Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 10 (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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und den Staat und stillt Herr'chrr und Beamten. Das Volk selber begriff sich nicht a!» bloher Träger, sondern als Schöpfer der kulturellen und politisch-ökonomische»??»'icht und darum ist. ivc»n je in Deutschland Bewegungen dieses Bvlks zu verzeichnen waren, z. B.! und lk-lX, die Nation gegen den Staat gestanden; oder, wenn die herrschenden Schichten sich unter Ausschluß des Proletariats als die Gesellschaft oder die Nation erklärten, ist die Nation und das Volk nicht dasselbe gcwescn. Wir sprechen von Nalionallitcratur. Nationalökonomie. Nationalstaat und meinen damit kinen Inbegriff geistiger ui'd wirts.hastlicher Ma,!,t, der über alle innerrn ilntrrschirdc hinweg nach Austen als Einheit erscheint und austritt. Im Gegensah zu den Erbsolgckriegrn des ix. Jahrhunderts, die um riinaslischcr Intcrrisen willen gekämpft wurden, im Gcgrnsal', zur diinnslischrn Politik der Preusieiikoni';? im l'». Jahrhundert sehen n>ir in dein Befreiungskampf von l^! l in den Kriegen von l«7>> 7! und I'.'l! 1^ nationale .Kriege, d. h. .Kriege um die Erhillung der politislhcn und knlliirellcn Einheit oder um die Schaffung und Brrtcidlgiiiig dieser Einheit. Ir^eniaUs ,it >,»>; Staat und Natu'» vrrbnndcn und crülieiiirn Staaten wie das alte Oes!crrri>!! Ungarn vder die >>!>>? Türkei als Überreste der Tiennung von Staat und Nation, wie sie im Icitallcr des Abso^ lutismu^ bestand. Erst durch diese Eiulicit von Staat und Nation ist dir Begriff der Nation geklärt NIan hlit gemeinsamen Boden, ,^'inei istiine Religio:. gemein» same Svrailie und .Kultur als ^lerkmalc der Nation erklärt, über »a.I> meiner Nieinnng sind diese NIeskmale alle zusammen erst und zn-ar durch die Organisalioil des Staates loirkia n. mn B^ivu-ilsei.l und ^'illcn der Nation uuszumaUien. Der gemeinsaiie .'^oh-ido.l> na.ional zusammen gel>orcn, >me si.li an z<olv»irn zei.zt. Inniger als Blut^vrrwaiidtschail verbindet der heimallitlic B»dcn gewis;, aber die>es Heimalg^sühl ist noch nicht Nationalbewußtsein So n>lc die Heimat, so ist gewis; die N!ntUrsvra>lie s>ir die ^ebrnStiemeiiijUiail aus.erordentlitb loitlitia. aber die spra>! liU c GemeinsUiail in niä>t gleiUibedenlend mit Rbjla»lmttn.i.sgcmci»sUiail und bildet nur eine Boraussei.nng der nationale» E'emeiiischait. Die Skandinavier haben dieselbe Sprache nnd sind national sehr verschieden. Brclvnen und Franzosen, Baaken und Spanier habe» verschiedene Sprauien und sind do»h eine Nation, die Bnlgarcn haben eine fremde Spraye übernomn!.'!!,!>>>>.' viele andere Bo!!:er, und uüt di>ser SoraUie eine nationale .Kultur gejtbaiien. Was die RUigion angebt, so wirkt sie nur solange, als sie an Stelle der zinltnr das Beivns.ts-.in der >>u fammengehorigkeil bildet, oder als die Slaati.wlter jin^. In der Neuzeit ist dic Religion eher ein Trennungs al-> cm Berbi» dungsmiltel, Bolker verj»I>irdener Religion können di'.h zu einer Nation iverden und einen Staat bilden, wie z. B. die.Kroaten un!