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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-11-01 · 3 (11.1927) · p. Seite 59

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
6 (1927-1928)
Issue
3 (11.1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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59 die Zeitprobleme vorzubereiten und «ihr soziales Gewissen zu erwecken. In der jüdischen Frauenarbeit mnß auch die „Frauen- Vereinigung der Loge" genannt werden, die eine Vereinigung zur Förderung sozialer, geistiger und ethischer Bestrebungen bildet. Für die Hauswirtschaftliche Ausbildung der jungen Mädchen ist die Jüd isch e H a us h>al t ung ss ch'Ule in Frankfurt am Main von grundlegender Bedeutung, 'denn mehr denn je mutz in >der heutigen Zeit der Wert der Hausfvauentätilgkeit betont werden. Wenn auch keine lokale Frankfurter Arbeit, soll -das Heim des Jüdischen Frauenbundes 'in Neu-Isenburg nicht unerwähnt bleiben, als Stätte zur Erziehung der gefährdeien werblichen Jugend, zum Schutze von Müttern und Kindern. Der Bundesarbeit bleibe es überlassen, mehr über dieses einzigartige Heim zu berichten. In der „Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege" vereinigt sich die soziale Arbeit der Männer mit der der Frauen. Und wenn auch wie Frauen, ihrer Wesensart entsprechend, sich ihre eigene organisierte soziale Frauenarbeit geschaffen haben, so muß doch der eine schwere Kampf gegen die grotze Not der Menschheit von Männern und Frauen gemeinsam geführt werden. Gemoinsani in der Verwaltung der Gemeinde, gemeinsam in der Wohlfahrtspflege! Und so soll >an dieser Stelle, .die ja >in gewissem Sinne ein Sprachrohr der Gemeinde bildet, dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß die altehrwürdige Frankfurter Gemeinde in ihren großen Äufg'abenkrms dereinst me Wohlfahrtspflege nehme, um auch der „heiligen Kleinarbeit" der Frauen Eingang zu gewähren. Wir .wollen solange >an jeder Stelle unsere sozialen Frauenpflichten und Frauenaufgaben erfüllen, in froher Zuversicht nach dem schönen Goethewort: Jeder Tag bringt etwas zu tun und etwas zu sorgen, das ist denn nock) das Beste von der Sache. Stein auf Stein, mit gutem Vorbedacht, gibt zuletzt auch ein Gebäude. Der jüdische Religionsunterricht im Lahre 5926/592?. Von Gemeinderabbiner Dr. Seltgmann Referent für den Religionsunterricht. Der Bericht über den jüdischen Religionsunterricht kann in diesem Jahre erst verspätet erstattet werden, weil einige Antworten auf die Rundfragen sehr verspätet eingingen und zudem eine ganze Anzahl von Rückfragen nötig war, um das statistische Material zu vervollständigen. Zum ersten Male, seitdem die israelitische Gemeinde in vorbildlicher Weise die Sorge für den Religionsunterricht zu ihrer vornehmsten Aufgabe gemacht hat, darf nach fünfundzwanzig Jahren mit Befriedigung festgestellt werden, daß in diesem Jahre das letzte jüdische Schulkind in Frankfurt, bis weit in die Vororte hinein, vom Religionsunterricht erfaßt wird, soweit es sich um staatliche, städtische und anerkannte Privatschulen handelt. Nur einige wenige Privatkurse entziehen sich noch dem Einblick und der Beaufsichtigung. Um auch hier Wandel zu schaffen, müßte meines Erachtens versucht werden, auf die jüdischen Eltern der diese Kurse besuchenden Kinder Einfluß zu gewinnen, damit diese darauf bestehen, daß ihre Kinder geordneten jüdischen Religionsunierricht erhalten. Von den 2194 jüdischen Schülern und Schülerinnen, die die höheren, Privat-, Mittel- und Volksschulen besuchen, nahmen 2093 am schulmäßigen jüdischen Religionsunterricht teil, S6 erhielten außerhalb ihrer Schulen einen gleichwertigen Religionsunterricht, so daß im ganzen 45 jüdische Kinder ohne Religionsunterricht blieben, das sind 2 Prozent, während genau 98 Prozent Religionsunterricht hatten. Dieses Ergebnis ist um so höher zu bewerten, als, nach den staatlichen Bestimmungen, die Schüler und Schülerinnen bis zum 14. Lebensjahre aus Wunsch ihrer Eltern, vom 14. Lebensjahre an auf eigenen Wunsch vom Religionsunterricht dispensiert