Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 1-2 (9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Sitzung vom 10. August 1927. Sitzungsbericht von Bürodirektor I. Meyer. In Anwesenheit von 20 Mitgliedern der Gemeindevertretung und einem Vertreter des Vorstandes eröffnet der stellvertretende Vorsitzende, Herr Naftali Fromm, in Vertretung des auf Urlaub befindlichen Vorsitzenden die Sitzung und gibt vor Eintritt in die Tagesordnung der Trauer der Versammlung über den Verlust des Gemeindevertreters Direktor Simon Glauberg in herzlichen Worten'Ausdruck. Der Verstorbene habe jederzeit in vorbildlicher Weise seine ganze Kraft in den Dienst der Gemeinde gestellt. Er habe sein Amt nicht als Ehrenamt, sondern als eine Pflicht aufgefaßt, der er sich mit vollster Hingabe stets bewußt gewesen sei. So sei ihm diese Tätigkeit im Dienste der Gemeinde eine Quelle steter Anregung gewesen. Ganz besonders habe ihm die Erfüllung der sozialen Aufgaben der Gemeinde am Herzen gelegen und innerhalb dieser habe er sich in hervorragender Weise die Hebung des indischen Handwerkerstandes zur besonderen Aufgabe gemacht. Die Persönlichkeit des Heimgegangenen werde als Vorbild eines treuen und lieben Mitarbeiters der Versammlung stets voranleuchten, und sie werde sein Andenken stets in Ehren halten. Ferner gibt der Vorsitzende Kenntnis von dem Heimgang des früheren Hospitalverwalters Martin Meyer, dessen Hinscheiden in der Gemeinde eine tiefe Lücke gerissen habe. Der Verstorbene, welcher in den Jahren 1901—1914 an der Spitze der Verwaltung' des Hospitals gestanden habe, sei ein Mann gewesen, dessen Fürsorge für die Kranken und Bedrängten rühmlichst bekannt war, der Herz und Verstand in praktischer Lebensarbeit in harmonischster Weise zu betätigen wußte und dessen Wirken deshalb in der Gemeinde lebendig bleiben werde. Eine besondere Genugtuung gewähre es der Versammlung, daß sie seinen Sohn zu ihren tätigsten Mitarbeitern zahlen dürfe. Die Anwesenden hatten sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Sitzen erhoben. Anstelle des verstorbenen Gemeindevertreters Simon Glauberg ist Herr Siegmund Levita neu in die Gemeindevertretung eingetreten und wird von dem Vorsitzenden herzlichst begrüßt. Der Vorsitzende gibt weiterhin dem Mitgefühl Ausdruck, das die Versammlung den Bewohnern des Heiligen Landes entgegenbringt, welche durch die Erdbebenkatastrophe in großes Leid versetzt worden sind, und hofft, daß Palästina von weiteren Schicksalsschlägen verschont bleiben möge. Von der Einladung des Herrn Oberbürgermeisters zu der Versa ssungsfeier am 11. August in der Paulskirche wird Kenntnis gegeben. Die Gemeindevertretung beteiligt sich durch Delegierte. Einer Vorlage des Vorstandes betr. die Aufwertung von Restkaufgeldern auf die nunmehr durch Tausch in städtischen Besitz übergegangenen früheren Friedhofsgrundstücke an der Hamburger Landstraße wird zugestimmt, nachdem Herr Rechtsanwalt Simon die Zahlungen namens des Aufwertungsausschusses befürwortet hat. Der erforderliche Betrag von rund 80 000.— Mark wird bewilligt. Weitere Vorlagen betreffen die Herstellung von Gräbst e i n f u n d a m e n t e n auf dem neuen Friedhof, die Beschaffung einer Bibliothekseinrichtung und die Verpachtung des Anwesens Königswarterstraße 26 an die Stadt und werden angenommen. Kenntnis gegeben wird von dem Bericht des Gefängnisseelsorgers über seine Tätigkeit in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni d. Js.. von der Zuwendung des Herrn Jacob Michael zum Andenken an seinen verstorbenen Vater für den Freibettfonds des Krankenhauses und für die