Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 10 (6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Fürsorge aufgebraucht werden müßten. Vielmehr mutz eine Reserve gehalten und es muß mit äußerster Vorsicht gewirtschaftet werden, wenn nicht eines Tages eine undeckbare Schuld vorhanden sein soll. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen nimmt der Redner kritisch zu einem Artikel des Gemeindeblattes über den Haushaltsplan Stellung, mit dessen Gedankengängen er nicht durchweg einverstanden sei, insbesondere halte er die Bemerkungen über das Verhalten der Parteien zur Steuerfrage für unzutreffend. Sehr zu begrüßen sei der aus verschiedenen Kreisen der Gemeindemitglieder — vielleicht auch aus einer gewissen Wahlnervosität heraus — an sie herangetretene Wunsch, über die Arbeiten der Gemeindekörperschaften besser orientiert zu werden. Wenn auch die hierfür vorgeschlagenen Wege vielleicht nicht immer zweckmäßig seien, so sei doch das knerdurch zum Ausdruck kommende Interesse schon ein unschätzbarer Gewinn. Hierbei spiele dann auch der von verschiedenen Seiten erhobene und als Forderung aufgestellte Wunsch nach einer „Befriedung des Gemeindelebens" eine Rolle. Es fragt sich, was man darunter versteht. Handelt es sich darum, im Interesse eines sogenannten Friedens in der Einheitsgemeinde den Parteikampf gewissermaßen auszuschalten und in allem und jedem nur ein gemeinschaftliches Arbeiten aller Richtungen zu erstreben, so ist ein solches Beginnen aussichtslos und nicht einmal wünschenswert. Denn die zionistisch-nationaljüdische Einstellung läßt sich nun einmal nicht mit der rein religiösen, insbesondere der liberalen, vereinigen, und von der orthodoxen zur liberalen Anschauung führt auch keine Brücke, die eine dauernde Friedlichkeit garantiert. Der geistige Kampf zwischen entgegenstehenden Weltanschauungen ist unvermeidbar und im Interesse des Ganzen auch nötig. Versteht man aber unter Befriedung nichts anderes als das Bestreben, daß alle Parteien unter Wahrung ihrer Grundsätze und Aufrechterhaltung der Gegensätze versuchen sollen, ohne Gehässigkeit, ohne persönliche Schärfen und unter Wahrung angemessener Formen zum Wohl der Gemeinde zusammen zu arbeiten, so muß ich fragen: Wer will das nicht? Ich nehme für alle Parteien dieses Hauses den Ruhm in Anspruch, daß ein solches oedeihliches Zusammenarbeiten stets unser Bestreben gewesen ist. Wir haben gerade jetzt einen glänzenden Beweis solcher praktischen Befriedung dadurch erbracht, daß wir in der Finanzkommission den diesjährigen Etat mit seinen etwa 140 Positionen in absolut strengster Sachlichkeit und unbeeinflußt von Parteipolitik beraten haben, und daß. abgesehen von vielleicht einer einzigen Position, keine Abstimmung parteimäßig entschieden worden ist. Das ist praktische Befriedung. Alle weitergehenden Bestrebungen aber sind Uebertreibung, deren theoretische Unrichtigkeit ebenso groß ist. wie ihre praktische Undurchführbarkeit. Zum Schlüsse bittet Redner nochmals, Sorge dafür zu tragen, daß möglichst große Kreise der Gemeindemitglieder für die Verwaltungsarbeiten der Gemeinde interessiert und zu ihr herangezogen werden, und daß insbesondere die bis jetzt teilweise recht mangelhafte Teilnahme der sogenannten Bürgerdeputierten an den Arbeiten der gemischten Verwaltungskommission sich viel intensiver gestalte. Nur auf solche Weise werden wir brauchbaren Nachwuchs für die verantwortungsreiche Arbeit in den Gemeindebehörden bekommen, der in der Zukunft die (^emeindeaufgaben so erfolgreich erfüllen kann, wie wir alle es wünschen. Herr Dr. Katzen st ein skons.) dankt namens der konservativen Fraktion ebenfalls allen Mitgliedern der Finanzkommission, den Beamten des Gemeindebüros und allen denjenigen, die an dem Etat gearbeitet haben, besonders aber dem Vorsitzenden der Finanzkommission für den außerordentlich ausführlichen Bericht. Bei der Kritik des Herrn Dr. Geiger an dem Artikel im Gemeindeblatt könne man wohl auch von der Wahlnervosität sprechen. Selbst wenn man nicht allem in dem Artikel zustimmen könne, so sei er doch zu begrüßen, denn er sei geeignet, das Interesse der Gemeindemitglieder an der Gemeinde wachzurufen. Eine