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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-12-01 · 4 (12.1927) · p. Seite 108

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
4 (12.1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 108 (sequence 20)
Language
German
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108 preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. (Amtlich) Sitzungdes GroßenNates. Am 30. Oktober d. I. fand unter dem Vorsitz ües Kammeraerichtsrats Wölfs eine Sitzung des Großen Rates des Preußi> scheu Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Fünfzig Angelegenheiten standen auf der Tagesordnung, von denen in fast zweistündigen Beratungen ein großer Teil erledigt werden konnte. Herr Dr. Jsmar Freund berichtete über die Gewährung und die Verteilung der Staatsbeihilfen für den Religionsunterricht und die Rabbinerstaatsbeihilfen im Jahre 1927. Er wies darauf hin, daß im vergangenen Jahre trotz eingehender Bemühungen von den im Staatshaushalt vorgesehenen Rabbinerstaatsbeihilsen nur eiu Teilbetrag seitens des Ministeriums ausgezahlt worden sei. Trotzdem der Minister selbst bei den christlichen Kirchen eine Höchstbesteuerung von 10 Prozent der Reichseinkommensteuer als wünschenswert bezeichnet hat, gäbe es Robbinergemeinden, die bis 00 Prozent des Reichseinkommensteuersolls erheben, ohne daß ihnen ein staatlicher Zuschuß zum Rabbinergehalt gewahrt worden sei. Gegen diese ungerechte Verteilung sei nachdrücklichst Einspruch erhoben worden. Es werde mit allen Mitteln erstrebt, daß das Ministerium bei der diesjährigen Verteilung gerechtere Grundsätze anwendet. Erfreulicher stehe es mit den durch den Landesverband zu verteilenden Staarsbeihilfen für den Religionsunterricht. Hier sei von den im Staatshaushalt eingesetzten 400 000 Rm. bereits ein Teilbetrag von 225 000 Rm. am 1. Oktober dem Landesverband überwiesen worden. Aus Gruud dieser Bewilligung werde nunmehr den seminaristisch gebildeten, voll beschäftigten jüdischen Religionslehrern in Preußen eine Mindestbesoldung nach Gruppe 7 der Reick'sbesoldungsordnuna gesichert werden können. Dann berichtete Herr Dr. Jsmar Freund von seinen Bemühungen, die Befreiung von der Hauszinssteuer und Grundvermögenssteuer auch für die Dienstwohnungen der jüdischen hauptamtlichen Kultusbeamten zu erwirken und teilte mit, daß ein entsprechender Erlaß des preußischen Finanzministers wenigstens in bezug auf die Hauszinssteuer bereits ergangen sei. Danach erstattete der Redner Bericht über den Stand der Verhandlungen betr. Dienstfreiheit der jüdischen Reichsbeamten an den hohen Feiertagen. Auch bei der Schaffung eines Arbeitsfchutzgesetzes bemühe sich der Landesverband um die gesetzliche Zulässigreit der begrenzten Sonntagsarbeit bei jüdischen Organisationen. Sodann würde eingehend die Schächtfrage besprochen und der Beschluß des Landwirtschaftlichen Ausschusses im Preußischen Landtag gewürdigt. Um 11 Uhr wurden die Verhandlungen unterbrochen, weil der Große Rat an der Trauerfeier teilnahm, die die Jüdische Gemeinde Berlin in dem gleichen Hause für den verstorbenen Justizrat Leo Lilienthal abhielt. Sodann beschäftigte sich der Rat eingehend mit der in Berlin neu eröffneten Vorbereitungsanstalt für jüdische Lehrer und Lehrerinnen. In der Erörterung kam zum Ausdruck, daß neben der kürzlich ins Leben gerufenen Anstalt später eine Teilung in liberale und konservative Lehrervorbildung w?zci5 ^so^tEAK^? . (Ach^^s^K^! SU8 Sick dersus eine Wärme, ciis onus VsrtunA stuncienlsnx LleictimZLi? snkält, VorkülirunA unä IZrkIZrunx bereitwilligst ciurcd: ^. IVI.