Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 7 (3.1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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teilen. In der behaglich breiten Schilderungsweise, in der das 18. Jahrhundert sich auszudrücken liebt, spricht er nun über die Juden in Europa. Er stellt fest, daß fast überall die Gesetze darauf hinzielten,die Zahl der Juden sich nicht vermehren zu lassen. „In den meisten Ländern hat man sie nur unter den lästigsten Bedingungen nicht sowohl zu Bürgern,- als zu Einwohnern und Untertanen aufgenommen." Wie rasch wird die "jüdische Familie in alle Winde zerstreut, weil, nur ein Sohn in der Regel das Recht erbt, im Lande seiner Geburt zu bleiben. Die gedrückte Lage des Juden bleibt aber auch bestehen, wenn er das Niederlassnngsrecht erhält. In allen seinen Erwerbsmöglichkeiten bleibt er eingeschränkt: „Die erste der Beschäftigungen, der Ackerbau, ist ihm allenthalben untersagt, und fast nirgends kann er Grund und Boden erwerben. Jede Zunft würde sich entehrt glauben, wenn sie einen Beschnittenen zu ihren Genossen aufnähme, und daher ist der Hebräer fast in allen Landen von den Handwerken und mechanischen Künsten ausgeschlossen." Wenn nun einer trotz aller dieser Schwierigkeiten sich bemüht, in die Höhe zu kommen: „bei dem großen Haufen machen auch die ausgezeichnetsten Verdienste des Geistes oder des Herzens den Fehler nie verzeihlich, ein Jude zu sein." Nun schildert Dohm, wie. den Juden in ihrer großen Masse keine andere Möglichkeit zum Leben bleibt, als der Handel, aber auch dieser nur unter den schwersten Einschränkungen. Kleiner Detailhandel, das ist ihr Feld, und nur die Hinzunahme der Geldverleihung macht es ihnen möglich, ihr Leben zu fristen. In sehr geschickter Weise zeigt unser Verteidiger des Judentums, mit welchem Unrecht man unseren Vorfahren den Vorwurf des Wuchers gemacht hat. Wenn nun aber sämtliche europäische Staaten die Juden nicht als Staatsbürger zugelassen haben, so fragt man sich, welche Gründe sie dazu bewegen mußten? Lagen sie in der Religion? Hier zeigt Dohm, daß die Verschiedenheit des Glaubens kein Grund sein kann, den Juden die Bürgerrechte zu verweigern. Er kommt sodann zu der wichtigsten Feststellung, daß alles, was man den Juden vorwirft, durch die politische Verfassung bewirkt ist, in der sie leben, „und jede andere Menschengattung, in dieselben Umstände versetzt, würde sich sicher eben derselben Vergehungen schuldig machen." Im Ueberblick über die jüdische Geschichte wird gezeigt, wie die Juden in all den Epochen, in denen sie im Genuß der vollen bürgerlichen Rechte waren, sich auch aufs beste bewährt haben. Aber allmählich wurden sie überall zum Sündenbock. Hören wir, was Dohm darüber zu sagen hat, und traurig werden wir es bekennen müssen, daß auch heute noch, nach 150 Jahren, seine Worte zum Teil ihre Gültigkeit haben: „Nie hat eine Nation während eines so langen Zeitraumes so grausame und unmenschliche Verfolgungen erdulden müssen. Wenn irgend ein Physisches Unglück entstand, so wurden die Juden für die unglückselige Ursache gehalten, die den erzürnten Himmel gereizt habe, und ihre blutige Vertilgung war das Mittel, ihn zu versöhnen. Wenn eine Seuche oder Hungersnot die Menschen ausrieb, so hatten sie die Judeu durch Vergiftung der Brunnen bewirkt, und ohne Beweise dieses ungereimten Vorgebens wurden sie vom wütenden Pöbel gemordet oder mit gerichtlicher Form verbrannt oder hingerichtet. Wenn ein Krieg unglücklich ablief, hatte es die Berräterei der Hebräer bewirkt, un!d statt der Feinde wurden Wehrlose, Unschuldige getötet. Wenn die Regenten und ihre Großen Geld bedurften, so mußten die Juden es ihnen leihen, und wenn sie nicht bezahlen wollten, so wurden diese Schulden für ungültig erklärt, und Wohl gar die unglücklichen Gläubiger aus dem Lande verbannt." Wie Dohm so die wirtschaftliche und Politische Lage der Juden richtig beurteilt, so wird er auch ihrem sittlichen Leben gerecht. Wenn man die diese Dinge betreffenden Zeilen überdenkt, so wünschte man allerdings, daß die Schilderung Dohms auch heute noch in ihrem vollen Maße zutreffen möchte. „An keinem Orte fallen die Armen der Juden dem Staate zur Last, sie werden allein von den Vermögenden versorgt, und die ganze Gemeinde nimmt sich der Angelegenheit des Einzelnen an. Das Glück des häuslichen Lebens scheinen die Juden mit mehr Einfachheit zu genießen, als es wenigstens in den großen Städten jetzt gewöhnlich ist. Sie sind meistens gute Ehemänner und Hausväter. Der Luxus ist bei ihnen noch lange nicht so weit gestiegen als bei den Christen von gleichem Vermögen. Der Ehestand ist bei ihnen unbefleckter, und die Vergehungen der Unkeuschheit, besonders die unnatürlichen Laster, sind bei ihnen weit seltener." Recht interessant ist, daß Dvhm in seiner feinen WSSQNSont liontsont trsgsont WSttSI'VVNt S»Stt veksrativnsun«l t4ödeMokks in reionnaltigsr ^uswsnl 2u billigsten preisen I n ci s n t k 5 e ns u s Xsissrstrssss IS ^).(^.sc)l-»_^^!D Ssg^. SiS>ctSk-»stk-slZs 23 ^c?t<S s<st^Sk->>iSris?fc>ntS ^W^l_^!>I Sl^S^^-S^T^Q^^ QOi_rD- ^6 sll_s^^sci:i-iiVl^O»< ^k-?iV!S^!^O^!-1k^l>I (^^-^ SOSttlSSik-2l3s 1 s ssii Vsndüngt (Zuslitst fü»- fsiris Stk-^r-npfw^l-Sfi l^I I"» t S»°!< l S i 6 5-lg l-lSrnSriv/vsscl^S u^ci WO > l s PO I°ttDSl< l S i ci!^ f-l g 8pe?.: Kei8kunc! 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