dringende Aufgabe sei, den Austritten aus dem Judentum entgegenzuwirken, auch der Landesverband müsse sich mit dieser Frage beschästigen. Aufgabe der Gemeinde sei es auch, auf die wohlhabenden Gemeindemitglieder einzuwirken, daß sie wieder wie in früheren Zeiten Stiftungen errichten. Redner spricht sich dafür aus, daß die Gemeinde in hohem Maße sich sozialen Aufgaben zu widmen habe. Es sei in der Eigenart der besonderen Verhältnisse in Frankfurt begründet, daß die Gemeinde in früheren Iahren sich mit der Wohlfahrtspflege nicht befaßt habe, denn in Frankfurt fei, anders wie in anderen Großgemeinden, die soziale Tätigkeit in den Händen von Vereinen gelegen. Seitdem diesen aber infolge der Inflation die Mittel fehlen, müsse die Gemeinde sich dieser neuen Aufgabe widmen. Allerdings könne man nicht sofort solch hohe Mittel hierzu bereitstellen, daß dadurch eine erhebliche Erhöhung des Steuersatzes notwendig werde, dessen begrüßenswerte Herabsetzung ietzt erst erfolgt sei. Eine solche Erhöhung sei schon deshalb zu vermeiden, um nicht dem einen oder anderen einen Vorwand zum Austritt zu geben. Es sei auch zu befürchten, daß, wenn der Steuersatz für soziale Zwecke erheblich erhöht würde, die private Wohltätigkeit darunter leide. Redner weist sodann darauf hin, daß die Aenderung der Schulordnung des Philantropins noch nicht erfolgt sei, obgleich sie seit länger als einem Jahrzehnt oerlangt werde, er selbst sei schon im März 1913 in eine Kommission zur Bearbeitung der Schulordnung gewählt worden. Die Nichtvornahme der Aenderung sei geradezu eine Brüskierung der Gemeindevertretung. Er begrüßt es, daß die Ieschiwa unter der Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Hoffmann einen so großen Aufschwung genommen habe, es würde nicht allein talmudisches Wissen, sondern auch profane Fächer gelehrt, und er bedaure nur, daß für diese Anstalt nicht mehr im Etat eingesetzt sei. man solle, wie in der Finanzkommission schon beantragt, hierfür Mk. 10 000— in den Etat einstellen. Redner ist auch dafür, daß auf Ermäßigung der Gebühren für Kasualien mit dem Endziel ihrer Abschaffung hingearbeitet werden müsse, vorerst sei allerdings an eine Abschaffung nicht zu denken, aber jetzt schon müsse man die Gebühren sozial staffeln. Dem Religionsunterricht müsse die Gemeinde große Sorgfalt zuwenden. Redner erkennt die außerordentliche Tätigkeit des Talmud-Tora-Vereins, des Vereins Darche-nauam an. aber diese privaten Unterrichtsanstalten, wie auch die Religionsschulen im Hermesweg und Unterlindau, genügen nicht. An den höheren Schulen müsse der Religionsunterricht besser ausgebaut werden. Es sei allerdings in Anbetracht des Umstandes, daß die Kinder verschieden vorgebildet und vielfach Klassen zusammengelegt seien, sehr schwer, dort einen allen Ansprüchen genügenden Religionsunterricht zu schaffen. Das müsse man aber verlangen, daß die Kinder so viel lernen, daß sie später als bewußte Juden auftreten können und daß sie für den Abwehrkampf in ausreichendem Maße ausgerüstet werden. Redner wendet sich gegen die Darlegungen des Vorredners, die religiös Konservativen gingen in der folgenden Generation zur liberalen Richtung über. Für das vergangene Jahrhundert habe man das vielleicht sagen können, jetzt aber werde die Jugend immer positiver, und man erfahre es immer häufiger in letzter Zeit, daß Kinder aus liberalen Familien sich zur religiös konservativen Anschauung bekennen. Redner betont, daß er mit dem Vorredner einer Meinung sei, daß ungeachtet aller Gegensätze anzuerkennen sei, daß alle, die in der Gemeinde arbeiten, in sachlicher Arbeit bestrebt ^H«K«H«HMWS«S-««»5^K«K«s«^H«K«O^O^K^H«H^ Eut unc« billig smcl unsere Sutte? XVKIsr, s/4?kcl., Ion mit Vlas-Linsat-......1.10 eS»-5«ki'Snl««, 1 türiZ, xelb lackiert..........60.- LInlC0«!».«ZISs«?..........1/21.tr. —36 1 I.tr. —.39 eInIeaek »ppSrst« mit Inermometer, Is verzinkt .... 5.25 SliTinsn-Xssten, Arün Gestricken, v. Neter......1.90 Mumei«>SieIi»l<snn«n, dunt lackiert 1I.tr.......0.75 Ss?»«n»v>«a>Itcsnn«i,, „ , « 8 „ 2 85 10 Ztllek Isk^-sN mit l QIss 3 20 ^^»Ms^UV^W^ 5N575Ni555k »-»»«Mt»««Sl«>L«5 9 e «SP? NUN«!! 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