<ZU1'1'c«»87ei>>! »I«u« V?siin»«r»Sitessse S2 nsks Spernplst» ins Auge gefaßt werden würde. Es folgten sodann die Beratungen über die Angelegenheit „R e i ch s v e r b a n d der deutschen Juden". Man war allgemein der Ansicht, daß ein baldiges Zustandekommen der Reichsorganisation durchaus notwendig sei; unüberbrückbare Schwierigkeiten ständen nicht mehr im Wege. Der von den Landesverbänden und dem Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund bei der Dresdener Besprechung vom 22. Mai 1927 einmütig gefaßte Beschluß, daß unter Zugrundelegung bestimmter Richtlinien neue Verhandlungen zur Begründung der Reichs- Organisation aufgenommen werden sollen, wurde vom Rat gutgeheißen. Es wurde ein neunköpfiger Ausschuß gewählt, der sich sofort mit den anderen Verbänden in Verbindung setzen soll. In das Kuratorium des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin soll im Einverständnis mit dem Archiv Herr Pros. Dr. Türk abgeordnet werden. Für die Prüfung von Neuerscheinungen jüdischer Religionslehrbücher, wie sie der Konservative Kultus-Ausschuß in seiner letzten Sitzung angeregt hatte, wurde ein Betrag bewilligt. Vom Rechnungsabschluß für das Jahr 1926/2/ wurde Keuntnis genommen. Zum Schluß erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Klee über die Presse- Ausstellung in Köln und die dabei geplante jüdische Abteilung Bericht. Der Landesverband wird sich an diesem Unternehmen unterstützend beteiligen. Liberaler K u I t u s a u s s ch u ß. Uuter Vorsitz des Rabbiners Dr. Cäsar Seligmann-Frankfnrt a. M. fand am Montag, 'den 31. Oktober 1927, eine Sitzung des Liberalen Kultusausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt, die in fast siebenstündiger ununterbrochener Verhandlung wichtige Fragen des Kultus, insbesondere die Schaffung eines liberalen Einheitsaebetbuches, zu erledigen hatte. Dr. Seligmann, der Hauptberichterstatter der Versammlung, behandelte zuerst Punkt 1 der Tagesordnung: Das V ika r i a t s j a h r der von den Rabbinerseminaren zu entlassenden Rabbiner. Alle Anwesenden sprachen sich dafür aus, daß es für die Ausbildung des Rabbiners unbedingt notwendig sei, vor dem Antritt des Amtes unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen ein Jahr lang in das Amt eingeführt und zu Rabbinatsh.lndtungen zugezogen zu 'werden. Man beschäftigte sich dann mit dem Antrag einer Landgemeinde, betreffend Uebertragung des Sabbat- Gottesdienstes durch Rundfunk, und gelangte nach eingehenden Beratungen, an denen sich besonders die anwesenden" Rabbiner beteiligten, zu dem Ergebnis, daß vom liberalen Standpunkt aus religionsgesetzliche Bedenken hinter der Tatsache zurückstehen niüßten, 'daß der religiösen Sehnsucht auch nur eines einzigen Juden, der keine Gelegenheit hat, einen Gottesdienst zu hören, Rechnung getragen werden muß. Zu der Frage der Unterstützung einer zu schaffenden jüdisch-theologischen Zeitschrift äußerten sich mehrere Redner sehr ausführlich; die Bedürfnisfrage wurde ausnahmslos bejaht, aber die Zuständigkeit des Landesverbandes in Frage gestellt. Zu dem Hauptpunkt der Tagesordnung legte nun der Vorsitzende den ersten Band des von ihm im Manuskript fertiggestellten liberalen Einheirsgebetbuches im hebräischen Text der Versammlung vor. Er wünschte die Ansicht des Ausschusses über mehrere wichtige Einzelpunkte zu hören, deren endgültige Festsetzung die bisherigen Bearbeiter in die Hände des Ausschusses legen wollen. Dazu gehört die Wiederherstellung der Zionsgebete, soweit sie messianische Deutung zulassen. Sehr eingehend wurden sodann die Frage der doppelten Tephilla während ein- und desselben Gottesdienstes, l-i-S7- Die neue ^rmbancl - vl,r settwak? Kleiner Kornmsrlct 4 — kernruk l^ömor 2240 8on<üer-^U8steIlunA in k^urtvängler ttausukren p o a o r s f k i Li»re77ui«o ciurcn neiLe ^Vscnspsckunxen zc«»«c«2ve»al»io».u^s von Xeurslxien, Iscniss, Hneums, Stokfvecnselkrgnkneiten etc. LelisncllunA unter tscnm. l.eitunA von S—12 uncl 2—S l/nr ^eciea ^Vlittvocn NscnmittsA koslenlose ärstlictie Lerstuns Prospekte un6 Auskunft xrstis? KI 2 S »?e>. s?sunus 222

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