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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-08-01 · 12 (8.1926) · page 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
12 (8.1926)
Date
1926-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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verfolgen, unter denen die Frankfurter Juden weiter zu leiden hatten. Auch als er die Vaterstadt für immer verlassen hatte und aus Paris seine berühmten Briese an die Freundin schriet», da erfüllte alles, was die Frankfurter Gemeinde erlebte und erlitt, sein heißes Her, mit lebendiger Teilnahme. Er blieb der Frankfurter Jude: das war ihm. der geglaubt hatte. sich von allem loslösen, aus eine dvh»re Watte sich schwingen zu können, wie ein Wunder. .Tausendmale habe ich es erfahren und doch bleibt es nur ewig neu. Die Einen werfen :-,!»- vor. da^ ich ein Jude sei: die Andern verzeihen es mir - der Dritte lobt mich gar dafür: aber Alle denken daran. Sie sind wie gebannt in diesem magischen Iudenkreife. es kann Keiner Kilians." Dn.t, die Erfahrung, das; er für sich, für .xrcund und Feind der Jude blieb, lies; ihn die hirrlichi» Zl'v'ic finden, mir denen er aus feigem jüdischen Erleben die Liebe für ein einiges, freies Deutschland erklärte. .Ich wäre ra nicht werth. das Licht der Sonne zu genießen, weun ich die große Gnade, die mir Göll erzeigt, mich zugleich ein Deutscher u..d ein Jude werden zu lassen, mit schnödem Murren bezahlte — wegen eines Spottes den ich immer verachtet, wegen Leiden, die ich längst verschmerzt. Nein, ich weis; das unverdiente Glück zu schälen, zugleich ein Deutscher und ein Jude zu sein. Weil mein Geburtsort nicht grösser war. als die Iudengaise. und hinter dem ^rschlosseuen Thorr das Ausland für mich begann, genügt mir auch die Stadt nicht mehr zum Vaterlande. nicht mehr ein Landgebict. nicht mehr eine Provinz: nur das ganze große Vaterland genügt mir, so w?>t seine Sprache reicht. Und hätte ich die Macht, ich duldete nicht, das: Randgebiet von Landgcbiet. das; deutschen Stamm von deutschem Stamm such nur rinc Gasse nennte, uichi breiter als meine Hand.' V. .Wenn dieser Börne streitet, ist etwas in ihm. was an Lessing rrrinncrt.- Der schöne Ausspruch Grillparzcrs teniizcichnct auch, die Schriften und Briese Börnes, die dein Aecht der Juden gelten. Vis an sein Lebensende hat er selbstlos und uucigcnnül.ig sür sie gestritten. Wohl hat der leidenschaftliche Mann manches zornige, verfehlte Wort geschrieben, aber wir wollen nach Bornes Aal. nicht in die Sonne sehen, um ihre Flecken zu ergründe», sondern um uns ihrer Wärme und ihres Lichtes zu ersreuen. Uber hundert Jahre sind seit dem Anfang von Börn-.s Schasse» vergangen, doch n?ch immer strahlt Licht und Wärme von seinen Werken aus Noch immer erquickt seine herrliche Sprache, die ihre beste ZXrast der Bibel verdankt. Noch immer bcmcgr uns dir echt jiivischr Anschauung, mit der dieser geistige Kämpfer sein Eintreten sür alle Bedrängten begründet hat: .Als Gott die Welt crschus. da schus er den Mann und das Weid. nicht Herrn und Kriecht, nicht Juden und Ehrislen. nicht Reiche und Arme. Darum ücdcii wir örn Menschen, er sei Herr oder Knecht, arm oder rniti, Jude Wer in Frankfurt am