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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-07-01 · 11 (7.1926) · page 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
11 (7.1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Der jüdische Gemeindebeamte. Von Z. v. 5evy. Mannigfaltig sind dir Ausgaben einer jüdischen Gemeinde ruht auch diese kleine Welt aus drei Psrilern, auf Bsleqe der Religion, de-. Gottesdienstes unv d. r Wohlfahrt. D-e Jugend zu belehren, ttnterrichlsanltnllrn zu oriinZen und zu erhallen, für religiöse Belehrung in ivc.tcslem Mas;« Sorge zu triii.rn. die Gemeinde im ganzen und ihre Mitglieder t»> einzelnen geistig zu sühren -da'» in die er ie Pslicht einer lü^ischen ^n.enide. Die zweite erstrebt sich aus dir Ermög!ichli»g g^nicilisuine» Gottes dienstes: Siinagogrn zu eirichlen. in ihnen eilen eib^ulich--» Gvllcsditlist zu vcrunjluilr», die illorUe ^^erio, .ung t>er Gei»ti»c>rangehöcigeit zu ucil'ä^rleisteii, hiistt Ain.iii.'»)!) im Sinne der Ge- Gemeinde ist die Pflege ollerZvrige der A^!>!fahrt^ o?r Fürsorcr sür Arme un> .kranke. U<itu>ei' und .'l^a sc» »> 5 s»t>lich oie Bestatt«, ng der Tute«. In vergaiitirnen Zeiten wurden di-'se rc>i,, ,i r» Pilichlen der (Gesamtheit innerhulb der Geinriiide zum u'us;'c» Teil rhicl>ui>ll:ch a leüdl. Ganz besonders gab es immer Mäuntr und Frnurn, die tm Golle-idirnst und i» ottkn Z»>ei>!ru drr Wohls^hrtspslrgt ihre Krasl gern sreimtUiu zur Bersugiin > st-'lltrn. Ader je mrl>r die Geineinden wuchsen, je gios^er die Ails ude.»! v>cn an Zcit »nv Mühe, je stärker der Sinn sür Arslhetik. Musik K»n>l »>uch<.. desto nirhr zeigte sich die Nolivendigkrit, sür all diese A»>V,abell, wie von jeher siir den ersten Zwei,! des o^»ieiiikclrbe»5, sür kirn llnterricht, auch Männer und «Brunen zu siudci , die ihre ganze Tätigkeit ihrem Amte ividmclrn und sich nael> einsprechend-r fachlicher Bor- und Ausbildung ein solchem ^Iiiit zum L>oensbrrusc wühlten. Ja. sell'st die eigentliche Gcniciilk'rvcrn'ttlliiiig, die wohl bis in die ncueslc Zeit hinein nur ehrenamt ich von l!,ru,>iiim. t^..!:l,iiü. .V.:,:!!!:^'!:::. »UN .Baul». Ute»" b»sur,>: lvorciril war, entwiekellc sich nuch und nach zu cinciii Betrieb, der »eticu den ehrenainllichr». in nicht genug zu dankender Ausovserung wirkenden Männein eine grosir Zahl von Beamten crsordrrle, mehr als manche andrie Sporte des Gcmeindelebens. Sv bildete sich in den Grvsjgeinctlloen im Lause der leiern Jahrzehnte ein grosjrr L>h>- und Besünlcnkorprr. wie er sich in unserer Grineinde durch die stattliche Zahl voii etn'a"'i»Anilspersotten darstellt. Dir Gemeinde braucht sie und kann sie nicht entbehren: Lehrer, Rabbiner, KanU-ren. H.in^v. rn>nltcr. Schlichter, Friedhuss« beainte. Arrren- und Krankeiipsleger und pjle.ierinnen nnd lux» not leu»t — den grosi.cn Stab von Berwuitun^ .beamten Fast alle sind sür diese» ihten Beruf durch lau iicili iges Studium, du ch Lehr», Diätar-, Pralilikuntenzelt und derg eichen g ündltch. unter Auserlegung grosjrr Opser un Zeil. Mnde und G.ld nur« und ausgebildet', viele Fächer setien uni>edi»gl akademiiches. se i-iin:- rischrs. künstlerisches uud praktisches Boriindium voraus keine Gemeinde stellt heute noch uiiuuallsizicrte Bcamlc für ir.c"d ein Fach ihres gros>cn betriebe', an Sie verlougt serner oo» ihnen volle Anspannung ihrerKräfte für die ihnen aeilcllten Aus,a!'ru: gilt für den Arteiter der Achteder Neunstiii:den:a>i. so sür de» Gcmeinde-Zlngestrlllcn die scincin F.iche gemäste. höchsie Bean spruchung seiner Amt^iähiglicite».?ad»t ist sür inartt t- Fach eine stu»d«nmäs;ige Zerret nung der Amt-taligkeit nichr n'clil möglich: e> livmmcn l»> unni!s;di'.:c Fnl.toren in Betracht, truditionsmafztge Imponderabilien, die mit dem Fach in ^er> v'ndung stehen nnd schwerlich davon zu trennen sind )iach alledem ist der Granne licute sür einen Gemcindcdclrieb une.itbcbrlich. )kein. mehr! er ist da-; Aiich,?rat der Gemeinde, ohne da-' il^r Kö>per zusammenbräche. :!zre Glieder '.cr:ic!?n. idr Geiit dahini.l,iv>inde. ^Zlan deiche sich die schule ohne ^.'ckrer, die «Ziinagoge odne Funkt onäre. da? .'iechnung?