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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1927-07-01 · 11 (7.1927) · page 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
11 (7.1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ich verabschiedete mich,-und er gab mir das Geleite. Wir waren am Bahnhof angelangt, und er empfahl sich. Ich sah ihm lange nach, bis der matte Schimmer seines verblichenen braunen Kaftans in der Abenddämmerung zerfloß. Ost und oft in den letzten Jahren dachte ich an diesen Reugionsstifter von Kolomea. Immer wieder tauchte vor mir sein feines, welkes Gesicht auf, das mir zum Abschied zulächelte, und ich höre seine Stimme, die mir zurief: „Verraten Sie niemandem meinen Namen, ich rechne darauf," — Ich fuhr gleich danach ab und traf im Zug meinen Freund, den Diplomat, der mich mit folgenden Worten begrüßte: „Weißt du schon das Neueste? Unser Thronsolger und seine Gemahlin sind vor wenigen Stunden von einem großserbischen Fanatiker in Sarajewo meuchlings ermordet worden! — „Bewahre doch deine Späße für die Petersburger. Hofdamen auf", rief ich ärgerlich. — „Diesmal ist es kein Spaß, lies!" Er hielt mir dre Depesche vor, die er soeben erhalten hatte. „Weißt du, was daraus werden kann? Ein europäischer Krieg, mein Lieber, ein Krieg, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Aber ... ich reise nach Wien. Wir werden die Sache in Ordnung bringen, wir ersticken die Flamme in der Asche, wenigstens lokalisieren wir den Brand. Du kannst dich darauf verlassen!" — Ich verließ mich darauf... In den letzten Jahren habe ich mir oftmals Mühe gegeben, ein Lebenszeichen von meinem Religionsstifter aus Kolomva zu erhalten. Es ist mir nicht gelungen. Allem Anschein nach weilt er nicht mehr unter den Lebenden. Ich betrachte mich also nicht mehr an mein Versprechen gebunden und darf seinen Namen verraten: Er hieß Jakob Moses Schwertscharf, und sein Büchlein „Tborath ha Ammim ist in vielen jüdischen Bibliotheken zu finden. Wanderfürsorge. Die Hauptstelle für Jüdische Wanderfürsorge Berlin veröffentlicht ihren ersten Tätigkeitsbericht für die Zeit vom 1. April 1925 bis 31. Dezember 1926, dem wir folgendes entnehmen: Das Arbeiterfürsorgeamt der Jüdischen Organisationen Deutschlands gab zu Beginn des Jahres 1925 die Anregungen, die zu einer völligen Neuorientierung und Neuorganisation der jüdischen Wanderfürsorge in Deutschland führten. Ihm ist es zu danken, daß die jüdische Wanderfürsorge aus eine Grundlege gestellt wurde, die mit der Idee der Organisation die Idee der Produktivierung und Arbeitsvermittlung aufs engste verknüpfte. Die Mittel hierzu hat zunächst das American Joint Distribution Comitee in großzügiger Weise zur Verfügung gestellt. In der Folge konnte die Arbeit allerdings nur dank dem Verständnis und der Mitwirkung fortgesetzt werden, die der Gedanke der Wandersürsorge und ihrer neuen Organisation bei den maßgeblichen Stellen des deutschen Judenrums, den Landesverbänden und den Gemeinden gefunden hat. Die jüdische Wanderfürsorge gehört seit jeher zu den schwierigsten und wichtigsten Problemen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Die eigenartige Wirtschaftslage der Jtiden im Osten zwang vor dem Kriege und zwingt heute erst recht in jedem Jahr Hunderttausende, ihre Heimat zu verlassen, um in fremden Ländern Arbeit und Lebensmöglichkeit zu suchen. Deutschlands geographische Lage zwischen Ost und West bringt es mit sich, daß es das Hauptd u r ch w a nd e r u n>g s l a n d für jüdische Wanderer ist. Neben dem großen Wanderungsstrom, der Deutschland nur als Durchgangsland benutzte, hat es bereits vor dem Kriege auch eine erhebliche jüdische Binnenwanderung in Deutschland selbst gegeben. Sie setzte sich aus jenen Wanderern zusammen, die kein festes Reiseziel im Ausland hatten und in Deutschland selbst nach Arbeit suchten, aber auch aus solchen deutschen Staatsangehörigen, die infolge wirtschaftlicher Verhältnisse gezwungen waren, ihren Heimatsort zu verlassen. Während der Kriegsjahre hatte diese Wanderung in Deutschland fast ganz