Denkmal Börnes vorübergeht, der erwäge, wie dieser Mann für die bürgerliche Stellung der Juden gelitten und gestritten hat. Erst Jahrzehnte nach seinem Hinscheiden ist die völlige Gleichheit der Aechte errungen worden, ober weil er sür dieses hohe Gut. das uns heule selbstverständlich erscheint, rüstig gekämpft hat. darum darf der Name ^Börnes auch von den Frankfurter Huden mit Dank und Ehre genannt werden. Erziehung zum Sandwerk. ooa Zsi tiahl». Glasermeister. Frank-urt a. M. Vortrag am Zi. Mai!KL6 bei der Verbandstagung zu Leipzig Es ist mir von der Derbandsleilung die ehrenvolle Aufgabe gestellt worden, Ihnen im Anschluß an die allgemeinen Ät-s-Ltzrungen meines gesch. Vorredners über das besondere Interesse zu berichten daß gerade wir Juden .Der Erziehung zum Handwerk'' entgegcndrirgen. Dieses Interesse ist nicht erst ein Ergebnis der Heuligen schweren Wir.schanskttsc. sondern besteht von dem Zeitpunkte an. wo e» überhaupt eine jüdische Geschiänsschrrioung uibt. Nur der eigentümliche und in seiner All einzig darstedende Verlauf der Geschichte der IuSenheir hat es dazu gebraut, daß au.tz noch heute de: einem großen Teil der jüdischen uud auch der nichtjüdischen Bevölkerung ein vollkommen verzerrtes Bild üzer tiefe UitzwtNrlhasle Taisaaze bester». Ich kann Ihnen im Nahmen einer knappen Halden Slu-de die geschichtlichen Nachweise, wie sehr Handwerk und Judentum miteinander verknüpft sind nur andeutungsweise wiedergeben, da ich mich im Interesse einer ergebnisreichen Verbandst« urg mehr an die Gegenwartsfragen ha lrn muß Diese F ogen laufen kurz prätisiert: l Wr.'che» Interesse hat die jüdische allgemeine bezw Nichtoandwerkerbevölkerung an der Erziehung ihre» Nachwuchst» »um Handwerk? Welche» Intereifc hat der bereits d'ilehend? jüdische Handwerkrrstand an einem Nachwuchs aus jüdischen Kreisen? 3. Welche» Interesse hat die christliche Handwerkerbroölkerung an den Zuwuchs von Handirerkern jüdischen Glaubens? Das ^ilterefse. das d.r jüdische Nichthandwerker dein Bor- Kandensein eines jüdischen >>and:'.'e?tv?rstu::de^ r:.tgcgc»dr>»g:. du» sich heule zu einer Eristenz und Prestigefrage für die deulichc Iudenhcit entwickelt. Wir Juden sind trotz aller Hu.nanttäts- und Gleichderechtigung^gedanken de? Iahrhui'k-erts i-iü-ier noch vielfach der Gegenstand verachteter und vernunitloler Vorurlrile in rstener und versteckter Form. Da mülsen wir uns vor Augen halten. Sah r» sür uns nur zwei AiogNchkctten sidt, in den Krci'rn unserer andersgläubigen Mitbürger Achtung und Eintritt in sie zu erlangen: l Durch die Errlngung gesichelter E..isten.in.ö,i!ichkeiten. dünnt man uns nicht nachsagen kann, daß wir irgendwie der Volks- Wohlfahrt zur Luit liegen 2. Durch das Hineinstellen geistig führender Persönlichkeiten in alle Stellungen und Berussartrn des Bolkskörprrs.! Die Überprüfung der gesicherlen Eristenzmöglichlleilcn zeigt un auch angesichts der heutigen traurigen wirtfchuftspolliischen Lngc Deutschlands das Zurückgehen der Berdicnslinöglichkeiten in dei, liausiiiäiinischen Verusen und eii,c Ubersiillung der akademische!' Bcrusszweige Sie zeigt uns fei »er bessere Eristenzmöglichkeile» j tii den mittleren Bcaintenbernsen. in der Landwirtschaft und im Handwerk. — Auch ergibt die Prüfung unseres AUgci»ei.na!'