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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-02-01 · 6 (2.1926) · page 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
6 (2.1926)
Date
1926-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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wertvolle«, Teil ihrer Mitgift mit in die Ehe bekam. In der Trennung«mauer befand sich ziemlich weit zurück und ebener Erde noch eine Verbindungstür, die aber stets geschlossen war. Vor ihr in der Männersynagoge stand ein Sessel. Die Tür wurde nur bei Beschneidungsfelern geöffnet, wenn die Gevatterin au« der Frauenabteilung dem Gevatter das Kind brachte. Dieser nahm mit dem Kinde auf dem erwähnten Stuhl zur Bornahme der Mila Platz Im Jahre lvv» wurde südlich an die bisher bestehende, von da ab .Altschul" genannte Synagoge die .Neuschul" angebaut. Al» Bauplatz diente ein Teil de» oben erwähnten recht» von der Synagoge befindlichen groben HoseS. in dem sich übrigen» auch eine steinerne Thuppah zur Vornahme von Trauungen befand. Die .Neuschul" erhielt etwa die gleichen Dimensionen, wie sie die .Altschulursprünglich besessen halte, nur war sie ungefähr halb so hoch wie diese. Der Zugang geschah gleichfall» von rechts her über abwärtsführende Stufen Auch sie hatte einen Almemor und selbstverständlich auch im Osten einen Thoraschrand Es scheint, als ob diese neue Synagoge zunächst sich keiner allzugroben Beliebtheit erfreut hat, sei es, daß die Gemeinde an den Besuch der gröberen alten Synagoge gewöhnt war, sei es, daß die Einrichtung oder sonstige Umstände daselbst eine gröbere Anziehungskraft auf die Beter ausübten; jedenfalls finden wir im Gemeindebuch unter dem 12. Schmat A«, (Februar lv»'>) die Niederschrift eines Reglements über das Aufrufen zur Thora, worin es heisjt, dab diese Sa»ung gegeben werde, um festzustellen, dab beide Gotteshäuser gleich heilig seien und kein« Bevorzugung des einen vor dem anderen stattfinden dürfe. E» sollen auch die Väter die Beschneidungsseier ihrer Söhne in dem Gotteshaus stattfinden lassen, welchem sie zugehören. Auch weide, sobald die geeignete Zeit da sei, an der.Neuschul' eine Fraucnadleilung hinzugebaut werden Hieraus folgt, dab diese zunächst kein« Frauensynaaoge hatic, was wohl auch der Hauptgrund ihrer Vernachlässigung gewesen sein mag. Die Frauensynagoge ist dann — es steht nicht fest, wann — wohl über dem Hinteren Teil der Männersynagoge als Empore in halber Höhe des Gebäudes errichtet worden. Während die Plätze in drr .Altschul", wie schon erwähn:, gröbtenttils Famillenelgentum waren, befanden sich die Plätze in der .Neuschul" im V.sitze der Gemeinde und wurden vcrini tet . Uebriaens scheint der Frau-nsnnagoge in der .N-usch»:!' nur ein vorübergehendes Dasein beschirden gewesen zu sein, wenigstens wird si? in später»? Zeit wieder als Männersijiiagoge benuflt. Die ganze Anlage hat bei der Erstürmung der Iudengajse durch die Fettmilch'schen Horden im Jahre!S!4 arg gelitten und siel >l» Jahre später bei dem Iudciibrand l?ll völliger Zerstörung anheii« D«e Wlederaufbauardeitrn gingen rasch oonstatten. Knapp zwei Monate nach dem Brand wurde der Bau begonnen und von Maurermeister Daniel Kayser auf Koste» der Gemeinde ausgeführt. Die Inneneinrichtung mub für damalige Verhältnisse sehenswert gewesen sein. Ein im Geincindedesift befindlicher Stich de» Sqnagogeninnern gibt davon ein anschauliches Bild. Das Aevszere de» Gebäude» wurde gegen früher insofern wesentlich verändert, als das obenerwähnte Giebeldach nicht mehr aufgesetzt, der Dachabschlub vielmehr über einem um da» Gebäude herumlaufenden breiten Gesims sehr zum Nachteil des baulichen Bride« ganz flach aufgelegt wurde Nach der Gasse zu erhielt die Synagoge unter den im oberen Teil befindlichen groben Fenstern in Erdgeschobhöhe vler quadratische »'«ine.