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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-08-01 · 12 (8.1926) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
12 (8.1926)
Date
1926-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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untergeordneten Po izrihandlungen: er hatte einen gros'.rn Teil der deutschen und französischen Korrespondenz zu führen, Entwürfe über verschiedene Polizei-Einrichtungen zu machen, öffentliche Bekanntmachungen und Verordnungen zu verfassen. Man bc,» s?ä!rr von ihm gesagt, das; er slrts;tg und unoer^rLfirn arbeitete, das; er liebenswürdig und verträglich bei den .Kollege», freundlich und zuoerkommend gegen die Bürger mar, das; er nie seine Überlegenheit an Geist und Kenntnisse» herauskehrte, es vielmehr neidlos geschehen lies>, wen» schwierige Arbeite», die er ausgeführt hatte, unter fremdein Namen gingen und andren die Ehre brachten. Man hat seine strenge Uiibcilrchlichk-it gerühmt, man hat auch anerkannt, das; er mutig, mit grzuszencin Degen, plündernden soiduten entgegentrat - kurz, dos alte frankfurter Rathaus braucht sich des Polizciaktuars Baruch nicht zu schämen. Er selbst hat nie vi«! von seiner Amtstätigkeit gesprochen. Er tat seine Pjlicht, aber was war die eigene Person, was war Amt und Tagrsschassen gegenüber den gros.cn Ereignissen, die dc>> leiden« schastlichen Politiker von neuem in hren Bann zogen! IV. Wieder verslocht sich das Schicksal der Frankfurter Juden mit den Geschicken Deutschlands: mit der Niederlage Napoleons und dem Ausammenbruch des Gros.hrrzogtuins Frankfurt, mit der nationalen Erhebung und mit der bald einsehenden Reaktion in den befreiten Staatswesen. Aber für die Juden der wiederhergestellten freien Reichsstadt brachte die Rückkehr zu den ollen Verfaisungsforme» Härteres als die schiiierzlichc Enttäuschung, die alle Patrioten darüber empfanden, das; die deutsche Nation um die erhosste Einheit und Freiheit betrogen wurde. In Franksurt war die Volksbegcislcrung sehr schnell überwunden, und »»verhüllt äusserte sich, wie Schwemcr sagt: .die kritiklose Vorliebe für das Althergebrachte und das naive Bekenntnis zu dem Entschlüsse, in dem Kreise, in drin man sich von jeher bewegt hatte, sich auch fernhin in alle Ewigkeit zu bewegen, mit den Wrichbildgrcnzcn der Stadt die Welt zu Ende sein zu lassen." Für die Juden bedeutete der Frankfurter Pattiliularisinus die Zurückweisung ins Ghetto. War es doch das Erste gewesen, was die Vertreter der Bürgerschaft dein Kaiser mit der Bitte um Herstellung der unveränderten alten rrichsstädtischrn Verfassung als Wunsch oortrugen: billige und angemessene Beschränkung der Iudenschnst! Es gehört zu den ehrenvollsten Abschnitten der Geschichte der jüdischen Gemeinde, wie sie nun einen langen und zähen Kamps um ihre Bürgerrechte geführt hat. Dem Hause Jakob Baruchs gebübrt dabei besonderer Ruhm: tcr Vater hat sich als Deputierter der Gemeinde in würdigen und klugen Bittschriften an den Freiherrn von Stein, an den Wiener Kongreß, an den Staatskanzler von Hardenberg um die Bestätigung des Bürgerrechts seiner Glaubensgenosse:! deinüht. Wie klar und schlicht heiszt es;^ de? von ihm und I. Gumprecht unterzeichneten, ain U>. Oktober 1.^14 dem Kongres; ».vergebenen Vorstellung: »Die Frage auf die es ankömmt, ist: ob jüdische Einwohner, i""«» gebohrrne Deutsche. welche den Bürgrreid geleistet, und alle Bürgerpflichten redlich erfüllt, deren Söhne für die Errettung Deutschlands in tgejochten. und die in dem Krieg mehr als jede andere Gemeinde gelitten haben, da ihnen über Häuser eingeäschert wurden, ob diese in dem Besitze und Genüsse des vertragsmäßig so feierlich erworbenen Bürgerrechts zu Frankfurt geschürt werden sollen, oder ob man sie wieder in den vorigen Austand der Unterdrückung zurückwerfe«, und dadurch dem Elende und Spott Preis geben will?" Aber Jakob Baruch wilkte auch persönlich ai'« Vertreter der Gemeinde in Wien. Er sand durch seine Bildung und Menschenkenntnis, seine kluge und vornehme Art, eine gute Ausnatimc bei Metternich, Hardenberg und Humboldt. Dag er sein Ziel nicht erreichte, dasj die Gegner der Juden stärker waren, verkleinert das Verdienst Jakob Baruchs nicht. Ganz anders wie der Vater erhob der So!,», der seiner Stelle enthoben worden war. seine Stimme »ur das Bürgerrecht s-iner Glaubensgenossen. Er ertrug es nicht mehr, seine Betrachtungen an die strenge Ordnung, an die juristischen Paragraphen eines Aktenstückes zu leiseln. Das abwartende, vorsichtige?un und Reden der Gememdevorsteher baue