Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 4 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 109 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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109 die verschiedenen Kaddisch-Gebete, die Einfügung neuer Psalmen u. a. behandelt. Wegen der Dringlichkeit der Fertigstellung des Einheitsgebe^buches wurde einstimmig beschlossen, daß Dr. >seligmann mit der Übersetzung betraut werde, die von einer Kommission von Sachverständigen überprüft werden soll. Auf diese Weise ist mit Bestimmtheil zu erwarten, daß der erste Band des Gebetbuches bis zum Frühjahr nächsten Jahres gedruckt vorliegen wird. Für die Vorbereitung und schleunige Inangriffnahme des Druckes soll ein zu diesem Zweck gewählter Unterausschuß mit Sachverständigen und Druckereien in Verbindung treten. Während der Fertigstellung des ersten Bandes soll gleichzeitig der zweite Band für die hohen Festtage in Angriff genommen werden. Oberkantor Zivi-Elberfeld, als Berichterstatter für die musikalische Ausgestaltung des Gebetbuches, gab einen Ueberblick über die Vorbereitungen, die hier bereits getroffen worden sind. Er habe sich mit einigen hervorragenden Komponisten nnd Kantoren in Verbindung gesetzt. Er vertrat die auch von den übrigen Mitgliedern geleilte Ansicht, daß die Gemeinde in weit größerem Maße als bisher zum Gesang heranzuziehen und die traditionellen Melodien der alten jüdischen Gesänge beizubehalten seien. Zum Schluß wurden noch zwei von Dr. Wachsner dem Liberalen Unterrichtsausschuß unterbreitete Anträge, die das Gebelbuch betreffen, und darum dem Liberalen Kultusausschuß überwiesen worden waren, angenommen. S u b v e n t i o n s k o m m i ss i o n. Die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gebildere Subventionskommission hat in dem Zeitraum vom 1. Ollober 1926 bis zum 30. September 1927 eine umfangreiche Tängkeit entfaltet. Sie hat in dieser Zeit unter dem Vorsitz des Herrn Bruno Galewski acht Sitzungen abgehalten und in ihnen zu 372 Angelegenheiten Stellung genommen. Von Beschlüssen allgemeinerer Bedeutung ist hervorzuheben, daß die laufenden Beihilfen an Gemeinden, Lehrer und Kantoren a. D., sowie deren Hinterbliebene, soweit sie im Rechnungsjahr 1926 27 bewilligt waren, auch für 1927/28 weiter gezahlt werden; die betreffenden Beträge find bisher regelmäßig überwiesen worden. Ueber jedes Gesuch sind vor endgültiger Beschlußfassung der zuständige Provinzialverband oder andere maßgebende Spellen gehört worden. Die Erhöhung der L e h r e r g e h ä l t e r auf die volle Gruppe VII der Reichsbesoldungsordnung, und zwar einschließlich der vollen Familien- und Kinderzulagen, die vorgesehen war, ist mit Rücksicht auf die erst kürzlich zum Teil erfolgte Auszahlung der vom Preußischen Landtag bewilligten Staatsbeihilfen für 1927/28 nunmehr in Angriff genommen worden; die notwendigen Erhebungen sind fast abgeschlossen. In der nächsten Sitzung der Subventionskommission wird über die Angelegenheit Bericht erstattet werden. Für neu eingerichtete Bezirkslehrerstellen sind beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt worden; auch hat eine Reihe junger Leute, die sich dem Lehrerberuf widmeu wollen, Unterhaltszuschüsse erhallen. Nachstehend seien einige Zahlen aus dem Jahresbericht der Subventionskommission mitgeteilt: Es wurden in dem einen Jahre fünf einmalige größere Beihilfen Gemeinden gegeben, die sich in wirtschaftlicher Notlage befanden; sechs neue lausende Belhilsen, die zum großen Teile für Gehälter und Ruhegehaltsaufbesscrungen der Kullusbeamten verwandt wurden, kamen zur Ausschüttung. 48 Baubeihilsen für Jnstandsetzungsarbeiten an Synagogen, Schulen, Friedhöfen usw. und 19 zinslose Darlehen wurden gewährt. Fünf weiteren Flüchtlingsrabbinern und achtzehn weiteren Lehrern wurden laufend Gehälter gezahlt, und in dreizehn neuen Fällen wurden Hinterbliebene von Lehrern durch monatlich zahlbare Beträge vor Not geschützt. Neun Kantoren und vierzehn Hinterbliebene dieser Berufsgruppe bekamen wiederum monatliche Zuwendungen, elf neue Stipendien gelangten zur Verteilung, 29 Anstalten wie Rabbiner, Seminare, Lehranstallen, gemeinnützige Organisationen usw. erhielten zum Teil sehr beträchtliche Unterstützungen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß der vom Staat für das Rechnungsjahr 1926/27 zur Verfügung gestellte Betrag als Beihilfe zu den Kosten für den Religionsunterricht, insbesondere zur Aufbesserung der Lehrergehälter an 214 Mitgliedsgemeinden zur Verteilung gelangte. Aus alledem ist zu ersehen, daß der Landesverband seiner vornehmsten Aufgabe, die