Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 7 (3.1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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und Reichtümer sich der europäischen Kolonisation darbieten. Es sei nur ermähnt unsere Unternehmung in PhiliPPson, die vor 25 Jahren begründet wurde und heute nahezu emanzipiert ist. Wir vervollständigen diese Kolonisation, in dem wir auf den noch verfügbaren Ländereien Söhne oder Schwiegersöhne der Kolonisten ansiedeln, nnd zwar durchweg auf deren eigene Kosten. In Quatro-Jrmaos haben wir größere Schwierigkeiten angetroffen, und in der Vergangenheit wnrde die Kolonie von einer erheblichen Anzahl der Siedler verlassen, was teils auf politische Unruhen, teils ans die zu große Entfernung der einzelnen Kolonisten voneinander zurückzuführen ist. Da nunmehr die Rnhe wieder hergestellt ist, werden unsere Anstrengungen bald ihre Früchte zn tragen beginnen. Wir sind damit beschäftigt, die Kolonien wieder aufzubauen, in dem wir neue Zentren schaffen, von denen das erste bereits begründet ist. Unsere Inspektoren haben in dieser Absicht in Litauen und in Polen geeignete Familien ausgewählt, von denen anzunehmen ist, daß sie in Brasilien Erfolg habeil werden. Einer unserer Direktoren unseres argentinischen Werks hat die Installation der ersten Gruppe uud die Schaffung einer Kolonie überwacht, die den Namen Baron de Hirsch erhalten hat. Diese ncnen Siedlungen sollen sich zu wirklich jüdischen Anziehungszenncn eniwickelu. Wir hatten vorgesehen, daß bereits bei der Landung der ersten Kolonisten eine von uns besonders beauftragte Persönlichkeit die Bildung jüdischer Gemeinden in die Hand nahm, um diese noch so schwachen und dünn gesäten Gemeinden bei der Schaffung und Verwaltung der verschiedenen für den Einwanderer bestimmten Einrichtungen zu unterstützen, wie Synagogen, Heime, Darlehenskassen und vor allem Schulen. Wir glauben, in Brasilien gute Arbeit zn leisten. Der Erfolg bleibt abzuwarten. In Kanada, wo unser Kolonisationsiverk von seinen schwierigen Anfängen an eine Reihe von Krisen durchgemacht hat, war das abgelaufene Jahr gut. Zum ersten Male haben die Rückzahlungen, der Kolonisten unsere Allszahlungen überstiegen, was einen Beweis für den Erfolg unserer Siedlungen darstellt. In diesem freien Land, nnter dem Schntz der kanadischen Gesetze, die zwar ohne Zweifel für die Einwanderer hart sind, dafür aber den: arbeitsamen eingebürgerten Kolonisten weites Entgegenkommen zeigen, hat sich die Zahl der Niederlassungen vervielfacht, und ich hoffe, im nächsten Jahr imstande zn fein, Ihnen über neue Entwicklungen zu berichten. Trotz der dauernden Lasten, die in Europa und in den Ländern, anf die sich die jüdische Kolonisation noch erstrecken kann, auf uns ruhen, haben wir im vergangenen Jahr die Subventionierung der Trade School in New Bork, der Gewerbeschule des Baron de Hirsch Fund, fortgesetzt, Zn deren Ausgaben wir nnn schon so lange beitragen. Ferner sehen wir ans einem Sonderbericht die Ergebnisse der Jcwish Agricultnral Society aus dem Jahr 1925. Von 1900—1914 haben wir für diese Gesellschaft 1 173 000 Dollar verausgabt. Außerdem unterhalten wir bekanntlich eine Reihe von Unternehmungen iu Judäa, Samaria und Galiläa, deren Verwaltung wir der Pale st ine Jewifh Colonization Association (Pica) übertragen haben- Im vergangenen Jahr durfte ich Ihnen die Gründung dieser neuen Gesellschaft mitteilen und freue mich, an dieser Stelle ihre Erfolge hervorheben zu können. In Enropa sehen wir von Jahr zu Jahr in dem Maße, wie unsere Vorkriegsarbeit wieder ausgenommen wird, die dringenden Bedürfnisse anwachsen. Zwar ist die Periode der verwaltungsmäßigen Rekonstruktion heute nahezu abgeschlossen, jedoch hat sich'unsere Gesellschaft