keinen Erfolg gebracht, darum wollte er die öffentlichen Meinungen >ür die Frankfurter Juden l erkämpfen. Wohl hali Lob Baruch dem Vater und seinen Mitl arbeite?», wohl stcU»? ir seine Kenntnisse uns seinen Rat zur 5 Verf':zu.,g. aber als er durch eine besondere Schrift, die Sache der'! Gemeinde zu unteriiük-.en gedachte, da wurde dies Werk eine sc»! leidenschaftliche Anklage, eine so schneidige Abrechnung, das? Jakob j Baruch die gedruckten Helte nicht an die Oeffentlich«ect kommen! lieg. Was Börne später in seiner Zeitschrift gebracht hat. das ift! großartig und gehört zu den klassischen .Zeugnissen aus dem Kampf! der Juden um die Menschenrechte. , Wie sch«-rzlich aber, das; der mannhafte Vorkämpfer die Gemeinschaft, für d.e er so unerschrocken »ritt, inzwiicken verla-ien hatte: im Jahre war er zum lutherischen Bekenntnis über- . gctr.ten. Aus Löb Baruch war Ludwig Börne geworden.! An äufzere Borteile dachte er bei dein Übertritt nicht, aber der leidenschaftliche Wunsch, als Schriftsteller am geistigen und ooli^ tischen Leben des damaligen Deutschlands frei Anteil zu nehmen, als Publizist weithin und ungehemmt zu wirken, katte den Entschlaf; herbeigeführt. Er bedeutete iür Börne kein Nachlassen im Kampf für die Rechte der Juden, nur glaubte er jeyt als der unabhängige Sachhaltcr aller Unterdrückten zu sprechen. .Ich liebe nicht den Juden, nicht den Ehrsten, weil Jude oder Christ.' ich liebe sie nur. weil sie Menschen sind und auch zur Freiheit geboren. Freiheit sei die Seele meiner Feder, bis sie stumpf geworden iil. oder meine Hand gelähmt." Wie täuschte sich Börne, wenn er sich für unbefangen, für nicht mit einer Gr'meinjchail verkettet hielt! Er blieb oerwachsen mit den Seinen, und seine Sprache tönte am hellsten und rcinjlen. sein Herz schlug am stärksten, wenn er gegen Judenfeinde stritt. In den .Zcitschwingen" und in der .Wage" erschienen seine meisterhaften Ausfälle, oft von > schneidendem Hohn, oit von heiliger Enlrüitung getragen. .Für! die Juden" hicsz eine der srühcsten dieser Arbeilen, doch Börne bemerkte zu der Uebcrschrist: »Für Recht und Freiheit sollte ich sagen; aber verstünden das die Menschen, dann wäre keine Not « und es bedürfte der Rede nicht. Ihm rrscriien die Beschränkung, die Ausnahmebehandlung der Juden nicht als Frevel an der j Menschenwürde, sondern auch als eine Sünde gegen die Einigkeit! und Freiheit seines geliebten deutschen Vaterlandes. In erster Linie aber erscholl Börnes Stimme zu den Verhältnissen der Frankfurter j Juden; seine Teilnahme, sein Eintreten für ihr Bürgerrecht blieb lebendig und warm bis an sein Ende. Als die anlisemilische Posse: .Unser Verkehr" in Franksurt auigeführr wurde, da hielt der große Kritiker Börne sich nicht dabei auf. die Wertlosigkeit des abgeschmackten Stückes darzutun, wohl aber wies er scharf den Versuch zurück, durch ein solches Machwerk Spott und Groll gegen die Juden zu erwecken und so ei» Parteitreiben gegen ihre Gleichberechtigung zu entjejseln. Er desprach ein heute längst n-r.^-ii»»-». gehässiges Buch üb" ds; Judentum, uud Au>- sal; wurde nicht nur ein Todesurteil sür das Werk, sondern erhob sich zu einem eindringlichen Rus nach dem unverkürzten Bürgerrecht der Juden. Da richtete er an die Herren von Frankfurt die Frage, warum nur vier Juden in der Stadt als Aerzte, warum gar keine Juden als Advokaten wirken dürsten. Da »ragte er die gelehrten Vereine und Gesellschaften, warum kein jüdischer Freund der Kunst und Winenschafr. kein jüdiicher Gelegner oder Künstler von ihnen aufgenommen wurde. »Ich lasse mich nicht abweisen, ich will Antwort darauf haben. Wenn Ihr Recht habt, so tretet hervor und verteidigt Euer Recht." Börne sorderte das Bürgerrecht nicht als Belohnung sür bewiese-! nes Wohlverhalten, er verschmähte es auch Gründe für seinen! Anspruch aufzuzählen. Ich will es offen bekennen, dag. den Zorn! abgesehen, den jede Ungerechtigkeit in meiner Brust erregt, alles das. was ich je gegen oder auch nur über Vre Juden gelesen habe. mich immer lachen gemacht hat. Die Herren überlegten, od die! Juden in das Staalsbürgeroerhältnis paßten, und die Wohiwol-! lenden meinten, sie wären »auglich dazu oder könnten es gemacht! werden. Aber die Hauptsache vergessend, dad-n i'ic nch eine unörige Müde gegeben. Das S:ac::sdürgcrrrcht brauch: nicht erst erworben zu werben, man wir5 damit qeöoren. ^.an in schon Bürger j in der Wiege."! Wee solche Anschauungen hatte, der konnte nickt aufhören, i mit Entrüstung oder Iro.iie die niaiuilgfuchrn Zurückse^urgen zu

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