Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 11 (7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Ich folgte ihm, nnd er gab mir eine kleine Broschüre von zwei Bogen im Duodezformat, betitelt „Thorat h haAmmr m" (Religion der Völker), gedruckt in Kolomea 1900. „Warum haben Sie Ihren Namen nicht darunter gesetzt?" fragte ich. — „Wenn Sie das Schriftchen gelesen haben, werden Sie wissen, warum." Er wollte keine Bezahlung annehmen: „Das verteile ich unentgeltlich, aber hier habe ich eine andere Schrift, die können Sie bezahlen, wenn Sie wollen. Diese andere Schrift, betitelt „Daath linvonim", gedruckt in Munkacs 1898, trug den vollen Namen des Verfassers. Diese Schrift las ich zuerst. Sie enthielt einige talmudische Aufsätze. Daran schloß sich eine ,Megillach Juchassin" an, eine Familienchronik samt Stammbaum, wie ihn in der alten guten Zeit die Verfasser, wenn sie auf eine lange Reibe berühmter Ahnen zurückblicken konnten, ihren Werken beizugeben liebten. Unser Verfasser konnte seine Herkunft väterlicherseits sowie mütterlicherseits auf berühmte Mische Familien des Mittelalters zurückführen, die ihrerseits, natürlich auf sehr weitläufigem Wege, ihre Herkunft von der Dynastie des Königs David herleiteten. In den Adern des kleinen ÄPfelsinenhäNdlers von Kolomea floß also, von väterlicher wie mütterlicher Seite her, königliches Blut. Sein gebückter Kopf mit den feinen, welken Zügen trug eine unsichtbare Krone. Was Wunder, daß in diesem Kopf sich königliche, davidische, messianische Gedanken regten? Diese Gedanken sollte ich aus der dünnen Broschüre mit dem Titel „Thorath ha Ammim" kennen lernen. Der etwas weitläufige Untertitel lautete: „Um die Welt aufzurichten im Reiche des Allmächtigen und die Völker dem Bunde zuzuführen, der Anbetung Gottes heißt, damit sie an jenen Geboten feschalten, die der Ewige allen Menschen anbefohlen hat, dann werden sie Anbeter Gottes heißen." Er hat selber eine verkürzte Übersetzung seiner Schrift ins Deutsche angefertigt und drucken lassen, hundert Exemplare davon schickte er nebst einem Begleitschreiben an den 1900 gelegentlich der Weltausstellung in Paris tagenden Kongreß der Religionen, von dem er in seiner Naivität vermutete, daß er sich mit religiösen Reformen befassen wollte. Das Deutsch dieser verkürzten Uebersetzung war jedoch derart, daß keiner der Teilnehmer beim besten Willen hätte daraus klug werden können. Aber das Begleitschreiben, das in hebräischer Sprache der Broschüre beigedrnckt ist. gibt einen guten Einblick in die Seelenverfassung unseres Religionsstifters. „. . . . Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ohne die Stütze des Glaubens, denn wenn die Zahl der Leugner der göttlichen Vorsehung zunimmt, wächst die Gewalttätigkeit und das Unrecht in der Welt. In unserer Zeit aber hat der Unglaube zugenommen. Darum habe ich das Büchlein „Religion der Völker" verfaßt, n5n die Zweifler durch die Bande der Menschenliebe heranzuziehen und dem Bunde der Anbetung Gottes zuzuführen . . . Ich bin nicht gekommen, um den Völkern einen neuen Bund zu verkünden, ihnen eine neue Religion M bringen, sondern um sie in dem uralten Bunde zu vereinen, das ist die Religion Mosis, damit sie an jenen Geboten festhalten, die allen Völkern auferlegt worden sind ... Da aber in der Thora die an alle Menschen gerichteten Gebote unter denen, die die Juden allein betreffen, verstreut sind, habe ich die ersteren herausgesucht und zusammengestellt, um die Uebersicht zu erleichtern. . .. Das ist also keineswegs etwas Neues, sondern die uralte, heilige Dhora, und meine Schrift ist nnr ein Kompendium (jalkiUt) ihrer an alle Völker gerichteten Forderungen ... Ich wende mich nur an jene Angehörigen der anderen Völker, die von jeglichem Glauben verlassen sind, sie will ich durch das Reich des Allmächtigen aufrichten und sie