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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-07-01 · 11 (7.1926) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
11 (7.1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Wort .Tod. wo ist drin Stachel? Hölle, wo ist deine Pein?'. Das gilt gtivis;ernlagen als die Devise des Stifters der christlichen Religion. Aber nur wenige, leider auch unter den Juden, wissen, daß das ein Vers in Hosea lXlll. .4) ist, also ungefähr 75/« Jahre vor Als uraltes Symbol der Seele gilt das Lichr. .Ein Licht Gottes ist die Menschenseele', heifzt es schon in der Bibel. 5er Patriarch Rabbi Iehuda l.. der Heiligt »Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr.> ordnete an, das; bei seinem Sterben ein Licht entzündet werde. Das ist bis auf den heutigen Tig der Brauch geblieben- Das .Zeelrnlicht', d h das zur Erinnerung an den Abgeschiedenen angezündete Licht spielt wahrend der Trauerwoche, dann wahrend des ganzen Trauerjahres, sowie an den alljährlichen Gedenktagen eine grosze Rolle. An dieses Licht, svwian alle anderen Totenbräuche haben sich eine Meni-e abergläubischer Vorstellungen geknüpft, die aber mitunter in ihrer Naivität poetisch wirken Es ist Sitte, alle sieben Trauert ige hindurch im Slcrbegrmach ein Lämochen brennen zu lassen. Da aber an allen diesen Tagen im Gemach auch Gottesdienst gehalten wurde, so stellte man ein Grfäs; mit Wasser aus. un» daneben legte man ein Handtuch hin. damit d s vorgeschriebene Wäschen und Abtrochnen der Hände vorgenommen werden konnte. Die schöne Sitte, alltäglich srüh und abends Gottesdienst im Sterbezimmcr abzuhalten, konnte indessen nur selten ausgeführt werden. Aber das Wasscrgcsäs; und das Handtuch blieb bestehen, nur schrumpfte es immer mehr zusammen, bis daraus ein kleines Wasserglas und ein winziger Lcincnsct;cn wurde. Daran kniipst sich nun die kindliche Vorstellung, das; die Seele des Verstorbenen in der ersten Trauerwochc allnächtlich herabkommt, um iin Wasserglas ein Bad zu nehmen und sich dann mit dem Lcincnsclteil zu trocknen. Gleich wie der Krankenbesuch, gilt auch das Beerdigen des Verstorbene» als eine heilige Pflicht, eine grofie Mizwah. und auch sie wurde Gott selber zugeschrieben. Das war übrigens die Empfindung aller Völker höherer .Kultur. Eines der edelsten griechischen Kunstwerke, dessen Heldin die lieblichste und reinste aller portischen Gestalten der Antike bildet. Amigone von Sophokles, hat zum Vorwurf den Kamps für die Pflicht, das; man »einem Verstorbenen sein Recht tue", wie ein einfacher Jude sich ausdrücken würde, d h.. das; ihm ein ehrliches Grab bereltetet würde. — Das ist dcr wahre Liebesdienst (chesjed schrl emclh». da der Verstorbene ihn ja nicht zu vergelten imstande ist. Auch zu diesem Liebesdienste war man Heide« so gut wie Juden gegenüber verpslichtet. Noch älter als die Krankenpslege-Bruderschast ist die Begräbnis-Bruderschaft in den jüdischen Gemeinden, die den Titel »Heilige Genossenschaft' (chrbra kaddischal sührt. und die seit jcqcr ein? Sonderstellung einnahm, eigene Vorrechte genvs;. Ihre Mitglieder versahen die Funk- »tonen am Bett des Sterbenden bis zur Bahre und zum Grade und sogar über dieses hinaus. Sie führten auch bis zu einem gewissen Grade die Aufsicht über die Friedhöfe. Da alles, was mit Tod und Grav zujamuitithangt. eine gewisse Eel«eu. sogar ein Gruseln einslöszt. so ist es natürlich, daft auf diesem Gebiete alte Sitten und Unsitten. Glaube und Adergtaude sich am zadeuen erhalten haben; dazu kam. das; die Pflege der Bräuche in den Händen einer Genossenschast ruhte, die ihrer Natur nach konservativ ist. Schon in der Milte des ln. Jahrhunderts brach in Berlin ein Streit wegen de» allzu frühen 1'egrabens dcr Toten sus Mose-? Mend-lssohn und R. Jakob Emden griffe» in die Diskussion ein. eine ganze kleine Literatur entstand hierüber, die uns Heutigen unverständlich vorkommt. Später gab es lange Diskussionen üd.r den Leihenwagen, da die Konservativen darauf bestanden, das; der Sarg auf den Schulter» zu Grade getragen werden müsse - eine schöne Sitte« die aber nur in ganz kleinen Gemeinden ur.d in sehr primitiven Verhältnissen durchführbar ist. In manchen Gemeinden bestand der Brauch die inlieeltc Hülle odne Sarg in die kahle Erde zu betten in anderen, den Leichnam aus einer primitiven Strickleiter dinauszutragen. Jeder Versuch, hierin eine Änderung einzuführen, ilief: auf hartnückigtn Widerstand und galt als kencriiche Neigung Tic al e jüdische Einpfi! dungs:rcisc :.v:r x>di,»: T^i-Ku.: und Lc-chei: prunk abhold, zun al solchem, dcr die Vcrmögcnsunlcrichiede hervortreten lies; und so eine Hintansetzung und Demütigung des Unbemittelten nach sich zog Dieser an