- uud ^'erinaltuna?- wesen ohne Püro- und!<cattttrnslab. da> «rankendau? vdnc Arzte und Pjlegeriniien. und man wird ohne ^iuschläuli ing urd ohne da» ehrenamlliete Wirken vieler sc-i Iaiurn unermüdlich taiigcr und verdienter Männer und Frauen irge.tdwik aering einschätzen zu wollen. i!»nen allen dl'ch mir i<lr>> «urusen n.il'icn: .verwelken, verdorren würdest du samt dem Polke, da, dir anvertiaul iit. denn da» D5crk wäre sur dich zu schwer, du könnten r? nicht allein vollbringen. . . Darum erwaiile dir tüchiige Männer, dasz sie mit dir tragen... Nur so wirst du beliehen können, und auch diese« ganze T'^lk wird in Frieden zu seinem Ziele gclanacn!' — aber aUrin ist auch die richtige und zeilgemäsie Ausfassnng vom Beamtentum: gleichwertige Mitarbeiter sind sie am Bau de» Gvttestempels einer jüdi'chen Gemeinde. Männer deren Redensber»' es ist. der eine hier, der andere da »jeder sreul sich seiner Stelle, bietet dem Verächter Trutz" mitzudauen an diesem Ä?erke in Treue, aufopfernder L.'iede zur Gemeinde, in GewissendailigKeit und mit Au'dietung aller Zvni'te, wie idr Amt e? erfordert und das Interesse des Gemcindcwesen?, tcm sie angeboren wie idre Ailsira^xeder. das ihr Wohl bedeutet, wie d^s jedes Gemeinde- Mitgliedes, dem sie sich widmen mu d.m Ge'üd! der Zugehöii^Kc:: eines Gliedes zum großen Ganzen ^.>!>e .<>:'aiii'fd»ii - <»> »>t>Ur» Dienstleistung scheint daher dem r.', en und rcch:eil ovmeinde» beamten selbstversländlieb, sein ga' es Tun 5 :t > e> -n Ir-Kall Wie viele Beamte Hoden der Gen »inSc!ch-.'i! unsch^kvare Diensic geleistet, die weit über den Rahmen ihrer eigentlichen Dienstpflicht hinausgehen? Wenn der Derwaltungsbeamte sich in sein Ressort verlieft und in Sitzungen und außerhalb seiner Bürozeit die Probleme de- und verarbeitet, die sein Fach betreffen; wenn der Rabbiner auf der Äanzel und in den Schickialsfällen des Lebens, wie bei sozialer Htlse lern eigenes «selotr im Dienste der Gesamtheit ovstr:; wenn der Lehrer kein Stundengeber, so-dern wirklicher Führer der ihm anvertrauten .Kinder, sür sein eigenes und sür das N'ach-tum der Jugend über seine Pflichtsiunden,ahl hinaus tän?, wenn der Kantor seine Seele ausschürtet, sein Brot eiwtrdt durch Hingabc seines ganzen Ich. seiner vollen künstlerischen P'-sönIichkeit. w5>,n jir mancher G?mein .edea rite, den 5er R nen drreits deil-i. in vielartiger Geistes- und Denkarbeit in W r. und S^.rm l d.'r. ouluä? a.i^qed.'ücht. in unjätzligen Sitzungen. Aussär.?n. Gutachten. I xr,""' ^. sludien. literarischen und musi^al schen We-Ken. in Schulbüchern u.id Lehrmitteln, kurz in Gen cuide« uügrlr^enheitc» im weitesten Sinne niilgrarÄe^ek, Hut - i.inn luun da den ,G< neindebeaunen' schlechthin als angesieUlen Lohnarbeiter erachten? Es ist ein gros'.es ilnrecht. wenn unter solchem Gesichtspunkte da; Wirken von Männern betrachtet wird, deren l> isäiilichküit iv.r nur vor unser geistige- Auge zu stellen brauchen, i.m solche Ai schauui'gen als solsch urd verderblich zu erkennen und gegenüber dem Beamtentum und der Beamtenschai: eine richtigere, n et»r zut?tssrnde .Einstellung" zu gewinnen. Wer woll e. um nur ci> iae. wenige?tamen zu r-ennen. die Be'diensie rrnes i:^ril»il<l l'.ivr. eines lit-inric.!, i-r>>>>'n.^iin. eines I ilii^n < »^>ii».'I>. eines l».,i,icl VV',r,n^ für Gemeinde uud Judentum leugnen? W?e steht es »nn mit der materiellen Bewertung dieser als»: ui.'