kleinen Gemeinden mil all ihren Lasten zu unterstützen, in jeder Weise gerecht Zu werden sich bemüht. Würde die Hilfe des Landesverbandes fehlen, so wäre der Verfall zahlreicher kleiner Gemeinden nicht mehr aufzuhalten. Religionsunterricht und Gottesdienst würden eingestellt werden müssen, Friedhöfe und Gotteshäuser verfallen, das jüdische Leben käme zum Absterben. Noch besser wäre es um die Zukunft des deutschen Judentums bestellt, wenn der langersehnte Reichsverband der deutscheu Juden endlich zur Wirklichkeit würde. Dann könnte mit vereinten Kräften an der Erhaltung und dem Ausbau zahlreicher lebensnotwendiger Einrichtungen, Anstalten und Organisationen gearbeitet werden. Bausteinsammlung für Isenburg. Im November dieses Jahres begeht das Heim des Jüdischen Frauenbundes die Feier seines 20jährigen Bestehens. Die Heimkommission hat beschlossen, diesen Teilabschnitt stillen Wachsens und Wirkens dadurch zu feiern, daß eine unabweislich nötige Erweiterung der Säuglings- und K l e i u k i n d e r a b t e i l u n g errichtet wird. Die Mittel dazu müssen auf dem Wege einer sogenannten „Baustein - Sa m in - lung" beigebracht werden. Es ist durch diese die Möglichreit geboten, daß weite Kreise der Judenschalt diesem einzigartigen Erziehungs- und Schutzheim für Jugendliche und Kinder zedeu Alters ihr Interesse und viele auch ihre Anerkennung und Tankbarkeit dadurch bezeigen, daß sie großzügig Helsen, uuter Ausschaltung jeden Luxus', eine den Anforderungen der Hygiene genügende Statiou zu bauen. Das Heim, das in jeder Hinsicht den streng rituellen Forderungen gerecht wird, wird von Frauen aus allen religiösen Richtungen bei der Mitarbeit vertreten. Spenden für die Baustein-Sammlung — mindestens 1 Mark — sind z,l richten an: Frau Recha Rothschild, Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 28, Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 814 i. Winterkuren auf der Insel Föhr. Das vom Jüdischen Frauenbund in Wyk auf Föhr eingerichtete Heim für tuberkulosegefähroete Kinder lft für Winterkuren sehr zweckmäßig eingerichtet. Besonders schön ist die heizbare Liegehalle, die nach Süden liegl und bei jedem Wetter Freiluftkuren gestattet. Die Kurerfolge im Winter stehen denen im Sommer in keiner Weise nach, wenn die Kinder richtig ausgesucht sind und die Kurmaßnahmen dem Einzelfall angepaßt werden. Auf Anraten des leitenden Arztes der Schöneberger Kinderheilstäite der Stadt Berlin in Wyk auf Föhr, der auch die Kinder des Heims ärztlich betreut, ist beschlossen worden, die Dauer einer Kurperiode von sechs aus acht Wochen zu erhöhen. Trotz erhöhter Regiekosten für Heizung und Beleuchtung soll versucht werden, für die Wintermonate lab Ende November) den Pfleges a tz voll Mk. 4.— aus Mk. 3.50 für eine achtwöchentliche Kur, also auf^ Mk. 196.—, zu ermäßigen. Anmeldungen sind an das Büro des Jüdischen Frauenbundes, Berlin L. 2, Rosenstr. 2—4, zu richten. Centralverein. Am 23. Oktober fand in Frankfurt a. M. unter dem Vorfitz des Herrn Dr. Mainzer die diesjährige Landesverbandsversammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Die Tagung war von Delegierten aus allen Teilen des Landesverbandsgebiets stark besucht. Rechtsanwalt Dr. Erich Kehr-Kaiserslautern, Vorsitzender des Landesverbands Pfalz und Mitglied des Hauptvorstands des „C. V." referierte über die heutige Situation der deutschen Juden. Rechtsanwalt Dr. Reichmann, stellvertretender Syndikus der Berliner Zentrale, gab einen Bericht über die Tätigkeit derselben, insbesondere über eine Reihe von Rechtsfragen. Rechtsanwalt Dr. Martin Marx-Frankfurt a. M., Syndikus des Landesverbands Hesfen-Nassau und Hessen und stellvertretender Syndikus der Zentrale, gab den Tätigkeitsbericht des Landesverbands, insbesondere über die Ereignisse im besetzten Gebiet, die Verhetzung durch in Worms und Wiesbaden erscheinende antisemitische Blätter, die Schächtfrage, die Friedhofsschändungen, Fälle von wirtschaftlichem Boykott und die Lage anläßlich der hessischen Landtagswahlen. Rektor Gabriel-Offenbach überbrachte die Grüße des „R. I. F.". Eine lebhafte Debatte schloß sich an. Beschlüsse in bezug auf die politische Arbeit wurden gefaßt. Herr Dr. Mainzer, als Vorsitzender, und die übrigen Mitglieder des Landesverbandsvorstands wurden einstimmig wiedergewählt. Neu hinzu gewählt wurde , als Vertreterin der Frauen Frau Ella Haas-Frankfurt a. M. «!!!««>!«!>>«!VM>V K „eclslviviss" <Zrvkv,s5ckvreS?sunusstrsk« IS lnksder csrl klsne? «snss LrstlclasLige Hussünl'ung in lIspi-enstsi-kkwSZone, Damenu. Kau8nsltung8>vs8ene H.dnolunZ und I^lelerunA frei tlsus. postverssnä nscn auswärts.