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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-06-01 · 10 (6.1926) · page 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
10 (6.1926)
Date
1926-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dann oder kommt das Erwachen: die stunde, ivelchc den Indincrci.tcn zum innerlick Ergri^cncn uingc>':a!lcl. Wie dicse Vits — das können wir nur adnen. VieUcick: . . . dur<.n gros.e .^ataslrophen. .Die scelc lernt nichl anders", sagt er srärer ei::- mal. Es steint ein Tovrelcrlcdni - >7.c:vefe:: zu sei::, das itin aufstörte. Er ringt um einen Holl, und cr siedt sein Volk. Vor ihm tut sich wie ein Abgrund die ,^ra>.e auf: warum gibt es Leid in der Welt? Jene stunde, in wcläier das unermeßliche Leid all:- lebendigen zun^ er lr : -?^a!e wie mit laufend Schwertern sein Herz durchdrang, gebiert z^glcüii dir s.in'.'tilerfrage: Warum ist das Böse in der Welt?!lnd von nun an ist jedes neue Werk neues suchen nach einer Antwort aus dicke doppelkövsigc schlangen-Fragc. Nach zwei Seiten hin drängt sein zwicgeslaltelcs Talent — auch darin Vermächtnis seiner jüdischen Ahnen — zum Ausdruck: im Kunstwerk und in gcdanklicker Entwicklung. Das Kunstwerk, in welchen; cr es zuerst unlcrnahm. um diese fragen tu ringe:!. dc:;;!: .T.»cho Grades Weg zu Hott" ll'>l.'>: soeben in neuer Auflage ersckiencn in Kurt Woiffs Verlag. Mün.5cnV Das zweibändige Vekennlnisbuch .Heidentum. Judentum. Ekri'lcntum' ll^l in glcickem Verlage erschienen^ gehört eng mit dein Roman zusammen; in ihm stiiaut er schon aus Trzcho Vrahe zurück als aus eine notwendige Station seines Weges. Die beschichte des Tnäm Brahe. grosicn Asironomen an Kaiser Rudolss Hoi. seiner Erfolge und Entläuf.tiungcn und seiner allmählichen Verdunkelung durch den jungen von, Glücke begünstigte», genialen Helfer und Erben Johannes Wepler in nickt nur historischer Roman und glänzende scencnsolge aus vergangenen Jahrhunderten, sondern für Vrod wirkt sich darin ein autobiographisches Fragment aus. Es ist die Heschi.lilc des weisen Hiob. dem seine Binder geraubt, seine Hlücksgütcr entriiien werde» und der. von allen verlassen, sich fragt: Warum? Hier tritt zum erste» Mal das jüdische Holteseriebnis a:: enlscheidender stelle aus. Zunächst noch in kabbaliiiisckcr Verhüllung. In der Kernsccne des Vuchcs. der Audienz beim Kaiser, trifft Tvcho Brahe im königlichen schlösse Juden, die in ihren schlichten, langen Kleidern und gelben, brcitkrüinpigen Hilten min Kaiser berusen worden sind, um gewisse kabbalistische Methoden zu erklären, den Rabbi Löwe bcn Vczalcl mit seinen Vegleitern. den .hohen Rabbi Low", wie man ihn später nannte. Der »'eist ihm jene erste Antwort, die Vrod später als den Lichtsirahl bezeichnete, der ihm selbst das Dunkel crhclll hatte. .Wir haben eine Lehre: tZ^ott ist nicht um des Gerechten willen da. um ihm zu oicnc» und ihn zu stützen, sondern der Hercchte isl da. um Holl zu dienen und ihn zu stützen." .steht das wirklich in Euren Vüchcr»?" rief Trzcho, in seinen geheimsten Ahnungen angerührt. .Au vielen stellen, so ist uns im Tra.lat Beraniot überliefert, das; der Hohepriester einmal in das Innerste des Innere» eintrat, um Räuckerwerk darzubringen. Da sah er den Ewigen, gepriesen sei er. aus einem hohen stuhle sitzen. . . Und der Ewige sprach: Iischmael. mein Sohn, segne mich! Und als er ihn zu Ende gesegnet Halle, da neigte Hott, der Herr der HeerfUiaren. das Haupt gegen itin. Hieraus lernen wir zweierlei: Das; der Herr den Tempel gewürdigt hak. sich in ihm niederzulassen, und das; er den gerechten Menschen sogar würdig!, ihn», dem Heiligen, die Wohltat eines segens an zutun". Es ist die Antwort des Miistikcrs — j,i ihrer demütigen Kühnheit seltsam gleich in allen Vckenntnissen. .Ich '»eis., daß ohne mich Holl nicht ein -llu kann leben, sagt Angelus silesius .Durch die Hcrechlcn besteht Galt, heißt es im Midrasch Vereschilh Radda. Aus dieser jüdischen Art des Hollrsrrlednnses schär«'! Tycko. der H-renelnde und Verzweifelte, neue Kraft. .Hott unrer mir. der mir geholfen hal. wie Hott über mir. den» ich deiic. . . Ich bin am Werke Haltes." Das schei-it ihm das Ziel seines Weges zu Hort. Die Erlebnisse und Erkenntnisse dieses reichen und tiefen Vu^es nim..t einige Jahre später ein großes zweibändiges Vr» kc:::i:!:isduu! .Heidentum. Ekristenlum. Judentum" wieder aus und sünrl?>.e wcllcr. lü'^l ers ten dies Bück, und SZck ist ei-l Kri<gsduch — ei-i Vuch des äußeren und inneren Krieges, könnte lnar: sage.".. Der Krieg, der ^c.