Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 6 (2.1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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durch alle Arten der Republik und der Monarchie hindurch zu verfolgen, würde im Rahmen dieser Arbeit zu weit führen. Denn man müßte das Judenproblem gleichzeitig vom Standpunkt der Parteien, d h. der Gesellschaft aus beleuchten und den Einfloß aufdecken, den Partei und Gesellschaft auf die Handlung der Regierenden ausüben. Das di^ße aber eine soziologische Geschichte de» Judenproblem» schreiben, für die unsere Zeit noch «ich! gekommen ist. Synagogen und vethauser im alten Frankfurt. Don BürodirektorjH ZLever. Am 13. April 1812 erschien in dem damaligen .Großgerzozlich srankfsrtischen Regierungsblatt' ein Erlaß de» Großherzogs Karl. Furpprimas von Dalberg, betr. die .Leitung der inneren Geineindeoerhältnisse der Bürger israelitischer Religion in der Hauptstadt Frankfurt', in dessen IS (kirchliche Verfassung der Israelitischen Reiigionsgemeinde zu Frankfurt) eine Anzahl von Syno.goc.en genannt werden, die .seit längeren Jahren schon neben der Hauptsnnagoge bestehen' und auch weiterhin ohne .höchste Erlaubnis' zugelassen werden. Es sei in Folgendem einige» über die allen Synagogen berichtet:!. Die älteste Gemeindesynagoze befand sich in unmittelbarer Nähe des Domes. D:r Zeitpunkt ihrer Errichtung ist in Dunkel gehüllt, wie auch über die erste Niederlassung von Juden in Frankfurt keine Nachrichten auf uns gekommen sind Wir haben uns etwa um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Existenz einer kleinen Gemeinde von vielleicht 30—40 Familien mit einer kleinen altertümlichen Synagoge, wie wir sie heute noch häufig in Süddeutschland vorfinden, vorzustellen. In dieser Gemeinde hat schon früh ein starkes religiöses Leben pulsiert, lehrte doch in ihrer Milte viele Jahre lang ein Rabbi Simon Hadarschan- Zwei Lrhrhäuser bestanden neben der Synagoge, die sich aus dem Plat; zwischen Echmidlslube und Weckmardt. wo heute das Archiv steht, befunden haben mag. Wahrscheinlich ist das im Jahre 1874 niedergelegte altertümliche Haus, das sich zwischen dem Leinwand- Haus und der Stadtwage (beide 1874 abgerissen) befand, wenigstens in seinem unteren Teil die erste Frankfurter Synagoge gewesen- Jedenfalls trug dieser Platz bis dahin die Bezeichnung .An der Judenschule', woran sich noch die älteren Frankfurter erinnern können Dieses Gebäude hotte einen rechteckigen Erundnß. dessen längere Seiten sich von Süden nach Norden und dessen Schmalselten sich von Westen nach Osten erstreckten. Es ist anzunehmen, daß in dem Gebäude auch «ine Frauensynagoge, sowie Wohnungen für den Rabbiner, für den Vorsänger, für den Echuleklopper gewesen sind Rechts vom Haupleingang, der sich wohl gewaltige Toreinfahrt brittlr» «vrrocn «onnle Vermutlich hatte die Gemeinde den Bauplatj zu ihrer Synagoge von dem Kloster der Weißen Frauen erworben oder sie gar in einem diesem Kloster gehörigen Gebäude eingerichtet; wenigstens berichtet Kracauer. daß dieses Kloster von der Synagoge einen Zins erhoben hat.«) Lehrhäuser und Synagoge fielen tn der ersten Judenschlacht am 29. M«i 1S4I der Zerstörung anHeim. Unter den Erschlagenen befanden sich die drei Rabbiner und der Borbeter. Räch diesem unheilvollen Ereigni» bleibt die Gemeinde etwa 20 Jahre lang oerödet, wenn auch um 125S wieder einiger Zuzug vermutlich von Köln nach Frankfurt erfolgt- Vielleicht ist in den 70er Jahren de» 13. Jahrhunderts die Synagoge wieder aufgebaut worden, denn um 1S70 wird von einem Judenquartier und 128S Gemeinde ihre Synagoge und den Friedhof an Wiegand von Kolnhausen. um Schulde» zu bezahlen. In de? zweien J-de«. schl-cht, äs »4. J,!i 1S4S, «:rd fi: zerstört. Diesmal scheint die 1 Krae»uer, Innere Geschichte der Juden Frankfurts im 14. Jahrhundert S. 1! Gemeinde völlig ausgerottet worden zu sein. Wieder dauert e,! ein Jahrzehnt, di» sich eine Gemeinde neu gebildet hat Von 5 Dieser Zeit an berichten die Quellen nicht« Besonder» über die Synagoge. Sie hat wohl ein