aufgehört und die Nachkriegsjahre brachten Menschen hierher, denen vornehmlich Arbeit beschafft, politischer und Rechtsschutz gewährt werden mußte. Diese Aufgaben erfüllte das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands. Die Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, die zunehmende Arbeitslosigkeit und Verarmung des jüdischen Mittelstands riefen eine verstärkte Binnenwanderung hervor, die zu einer außerordentlichen Belastung für die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege, für sämtliche jüdische Gemeinden wurde. Diesem umfangreichen Problem mußte mit vereinten Kräften begegnet werden. Dies führte zu Beginn des Jahres 1925 zur Gründung der HauPtstelle für jüdische Wandersürsorge, an der im wesentlichen jene Organisationen beteiligt sind, die vor und nach dem Kriege sich mit den Problemen der Wanderung und Wanderfürsorge beschäftigten. Seitdem die Hauptstelle am 1. April 1925 ihre Tätigkeit aufgenommen hat, sind die Provinzen und Länder zu Länderbezw. Provinzialkassen zusammengefaßt und so zur einheitlichen Erledigung der einschlägigen Fragen der Wanderfürsorge herangezogen worden, während die einzelnen Gemeinden verpflichtet wurden, sich finanziell an der Aufrechterhaltung der Provnlzialkassen zu beteiligen, um es diesen zu ermöglichen, die DurchWanderer auf weite Strecken z-u befördern. Die Beförderung auf weite Strecken hat den Zweck, die Kleingemeinden, die zwischen den einzelnen Provinzialkassen liegen, von dem Durchwandererverkehr, dem sie finanziell nicht gewachsen sind, zu verschonen und andererseits die DurchWanderer davor zu bewahren, durch die Notwendigkeit des Aufsuchens aller Gemeinden allmählich zu Wanderbettlern zu werden. Neben der Wanderfürsorge betrachtet es die Hauvtstelle als ihre Aufgabe, Arbeitsnachweise zu schaffen; sie geht dabei von der Ansicht aus daß die Wanderfürsorge daraus hinarbeiten muß, möglichst viele Menschen dem Wanderstrom zu entreißen und sie in irgend einer Form zu produktivieren. Gut funktionierende Arbeitsnachweise, wie sie bereits in Berlin und Frankfurt a. M. existieren, sind infolge der Bemühungen der Hauptstelle in Breslau und anderwärts entstanden. Um den weiteren Ausbau dieses Teils der Organisation den Erfordernissen entsprechend «in intensivster Weise zu betreiben, hat die Hauptstelle diese Aufgabe der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland übertragen, die hierbei von dem Jüdischen Frauenbund wirksam unterstützt wird. In Verbindung mit der Organisation der Arbeitsnachweise hat die Hauptstelle auch ihr Augenmerk auf die Errichtung von Arbeitsstätten und Arbeiterkolonien gerichtet, und hofft auch dieses Problem in absehbarer Zeit einer Lösung näherzubringen. Der Hauptstelle sind zwanzig Provinzialbezw. Landeskassen und vier Grenzbüros angeschlossen, über deren Wirksamkeit tabellarische Uebersichten dem Bericht beigefügt sind. Danach haben abgefertigt: Würzburg . . . Bremen . . . . Hamburg. . . . Krankfurt a. Main Kassel..... Berlin..... Beuthen . . . . Bochum . . . . Breslau . . . . Hannover. . . . Köln...... Königsberg . . . Dresden . . . . Leipzig..... Magdeburg . . . Stuttgart . . . . Karlsruhe . . . Mannheim . . . 1925 Juli—Dezember Zahl der Durchwanderer 279 197 314 697 300 783 61 417 353 522 957 78 318 564 310 396 Reiseweg in Kilometern fehlt 16 823 78 958 124383 43 633 261 676 5 119 59 421 65 749 61516 133 153 22717 21785 59 618 37 705 8167 . 1926 Januar—Dezember Zahl der Durchwanderet 843 362 659 1 376 499 2 282 67 766 782 1 042 2 534 158 420 1 226 579 747 262 591 in Kilometern fehlt 26 370 152 956 240498 86 511 645 016 4541 92108 101 758 165 716 478 427 38 942 39 372 147 013 79516 76 386 13560 47 173 ^. M. Erste Frankfurter Dampfwaschu. Plätt-Anstalt! Fernsprecher Hansa 4S25 G. Trabinger, Frankfurt am Main Gutleutftraße 45.!! Neuzeitlich und vesteingerichteter Großbetrieb am Platze für Kragen, Manschetten und Oberhemden. L ' - Streng pünktliche und regelmäßige Bedienung frei Haus. ----------- ILSSLSSSSLeSSeSLcSLMSLSSLcSSS^

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