Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 11 (7.1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Tagung der Zeattalwohlfahttsfielle der deutschen Zuden.?om 6. bis 8. Juni 1926 fand in Düffeldorf die Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden statt. Ter überaus zahlreiche Besuch au? allen Gegenden Deutschlands, das Inlercne der Reichs- und Staatsbehörden und der allgemeinen Wohlfahrtspflege, die Vertreter entsandt hatten, die Teilnahme fast aller Wohlfahrtsämter, unter welchen sich außer vielen freiwilligen Heuern auch recht zahlreiche beruflich tätige Xräitc befanden, die Beschickung durch fast alle Vereine und Organisationen, zu deren Aufgaben die jüdische Wohlfahrtspflege gehört, sind ein deutlicher Beweis für den starken Ausbau der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland und für die wachsende Bedeutung der Zenlralwohlsahrtspelle der deutschen Juden. Die Referate, die von hervorragenden Sachkennern der allgemeinen und jüdischen Wohlsahrtspsle^e erfolgten und in der Aevakah. Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege, vcröncntlicht werden, haben der jüdischen Arbeit für die nächj'.cn Jahre Wege und Ziele zu weisen versucht. Die Tagung wurde am Sonntag Abend durch den Vorsitzenden der AentralwohlsahrtssleUc der deutschen Juden. Herrn Lugen Caspar n. eröffnet. Cr dankt den zahlreich erschienene» Batten und insbesondere der örmagogcn» gemeinde Dimeldors iür die sorgiällig« Vorbereitung der Tagung und sür das Zustandekommen der Auss:rllung Es folgten sodann Begrüßungsansprachen seitens des Vorsitzenden der Snna.>ogengemeinde Düsseldorf, der Vertreter des Rcichsarbeitsminiileriums, und des Preußischen Minist, riums sür Boikswohliatirt. des Gcschäslsiührcrs der Deutschen Liga sür sreie Wohlfahrtspflege, der auch die Grüße der in der Liga zusammengeschlossenen Verbünde des Aentralausschusses sür die Innere Mission, des Deutschen Caritasverbandes, des Deutschen Roten Kreuzes, des Füniten Wod!sah»isverdarides and des Zcntralwohlfahrlsausschujscs der christlichen Arbeiterschast überbractite. Nach weiteren Begrünungen folgte sodann der Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Baeck über das Thema .Der geistige Gehalt in der jüdischen Wohlfahrtspflege', der bei den vi?len Hunderten von Teilnehmern stürmische Begeisterung auslöste. Am Montag Vormittag sprach Herr Ministerialrat?>r. Wittelshöser über .Grundfragen der staatlichen Wirtschastsfürsorge" mit besonderer Betonung der sür die jüdische Wohlfahrtspflege in Frage kommenden Punkte (Erwerbslosensürsorge. Aus« länderfürsorgej während der Kotreferent. Herr Rechtsanwalt Dr..Georg Baum, die Hauptgrbiete der jüdischen Sozialpolitik <DurchwandercrsSrsorgr. Arbeitsnachw-iswesen, Beruisberatung) von großen allgemeinen Gesichtspunkten aus zur Darstellung brachte. Daran schlaf; sich der Vortrag von Herrn Dr. Teilhaber über .Jüdische Bevölkerungssragen', der in erster Linie die 13 sozial-hygienische Fürsorge im Interesse der Gesuudrrh illung der jüdischen Bevölkerung eingehend begründete. »Uder jüdische Iugendnot und Iugendhilie' sprachen sodann Herr Obermagislralsrat Dr. Friedrich Ollcndorss und Fraulein Ottcnheimer. Während Herr Dr. Ollendorff die Grundlinien für einen systematischen Ausbau der jüdischen Wohlfahrt-? pflege in Deutschland auizrichnetc und an der Hand von Beispielen anschaulich machte, beleuchtete Fräulein 5?tlenheimer die besonderen Bedürfnisse einzelner Kategorien von Jugendlichen, insbesondere der schulentlassenen. Der Nachmittag brachte unter sachkundiger Führuug des Herrn Raddiner Dr. Eschelbach er die Besichtigung der Ausstellung .Hügicne der Juden" und die Vorführung des jüdischen Wohlfahnssilms. Der Dienstag Vormittag war der Cröktrrun.i der Hauptarbeitsgediete der ZrntralwohlsahrtsitcUe in 5cn Arbeitsgemeinschaften der Jüdischen Gesahroclenjürsvrgc und Tudcrkuloscsürsorge gewidmet. ltder den wichtigen Punkt der .Fürsorge für jugendliche Psnchopaten" sprach V>err Lehrer Sawadn. Frau Paula Ollendo.fs über .Geiängnisfilrjorge". In der Arbeitsgetticinschast der Tuvrrkuivsensürsorge rcjcrirrlen Herr Dr. Sanlson über .Neuzeii liche Maiinahmen der ^uberkulosebekäinpiung und Fürsorge", ^ränlcl» Fried», Weinrcich nber .Stand der Mas.nahü.cn zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden in Deu:s>lchi»d". Zum Schlujsc sprach Frau Bettina Brenner über .^ukiiiistsausgaben der jüdischen Tuberkulosefürsorge". In beiden Arbeilsgemeinschastell ivurdc» nach lrbhaiter Diskuision Rtsolutionrn grjas.t. welche die Ergebnisse der Referate und der Aussprache feilhielten und die f r den weiteren Fv.tgang der Arbeit beiiiminend sein werden. Am Schlüsse dunkle Herr Caspar» »och riiimal der jüdischen Gemeinde Düsseldorf und dem ^rnuenverei» sür die reiche Gaslsrcundschast und sür die sorgfältige Bvrbcrcitung der Ta»ung. welchen lialip sächlich das glänzend? Gelingen zu dünken n ar. Am Nachmittag fand eine Kundgebung des Rrichsansschuises der jüdischen Iiigciidvrrbändc statt, bei welcher Herr Georg Lnbinski über .Das soüalc Programm der jüdischen Iudcnd" sprach. Auch, hier war trvtt der ungünstigen Zeit ein recht zahlreicher Besuch. Die Bedeutung der Tagung beruht nicht nnr in der ,xü!le der Anregungen sür die weitere Cnlwichluiig der jüdischen Wohlsahrts» pflege in Deutschland, sondern vor allein in der .ttundgebun.« zur gemeinsamen Arbcitallcr Gemeinben. Vereine und Orgnuisntwnen, alle beruflichen und srciiviUjgen .fräste, die, die durch die Taunng überaus >tark zum Ausdruck gekommen ist und einen erfreulichen Ausblick sür eine weitere günsiige Entwicklung der jüdischen Wvhlsahrtspslcge in Deutschland dedeutet. 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