Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 7 (3.1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Nietzsches seherisches Auge hat Recht. Es handelt sich um eine Entscheidung im Schicksal der europäischen Juden, um die Frage: Europa oder nicht Europa? Nicht aber geht es, wie Nietzsche irrig meinte, um die Frage: Herren Europas oder nicht, sondern um die bescheidenere: Diener Europas oder Asiens? Fast 50 Jahre sind s-it Niederschrift jener Zeilen vergangen. Die nationale I!>ee des!9. Jahrhunderts hat sich im Zionismus ihre jüdische Form g^schaf^n, der Weltkrieg brachte eine Teilrealisot.on fache, daß ein Teil der Juden die Nietzschesche Frace zu Ungunsten Europas beantwortet. — Aber hart im R'iume fronen sich die Dinge. Die Verdienste des Zionismus in Ehren, aber daß er keine Gesamtlösung ver europäischen Iudenfrage bringen kann, ist unvestrenba» und wird auch im zionistischen Lager anerkannt. Dazu fehlen ursprünglichen Idee. Nur ein kleiner Prozentsatz der und Mar^ nicht als Würger eines selbständigen Staates. mag. kann^icht^scharf werden? beioe Probeine Realpolitik treibe, die <mf die Lebensnotw'ndigkeiten der überwiegenden Anzahl der Juden, die von ihm nicht ersaht werden können. Rückjicht nimmt. Ich greife heute nur die leider zu sehr vernachlässigte Teilsceaheraus: wie ^^^^^"^ Judentum zu Europa? nicht mehr der entscheidende Gtgensast.^ Das Problem: Erhaltung gelehrt" z»/ h?den.^ Jedoch das sich seivst erhaltende Judentum hat im neuen Europa eine neue Aufgabe. Wir stehen in einer politisch-geistigen Situation, drängt Der Wcltgeist oder — wenn es nicht vermessen ist. das auszusprechen der Wille Gottes schreite^ heute nationalen Größenwahn, der im Weltkrieg und dem so- Orgien feierte. Die ZuKunst der europäischen und damit der Weltkultur überhaupt hängt an der Frage, ob eine Überwindung der nationalen Acrissenheit der Menschheit möglich ist oder ob diese Zerspaltuna in Natiönchen. die eben die Landkarte dieses "lider^ zu neuem Kampf, zu einer endgültigen Selbstvernichtung Europas führen soll. Heute heißt das Problem nicht mehr: Volk oder Nichtoolk. sondern .nur Volk' oder .mehr als Volk'? Heute durchschauen wir die Hohlheit der bloßen Bolksphrase und müssen daher fragen: nur Volk, nur Jude, in einer neuen asiatischen Abgeschlossenheit aus kargem Boden eine neue Zivilisation und vielleicht in ferner ZuKunst Kultur schaffend — oder Jude und mehr als Jude und mehr als Volk? Noch sind die Wunden des Krieges nicht vernarbt, noch sind die Gefühle des Hasses, des Mißtrauens und de? Angst nicht geschwunden. Schon aber bildet sich deuttich der^ Umriß auf der Borherrschast einer Macht oder aus dem Prinzip des Gleichgewichtes der Mächte, sondern auf der gegen- In"?lesem^Augenblick eröffnen sich Ausgaben" von einer! unermeßlichen Bedeutung: ein neues Europa muß gei schassen werden, nicht im Sinne eines Völkergemisches.! heutigen Staaten von Amerika darstellen. Aus Kultur- - Mischung gel^t nur ^e Mscd^ultur hervor, keine^ neue nunstgründe soll^ein neu^s künstliches GebÄde Vorteil. Sie führt über Engen hinaus ^r?einen^weiteren! Raum, in welchem jeder einzelnen ^Nation^ ihr Recht i Mannigfaltigkeit bejaht. Der Prüsungsfragen. die der europaische Geist Judentum Menschen von europäischem Forrrmt hervorj schaslttchen konstruktiven Aufbau Europas^ mitsc^affen?! Problem? Es ist kein Geheimnis, daß im^ augenblick-