Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 5 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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Kommissionsberatungen müssen häufig in den Arbeitsräumen einzelner Beamter abgehalten werden, den Dezernenten des Vorstands und der Gemeindevertretung stehen für ihr Aktenstudium geeignete Räume überhaupt nicht zur Verfügung. Auch der eigentliche Bürobetrieb leidet unter diesem Raummangel, der sich bei bestimmten Abteilungen, z. B. Gemeindesekretariat, Friedhofsamt, Steuerverwaltung besonders sühlbar macht. Die Gemeindebibliothek reicht für die jetzigen Bestände gerade aus, hat aber keine Erweiterungsmöglichkeit, und die Ausgestaltung des Leseraums zu einem wirklich brauchbaren Arbeitssaal ist bisher ein unerfüllter Wunsch geblieben, ebenso wie die Schaffung eines eigenen Archivraums für die zum Teil unschätzbaren alten Bestände an Gemeindeakten und Urkunden. Diesem von allen beteiligten Seiten anerkannten Mangel kann nur aus zwei Arten abgeholfen werden, entweder durch den Erwerb eines geeigneten Anwesens, das entsprechend umgebaut werden könnte, oder durch einen Neubau. Diese letztere Lösung ist unbedingt vorzuziehen, weil nämlich geeignete Objekte, die ohne erhebliche Umbaukosten zuverwenden wären, ossenbar überhaupt nicht zu haben sind und sodann, weil bei einem Neubau den vorhandenen Bedürfnissen in vollstem Maße Rechnung getragen werden könnte, denn das neue Gemeindehaus sollte nicht nur den Zwecken der unmittelbaren Gemeindeverwaltung dienen, sondern darüber hinaus im weiteren Sinn ein Zentrum der Gemeinde werden. Die allmählich der Verwirklichung näherrückende Vereinfachung der Wohlfahrtsorganisation könnte von vornherein in diesen weiteren Kreis einbezogen werden, so daß die in vieler Hinsicht unbefriedigende Unterbringung in der Langestraße gleichfalls beseitigt würde. Vor allem aber ist in diesem Zusammenhang zu beachten, daß eine ganze Reihe von Organisationen, die für das kulturelle Leben der Gemeinde von Bedeutung sind, mehr oder weniger obdachlos dastehen. Dies gilt sowohl sür einen Teil der Jugendvereine, die beiden Gemeindevereine, Frauenvereine, die Handwerker, wie auch für andere Vereinigungen mit wissenschaftlichen oder sozialen Interessen. Man bedenke etwa, wie das Freie Jüdische Lehrhaus jahrelang von Raum zu Raum wandern mußte, uud daß diese wertvolle Nachkriegsschöpfung vielleicht gerade deshalb nicht zur vollen Entfaltung kommen konnte. Hier würde ein größerer Saal für etwa WO Personen, der zugleich Sitzungssaal der Gemeindevertretung werden könnte, und daneben einige kleinere Säle ausreichen, um einem immer fühlbarer gewordenen Bedürfnis zu begegnen. Hoffentlich führen diefe Zeilen dazu, daß weitere Kreise sich mit den hier erörterten Plänen befassen und vielleicht sogar aus dem Kreis der Gemeinde heraus die Möglichkeiten zu, ihrer Verwirklichung aufgezeigt werden. E. M. Stand und Bewegung der jüdischen Von Professor Dr. Nachdem nunmehr die Ergebnisse der Volkszählung für 1925 bekannt geworden sind, ist es seit 1917 zum ersten Male wieder möglich, die wichtigsten Fakwren der Bevölkerungsbewegung: Eheschließung, Geburt und Tod, zum Stande der Bevölkerung in Beziehung zu setzen. Ich folge daher gerneder Aufforderung der Redaknon, die sich hier ergebenden zahlenmäßigen Verhältnisse mitzureiten; es wird zugleich der Anlaß gegeben, meine Arbeit über „Die Bevölkerungsbewegung der Frankfurter Juden im Krieg und in der Nachkriegszeil" deren Ergebnisse auch in dieser Zeitschrift abgedruckt wurden"), die mit dem Jahre 1922 abschließt, für die Jahre 1923—26 fortzuführen. Die folgende Tabelle bringt die absoluten Zahlen über die Bevölkcrungsvorgängc der Frankfurter Juden für die Jahre 1911 bis 1926; diese sind den offiziellen Mitteilungen des Frankfurter Statistischen Amtes entnommen I. Die Eheschließungen. 