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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-07-01 · 11 (7.1926) · page 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
11 (7.1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ftellungen geknüpft haben. Der Todestas« besonders heiliger Mä»- ner. wie z. B des Rabbi Simon den Iochai. des angeblichen Verfassers des Sohar und Vaters der Kabbalah iLagbaomrr) wird nicht nur in wehmütiger Andacht, sondern daneben tarn Nach iliaz und Abend) als .Hilluli' sFrrudcutaa) begangen, denn der Tod heiliger Männer ist freilich, vom irdischen Standpunkt aus betrachtet, ein traur ges Ereignis, aber vom Ewigkritsstanopunkt ist er der Beginn eines neuen, seligen Lebens, eine Befreiung aus dem engen Kerkerdes Irdischen. DicChassidim begehen ausdiesclbc Weise die Hedrnktage ihrer großen Wundcrrabbis. .^ubbalah und Mnslik haben auch die ursprii^ glich angezweifelte undbekäinpfle.zuinTril sogar verpönte Lehre a -sgcbildrt und verbreitet, das ttaddisch sei ein Gnadenmittel, um die Seele der Verstorbenen von der Höllenprin zu bcfreicn oder ihr zu einer höheren Stuse der Seligkeit zu verhelfen. Die Jahrzcitfcicr, die K^rzr und das Xaddisch ivrrdcn als .Thikkun^ tBcrbessrrung5mitte:) sür dir Seele ausgefasit. Nach dem Fnch- und Abendgottrsdiens» pslegt der Leidtragende, der häufig bei dieser Gelegenheit auch den Vorderer macht, der anwcscnorn Gemeinde einen kleinen Imoib zu gebe», der ebenfalls .Thikkun" gcnannt wird. Während man dem Leidtragenden zutrinkt, wünscht man ihm, die Seele seines Abgeschiedenen, der diese Frier gilt, möge eine »Alijah* haben, d. h. aus der Stufenleiter der himmlischen Seligkeit Häher emporsteigen.?>v«l oder drei Jahrhunderte früher als die .Fahrzeit" reicht der Ursprung des .Maskir" (richtiger: Haskarah) zurück, der Seelenandacht, die heutzutage in ganz Europa «inen nichtige» Bestandteil des Gottesdienstes am Vcrsöhnungstage und an den letUen Tagen oller anderen Feste, mit Ausnahme des Aosch Haschanah bildet. In Westdeutschland allerdings, woher der Brauch stammt, nur am Versöhnnngstag allein. Dem Brauch liegen zwei Verstellungen zu Grunde; die eine, bereits oben gedachte, dag die Hinterbliebenen für die Sühne der Seelen ihrer abgeschiedenen Verwandten fördernd eintreten können, und eine andere, ihr im Grund entgegengesetzte, das, die Lebende» die Verdienste iscchuj^thj und die guten Werke der Väter anrufen dürfen, um Gottes Gnade umso wirksamer zu erflehen. Nach dem furchtbaren Würgen, welches über die jüdischen Gemeinden am Rhein während des erstell Kreuzzugs ttOt-n) hinwegging t^und sich dann oft und oft wiederholte), kam die Sitte aus. in jeder Gemeinde .Mcmorbüchcr" anzulegen, in denen die Namen der Märtyrer verewigt wuiden. Diese Verzeichnisse wurden vorne mlich am Vcrsöhnungstag. danu auch an de» Sabbaten zwischen Bestach und Schat>uolh iin dieser Zeit wütete das Morden am heftigsten) nach der Vorlesung au« der Thvra vorgetragen mit der einleitenden formet .Golt gedenke der Seelen" (hier folgen die Namen) und dem Schluß »sie mSgea aufgenommen sein in den Bund de» Lebens* usw. Daraus entwickelte sich der Brauch, das; jeder Betende im desonderen seiner nächsten Abgeschiedenen gedachte und eine Almosenspende zur Erinnerung an sie gelobte. Diesen Almofenfpenden wurde auch der Sinn untergelegt, dag die Nachfahren die guten Werke und Lebensführung der Vorjahren aus Erden fortsein wollen; die Verjlordenen würben ja, 'vikn sinoch ledten. s-U?-r W<.'h>»'»iakeit üben, aber da sie es nicht mehr können, treten die Nachkommen für sie «in. Das Gedet ist bekanntlich ebenso ergreifend wie schlicht und Kurz, umsaht knappe vier over fünf Zeilen. Der Gedanke lag nun nahe. das; auch der lefite Pefsachtag »n> der zweite Schabuoihta^ der Totenfeier geweiht wurde, und A',r Analogie wurde auch auf dem letzte,» Tag des Lsudhüttenseste« (schemini az-reth) eine Seelenandacht festgesetzt. Um die Mitte de» lZ. Jahrhundert» finden wir diesen Brauch in Italien verbreitet, ja dort wurde sogar an jedem. Saddath eine allgemeine Seelen» andacht abgehalten. Doch haben die orientalischen sowie die nordasrikanischen Gemeinden diesem Brauch den Eingang verwehrt, dort kennt man keine osseniUch« S»».»»5..d>»cht. Wie gegen das Waisenkaddisch. so wurde auch gegen die Seelenandacht oft und oft Sturm gelaufen, und zwar raten da« gerade Vorkämpferdes Herkommens, die sonst stets für die Erhaltung jedes überlieferten Brauche» eintreten. Man sah in der Totenfeier eine unjüdische Sitte, die sich in den jüdischen Xultus eingeschlichen halte, gegen den .Totenkultus' als sslcken führte «an eine Menge theologischer Gründe