dem Bunde der Anbeter Gottes zuführen, damit sie jene Gebote halten, die Gott allen Menschen empfohlen hat . . . Jetzt folgt eine knrze Darlegung der ,^Gla ub en s w a h r - heiten". Sie beginnt sehr charakteristisch: „Höret alle Völker! der Ewige ist, unser Gott, der Ewige ist einzig!" Also nicht nur „Höre Israel!", sondern: „Höret alle Völker!" Man denkt unwillkürlich an das schöne Wort des Talmud: „Warum ist die'Thora nicht im heiligen Lande, sondern in der freien Wüste Choreb gegeben worden? Damit Israel nicht sagen könne, sie sei sein ausschließliches Eigentum, und die anderen Völker hätten keinen Teil an ihr." . . . Nach der biblischen Lehre wird die Menschlichkeitspflicht den Fremden, NichtVolksgenossen gegenüber mit besonderem Nachdruck betont: Liebe jeden Menschen wie dich selbst, besonders den Fremden. Den Fremden sollt ihr gleiche Bürgerrechte erteilen, überall, wo sie sich unter euch niederlassen. Biel strenger als die Thora gebietet, den Mitbürgern Gutes zu tun, gebietet sie unzählige Male, den Fremdlingen Gutes zu tun und sie zu lieben, ihr Recht nicht zu beugen, sie nicht zu übervorteilen, nicht zu bedrücken, ihren Armen wohlzutun, sie zu unterstützen und ihnen in der Not auszuhelfen. Auch auf den Flüchtling aus fremdem Lande, außer wenn er gemeiner Verbrecher ist, bezieht sich das Gebot der Dhora: „Du darfst ihn nicht ausliefern, nnt dir soll er wohnen, in deiner Mitte, an dem Ort, wo es ihm wohlgesällt, du darfst ihn nicht benachteiligen." Darum findet der Verfasser nicht Worte genug, um die Unterdrückung eines Volkes durch das andere zu verwerfen. Es war überhaupt auffällig, wie oft er die Heiligkeit des Friedens, der Harmonie und der Solidarität unter Menschen und Völkern betonte und auf die Notwendigkeit der Verständigung hinwies, dagegen den Haß und alles, was ihn erregen kann, verdammte. „Wären die Menschen von Natur nur zum Guten geneigt, so bedürften sie keiner Oberhäupter, aber da im Menschenherzen auch böse Triebe wohnen, so bedürfen die Gemeinschaften religiöser Führer, die sie leiten. Diese Führer sollen nun die Gemeinschaften der Anbeter Gottes organisieren. Doch mögen sie dem Volke kein allzu schweres Joch aufbürden, ihre Anordnungen auch nicht für ewige Zeiten festlegen, da sie Lage, Neigungen und Bedürfnisse der kommenden Geschlechter nicht zu kennen vermögen. Die Thora gebietet nur, dem Gesetzgeber und dem Richter seiner Zeit zu gehorchen; die Oberhäupter späterer Zeiten dürfen die Anordnungen ihrer Borgänger aufheben und durch zeitgemäßere ersetzen. Auch sollen die Oberhäupter des einen Landes nicht den Gemeinden eines anderen ihre Anordnungen und Gesetze aufdrängen. Gemeinsame Feste sollen eingerichtet werden, doch nie zur Erinnerung an sterbliche Menschen, sondern nur aus Anlaß der göttlichen Wunder in der Natur (Frühling, Herbst usw.) Aua? kurze Gebete entwirft er für die Anbeter Gottes, das sind meist Kombinationen einzelner Verse aus dem jüdischen Gelbetritual. Doch will er sie nur als unverbindliche Muster gelten lassen. Die Oberhäupter der Gemeinschaft dürfen sich nicht als Priester gebärden, sondern nur als Lehrer und Führer. Auch dürfen sie keine Zeremonien und Riten bei der Aufnahme der Anhänger einführen. Lin neue»' 8eiclen 8tnumpf VON aulZEk-gSWÖtinIiLiiSki-ialrdsr-ksir bsi VOk-nsIimstSr- ^IsgÄN^ isi „ (^/?6 ÄUS dssisi- VEmdsf-g^SsiclS 5>ÄÄl- -/5^ l! k^ÄÄf- ^) I.WsM . / ^/ Il.Wstil . vü> GG SOsrlisstt'ÄsZS 1 ssir I S^S W Altbekanntes SpezialHaus feiner Lederwaren, Koffer und Reise Effecten Loewenherz gegt.1881 Goethestraße 13 gegt.1881 Große Auswahl Billige preise (^ÄfH-WSZtS^dl-^OnclitOr'S! Opsnnplsr? 3 l-isiiss. S^SS SsmiurliQtiSS k^ÄMiliKncafs /^ngSnsliMSN /Xufsiirlislr / LUvils l^k-siss /^u^k-NSnkssms SscliSiiuiig /Xugust lViÄs-dul-g (I^Isusrliitiadsi')?u slnsn guisn ^ssas Ks^ks« o6sn slnsm KIsInsn ImdlS.