1. Die rein jüdischen Ehen. Die Betrachtung der absoluten Ziffern zeigt sür die Jahre 1923—26 ein ständiges Absinken der Zahl der Mischen Eheschließungen gegenüber den Jahren 1919 bis 1922. Ihren Höchststand erreicht die Ehefchließungsziffer 1920 mit 425, demgegenüber betrug sie 1926 nur 170, ist also um150?oge fallen. Gegenüber der Hochkonjunktur in den Eheschließungen, die nach Beendigung 1) Zeitschrift f. Demoor. u. Stat.-d. Juden. N. F. 11)2-1. Heft 1, S. 10. 2) Gemcindcblatt der Israel. Gemeinde Frankfurt a. M. 3. Jahrg. Nr. 3, S. 3. ») Beiträge z. Statistik der Stadt Ffm. N. F. 13. Heil 1Z?li und „Tabellarische Nebcrsichtcn, betreffend den Zivilstand öer Stadt Frankfurt a. M." 19W. Bevölkerung in Frankfurt a. M. W. Hanauer. des Krieges einsetzte und die noch zum Jahre 1923 nachwirkte, ist jetzt der Vorkriegsstand wieder erreicht. Die jüdische Eheschließungsziffer folgt hier in ihrer abnehmenden Tendenz der allgemeinen Frankfurter Ehefchließungsziffer, mit der Ausnahme, daß bei letzterer seit 1925 wieder eine Zunahme zu verzeichnen ist. Es betrug die Zahl der Eheschließungen in Frankfurt a. M. insgesamt: ' 1920 . . . 7249 1921 . . . 5992 1922 . . . 6015 1923 . . . 4912 1924 . . . 3620 1925 . . . 3966 1926 . . . 4072. Daß jedoch die Zahl der Eheschließungen bei den Juden nicht nur abjolut sondern auch relativ abgenommen hat, ergibt sich, wenn man die Zahl der Eheschließungen auf die Zahl der Gesamtbevölkerung bezieht. Die Zahl der Juden in Frankfurt betrug 1910 26 228, 1925 29 385. Die Zahl der Eheschließungen (rein jüdische Eheu) betrug in beiden Jahren je 179, auf 1000 der jüdischen Bevölkerung berechnet entfielen demnach 1910 6,8, 1925 6,0. Die Abnahme der Eheschließungen bei den Frankfurter Juden ist eine ständige. Sie betrug auf 1000 der Bevölkerung: 1890—95 . . 8,3 1905 ... 6.9 1910 ... 6,3 1925 ... 6,0 Jahr E schließ n « n --.5 Zs? heutigen L!^ LS A H S Le e: >s « « sz Nebur bendx ' « A ^> « ten a zeb. V L « us ji >Q « c: d. El Totge A « zen b. L L « °? Gebi « >O « « <A rten a Lebend L G ^> us Mis geb. « L L « chehen « «z Q d-j Un c: « « eheliche Leben « A ^2 « Gebu dgeb. « L L v rten >s «z Q G Z « « « Ste A T Z rblichk « L L « eit « « 's» » -«!S « s « Darunt. Kinder unter 5 Jahren 1910 179 32 169 155 328 4 6 10 27 14 41 1 16 7 23 1 189 170 359 21 27 1911 154 45 171 143 314 4 7 11 24 16 40 - 8 9 17 - 172 162 334 14 24 1912 188 39 176 164 340 4 2 6 19 17 36 3 13 12 25 - 185 161 346 20 28 1913 166 40 163 148 311 4 7 8 21 13 34 3 14 12 26 1 177 144 321 12 23 1914 107 68 179 189 368 2 3 5 26 8 34 1 10 12 22 1 183 186 369 15 24 1915 36 31 134 133 267 2 3 5 22 19 41 — 12 12 24 1 195 157 352 21 33 1916 51 41 201 108 209 3 2 5 20 12 32 — 9 5 14 1 179 174 353 11 13 1917 65 32 83 87 170 4 — 4 7 19 26 10 8 18 7 214 202 416 18 25 1918 112 38 94 84 178 7 1 8 13 15 28 2 7 6 13 — 197 245 442 4 15 1919 333 39 127 146 273 2 3 5 19 18 37 1 9 12 21 — 217 222 439 14 21 1920 425 109 209 216 425 7 — 7 27 27 54 5 17 12 29 1 247 209 466 26 32 1921 352 102 277 144 521 8 6 14 33 27 60 3 23 18 41 2 218 2(H 424 39 51 1922 302 82 256 239 435 6 2 8 22 18 40 1 13 23 36 3 210 209 419 29 6 1923 251 89 244 259 503 10 4 14 24 13 37 1 9 18 27 — 192 177^ 369 20 7 1924 180 60 208 222 431 3 2 5 23 17 42 — 13 11 24 1 209 202 411 19 26 1925 179 77 223 193 416 2 4 6 23 27 50 9^ 12 21 1 229 172 401 18 29 1926 170 52 185 165 350 2 2 9 12 23 35 1 10 7 17 1 208 190 397 10 15