sich edle Gedanke fübrte in seinen'. Ertrem da».u. daß jede Pflege des Grabes verpönt wurde. Das oerlieh den jüdischen Friedhöfen ort ein sehr kahles and duneres Aussehen, wenn nicht die Natur selber daiür sorgte, daß zwischen den Gräbern Bäume wuchsen. Um die Mitte des .5«. Jahrhunderts gab es in vielen Gemeinden heftigen Streit, als manche Mitglieder die Gräber ihrer Angehörigen mit Blumen bepflanzen wollten. Wie gesagt, haben sich an den Tod und das Grad viele abergläubische Vorstellungen und Bräuche geklammert. Sie waren fast ausschlirszlich von der nichtjüdischen Umgebung herübcrgenomrnen. wo noch alter, heidnischer < vorchristlicher» Brauch und Glaube unter der Decke des Christentums sortwuchelte. Ein oer.zle.ltiei.des Studium dieses ganzen Gebietes ist au>;erordenllim lehrreich. Brauck-- und Vorstellungen, die direkt und offen gegen die jüdischen Grund« lehren oder d e Religionsoorschri'ten des Judentums vcritief-.en. ko niten so gut nie gar keinen Eingang bei Juden finden Andere l dagegen, die ein unschuldiges Aussehen hatten, wurden lricht nach- > geahmt, doch murte idnen. namentlich feit dem!2. Iad Kundert, ein i anderer Sinn untergelegt, sie wuden mit;üdischen Vorstellungen.! oder gc.r mit Bibrlvrrsen in Verbindung gebraut, und auf diese Weise geadelt, geweiht. Lieft man z. B. Wuttkes berühmtes. I noch immer unübertroffenes Buch »Deutscher Aberglaube', so staunt man, hier Bräuche und Vorstellungen, namentlich in Be-.ug auf den! Totrnkultus. zu finden, die auch im .Sevher Ehassidiin* «aus dem U!. Iahrhun. ert» verzeichnet sind und sich in der ursprünglichen Form sogar im fernen Polen und in der Ukraine erhalten haben. >In diese Länder sind die Juden seit dem 12. Jahrhundert aus Dcutsch-! li'nd -ingenmiidert und haben ihre Sprache und ihcr Sitten und Bräuche mitgenommen > Wenigstens einer dieser Bräuche sei hier erwähnt: Es ist üblich, dasj man beim Weggehen vom geschaufelten Grabe innerhalb des Friedhofes Gräser pslückt und hinter sich wirft. Das ist ein dcin deutschen Heidentum entnommener Brauch, der bezweckte, den unterirdischen Geistern, die beim Schaufeln erweckt; wurden, ein Opfer darzubringen, um sie loszuwerden. Im Mittel-! aller wurde dieser Brauch bei den Juden heimisch, die ihn von ihrer Umgebung übernahmen, ohne sich um seinen Sinn viel zu! kümmern Bekundet ja dcr Verfai.s-.-r des eben erwähnten 'Buche« j der Frommen. »So wie der Minhag der Christen ist der Minhag > der Juden'. Als nun um die Mitie des 12. Jahrhunderts die Rad-! bincr daran gingen die im Volke umgehenden Sitten und Bräuche > zu richten, unterdrückten sie nur solche, die in offenbarem Wider-! spruch zur jüdischen Lehre standen. Diejenigen aber die jüdischreligiös gedeutet werden konnten, blieben bestehen So wurde auch dieser Brauch dlidehaUen. aber sein ursprünglicher Sinn wurde abgeändert, indem man dabei den Vers spricht: »Sie werden wieder empo.spries.-n. das Gru, uus dem Erdboden'. Der Brauch fn-n» dotisiert also jciu die Hvffnung aus die Auferstehung der Toten. Auf einem sehr alten, schon im Talmud erwähnten Brauch j deruht es. das; die Lcidtragcngen. nachdem sich das Grad über dem! Toten ^esch!?:?:-?. die.Rrchtscrt.gUi.g vr, uöiiiichen Genaues' «Zidduk hadiiU sprechen. In der heute vorliegenden Form ist das ein ergreifender Hnmnus voll h-rzhaster Glauben -kras: und hingebende» i Vertrauens in dir ^.lUche G::t? und G-r-ch'izk'ft: er verfehlt j seine tiefe, herzstärkende und tröstende Wirkung auf keinen der ihr, in dcr Originaisprachc versteht, an die keine Ndersenung heran-! reicht. Er destedt aus einiaen Bidetversen, an die sich Stücke aus! der ta!m„dintien?eit und aus späteren Epochen sinnvoll anschließen.! Die Schaue? der Ehrfurcht vor diesem Hymnus steigern sich nur i noch, wenn man dedenkt, dag der Auftakt zu. ihn-., die einleitenden und die Schlufwcrse. von drei Märtyrern. Vater. Mutler und Tochter > gesprochen wurden nämlich von Raddi Eizauina den Theraojon. seiner Frau und seiner Tochter, a's sie. nach dem Aufstand! unter Kaiser Hadrian ,!:5>—n. Ehr.>. den Weg zur Ricktnätte j antraten, um den Märtnrertod von Henkershand zu erleiden. Da! kam den, V^ter das Wort au» die Lippen: »Gott ist unser Hort.! sein Tun ist sonder Fehl, alle seine Wege sind gerecht.' Die Frau.! rief: »Er -st der Gott dcr Treue, oh >c Unrecht, er i,': gerc.1t und redlich' (Teuteronom. 4.) Die Tochter antwortete: .Gr.'5. un- ' c?forsch.:»i' ist De:-: Ralf.ntun. mächtig ist?ci::c Tal. Deu:e A^cn i bewachen die Wege der Menschenkinder, um jedem nan seinem! Wandel und den ^r^chlen icincr H^-.d'.unge'.'. izeimzu^ahle-^ «Jej remias .i2, tu.) Das immer wiederkehrende Msno dieses H. a.uuH

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