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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-06-01 · 10 (6.1926) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
10 (6.1926)
Date
1926-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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k-:holiichc Pfarrer ^loi>. der darau-' folgte, nicht zugeben.?a trat — merk auf m^in ^escr — da trat Theodor <5rc.:;nacti. der Jude und dad.i H^sm^istc: bei Rothschilds, auf. Er fiidrrc aus. daf; der religiöse Indiffercnkismus etgcntlicd die Blüre des Men'edcngeistcs sei unci:d!:cticr Beifall? — daft fer relli^i^ie?.'!c: i^.i der streitende, der religiös Indifferente der zur Ruhe gekommene Mensch ist — Beifall, daß das Haus 5rr5nl der zur Ruhe gekommene Mensch aber höher jletn. als der streitende — der Fußboden wankt un.^r n ^udelgekiaisch! Dann führte er. der Jude Lreuznach. aus. um wieviel höher Christus steht, als Moses, was er aus ähnliche Weise auseinandersetzte. ^'ir glauben, daß diese Mitteilungen aus der Philippson'schcn Zeitung genügen, uns einen Einblick m die geistige Verfassung eines Teiles der Frankfurter Judenheil jener Tage tun zu lanen. Wir wundern uns nicht mehr, wenn wir hören, daß es 1849 zu einem Ausraffen der Kräfte gekommen ist. die treu der jüdischen Tradition, der gepredigten Indifferenz nicht mehr weiter zusehen wollten, den Kamps, den Go.leskamps in sich und um sich auch viel zu sehr um der Kräfte, die er weckt, ersehnten und einer .seligen Welt" einem Garten, in dem nur Rosen wachsen .dürsten", vorzogen. An Kamps ums Eigenrechl. ums Eigenleben und das ^cben der Kinder dachten sie. nicht an eine Trennung, sonst wäre ihr erster Ruf nicht an den Berliner Prediger Michael Sachs ergangen. Wie es aber Owll auch gelenkt hat. es war gut! Ser Begriff der Nation. . Von Profenor Sottmed. Salomen. Wenn wir seit einem Jahrhundert die nationale Bewegung in Europa stetig anwachsen sehen, wenn der Begriff der Nation vielleicht der dogmatischste aürr Politik geworden in. so mus; man 'ich unwillknrl.ch fragen, was ist den" ei»? Nauru. Es ist merkwürdig, das; man immer bei der i^ragc nach dein Sinn lg lebendiger und lebenswichtiger Bcqrinc ein vieldeutige Antwort erhalt. In jeder Rede, jeder Zeituna. jedem Buch wird als sclbslr>er>ländlich anqenon.men. das; eine llebcrcinkunit bestehe, was Nation ist. und das; damit eindeutig eine Wirklichkeit bezeichnet werde. Man glaubt heute durch die Statistik Nationen feststellen zu können und ist grade gelegentlich der Optionen daraus gekommen, das: der nationale Wille oder das nationale Beivusitscin keine einlache Erklärung zulaßt. Welcher Gemeinschaft man sich angrhörig kühl: oder zu welcher man sich bekennt, das war z. V. in- ^alle Overschiesien höchst ikag-ich. gl^btc i?7ach!:.i:e, oder all' gemeiner, kulturelle Einheit bestimmen zu können und traf aus einen .freien Willen" oder wirrschaitljche Bindungen. Der .'xall des Fürsten Plex ist dafür bezeichnend. J-.ii roiU nicht auf die umschichte eingehen, das au'Napoleons Imperialismus der Befreiungskampf der Völker als Nationalismus hervortrat und die Bildung von Nationalstaaten zusammen mi: einer den akratischen Bewegung vor sich ging. Erwähnen mus; ich nur. das: wir Nationen und Rasten auseinanderhalten mii'ien. Von Nation sprechen wir erst im l!< Jahrhundert, das; sie auf Ranen zurückgehen ist sicher -u bestreiten. Erst wenn Sprache, Religion eine kulturelle und politische Einheit geworden in. Kann das komoliiierie Gebilde der Nation entstehen. Wir n'incn ni.i'ls sicheres über die Herkunft der Völker und wenn .vir aus Messungen am Z<öroer heutiger Menschen auf Verivandtscha'l schlicßcn. oder über die Seele der Völker auf Grund ihrer neueren Lnerarur einen Rückschluß machen, so besagt das ^arnichts über die phnsischer: UNd psychischen Grundlagen. Jeden- 'a'^s-können n?ir die Naüon nicht als Natu rgemein schalt cu? Grund natürlicher Verhältnine ventchen. denn die Erbanlagen, die wir .Natur" des Menschen nennen, sind durch die Geschi..:c. ^'o^.il wir die verichiesenen sozialen Verhältnisse meinen, ^eiiaedend l-erä^rTt. die Mens.