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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-06-01 · 10 (6.1926) · page 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
10 (6.1926)
Date
1926-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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willigem Gehorsam bestehende Ordnung, die Anerkennung des Menschen, unbehelligt vom Unterschied der Sekten und Stände, die Herrschaft der Liebe als Zeugnis der Erkenntnis Gottes Wir haben Zunz einen deutschen Volksmann genannt. Er stand bis tief in die sechziger Jahre im Mittelpunkt des politischen Lebens in Berlin, naturlich als echter Demokrat, in damaliger Zeit also als Revolutionär. Noch heute sind seine Reden .über die Principien der Demokratie" und über „Revolution" lesenswert, weil sie ernst wissenschaftlich, von ethischem, man möchte lieber sagen, von prophetischem Pathos erfüllt sind Und das erscheint uns als das atopische" an diesem jüdischen Revolutionär, jüdisch, weil er anders wie die vom Judentum abstammenden Revolutionäre unserer Tage mit Leben und Lehre des Judentums allezeit in Tun und Denken oerwurzelt mar und eben darum seiner Zeit. Deutschland als Ganzem, etwas geben konnte Behalten nicht ihren dauernden Wert die von uns eben zitierten Worte: .Freiheit wird erstehen aus Grund des auf dem Nationalwillen ausgebauten Gesetzes und die Ordnung aus der Grundlage des freiwilligen Gehorsams?" Spricht hier nicht der unter der harten Zucht des angeblich den Geist so bedrückenden Gesetzes erzogene Jude? .Hören wir hier nicht deutlich die Behauptung, das; wahrhafte Demokratie nur auf hochwertigen, geistigen Grundlagen eines Volkes ausgebaut werden kann, und wissen ivir nicht, das; die« das Bestreben Moses war, als er anstatt eines Ägyptischen, eines Macht- oder Autokraten-Regiments einen Gvttesstaat — wir wagen zu Überseen, eine Demokratie aufrichten wollte? Wie wunderbar Hut doch der Dichtcrtheologc Herder die Tiefe dieser Absicht erkannt, über die er im Band II seines Werkes: Vom Geist der hebräischen Poesie jS. HA) schreibt: Das Glitlesregiment . . . .? Ich wollte, das; nach der Stuse unserer Kultur wir es olle haben könnten' denn es ist gerade, was alle Menschen wünschen, «vorauf alle Weisen gearbeitet haben und was Mose allein und so frühe schon auszusühren das Herz hatte: nämlich, das; das Gesetz herrsche und kein Gesetzgeber, das; eine unsichtbare, vernünftige, wohltätige Macht «N5 lenke, nicht .selten und Bande. Dies war die Idee 'Moses, und ich wüßte nicht, ob es eine reinere, höhere gäbe? Leider aber kam er mit ihr und mit allen Anstallen, die er darauf gründete, drei, vier Jahrtausende zu früh: ja vielleicht wird auch nach sechs Jahrtausenden «in anderer Moses zu früh erscheinen?! Einem Zunz. auf Grund seines jüdischen Wissens, einem Riester, auf Grund eines instinktiven, von der elterlichen Erziehung gewährten jüdischen Empfindens, waren diese Gedanken uud Gefühle eigen, ein Heine rang in diesen Iahren wieder mit ihnen. Er prägte sie in sein Bekenntnis zur Rückkehr zu seinem Judentum, als er Weltwerte und Daseinssinn anders erkannte, nachdem der hellenische Schleier zerschlissen war. der ihn bisher gehindert. Moses wahre Gestalt zu schallen: .Freiheit war des großen Emanzipators letzter Gedanke — die Sklaverei haßte er über alle Maßen schier ingrimmig - Es muß ein Glorienschein dieser heiligen Überzeugung von der Macht der Freiheit, die in der Achtung und Ehrfurcht vor dem Gesetze ihre Wurzeln hat. die Stirn Rießers umstrahlt haben. Denn ihn. der nach der bestehenden Verfassung in seiner Vaterstadt nicht hätte Nachtwächter werden können, hat die Volk-freiheit. die über allen fürstlichen .Separatismus" hinweg das einige gros;e Vaterland ersehnte, emporgetragen Er wurde in das im März in .des deutschen Volkes Stadt" Frankfurt msammcnlrelende Vorparlament gewählt, wo es ihm gelang, den großen demokratischen Grundsag der .Wühl auf der Grundlage de<» allgemeinen und gleichen Stimmrechts" -u befürworten, auf Grund 5?