> Serben. Icdenialls, gemeinsame .'lbsianunnug und gcmeiüsan.er Boden koni'en. aber brauchen nicht die Boranss.i.u:!,: der Nation zu sei»- Sprache und Rcliaion haben früber das Bewus;tirin der Ein hrit gebildet, aber erst die politische und kulturelle Organisation schasst aus dir Dauer jeue Machtgebilde der nenesleu Geschichte: die 'Nationen. R>as die ausierordeilllich komplizierte «>ragc der Juden als Nation angebt, so kann man sagen, das; die Juden eine Nation gewesen sind und das; sie eine Nation werden können. Da die Boraussenungrn gemeinsamer Boden, gemeinsame Sprache und .Kultur nur sur manche Zeile des Judentums, allerdings die weitaus groszien Zeile, in gewissem ^Raszc gegeben sind, hat sich die Traditio» des nationalen Beivus.seins eben im Oiljudentum erhalten. Ader diese Erhaltung nnd Erncueruug ist das Werk der Erziehung gewesen. Die ge nrinsau'.c Religion, die das eigen!- liehe Ä'escil des Ausan'.n'.entztü'.gcs bildet, hak ii>,.i„tr ivieder diese Erziehung geleistet. 'Religiös beiliinml ist jahrbunderlclang eine gewisse politisch kulturelle Organisation gewesen, und es nia^bt die Eigenart der jüdischen -Religion aus. da» sie Bolksreligion itt. Inden» das Volk und Gott durch den Bund in eine direkte Beziehung gesestt sind, ein Priester oder Miinchtum im Sinne des Christentum» oder Buddhismus schlt. keine Xiniie. sondern eigentlich eine Schule seit der talmudische» Zeit in ihren «Aotleshäuscrn errichtet ist, konnte die Religion all jene Borausschungen eriüllcn, die ein Boll, zur Nation machen. Es is, selbstverständli^. dag das Wiederhabender .Heimal. eines Barerlande? und oolüncken Gemeinwesens, und Wiederaufleben einer cicenen Svra^c und ^i:eratur. das Bolk der Inden aucti. wie die anderen Bölkcr. zu einer wirkliciicn Nation werden läs-.t. und dotli mir) diese Na'.ion als das ..Bolk Rottes" iniolqe seines??Icinanismus. der die Einheit Gottes und die Eiuhcir der Menschhei: vorausseht, seinen nalionaien Willen in einer dris-tderen ^orm in die Wirkü^kcit nmser.en müisli!. Der .,Iude!ii?aat" kann kein Staal in dem neu^ zcilli>i>c!i Sini'.e sein, wie er »ich seit dem Absolutismus kerausgcbildet hat. eine rein voütische Organiialivn. in der die Religion nur ei» itaatserhallciidcs Mittel darstellt. Na? Vrod's jüdische Entwllllung. B<.» Sr. Senna Sadt -trauv < Berlin,. Nns dem .^il'isUienrcii'.ie des allen Böhmen, der heutigen?>.'.:>.» t!io-Sloiva!<ci cnt>ura::ge-l iu den lenken Iabr.e^nten die selliamiicn »nc> ir»a!lbri!l^ei!.'"len jüzii.'.ien Begabungen. ,>''.'ii>t?cii;!..'el Spraihen crion!,s ocr Jude ,x rit> ^Zlaulhner. in keiner wur;e! id. doch beider tcilha'li >. ziir Ers^rschun.i ihrer ^ren-eu und Urivnu^c drum vieUriilit sahiger al5 man.bcr S.I-ollcndeuli.Iie. — '.'ii.i^cn i zwei Rcli lione» riit'vrau^ ,^ran; Weriel. ini i'.rr an' der Su>!?e '!>u>!i I>em ^i>ltt-)crleo:ii?. das jh:n in a!:en ^ei:a!t,n v^ra:-!:!.'bte n ie einn die .