.j>- > hens. daß es uns gerade in diesen aussichtsuollen Berufen noch! durchaus an sührendei: Persönlichkeiten jüdischen Glaubens sihlt > Sehr geläufig sind uns fast in jeder Stadt die Namen von Glaubensgenossen die führend in Handel, in der Industrie und in, Bankwesen wirken. Wenig oder sajt garnichi bekannt sind uns Namen größerer reiner Handwerksbetriebe, deren Inhaber Juden! sind Wohl olle einsichtigen Llreisc der jüdischen Nichthandwerker-! devölkernng sind sich darüber Klar, das' e». für unsere Gemei'ischast auf die Dauer von größtem Schaden sein wird, wenn sie j immer und immer wieder gezwungen ist, ihre leitende» Persönlichkeiten aus den Berufen der Akademiker, des Handels und dei Gewerbes zu hc>!e». Ein jeder Beruf birgt Eigrnartcn in sir5! die er auf die ihn ausübende!. Personen übertrügt und deren ' Betätigung^möglichkeiten dadurch Grenzen seist, die von vielen j nicht einmal empsunden werden. Nur dr>s Zusammenwirken und j die Ausübung alle? Wirtschaftszweige kc>nn itlussicht an? eine gesunde Entwickelung und Zukunft einer Gemeinschaft geben- Das Interesse, oder in diesem Fall bess'r ausgedrückt, di,-! Forderung die der jüdische Handwerker »Der Erziehung zum j Handwerk" entgegenbrinul. wird g-kennzerchiiet duich die kurzen! Worte .Achtung vor den Tatsachen'". — Wir sind uns brwusj'.! öap wir erst sc» knapp nunoerr Iagrcn trn c-culic^en .nauvwerk I Fug faßten, in einem Lande, in dein gerade die Handwerkerzünfte i aus eine jahrhunücriiungr sts.zr Grschich!? uns B?r..f?t'!2^''.'?"! blicken können Wir wissen aber auch, dag wir schon Jahre vor Errichtung der Zünfte das Handwerk im eigenen Lande nicht nur lobte», »andern auch selbst als den Beruf eines freien Man-! nes au.üblen. Eine viel »» wenig bekannte Ta'.sache ist es no.n. dasz wir Juden auch im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein ' uns stets den Handwerksberusea widmeten (soweit wir dazu Gelegenheit erhielten). Darum find wie auch keine fremden sondern Einheimische im Handwerk und üben es aus. nicht aui?! kett. An dieser Tatsache können die jahrhundertlangen zwang?- ' läufigen Unterbrechungen nichts ändern. Wohl ist es erklärlich, daß die Wirkungen dieser Unterbrechungen auch heute noch deu:- lich zu erkennen find. Wenn man einem Menschen jahrelang einen Arm fesselt, erlangt er die Wie^erqebrauchsiädigkeir dessrtdcn nur schwer Da man uns im deutschen Heimatlande jahrhunoertela, a vom Handwerk ausgeschlossen hat, braucht man sich nicht;u wundern, daß die Wiedereinfühlung in die feststehenden Traditionen desselben nicht ganz ohne Schwierigkeiten oonstalten geht. Wir müssen daher an unsere jüdischen Nichthandwerker das dringende Ersuchen richien. mit dafür zu sorgen daß sich d e»e Einfühlung in unserer aller Interesse rascher und vollständiger vo!'- ztthl als es bisher der Holl war. Zur Erreichung dieser Eirnü'?'una müssen wir zunächst > ' FiZr'erung stellen, daß die Eristenzmöglichkeit der deN-her^e:: Jugend überhaupt empfehlenswert erscheint, als Jude e:n Hai werk zu erlernen. Wir münen weiterhin verlangen, das? nnierjüdischen Nichi?andwerker und iühienden Kreis? die Pflicht er'ül^en,

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