^'n dann in Berlin die preußische, in Frankfurt am t ' die deutsche Nationalversammlung eröffne! wurde. Gleich Rieger halten noch drei weitere Juden als Abgeordnete Sitz und Stimme: der hoch begable Verteidiger der Emanzipation, der Berliner Buchhändler Dr. V e i r. die Oestreicher Moritz Hartmann und Ignaz Kurand a Die Angelegenheiten der Juden kamen im Frankfurter Parlament am August zur Sprache. Als Moritz Mo h l. der Stuttgarter Abgeordnete, die Verhältnisse des^ .israelitischen Volksstammes" zum Gegenstand besonderer Gesetzgebung machen wollte, trat ihm Rießer mit aller Schär»? seines Geistes und aller Wärme seines verletzten Gefühles entgegen und stellte die ganze Frage sofort aus den höheren Standpunkt des Rechts und der Sittlichkeit, die kein Ausnahmegesetz dulden, ohne das Höchstziel aller Gesetz lichkeit. die von allen so sehr erstredte Freiheit, selbsl zu vernichten^ ^eine Argumente siegten Der H 13 der von dem Parlament aufgestellten Grundrechte des deutschen Volkes lautet: Durch das religiöse Bekenntnis wird der Genug der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Den staatsbürgerlichen Pflichten darf dasselbe keinerlei Abbruch tun. Dieser Grundsatz deseitigte theoretisch den .christlichen Staat", konsequenterweise erfolgte auch die Aufhebung des schmählichen Eides .mvre judaico". denn nach H Iii soll die Form des Eides eine für Alle gleichmäßige, an kein bestimmtes Religionsbekenntnis geknüpfte sein. Der 16 machte die Giiiligkeil der Ehe nur von der Vollziehung des Zioilakies abhängig. Die kirchliche Trauung kann erst nach Vollziehung des Zioilaktes stattfinden. Religionsoerschieoenheit bildet kein bürgerliches Ehchindernis Gestützt auf den >5 U! der Grundrechte des deutschen Volkes führte nun der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt einen entschlossenen Kampf gegen die Abiich: des reaktionären Senates, die Juden auch weiterhin bei der gesetzgebenden Versammlung als wählbare Mitglieder auszuschließen. Der Artikel 5>t) der Verfassung von!3l7 mußte erst beseitigt werden, was endlich im Oktober mit ^N^.' gegen 5t? Stimmen erreicht wurde. Die Bürgerschaft sprach sich für die Berufung einer konstituierenden Versammlung aus. Die Konstituante legte am 2.V Jan. l>i4'>. die Scnatsanträge beiseile schiebend, ein Gesetz vor. das. in .Gemäßheil der Grundrechte" allen bisherigen Unterschieden zwischen Bürgern, israelitischen Bürgern. Beisassen und Landbewvdnern ein Ende machte. Daß die Annahme dieses Gesetzes einstimmig erfolgte, zeigt, daß auf diesem Gebiete Gegensätze nicht mehr bestanden, oder wenigstens sich nicht mehr hcroo^vugten. Auch die Bestimmungen der Grundrechte zum Schutze der persönlichen Freiheil, die Einführung der Schwurgerichte, vor allem die von der Paulskirche beschlossene allgemeine deutsche Wechselordnung bewiesen, daß Franksurl sich entschlossen zeigte, ein würdiger Gliedstaat des neuen, auf die Freiheit basierten Reiches zu werden. Der .Bürgeroerein" spielte bei all diesen politischen Vorgängen eine große Rolle Er war im Mai 1846 gegründet worden zwecks gesellschaftlicher Annäherung zwischen den verschiedenen Konfessionen, namentlich zwischen Juden und Christen Der Verein ist jetzt ereluiio geworden, schreibt der Frankfurter Berichterstatter unterm 25. Juli an die AUg. Zeitung. .5ind Vielen, nämlich Juden, doch schon zu viele Juden darin!" und er referiert im Anschluß daran über eine Sitzung des .Montagkränzchen" (Versammlung wahrer Reformfreunde aus allen religiösen Parteien), das eine große politische Rolle spielte (Schwemser III. S 79 ff.), wo ein Pfarrer Haas den Plan vertritt eine deutsche Nationalkirctie. zu gründen, wo Juden. Ehrislen. Türken, und wer sonst will, eint-nen können, um einen deutschen Gott aniubeten. — Beifall! Da tritt Professor Wiaard. der ehemalige Vorkämpfer Se? Deutschen Ka:tzs!i;ismus aus und warnt vor dem neuen Plan, weil auch seine Erwartungen enlläusck: wurden. Dies wollte der deutsche

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