Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 12 (8.1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Ankauf von Büchern, wofür sie Gott mit gelehrten und frommen Kindern segnete. „Wer seine Bücher Würdigen vorenthält," lehrt der Regensburger Rabbi, „dessen Bibliothek fällt in die Hände Unwürdiger." Aus derselben Epoche, aber aus einem anderen Lande, besitzen wir ein Dokument, das 'sich ebenfalls auf unseren Gegenstand bezieht, einen Brief, den der im Jahre 1190 zu Lunel in Südfrankreich verstorbene Jehuda ibn Thibbon an seinen Sohn Samuel richtete. Es ist eine Art Testament, in dem der Vater seinem Sohn sozusagen seine Lebenserfahrung überliefert. Südfrankreich stand damals unter dem Einflüsse der arabischen Kultur, und Jehuda hatte sich durch die Uebersetzung der Werke Saadias, Ibn Gannachs und Jehuda Halevis aus dem Arabischen ins Hebräische große Verdienste erworben, sein Sohn hat sich durch die im Jahre 1204 fertiggestellte Uebersetzung des „Führers der Verirrten" von Maimonides einen guten Namen gemacht. Jehuda richtete nun an seinen Sohn u. a. folgende Ermahnungen: . . .Indem ich dir eine reichhaltige Bibliothek hinterlasse, bewahre ich dich vor der Notwendigkeit, bei anderen Bücher zu entleihen, wie es sonst die Jünger der Wissenschaft gezwungen sind, die häufig um eines einzigen Buches willen lange und beschwerliche, oft auch vergebliche Reisen unternehmen. Du aber wirst, Gott sei Dank, in der Lage sein, anderen Bücher auszuborgen. Zu dem Zweck habe ich Bücher aus allen Gebieten der Wissenschaft angekauft, manches in zwei oder drei Exemplaren . . . ." Da er auf seine Bibliothek zu sprechen kommt, wird der etwas trockene und pedantische Gelehrte förmlich poetisch: „Mein Sohn! Die Bücher sollen deine unzertrennlichen Gefährten sein. Der Bibliotheksaal soll dir Garten und Park ersetzen. In diesem Garten lustwandelnd Pflücke Blumen und lammle Früchte . . . ." Hier folgt eine Reche trefflicher Ratschläge über die Oekonomie der für das Studium der Wissenschaften zu verwendenden Zeit, über die Anordnung und Katalogisierung der Bücher und die Instandhaltung der Bibliothek. „. . . . Leihe deine Bücher allen denen, die keine eigenen besitzen, aber gib kein Buch aus dem Zimmer, bevor du es in die Liste der ausgeliehenen eingetragen hast .... Die Bücher, das ist dein kostbarster Schatz .... Die Bücherschränke müssen schön und mit schönen Vorhängen versehen sein . . . ." Bei der großen Anhänglichkeit der Juden an ihre Bücher ist es nur zu begreiflich daß es im Mittelalter den jüdischen Büchern nicht besser ging, als ihren Besitzern. Konnte man die Juden beim besten Willen nicht ausrotten, so versuchte man, wenigstens ihre Lieblinge zu vernichten. Im Jahre 1230 befahl Papst Gregor XI., alle jüdischen Bücher, die Bibel ausgenommen, zu verbrennen. Diesem Beispiel folgten Ludwig der 'Heilige in Frankreich im Jahre 1240, die Päpste Jnnocenz IV. (1244), Johann XXII, (1320), Benedict XIII. (1415). Im Jahre 1286 befahl Papst Honorius IV. dem Bischof von Canterbury, allen englischen Juden ihre Bücher abzunehmen und den Flammen zu überliefern. Julius III. verordnete im Jahre 1553, just am Laubhüttenfest den Juden der italienischen Städte die Bücher zu konfiszieren und zu verbrennen. Diesem Edikt sind zahlreiche literarische Schätze zum Opfer gefallen. Der „schreckliche Tag" der Verbrennung blieb den Juden noch lange in Erinnerung. Abraham Menachem Kohen Napa aus Venedig, einer der Vorfahren der später nach Polen ausgewanderten und zur Berühmtheit gelangten Familie Rapoport, schildert in seinem Buche „Minchah Belulah" (Verona 1594) das furchtbare Ereignis, zu dessen Erinnerung er. an jedem Jahrestag sein ganzes Leben lang fastete. Da die Juden — erzählt uns der Verfasser weiter — infolge der Vernichtung des Talmud sich der traditionellen Lehre beraubt sahen, fingen sie an, der Mystik zuzuströmen und versanken immer mehr in Aberglauben. Derselbe Verfasser zeichnete sich durch em phänomenales Gedächtnis aus und