Beschaffung eines Elektrokardiographs, sowie von der Zuwendung der Eheleute Jacob Stern für die Synagoge Bockenheim und des Herrn Direktors Jacobi für die Gemeindebibliothek. In nichtöffentlicher Sitzung wurden Personalangelegenheiten erledigt. Bernhard Simon Geb. 17. Dezember 1857 Gest. 5. September 1927. Kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres ist Herr Bernhard Simon plötzlich verschieden. Aus Butzbach stammend war er in jungen Jahren nach Frankfurt gekommen, wo er später durch seine Heirat mit einer Tochter des noch in guter Erinnerung stehenden Moses Butwies in nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu einigen der ältesten hiesigen Familien trat. Er war seit 1920 Mitglied des Gemeindevorstands, in dem er das Dezernat für soziale Angelegenheiten bearbeitete, seit 1922 Vorsitzender des Pflegamts des Krankenhauses, seit 1921 Vorsitzender des Pflegamts des Almosenkastens. Schon die Aufzählung dieser drei Ehrenämter, zu denen noch eine große Reihe anderer kamen, zeigt, wie umfassend die Arbeit dieses seltenen Mannes im Dienst der Gemeinde und zum Wohl der Leidenden und Bedrückten gewesen ist. Die Klugheit und Tatkraft, die ihn zu großen geschäftlichen Erfolgen geführt hatte, leitete auch seine Arbeit im Dienst der Allgemeinheit. Was aber dieser Arbeit ihr besonderes Gepräge gab, war ein trotz aller Schicksalsschläge ungebrochener Lebensmut, einfroher, alle menschlichen Schwächen verstehender Sinn, ein Herz voll Wärme und Mitgefühl. Kein Wunder, daß es einem Mann mit solchen Eigenschaften gelang, die vielen Schwierigkeiten auszugleichen, die er auf seinem ausgedehnten Arbeitsfeld anzutreffen hatte. So war auch hier seiner Tätigkeit reicher und allgemein anerkannter Erfolg beschieden. Nicht nur im Kreise der Seinen, denen er mit inniger Liebe anhing, sondern überall, wo Bernhard Simon zu wirken berufen war, herrscht Trauer um den Heimgang dieses lieben und wertvollen Menschen. Man wird in Dankbarkeit und tiefer Verehrung seiner gedenken, seine Nachfolger aber übernehmen als sein Vermächtnis die Aufgabe, mit gleicher Wahrhaftigkeit und frommer Hingabe sein Werk fortzusetzen. Bei der Beisetzung am 7. September sprachen für die Hinterbliebenen und als persönlicher Freund Herr Gemeinderabbiner Dr. Lazarus, für den Gemeindevorstand Herr Justizrat Dr. Blau, für das Pflegamt, die Ärzte und die Schwestern des Krankenhauses Herr Prof. Dr. Jsaac, für die Großloge Herr Rechtsanwalt Dr. Merzbach, für die Frankfurt-Loge Herr Gemeinderabbiner Dr. Salzberger, für den Almosenkasten der Israelitischen Gemeinde Herr Eduard Stern, für die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege und den Landesverband der jüdischen Wohlfahrtspflege für Hessen-Nassau und für die in der Wohlfahrtspflege tätigen Sozialbeamten Herr Dr. Berget. Salo Adler. Am 26. September hätte der unvergeßliche Direktor des Philanthropins und Förderer der Gemeinde seinen 70. Geburtstag feiern können. Dieses Tages sei hier gedacht, weil an ihm die zahlreichen Freunde und Schüler des hervorragenden Mannes mit Wehmut sich seiner erinnern werden. Eine Würdigung seines vielseitigen Wirkens war in der April-Nummer des vorigen Jahres enthalten. ^U58ittcann so Vorstellung SN 14tsg. I^oeli vsrtügvsrs?Ist?s visnstsg u. Oormerstsg a»0»IH»5ie?«7 1S271S2S Orolisstsr u. I.ogsn....... 3.80 KI^. pro?Ist? u. Vorst. I.?srkstt u. Sslkon 1 ksiiis. . 3.30 kk/l. pro?!st? u. Vorst. II.?srksrt u. Sslkon 2. u. 3. ksiiis 2.7S KIVI. pro PIst? u. Vorst. l. ksng 1.—2. ksiris....... 1.40 6»/!. pro?Ist? u. Vorst. ksng 3.—6. ksiris . . . ... . . 1.— ttlV!. pro?Ist? u. Vorst.