« Fenster, die gleichfalls nicht zur Verschönerung beigetragen haben. Auben an der Synagoge befand sich auch eine Vorrichtung zur Anbringung des der» Erurs versinnbildlichenden Einsriedigung»drahie», der von der Sn- «agoge quer über die Gasse nach dem gegenüber liegenden Hasse gespannt war. Von den ferneren Schicksalen dieser Synagoge, die im Jahre 1854 abgebrochen wurde, sei noch der durch die Andenken durch einen auf den lo. Tamu», den Tag der Beschießung anberaumten halben Fasttag in der Gemeinde festgehalten Wsrde» ist. diesem Z-stt-z!--".:? d-r Einzel»? sich ourch Hingabe eines Almosen» von!8 — Leben) Kreuzer lZsen. während die Gemeinde selbst in früherer Zeit als Ablösung die Summe von tZ0 Reichstalern gegeben hat. .Neufchal" einschliefzlich der obere» Synagoge lZS Männer- Plätze. Vor dem Abbruch enthielten die .Altschul' groze Männersynagoge 207 Plätze obere . 83 , Davon waren 25 für den in den 5ver Jshren gebildeten Synogogeachor reserviert Frcmenfynagoge parterre 9tt Plätze I. Stork 94 . II. . 102 . Die Nachfolgerin dieser Synagogen ist die im Lause der Schilderung mehrfach erwähnte Hauptsynagoge, welche anfangs der vl'er Jahre de» vorigen Jahrhundert» ihrer Bestimmung übergeben worden ist. (Fortsetzung folgt > Zuyizrat Vr. Verihold Vaer*>. Geb. 3. September gest. 5. September »Slg Berthold Baer nimmt in der Geschichte der israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M einen Heroorragenden Platz ein. Mit dieser Stadt, wo er geboren war, wo er die schule, zunächst da» Philanthropin, später das Gymnasium besuchte, wo er sein häusliches Glück in Weib und Sohn gefunden hatte, sühlle er zeitlebens sich oerwachsen. Aber auch an seine jüdische Gemeinde haben ihn frühzeitig Neigung und Fähigkeiten engsten» geknüpft. Referendar von 25 Jahren, trat er, anfänglich neben Elias Ullmaan, dann in dessen Nachfolge als Aktuar unter dem Titel Sekretär in ihren Dienst, dem er bis zu seinem Tode, durch Jahre, treu geblieben ist. Im Jahre ILbS wurde er auf Plvtkes Antrag al» erster zum Syndikus der Gemeinde ernannt. Als solcher hatte er alle die verschiedenartigen Gebiete persönlich zu bearbeiten, die eine? Gemeindeverwaltung unterstehen. Kein Wunder, dab die Arbeit mit der Zunahme der Gemeinde und dem Ausbau, ihren Einrichtungen «inen derartigen Umfang annahm, dab der gesuchte Anwalt seine Prioatpraris immer mehr einschränken und schließlich ganz aufgeben muszte. Was zu Ansang noch in den engen Zimmern des Gebäudes der Hauptsynagvge bewältigt werden konnte, dafür erwiesen sich auch die weiteren Räum? des Hause» Hochstrab« »2. i sehr bald al» unzureichend. In Baers Amtszeit siel der Bau der Synagoge an der Königsteinerstrsbe und des Krankenhauses, der Neubau des Phtlantropin. die Erweiterung des Friedhofs, die Schaffung der neuen Gemeindeoerfass^ng. An den mühseligen Vorarbeiten für alles dies hat er Heroorragenden Anteil. Seinem gediegenen Wissen, da» sich nicht aus fern Fach beschränkte, sondern auch allgemeine, wissenschaftlich-literarische und künstlerische Bildung srsf-bt?. und seinem Flrig. der ihn ohne Schonung oft bi» tief in die Stacht hinein schassen lieg, ist nicht am wenigsten da» Gelinge» so manchen dl-idend-s Werkes zu danken. I»dess^a, die Leistung allein, so staunenswert sie ist, würde die hohe Achtung und die groge Liebe, die er überall genoß, noch nicht erklären. Es war der Mensch, der die Herzen gewann, die Geradheit. Rechtlichkeit und Lauterkeit setner Persönlichkeit, seine schlichte und einfache Art, seine unerschöpfliche Güte und ssa isnen str-hlcsdc Liebenswürdigkeit, sein uaverfieglicher Humor. Wie mit den Vertreter» der Gemeinde und »«»besondere mit den ersten Vorsitzenden von Strauß über Rosentha! und Unna bis B!^s ihn ein Bsad Stt Vertrauen», ja der Freundschaft verknüpfte, so hat er für seine Mitarbeiter (von den älteres sei hier nur Daniel A. Worms genannt) und für dte ihm unterstellte» Beamten allzeit ein willige» Ohr, eine offene Hand, ein oäter- Die allgemeine liebevolle Verehrung, die er sich erworben hatte, fand einen -rzreifendrn Au»dtt»k. als er etwa ein Jahrzehnt osr s"»^?s5e?2-e:?es:schs^r-!!sf-l!drtt»»ssr» ^>u-üe. vre ein immer quälendere» Leiden zur Folge hatte. E» war lh» noch vergönnt, mit feiner über alles geliebten Gattin das Fest der silberne» Vgl. Zhrg. 4. Nr. I ». S. 6.

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