-. jährigen Mann ok-enbar über» raschle, wie cr jeden im Reiche des Heistes lebenden Mcnscken überrascht hat. wird ihm nun surckibarilcn Ankläaer alles Vcstehenden. In dieser ersckürtcrndcn Erfahrung vicllciUit liegt der Krim zu Vrods Theorie vom .unedlen Unglück." gegen da« fick der Ind.- n'ebrc» mus:. einem der Hrundgedanke» dieses Vnches. Kriege, freunde des Dichters verlassen de» angestammten Hlaubcn - just >ie n'ertvollslen sind unter ihnen. Einer von ihnen, dessen Hesckichlc Vrod erzählt, ein junger Dichter kehrt dem Judentum den Rücken, nackdem er sich durch das Vuch der Ricarda Huch .Lulhcrs HIaudc»" hat überzeugen lassen, das,' das Judentum eine Religion ohne Hnade sei. — Es ist merkwürdig, wievie scclensckaden dies seltsam einseitige Vuch einer vielseitigen Frau unter den jungen Juden angerichtet hal. Es war zur selben Zeit, als sich dir Unterzeichnete an die viel verehrte Erforscherin der Romanlik mit der Vitte um Klärung dieser gefährlichen Ungercchtig^ keilen in ihrem Vu>tie ivandte. sie erhielt die u»heimlu1» offene AntN'orl. das; der Verfasserin über das Fortlebe» der Jude» nach dem Verluste ihres Landes und über ihre »a.libiblisUie Entwicklung bis zur Hegciiwart nichts bekannt sei. sie verwies auf ein >ukümtigcs Vmti. das diese und ähnliche Duiikelheile» kläre» solle. Riearda Hu>l, hal seitdem mehr als ein Vuch geschrieben, denkend oder gestaltend, wie es ihre Art ist. Eine Wiederaufnahme ihrer von ll»krn»tttis diktierte» Anklage» des Judentums findet sich in keine», ihrer Vüllier. Aber das Vekriintiii.buch Mar Vrods konnte n»i» als eine »ii.iewollte Frucht ihrer s>l>risle» »»sehen. Es ist ein liinünitiges Vm!,: dies isl vielleicht sein Hauptgewinn. Es bringt uns nicht das abgeschlossene siistcm eines Philosophen, es führt uns den Weg dcs suchenorn mit allen seinen Auslegungen und Abirrungen zum u»endli«lien Ziele. In einzelne» grosie» Züge» stellt er die drei Weltanschauungen einander gegenüber: in ihrer Stellung zum unedle» Unglück, in ihrer Wertung des Lebens, in ihren Aiischauuiige» von der H»ade. so erhellend besonders Vrods Aussiihrunlie» über de» dritten Vunkt si»d. für den Jude» von heute, der ja doch mehr oder weniger .Am Hoorez' ist. liegt der positive Hewinn des Vuchcs in der wahrhaitigen Durchleuchtung talmudischer stellen. Es wäre wohl zu wünschen, das; dieser neue Führer der Verirrten" durch eine talmndische. vielmehr: aggadische Anthologie seine Hinweisc ergänzte. Vielleicht hätte Vrod. der ja selbst aus weiter Herne langsam nur heimkehrte.den verirrten Vrüdcr» de» Weg zur Heimkehr nicht »>eisrn können, wen» ihm nicht ein personliches Kriegsrrlrbnis den Vtick geweitet hätte. In dieser Zeit entdeckte er wohl a» de» ostjndi'chen Flüchtlingen, denen imüirend dieser Jahre seine hilfreiche Arbeit galt, lebendiges jüdisches Volkstum in aller seiner Verbundenheit mit Vergangenem und Ewigem. )ia>l> maiicheir Iahren stellt er nun in seinem neuesten Werke .R' ubei" .^ürst der Juden" >München. Kurl Wolfs Vorlag) von neuem oie alle Hragr nach der Rolle des Vosen im Weltenplunr Hotles. Es ist unverkennbar, wie seitdem die Richtung seines Vlickes sich zum Jüdische» gewandt hat. schon die .^rage ersteht hier in alti^discher Horm. .Wie ist es möglich, lernt der zehnjährige David. Hott zu liedeil auch mit dem dosen Trieb?" Ferner aber: Schicksal und Eharaktcr seines eigene» Volkes, des Iudeiivolkes sind es, an denen sich hier diese Frage verkörpert, schon?i::ma! hatte cr in einein frühen Werke.dem Drama .Eine Königin Esther".darzustellen versucht, wie grade zum Retter der Juden hätte «verde» möge», der das Vöje als Waffe gegen sie brauchte, um sie aufzurütteln aus ihremdumpsen undklaglvscnHiiidäminern zum Wehren undHandel». Die gleiche übermenschliche Aui-zabe uiiteriiittiint hier Tuvid R-ubcni. der sagenumwobene Hesandte aus dem jüdischen Königreiche Ehabor. der von den Wüitenjude» kommt, dem wilden Volke der Waffen, und am Hose des Papstes, wie wir aus zeitgenössischen Verichlen missen, eine kurze, glänzende Rulle spielte. Der Roman ist. da es Wesen und s»!,icksal eines ganzen Volkes zu schildern galt, viclleill't nicht so einheitlich wie der strenger und enger gefas.le Ti>.!io Vrahe. Vielleicht auck, das; der Vra^-r Jude Mar Vrod sich nicht vcrsaacn konnte, die Kindheit und Jugend des geheimvülleii Abenteurers «ich im alle.» Vrag abspielen zu lassen, beirrt duni! die Fülle der Viiocr. Kern des Vuckes wird der zweile Teil, der mit glänzender Heslaltungskraft das Ai-nau^en v?: unbekannren

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