: „Das großstädtische Wohnungsproblem und sein Einfluß auf die jüdische Bevölkerung." Zwei Preise, einer von 1000 Nm. und einer von 500 Rm., sind in Aussicht genommen. Die näheren Bedingungen sollen noch festgestellt werden. Wohlfahrtsausschuß. Am 11. Dezember ds. Js. fand unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Dr. Türk-Berlin die Wintertagung des Wohlfahrts- Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Als Punkt 1 der Tagesordnung wurde das Siedlungsunternehmen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten eingehend besprochen. Auf Einladung des Ausschusses war das Mitglied der Landesversammlung, Herr R.-A. Dr. Elkeles, vom Siedlungs- Aussckuß des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten anwesend, um das Gesuch wegen Beteiligung des Landesverbandes an dem Siedlungswerk des R. j. F. persönlich ausführlich zu begründen. Die Pläne des Reichsbundes, einen jüdischen landwirtschaftlichen Siedlerstand in Deutschland und damit ein Gegengewicht gegen die einseitige Berufsschichtung der Juden zu schaffen, fanden — wie überall — das volle Verständnis der Mitglieder des Wohlfahrts-Ausschusses. Man verkannte freilich die großen Schwierigkeiten der Sache nicht. So wurde darauf hingewiesen, daß es zwar I , ver mvrnvv« ckMVkKkckM beim PGUZUKLMKMKK Ltittstrssse S—10 bietst gross« Vorteile in cien Abteilungen vl.« «ausu»o «R-c»LH«vk»»?e in Deutschland nur noch eine sehr kleine Anzahl jüdischer Bauern gäbe, die meisten in der Landwirtschaft tätigen Juden seien in gleichem Maße auch Viehhändler, weil sie sich von ihrem landwirtschaftlichen Besitz allein nicht ernähren könnten. Die Landflucht in jüdischen Kreisen sei größer als in irgendwelchen anderen Schichten, da das kulturelle und wirtschaftliche Vorwärtskommen den Judeu auf dem Lande außerordentlich erschwert sei, und viele schon deshalb in die Städte zögen, um ihren Kindern eine bessere Bildung angedeihen zu lassen. Ein jüdisches Gemeinschaftsleben könne sich auf dem Lande wegen der nur vereinzelt wohnenden- Glaubensgenossen schwer entwickeln. Zum jüdischen Bauern gehöre auch die jüdische Bäuerin; solange es 'die nicht gäbe, könne mit der Siedlung nicht begonnen werden. Demgegenüber wurde aber auch betont, daß trotz aller bestehenden Hemmnisse das große Werk doch aussichtsreich genug erscheine. Zwar denke niemand an eine „Berufsumschichtung" in der Weise, daß plötzlich aus einem großstädtischen Handlungsgehilfen ein Landwirt gemacht werden solle. Wohl aber könne das Interesse der Iuge n d schon früh für diese Dinge geweckt werden. Wenn es gelinge, die Anstedlung auf genossenschaftlicher Grundlage zu schaffen, so sei der Gefahr der Vereinzelung vorgebeugt. Voraussetzung aber für die Durchführung ser die genugende finanzielle Sicheruug. Solange diese nicht feststehe, dürfe nicht begonnen werden. Als Ergebnis der Aussprache wurde einstimmig der Beschluß gesaßt, den Rat zu ersuchen, in den Haushaltsplan 1928 des Landesverbandes einen erheblichen Betrag für die Propaganda des Siedlungswerkes einzusetzen. Es wurde ein besonderer Unterausschuß gebildet, der mit dem Siedlungsausschuß des N. j. F. in ständiger Fühlung bleiben wird. Hrau Siddy Wronskh, Berlin, berichtete sodann über die Arbeiten des bevölkerungspolitischen Ausschusses, die durch die letzte Presseveröffentlichung bereits bekanntgegeben worden sind. Sehr eingehend wurde dann die Angelegenheit eines Psychopathenheims in Marburg behandelt. Es wurde für durchaus wünschenswert erachtet, daß ein derartiges Heim baldigst eröffnet werden solle. Falls es in Marburg zur Ausführung des Planes kommen würde, werde sich der Landesverband an den Kosten der Gründung beteiligen. Besprochen wurde ferner die Frage der Bereitstellung eines Fonds zur Unterstützung von Gelehrten jüdischen Glanbens aller Fakultäten. Zuletzt hatte sich der Ausschuß mit einer größeren Anzahl von Gesuchen zu befassen, die einer eingehenden Prüfung unterzogen wurde. U. a. wurden! für folgende' Einrichtungen und Anstalten Zuschüsse bewilligt: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Anden, Hauptstelle für Wanderfürsorge, Arbeiterfürsorgeamt, Jüdischer Frauenbund, Tuberkulosenfürsorge, Hilfsverein der deutschen Juden, Gefangenenfürsorge usw. Erst abends um 6^ Uhr konnte der Borsitzende mit einem Dank an die Erschienenen die arbeitsreiche Sitzung schließen. S ch ä ch t e r s ch u l e. In die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eingerichtete Schächterschule können wegen Ueberfüllung neue Schüler nicht mehr aufgenommen werden. Gesuche um Aufnahme sind daher zwecklos. Im übrigen schreitet die Ausbildung der Zöglinge zur Zufriedenheit fort. Es ist zu hoffen, daß die Erwartungen, die man an diese Anstalt allgemein geknüpft hat, restlos erfüllt werden. MW >IM. KKIMWMM MMWMU Vortsilkstts vsrlingungsn 5 ZO«ki >««u« SResa« — »«»nss esss so keMMMlW! Vdei-20 Fslire?^«NL^SSc IIS et t kskrgsss« III vSelizt XmtFselie. gegsMkföedMim Spie? »KMKic« »eis. MMve/ilUrM/LolMm I s I» r? 5-1^ r? - w »< s 1°