^en der veri^i iedenen Gruppe:', 'ich unterscheiden, ist nicht Ar-Anlage, sondern Ergebnis der Vergesellschaftung, die durch Erz-ehuna. Sinc. Recht sozusagen das .Besicht" des Mcn-chcn bestinimt. Mit dein Grade des Selbjtben'us,!seins oder genauer des!l»lcrschit5sl'tn'usitseins hängt es zusammen, das: die Menschen verschiedener Gemeinschaften nicht nur un creinandcr das Gefühl der Zusammengehörigkeit, sondern auch acaenüber den Anderen das Bennixtseitt des Gegensanes ba''en. Die Nation in ein Gradbcgrif? gegenüber dem Volke, der Grad des Leibstbeivusstseins entscheidet, und dazu bedarf e» der Organi.ation des Volkes, kulturell und politisch. Der Andere, der .fremde, wird erst durch diese Organisation zum ,x-ind. Während die Volker untereinander, ivic sich an den uralten Sitten der Gaslfrcundschait zeigt, garnicht im ausgesprochenen Gegensatz stehen. : -erden ihre Interessen und Ideen durch die Organisation überhaupt erst schroff unterschiedlich ausgeprägt. In der beschichte stehen sich ja nicht Staaten entgegen, sondern herrschende Gruppen in denen organisierte Herrschaft über das eigene und fremde Volk ans Unterwerfung beruht. De? früher n»,iiiterkrlnl>e.,e Kleinkrieg der Herren iührt durch die Organisationen zu einem immer weiter ausgedehnten »xriedenszuiland. sodaj! der .Krieg aus einem Daucrzu eine»» Ausnahmezusland der durch die Hcrrengrnppen geeigneten Volker luird. Wem» wir z. V. das Mittelalter betrachten, so steht der schoUeiigrbundcne i'aucr i» keiner «'.'eiteren Genieinschait i»it dem Zircisc der Volksgenossen, nur religiös, nicht politisch und kulturell besteht eine Einheit, die über die enge ^ebensgeineinschait hinausgeht. Denken und Handeln sind von brundhcrrschait zu bru»dt,errscha>. verschiede... Sprache und Sitte sind ständisch und lwlisch beililniiit. ^>,n den >ireu.>z>i>!e» ist der Nationalcharakter der eines Standes. Erst mit dem Auskommen der Städte, in denen der Verkehr verschiedener Stände und Völker jt.Msindet, die der Sit; der Verwaltung undVildung werden, entsteht über den Stand hinaus das Vrwus-.tsein einer politischen und kullurellen Einheit. Wenn wir von der deutsche» Sprache reden, so ha»delt es sich nicht um eine Volkssprache, sondern um cine.UunzIrisprache. die durch Schule »nd.Mrchr, Haiidel und Literatur in den Städten als Mittel der Einung von den Laiidessürstcn gebraucht wird, aus dein blvfirn Territorium einen Staat zu machen, als ein »Aebirt ci»he,t!ichcii Rechts uno einheitlicher Wirtschaft. Auf geistigem und wirtschaftlichem Verkehr, wie er durch gemeinsame Sprache und Literatur und politisch-ökonomische Einung möglich ist, beruht die Entwichlung des Indlliiduuins und der Völker als Ziidividuen. indem auf die Gesamtheit die Z<rait aller Individuen übertragen wird. Mit der Erweekuiig des individuellen Veivus.tseins. d. h. der Eigenarten und des Unterschieds gegenüber Anderen, wird, über die Stadt hinaus, im Staate Freiheit und (Gleichheit des einzelnen Vürarrs und ,>reihcit uud Gleichheit des einzelnen Staates gefordert und durchgesellt. Es handelt sich darum, das; der Teil das Ganze ver- Volksvertretungen die Gesainthrit darstelle», so erklären und behaupten sich die herrschenden Schichten des Vesii.es und der Bildung, zuerst die höfisch-ritterlichen und später dir städtischbürgerliche» Schichten, als ganze .Nation" im sricolichen und kriegerischen Wettbeiverb. Die kulturelle und politische Organisation wird ein Machtmittel, die.ttulturschöpfung und Staatsbildunq die Voraussetinng für die Nation als geschichtlichgeistige Macht. Denn aus dem Volk oder der Vevölkerung wird erst ein Staats und .Kulturvolk, d. h. eine Nation, indem die herrschenden Schichten das Volk zur Nation erziehen. An dem Maf-e der Teilnahme, an Kultur und Siaat bestimmt sich das Mas; der Nationalität. Wie zuerst der dritte Etand, das Bürgertum, in seinem geistigen und wirtschaftlichen Ausstieg zur Nation wird und den Staat der bevorrechteten Stände durch den modernen Staat freier und gleicher Staatsbürger crfep.l. so n>ird ras Proletariat in den Ländern ..national-, wo es in .Kultur und Politik an jenem allgemeinem Bürgertum teilhat. Das allgemeine Bürgertum d. h. die Schichten von Best!', und Bildung, hat sich in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich gebildet. Während in Frankreich und England die Einheit von Adel und Bürgertum. Bcsin und Bildung irüher und ben'u'.ter hergestellt wurde, ist in Deutschland diese Einheit ocrmgerl und der Staut und die Nation Lkt??:::'.: entwickelt :?orden. Grate im Hinblick aus die Ent.oichlung der deutschen Nationalität hat man darum Kulturuni? -taatsnalion unterschieden, das Volk und seine Dichter und Denker.

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