werden müssen. Von den genannten 45 jüdischen Kindern, die keinen jüdischen Religionsunterricht haben, nehmen 6 auf Wunsch ihrer Eltern am christlichen Religionsunterricht teil; 2 von diesen 6 besuchen die unterste Klasse der Grundschule und werden in ein bis zwei Jahren jüdischen Religionsunterricht erhalten; sie gehen in Vororts- oder Peripherie-Schulen, in denen wegen der geringen Zahl jüdischer Kinder (1 oder 2) kein jüdischer Religionsunterricht eingerichtet ist. Die 4 anderen stammen aus Elternkreisen, die sich selbst als freireligiös bezeichnen. Die genannten 2194 jüdischen Schüler und Schülerinnen verteilen sich auf 14 höhere Knabenschulen 5 höhere Mädchenschulen, 4 Privatschulen, 10 Mittelschulen und 38 Volksschulen, nn ganzen also auf 71 Schulen. Den Religionsunterricht an diesen Schulen erteilen 33 Lehrkräfte. Von diesen stehen 17 im Dienste der jüdischen Gemeinde, entweder direkt als Rabbiner, Kantoren, Religionslehrer oder indirekt als Lehrer am Philanthropin; 15 sind von der Stadt angestellt, 1 ist Privatlehrerin. Die Veränderungen im Lehrpersonal an den verschiedenen Schulen sind nicht wesentlicher Natur und mußten im großen und ganzen nur wegen der Erkrankung des Herrn Rabbiners Dr. Lazarus eintreten. Andere Verschiebungen sind auf Vermehrung von Stunden in einzelnen Schulen oder auch auf Verminderung d>>r Stunden zurückzuführen. In der Viktoriafchule übernahm Frau Würzburger, die das Lehrerinnenexamen abgelegt hat und von Haus aus gute jüdische Kenntnisse mitbrachte, die zwei bisher von Rabbiner Dr. Lazarus erteilren Stunden und außerdem noch zwei Stunden, die bisher Herr Rabbiner Dr. Gottschalk gegeben hatte. In der Elisabethenschule wurde die Zahl der jüdischen Neligionsstunden von 11 auf 16 erhöht; von den neuen 5 Stunden übernahmen Herr Rabbiner Dr. Salzberger 2, Fräulein Paula Rosenbaum 1 und Frau Würzburger 2. Im Institut Steimer erteilt zurzeit an Stelle des Herrn Rabbiners Dr. Lazarus Herr Kantor Eschwege den Religionsunterricht; da bei Steimer die Stundenzahl von 12 auf 14 gestiegen ist, gibt Eschweae dort 6 Religionsitunden statt der bisherigen 4. Auch in der Musterschule, Klingerschule, Mertonschule und im Kaiser Wilhelm-Gymnasium stieg die Stundenzahl von 8, 4, 4, 2 auf 10, 5, 6, 5 Stunden; die hinzukommenden Stunden wurden von den an den betreffenden Schulen tätigen Religionslehrern, den Herren Dr. May, Dr. Friedmann und Saretzki, in dankenswerter Weise übernommen. Herabgesetzt wurde die Stundenzahl in der Möhler-, Liebig- und Helm- Holtz-Schule, und zwar von 14, 5, 7 auf 12, 3, 6. Von Seiten der Stadt wurde eine neue jüdische Lehrerinnenstelle an der Karmeliterschule geschaffen, mit der Fräulein Marg. Hirsch betraut wurde. Der Religionsunterricht an der Karmeliterschule, der bis dahin von Herrn Lehrer Speyer auf Kosten der Gemeinde erteilt wurde, wurde von der Stadt übernommen. Im Laufe dieses Jahres wird außerdem voraussichtlich an der Varrentrappschule, vie von 167 jüdischen Kindern besucht wird, eine neue jüdische Lehrkraft (Herr Beicht) angestellt werden. Von den erwähnten 167 jüdischen Schülern und Schülerinnen der Varrentrappschule gehören 166 der Grundschule und nur 1 den oberen Klassen der Volksschule an. Dies erklärt sich daraus, daß die Kinder, die die Grundschule der Varrentrappschule besuchen, früher die jüdischen Besucher der Vorschulen zu den höheren Schulen waren. Interessant dürfte eine Zusammenstellung der jüdischen Volksschüler vom Gesichtspunkt der Frequenz in der Grundschule und in den vier höheren Klassen sein. Die Mittel- und Volksschulen werden in diesem Jahre (abgesehen von der Volksschule des Philantbropins) von 560 jüdischen Kindern, 284 Knaben und 276 Mädchen, besucht. Von diesen gehen 446, das sind 79,6 in die Grundschule und 144, das sind 20,4 in die vier höheren Klassen. — Für diese 560 Kinder sind von der Stadt 20 Lehrkräfte, 15 weibliche und 5 männliche, angestellt, zum größten Teil in definitiver Stellung. Es kommt also auf je 28 Kinder eine Lehrkraft.

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