.ediii^l »^tivendi^eu Faktoren im Gemeiildeleben? — «Ts »st nur iiutürlich. bah sich die ai-gemesseile Bcs>ildui!g der Beamte» er>t mit der Elilwtltilunq des Bea-nleillums üderizaupt enlwicheln konnte: ebenso natürlich düiite es sein, dag sich die Gehälter der zeitlichen Wirtschaftslage anpassen müssen. Denn ivte wi.l man nns der einen Seite bei dem Beamten die volle Hingade an sei» Amt nnd die Wahrung der Ge^leiiideintereisen in der Richtung seines Beruses voraussahen, renn man ihm aus der andern Leite kein möglichst sorgenfreies Leben bereitete? Nur die Sicherheit des gewist nicht üdermuszig hoch bemessenen Einkommens, nur daneben die Ausschailun,, d,r Sorge um die spätere Zukunft, um das Alter und die uuversirglcn Familienangehörigen kann ihm die innere Ruhe geben, deren er — im eigensten Interesse setner Gemeinde — unbedingt bedars Bon diesem Gesichtspunkte ans hat man die anicmejsene B^solZnng. die feste Anstellung, die Brnsionsbcrcchtigung zu betrachten, nicht aber von einem sis« Kol schen s!and?nnkle aus und un»ög ich in Parallele mit kauf« iiiänniichen oder I»du>«rlr-^!lnge>ttUtcn. die doch nnt ganz andern Borau:jtit.iilic.en und Zie!rn. meistens «.ris dein Wege zu eigener ^elbsiäiidigktil. ibre SleUunq einnelimen und. wenn von ihren Fäliuiiceiten üderzeugl. eine lebenslängliche Bindung nicht einmal an nehme ii würden. — Zubegeben, dafz der rechtlich denkende Gemeindebeamte als )N>ig>>ed seiner Gemeinde aus den Stand ihrer Finanzen Rücksicht zu iieli iien bat, diese selbst konren doch nicht den Maßstab sür seine Besoldung abgeben. Noch viel weniger soll.en die ehrenamtlichen Führer und Mitberater sich von der zeitlichen Wirtscha'ts« läge lriten lassen, wenn es sich darum handelt, dem Beaiilenkörper .-.:e M-.'1' ich^-i: des ihm notwendiaen Ledensunlerhalts zu sichern. Mit Schaudern denken d«e Beamten an dir Schr»»::?: der Ir:- slalionsperiodei in jener Zeit brachten sie ihre Wocheneinnahme am Freilaanachniiltage um Krämer, um damit ein winzig Teilchen >drer Hausdaüsdedürsnijse zu befriedigen, auf dag es nicht bis Montag aus Psennigwerle herabsinke: in jener Zeit stiegen die gemessene; in lener Zril na re man s»r die gros;? Bcamlenschar nur ein mitleidiges Achselzucken: sie alle sind im wirtschaftlichen Kampfe erlrg.n. ihre Ersparnisse, ihr Hausrat. Kleidung. Wäsche alles ist a ifgedraucht. sie sind finanziell ruintert. Diese Sach» la^e soll nicht etwa in so krassen Farben geschildert sein, um Mitleid ZL erregen - nein, der Beamte von heutzutage will nur und nichts anderes als Gerechtigkeit und Verständnis, nichts al^ Gleichheit mit den Staatsbeamten Denn die lrtz?en Iahr.n haben nach dieser Richtung einen Fortschritt gezeitigt, der von den Lehrern und Beamten der jüdischen Gemeinden auf höchste begrüßt wurde - es ist die strenge Normierung dir Gehälter durch die Reichsbesoldungsordnung. Nach ihr war es möglich, die Gehälter einiger Beamten-Kategorien ohne weiteres dei« staatliche» anzugleichen: andere, ganz besonders die mit dem Kultus zusammenhängenden, mußten nach ideellen Gesichtspunkten, nach ihrem Wert und ihrer Bedeutung im Gemeindeleden und entsprechend ihrer Hah« vor dem Kriege in diese Besoldungsordnung eingepaßt werden. Ob dies immer mit streng gerechtem Maßitad rnö-iich war. od mit geringerer oder mit größerer Wcitherzigkcit geschoben, das tut hier nichts zue S^che - die Rtichsd^ld^ngsördnunz wurde die Norm: stiegen die Bezüge der Re:chsbram:ea entsprechend der Wirtschaftslage, so si egen die de? Gemeinded.amlen: erlauben es die Verhältnisse.!> werden die Staats schalt er fallen und mit ihaea die der Ge-

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