^euersaulc iliüeii Ahucn auf dein W^'ge dur.i' die Wi:ile. ,^n>!i>!'ei! zi'.'ci Boikern entivraug der Jude Niar Br^'d. dessen ^i>ie''au> strebende Narur in ibrer cigcüeü Eüüoi.ckiu!: j die ' ziiimo-e ieiücr und s^ii-er Heimat wi^ersLie-ielt. De.'üi ui«!!: als >^iii .''liii Ha!jel:c>cr. soildern ais ein ^iil ^'ieben^er ergebt er dxie .'Nar Br.'»>. der in Praa geboren n:> i?e..i:n:! a!s ein Di>!>!er der bniitcl! ttüiiveit: der dcul,>.!ien. ger l'U^c.ini^.ieu. >e? judischen. Onne Auge.l: d^s s.l-eint diese:» n'irkti-.!>kei:s>'ro!?eu <.'x>»!>!ct!!l das Hauvlcri:>rd^ru!S des Dieters. So e.ilüeben die ^.'b.'mentauin'.'.hmeu seiüer cr>:ci: Novellen, iininer znglci.b ^eda.bt und gesebe'.:. i'.'ie es seine?!rl i>l: Die Studie aus dem Sü:de".!en. Irben. die er etwas um!!.uidl..I> .. D:isiciiitat.'>noral" nc:u:l: Ein>rui«c aas d.in Ibealcr oder von dcr ^ü.!il.iusiieUung. Nur das ^i'.d des kranken X i.iben i.'co ^rottck mir dem s.!'.>:'.en ).'Io:to .O::iüia a>n>i'ari" i'.'.in über ieiuen Iite! I^Iüdlnerentisuins-> hin^'eg in die Ankann, ''lm rundeiten ^claii^ -.bin ein :oe!iig sv.Uer die ^'lanzeub.'.'le ^-cnal: des li.: ^.^ii.lien Bo'.ks.'.'arakters in i'eiuem urivrlui^li.I^ir ^.'iebreii U!'..'' 'U.'.'.c'..^ seiner eriullti'.'en Bers.i'I.i^.'!l> in der NovUle ..v^iu l,'t?c.:ui^! es Dit!!'ünad»:>e!:" t'.'-^i. sieben diese Bodeunandlgkeir aber Iritl nun 'üdiitbe ü-.^.'ell sreüi.i! >i:^e!! u:-el:. der i!)r ii>disi!'cs Dasein no.b üi i t ^u:n 1vobl»m >i».oor.''en i>:. die von ihrem Judentum uu!'i<. .ie.crnt b.lt nnd a n liebten alles ver.zasie. Zlm klarilcn;ei.!'!:el n.b dic'cs in i>e.» Roman .Jüdinnen", den der na.tidenkU/.ie Dieter deshalb vielleicht ni.bt vlinc Beda.!?! Ü'I^ in die Reibe seiner ausgewäbllen Broiadiibtungen auinahm. Es sind lauter Juden, die bicr ges,bile'ert iverden. Inden, von denen in der kleinen bo wüschen Stadl Teplii; si.l.er zwNi au?s Duzend gehen. Si? baben dunkle Huare und gebogene Nasen, sagen .Ehuzoe', wenn sie snb ärgern oder .das sieht so j.ldiüt, aus", wenn sie sick .krait ihrer Anlage initi^klio zur aris^en Umgebung hingezogen i^hlen'. Da wird eine BolKsversainmiung gesuiitöcrk. wo einer der Redner über konsessioncUe Duldung, der andere über Judenverfolgungen in 'Rus-.laud sprüvt. Aber dec Viclö oes Buches, der junge Hugo 'Rosenttial hört kein Wort von allem, weil sein junges glühendes Herz ganz anderer Begierden, Wunscke und SetttnüMe voll i>:. Seine Gestalt ist fait snmbolisch sür den Dichter selbst. Er hör! die Bogel singen, die Spottdrosseln pieiien — er sühlt sich auch wie der Held seines Buches .in manciien Augenblicken recht stark! als Jude." Ader zum vollen Erlebnis seines Judentums ist er! noch nicht gekommen. Später hat er freilich auch seine damalige! Stellung als die eines jüdischen Dichters deutscher Zunge zu recktfertigen verstanden. .Auch der Gallith ist epischer Stoff, auch das bröeklichsle Westjudentum deschreidenswert.^ Ader noch n: er. wie er sich scldjl im Titel sciue? ersten Bücher nennt, .der Indifferente.'