noch niemals vor so dringenden Notwendigkeiten gesehen, noch erschwert durch die furchtbare Wirtschaftskrise, unter der die osteuropäische Judenheit gelitten hat nnd durch den Umfang der von nns in Nußland zu lösenden Probleme. In Polen, in Rumänien, wo die Kroditorganisation am wichtigsten ist, haben unsere amerikanischen Freunde durch die Vermittlung der 1924 gegründeten American Joint Reeonstruktion Foundation sich zu gemeinsamer Arbeit mit uns verbunden. In Rußland selbst verfolgt das Joint Distribution Committee sein Hilfsnnd Kokonisatiönsiverk in gleicher Richtung nnd in ständiger Fühlungnahme mit,uns. Nene Anstrengungen sind in Amerika geplant, die es gestatten werden, dem jüdischen Hilfswerk in Ostenropa eine noch weitere Ausdehnung zn geben. Was das Kreditwerk betrifft, so mnß ich mich aus einige Ziffern beschränken. Ende 1924 zählten wir in Polen 107 Darlehenskassen mit 02 202 Mitgliedern, Ende 1925 war die Zahl auf 192 Kassen mit 67 504 Mitgliedern angestiegen. Die! bewilligten Tarlehen sind von Zl. 115 293 ans 206 108, das Gesellschaftskapital von Zt. 571 185 anf 1 595 623 gewachsen. In B es s a r a b i o n , einer hente rumänischen Provinz, haben Schwierigkeiten aller Art den geregelten Gang der Darlehenskassen behindert. Immerhin gab es Ende 1925 34 Kassen mit 24 293 Mitgliedern gegenüber 23 mit 23 594 Mitgliedern im Vorjahr. Das Gesellschaftskapital erreicht hier Lei 8 959197. Außerhalb dieser Länder erstreckt sich d>as Kreditwerk auf Oesterreich, Est hl and, Lettland, Litauen, Altrnmänien, die Bukowina, T r a ns y lv a n i e n, die T s ch e ch o s l o w akei bis zur T ü r k e i. Ueberall leistet dieses Werk die hervorragendsten Dienste. Erhebbiche Fortschritte hat das Kreditwerk im vergangenen Jahr in Rußland gemacht. Wir zählten dort am Schlüsse des Berichtsjahres 120 von unserer Gesellschaft gegründete Darlehenskassen mit etwa 60 000 Mitgliedern- Indirekt hat die Tätigkeit der Gesellschaft die Bildung von 110 weiteren Kassen gefördert. Alle diese Unternehmungen zeigen einen befriedigenden Geschäftsgang und gute Finanzlage; sie zahlen die erhaltenen Kredite mit^großer Regelmäßigkeit zurück. So konnte die Gesellschaft sich darauf einstellen, daß der für 1926 vorgesehene Kredit bis zur Hälfte aus den Rückzahlungen selbst entnommen werden konnte. Bei aller Sorgfakt, die wir den Organisationen der Kreditbeschaffnng, des Unterrichts und der Heranbildung von Handwerkern in Osteuropa widmen, bemühen wir uns sowohl in Polen als in Bessarabien und vor allem in Rußland selbst die alten jüdischen landwirtschaftlichen Anfiedln u g e n wieder erstehen zu lassen. In dem letzteren Lande ist es uns gelungen, eine große Zahl jüdischer Familien wieder in ihren Besitzstand einzusetzen und ihnen neue Familien zur Seite zu stellen. Den nenen Siedlern stehen wir sowohl mit finanzieller Hilfe als anch mit technischer Beratung durch unsere Agronomen znr Seite. Trotz der Schwierigkeiten dieser Arbeit glaube ich fest an ihre Znknnft. Schon heute zählen wir auf diesem Gebiet in Südrnßland 7811 jüdische landwirtschaftliche Betriebe mit 36 845 Seelen auf einer Landfläche von fast 96 000 Hektar. Erwähnt sei noch eine besonders wichtige Aufgabe, die im Einvernehmen mit unseren amerikanischen Freunden 1925 begonnen hat, nämlich die Unterbringung einer großen Anzahl von Emigranten, die in verschiedenen europäischen Häfen gestrandet waren und der in Rumänien, Polen und der Türkei zurückgehaltenen russischen Flüchtlinge. Diese Arbeit wird im laufenden Jahre vollendet sein. Im übrigen vollzieht sich unser Emigrationswerk ohne erhebliche Anstände, wenn wir auch die unzähligen Hemmungen zu beklagen haben, die es verhindern, seinen früheren Umfang wieder zu erreichen. Wenn" Park-Kotel .^W»^^