friedliche», ihrer Bestimmung als geistliches und geistiges Zentrum in der Gemeinde entsprechendes Dasein geführt, bis sie 1W Jahre später geschlossen worden und! in städtischen Besitz übergegangen ist. Um diese Zeit geschieht die! zwangsweise Uebersirdlung der Judengrmeinde in das Ghetto am! Wollgraben. Dort wird 1462 «ine neue Synagoge errichtet Ihr! Standort ist etwa schräg gegenüber der heutigen Hauvtsnnagoge. unweit der südlichen Ecke der heutigen Einhorngafse, frühe? .Judendrückchen' genannt, snzunch ncn. Dafür spricht die Bezeichnung der nächst dieser Gasse gelegenen Häuser .Borderschui" und .Hinter-schul', welche Ansang» de» t6 Jahrhunderls in der Judengasse existieren. Ihr Erbauer war Meister Heinrich'>. Diese Snnagoge ist wohl um I5LV. nachdem sil <>>» Jahre! lang dem religiösen Bedüifnis der Gemeinde genügt hatte.! durch einen Neubau ersekl worden, der nun auf die andere! Seite der Gasse an die Stelle der heutigen Hauptsnnagoge zu i stehen kam. Oie frühere Synagoge scheint von da ab zugleich > als Lehrhaus weiter bestanden zu habe». Der Neubau, zunächst ein aus einfachem Mauerwerk errichteter reiner Hallenbau. Halle einen rechteckigen Grundriß, dessen Längsachse, nach Nordosten < erichtet, etwa sechzig und dessen kürzere Breilscile etwa :».! Schuh maß (ein Schuh - etwa cm ), das Hallengeivölbe war etwa 33 Schuh hoch und von einem spikgirdligen Dach gekrönt, das Z auf der nach Osten weisenden Seite eine kleine Turmspitze trug.*'»! Die beiden Längsseiten und die der Gasse zugekehrte Front ließen j das Tageilicht durch je zwei große Doppelfenster in den Synagogenräum, während auf der Seite, wo der Thoraschrein stand, über! diesem drei kleinere Fenster angeordnet waren. Man betrat die > Synagoge durch einen großen Hos von rechts her. und zwar die > Münnersynagoge über einige nach unten führende Stufen, die höher gelegen- Frauensynaaoge, aegeniider dem Oraun Hakaudesch, I über eine nach oben führende Treppe. I» der Mitte des Haupt-! raumes befand sich der Alinemor. Die Synagoge diente nicht nur zu »ottesdienstlichen Veranstaltungen, sondern sie war auch der Ort, wo vor versammelter Gemeinde Eide in Prozessen abgenommen, der Bann über stras-! fällige Gemeindemitglieder orrhängt, die Erlasse der Obrigkeit bedanntgemacht, auch säumige Steuerzahler gemahnt, nicht selten sogar zum Ofsenbarungsrid herangezogen wurden Die Synagoge hat im Laufe ihres Bestehens manche bauliche Veränderung duichaemacht. Zunächst ist wohl der bisher als Frauensynagoge dienende erhöhte westliche Raum zur Männeri snnagoge hinzugenommen und auf der Nordseite ein» Fraueni snnagoge angebaut worden mit einem besonderen Zugang von! der Gasse aus. Diese neue Frauensynagoge war ein eigentüm-! liches Bauwerk. Im Grundriß etwa ebensolang wie die frühere! MännersynagoL?. aber nur Haid so breit, erstreckte sie sich über l>r?i Stockwerke derart, daß jeder Stock durch eine Zwischendecke völlig für sich abgeschloßen und von der Treppe durch eine Tür zugänglich war. Von außen her kam Licht dulch se zwei große Fenster in die einzelnen Abteilungen, die wieder mit dem eigentlichen Eqnagoaenraum nur durH kleine vergitterte Fensteclöcher in der früheren Außenmauer in Verbindung standen. Die Plätze tn der Synagoge waren größtenteils FamUienrigentum. sie bildeten ein Entgelt für Bauzuschüsse, die die einzelnen Besitzer der Gemeinde zum Bau der Synagoge geleistet Hutten In der Frauensqnagege waren die sogenannten Lochst»,« besonder» geschätzt; man 5 konnte von hier au» den gotte« dienstlichen Handlungen folgen.! was bei der Mehrzahl der Frau-nplä' » nicht möglich war. So geschah e» nicht selten, daß eine Braut »inen solchen Lochsiz ai» j Wulff uno Jung, Baudenkmäler in Franksurt G. Sttt. i Die hier vertretene Ansicht, daß die älteste Synngooe an der j Sülle, an der heule noch die Hauptsynagoge steht, erbaut wurde,! scheint mir nicht zuzutreffen. Krakau», Geschichte der Judenaafse. i erwähnt Hartmann Becker. Johann Heller und Ioh Snepper als j der .Juden bswemetster'. j —) Merian, Stadtplan a», dem 17. Jahrhundert.