konnte beispielsweise dem Herausgeber des Jalkut Schimeoni Meir Parenz die Quellen aller in diesem Werke vorkommenden Zitate aus dem Talmud angeben. Mit dem Verbrennen des Talmud war dieser also noch lange nicht tot gemacht. Papst Paul IV. ließ das Zerstörunaswerk durch das Jnauisitionstribunal fortsetzen, das 1559 zu Cremona an die zehntausend Bände auf den Scheiterhaufen schleppte. Ebenso Versuhren die Päpste Pius V. (1566) und Clemens VIII. (1592 und 1594). In Deutschland brandschatzte Ruprecht II. die Juden im Jahre 1391 und verjagte sie dann? die geraubten Bücher schenkte er der 5 Jahre vorher gegründeten Universität zu Heidelberg, die aber alle, bis auf ein Talmudexemplar, wieder verkaufte. David Kalonymus in Neapel, der aus Spanien stammte, erzählte 1506, wie in seinem Heimatlande und in Portugal oftmals eine Razzia nach der anderen auf jüdische Bücher veranstaltet wurde, wobei der größte Teil von ihnen unwiderbringlich vernichtet wurde. Josef ha Kohen aus Avignon erzählt, wie oie Juden von Savoyen während der Verfolgung durch den Dominikaner Fra Vizence 1440 ihre Bücher m den Brunnenschächten versteckten. Während der Vertreibung der Juden aus Lissabon, 1499, wurden ihre Bücher geraubt, aber wenigstens den Staatsbibliotheken übergeben. Bei jeder der unzähligen Verfolgungen, von denen die Juden heimgesucht wurden, gingen reichhaltige Privatbibliotheken zugrunde. Von Isaak bar Schescheth in Algier 1391 bis auf Mose Menz in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, erschallen die Klagen der Gelehrten über ihre verlorenen Büchersammlungen. Jehuda Chajjat, einer der spanischen Emigranten, geriet unterwegs in die Sklaverei, und um sich loskaufen zu können, mußte er sich seiner zweihundert Bücher entäußern, ein Verlust, über den er sich das ganze Leben nicht trösten konnte. Erst das 17. Jahrhundert brachte Wandel m die Behandlung der jüdischen Literatur von seiten der christlichen Welt. Die Bücherleidenschaft der Juden erhielt durch die Erfindung der Buchdruckerkunst neue Nahrung. Es ist bezeichnend, daß die ersten hebräischen Drucke in Italien und nicht in Gutenbergs Heimatlande entstanden sind. Die Zwei ersten hebräischen Drucke, die ein Datum haben, stammen aus dem Jahre 1475. Manche Bücher sollen jedoch nach der Ansicht namhafter Bibliographen noch vor dem genannten Jahre gedruckt worden sein. Wie groß die Freude war, die die Erfindung der Druckerpresse unter den Juden hervorrief, bezeugen die zahlreichen Dithyramben, die sich in den Druckwerken aus jener Zeit am Eingange oder am Schlüsse der Bücher befinden. „Das gegenwärtige Geschlecht, verarmt und herabgekommen infolge der unbeschreiblichen Leiden und Verfolgungen, war nicht mehr imstande, sich Bücher anzuschaffen. Jetzt aber braucht man anstatt des Goldes nur Silber, um ein Buch zu kaufen. (Da Druckwerke billiger herzustellen sind, als schriftliche Kovien) ... Die ganze Welt wird nun voll werden von Erkenntnis und Wissen ... Jeder Sohn des zerstreuten Israel, mag er noch so einsam wohnen, ohne Möglichkeit, Umgang mit den Weisen zu Pflegen, wird imstande sein, selber aus dem Born der Wissenschast zu schöpfen." In enthusiastischen Worten besang man die Buchdruckerkunst als die Krone der Wissenschaften, als ein „göttliches Werk", oder als eine „Tochter des Himmels", „die da schreibt ohne Feder und doch mit sichtbaren Zeichen, die ohne Menschenhand die Buchstaben zu einer Einheit fügt." Die Tätigkeit des Buchdruckers wurde eine „heilige" genannt, und der Setzer unterließ es selten, am Schlüsse des Buches seinen Namen zu verewigen mit dem Epitheton „der beschäftigt ist am heiligen Werk" — ein Brauch, der sich hie und da bis in unsere Zeit erhalten hat. — Llsktrisoks Installationsn öslsuektungskörpsr ^lsktf. ^ppat-ats (Zroks ^uswan! in 2 l.äcisn 2821 'kwnpl'inwnsk.S unä. Xaisel'sknpsN KIa86!'ki I^oiM? Loek Reparaturen u. ^inrakmunxen I^AeikertiA Aerakmter öiläer 'sei.: Csrolus 42897 8anäwex 12 KsrtenMel II! W? IWIM WIK ZQ«. rveNS, lDberlinäau 17