ins Feld und dewies, dag er mit dem Geist 5 I des Judentums unvereinbar sei. Andererseits ist die Totenfeier I und die Iahrzeit in der neuesten Zeit mit viel Sorgfalt ausgebaut z und mit einer Menge Zeremonien ausgestattet worden, die un» ' gemein feierlich wirken; das könnte den Anschein erwettien. als j soll'e die Totenfeier zum Mittelpunkt und zu5t Hauvtstück des! zu ehren un) ihrer in Liebe und Sehnsucht zu gedenken, entspricht; indessen einem so tiesen Bedürfnis des Mcnsckenzerzens. daß es > vergeblich ist. ihm mit Vernunft oder theologischen Gründen bei» kommen zu wollen. Die Religion tut besser daran, die'cs Bedürs- > nis unter ihren Schutz zu nehmen und ihm mögiut-jl viel Stim-! mung und Idealgchztt einzuflös-.cn. ' Es ist zwecklos, si^., darüber ' zu eiitrü'len. das; Männer uno Frauen, die das a^nz: Jahr der Synagoge fernbleiben, sich zum .Maskir" oder zum.ttaZdischsagen! in die heiligen Hallen drängen. Eher sollte man sich darüber i freuen. Die Pietät für die Vorfahren bildet ja mit eines der betten! E',e! cntc des religiösen Lebens, und so kann diese? Gciühl jenem! jon'ilicl^cn gleichen von dem die Sage behauptet, das; es im i Grade unversehrt b cibe und von ihm dermaleinst die Wicder- > belebung des ganzen Organismus ausgeben nerde. i Die Gräber der Verstorbenen zu befugen, in eine Sitte, so j alt. wie das jüdische Volk. Sction die Bibel eifert dagegen, weil sich damit Zauberivatin und Gvncndicnst verband. Im Talmud (Thaanith N>a) finden wir den Brauch erwähnt, an Fasttage» wegen allgemeiner Unglücksfälle die Grabstätten der Verstorbene» aufzusuchen, .da uit ihre Beelen bei Gott Fürbitte für uns ha ten." Zahlreich? Le>!e,iden und sinnige voctisitie Aggadaspriichc schreiben solches den biblischen Persönlichkeiten zu. Hier waltet also die VorilcUung od. oai; die Seelen der Abgcschiedeilen. von den Fessel» des Irdischen befreit und der Sünden lcdig. Gott näher stehen als die Lebenden und darum bei ihm durch die Bitte mehr ausrichten können, als diese. Logisch betrachtet, läßt diese Vorstellung sich nur schivcr mit der anderen vereinbaren, dag die Lebenden sich um das Seelenheil der Verstorbenen mühen müssen; aber wann hätte das Menschenherz und die Volksphantasie sich je um die strenge Logik gekümmert? Die Völkerpsnchologen sprechen von eine» Gesen der Verträglichkeit sich ausschlirgender Vorstellungen in der Volksseele. Diese können ruhig nebeneinander bestehen, es kommt nur darauf an. was für Früchte sie treiben. Natürlich haben sich die Juden, von den Voldslehrrrn un» Rabbinern im ner von neuem ermahnt, stets davor gehütet, etwa! die Toten als Geister anzubeten. Zwischen dem unwiderstehliche» l Drange, am Grabe eines geliebten oder verehrten Toten das Hcr^ 5 auszuschütten, »sitz auszuweinen", und der religiösen Forderunz I sich vor allem Zauoerwerk und F-tischdicnst in acht zu nehmen,! ist denn auch ein Kompromig zustande gekommen, das in der I Fassung de? Gebet? dr:u: Graderdesuch sichtbar wird. Der Brauch, zwischen dem Neumondstag des Monats Ciul j und dem Versöhnungstag die Gräber zu besuchen lzu welchem Zweck auch weite Reisen unternommen werden) dürfte schon u»! das Jahr tausend destanden haben. Seit dieser Zeit nämlich ist die Auff^fsun:; bekannt, da« die vierzig Tage, die dem Iom Kippur , vorangehen, nis Buntage anzusehen sind, an denen .Selichoth" (Buvgedete) vor Sonnenaufgang oerrichtet werden, auch wird nactz dem Morgengottcsdiensl der Schofar geblasen. In dieser, de»! »Tagen des Gcricdts' vorangehenden Zeit werden a»ct> die Gräser besucht und Gcdrte verrichtet. Beim Betreten des Friedhofs spricht ' man: »Gepriesen fei der 6n?ige. unser Gott, der Weltenkönig, der i euch crs.5aif-n hat in Gerechtigkeit, euch ernährte und am Lebe»! erhielt in Gerechtigkeit, euch sterben lieg in Gerechtigkeit, euer aller! Zahl kennt in Gerechtigkeit und euch auferstehen lassen wird ia Gerectiligkcu. Gepriesen sei der Ewige, der die Toten auscritehe»! läßt.' Diesem Gcdet liegt offenbar die Vorstellung zu Grunde.! dag die Seelen der Toten zeitweise in der Nähe von deren Gräber»! weilen 2?.d die Anrede der Ledend«» vernehmen. Das ist eine uralte, allgemein in der Welt verbreitete Von'tellnna. die jedoch! den poetischen Gehalt und die Schönheit des Gebetes nicht mindert. Das hier nur von der Gerechtigkeit (din>. nicht aber vZn der Liebe (cheied oder rachamiin) Gottes die Rede ist, erklärt sict, daher, da? es nicht gut angeht, zu sage» .er ließ euch sterben ia seiner Licdc"; es wird daher das Prinz:? der Gerechtigkeit auch aui alk cvideren Gcdicte angewendet. Dana folgt der Gruß an die Seel«ni

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